Musk will Arbeitsbedingungen in Fremont selbst untersuchen

Wir hatten gestern über einen Tesla-Mitarbeiter berichtet, der sich über schlechte Arbeitsbedingungen in der Produktionsstätte in Fremont öffentlich beklagt hatte und damit einen medialen Aufschrei auslöste. Nun berichtet das Gadget-Blog Gizmodo, dass Elon Musk sich der Sache persönlich annehmen und in der Produktionsstätte eigene Nachforschungen machen will.

Über Twitter Direct Message soll Musk Gizmodo erklärt haben, dass er aktuell den Vorfällen selbst nachgeht. Er möchte die Ergebnisse seiner Untersuchung am Ende der Woche präsentieren. Musk gibt zu, dass die Produktion in Fremont bis vor einem Jahr „in einem schlechten Zustand“ und „nicht in der Lage zu skalieren“ war, man jedoch seither „große Fortschritte“ gemacht hat.

„Wenn es Bereiche gibt, wo ihr mitbekommt, dass es nicht gut läuft, würde ich mich über eine Rückmeldung dazu freuen“, soll Musk geschrieben haben. Die Absicht dieser Aussage ist sicherlich, dass Mitarbeiter offen mit Verbesserungsvorschlägen oder Kritik an ihre Vorgesetzte herantreten. Tesla wird auch vorgeworfen, mittels Verschwiegenheitsvereinbarungen die Mitarbeiter diesbezüglich mundtot zu machen.

Laut Musk wurden die Verschwiegenheitsvereinbarungen nur deshalb aufgesetzt, damit keine Informationen über noch nicht veröffentlichte Produkte den Medien zugespielt werden. „Davon ausgeschlossen sind ausdrücklich Arbeitsplatz, Gesundheit, Sicherheit oder Ähnliches“, erklärte Musk. Eine Kopie einer solchen Vereinbarung konnte Gizmodo bisher jedoch nicht auftreiben.

Musk fügte hinzu, dass die Vereinbarung „den UAW-Typ offenbar nicht davon abgehalten hat, seinen schwachsinnigen Beitrag [O-Ton: Bullshit] zu veröffentlichen.“ Hier attackiert Musk erneut den Mitarbeiter mit der Unterstellung, dieser würde von der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) bezahlt werden. Diese wies den Vorwurf jedoch bereits zurück.

  • cleeee

    Twitter Direct Massage? heißt das nicht eher Message? Das klingt komisch…

    • Hans Peter

      https://support.twitter.com/articles/14606

      Es heißt jedoch Message und nicht Massage, es sei den EM ist nun auch noch unter die Masseure gegangen. Da gibt es sicherlich auch noch Einsparungspotential mit dem Faktor 15-20 😉

    • Teslamag.de (TK)

      Danke für den Hinweis, war ein Tippfehler 🙂

  • Pamela

    Und schon wieder macht Elon alles richtig !

    Aber:
    „Wenn es Bereiche gibt, wo ihr mitbekommt, dass es nicht gut läuft, würde ich mich über eine Rückmeldung dazu freuen“
    ist das nicht der Standardspruch aller Geschäftsführer ? 😉

  • Skynet

    Es ist zwar schon eine Weile her, doch es hieß doch mal EM schläft in der Fabrik und kümmert sich direkt um die Produktion. Wieso bekommt er dann von diesen Problemen nichts mit oder hat sich dies mittlerweile geändert?

    Viel problematischer sehe ich die Level 1 und 2 Führungsriege. Entweder gibt’s die Probleme dann liegt es an ihnen diese abzustellen oder es gibt sie nicht und dann müsste dies gegenüber EM auch so sofort klargestellt werden. Wenn sich EM auf die nicht verlassen kann muss schnellstens was geändert werden!

    • Richard Müller

      Er steht doch da: „Musk gibt zu, dass die Produktion in Fremont bis vor einem Jahr „in einem schlechten Zustand““

      Er hat es also früher gesehen und behoben.

      • Skynet

        Es geht doch aber darum was aktuell ist und was an den aktuellen Vorwürfen dran ist. Wenn die damaligen Probleme gelöst wurden wäre es ja verständlich, dass er den Schlafsack eingepackt hat und sich auf sein Führungspersonal verlässt. Wenn er jetzt aber selber erneut kontrollieren muss, kann dort etwas nicht stimmen.

        • Nelkenduft / AHF

          Wer weiss wo der UAW-Mitarbeiter, der die Optimierungsvorschläge formulierte, im Werk gearbeitet hat und ob er überhaupt direkten Kontakt zu Musk hatte. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass Musk sinnvolle Vorschläge nicht direkt umsetzt.

    • Fritz!

      „Es ist zwar schon eine Weile her, doch es hieß doch mal EM schläft in
      der Fabrik und kümmert sich direkt um die Produktion. Wieso bekommt er
      dann von diesen Problemen nichts mit oder hat sich dies mittlerweile
      geändert?“

      Naja, der Laden ist ein wenig größer als Ihre oder meine Wohnung und hat, glaube ich, 9.000 Angestellte dort. Die kommen nicht alle jeden Morgen bei Elon Musk vorbei und stellen sich und ihre Probleme vor.

      Sie haben aber auch manchmal komische Vorstellungen von der Realität…

    • Pamela

      Aber dafür ist doch extra Peter Hochholdinger (ehem. AUDI) übern großen Teich gekommen als neuer Produktionschef
      http://teslamag.de/news/langjaehriger-audi-direktor-produktionschef-tesla-8667

      und der soll nicht optimiert und verbessert haben ?
      Also für mich bleibt erst mal die Aussage in Sachen Arbeitsbedingungen von Jose Moran das was sie ist: unbestätigt.

      Das Missverhältniss Lohn/Lebenshaltungskosten glaube ich indes. Das Problem haben die Mitarbeiter unserer führenden Automobilhersteller (noch!) nicht. Dafür aber schon sehr viele in anderen Branchen in unserem Land.

      • PV-Berlin

        Es steht jedem Mitarbeiter frei, sich beim Einzelhändler Nr. 1, bei McDoof & Co. anstellen zu lassen. Tesla hat eventuell auch noch eine Krankenversicherung am Start. 19 $ sind auch in der Region für eine unqualifizierten Bandarbeiter sehr gutes Geld. *bitte mal den Mindestlohn suchen.

        Dazu passt auch nicht, dass der sich über die Überstunden beschwert. Was gilt nun? Zu wenig Geld oder keinen Bock auf Arbeit!

        Die Gewerkschaften haben GM in die Pleite getrieben. Auch dazu findet sich eiiges im Netz. Die Produktivität der US Industrie ist in dem Segment unterirdisch, aber auch kein Wunder, da keine Berufsausbildung existiert und sämtlich alle Arbeiten nachkontrolliert werden müssen. BMW hat mehr als 3 Jahre benötigt, um ein akzeptables Qualitäts-Niveau zu erreichen, die Produktivität ist immer noch weit von München entfernt. (h je Auto) . Sie hätten also 36 Monate Praktikanten Geld erhalten müssen. Kaum vorstellbar, das Tesla bessere Mitarbeiter bekommt (Einfache Montage)

        • Pamela

          Das glaube ich alles sofort, lieber PV-Berlin. Ich habe regelmäßig mit unterschiedlichen amerikanischen Inspektoren zu tun und ernte jedesmal ein verzücktes Lächeln – weil sie hier Tatsachen sehen, die sie zu Hause selten sehen.

          Ich meine nur, das Problem mit den Lebenshaltungskosten, wenn sie um Freemont besonders hoch sind, muss man schon ernst nehmen. Wie ich schon schrieb, muss sich Tesla aber am Markt orientieren. Wenn das Unternehmen weiter wächst und noch erfolgreicher wird, könnten dann auch bei eingespielten Mitarbeitern die Löhne steigen.

        • ThomasJ

          „Die Gewerkschaften haben GM in die Pleite getrieben“
          Dabei waren GM mit dem EV1 ja mal Pioniere …. .
          Hab ich bis heute nicht gewusst
          https://de.wikipedia.org/wiki/General_Motors_EV1

  • ThomasJ

    EM ist ein getriebener seiner Jugend und seiner Visionen die er (zunehmend erfolgreich) umsetzt. Was er von sich abverlangt, verlangt er auch von seinen Mitarbeitenden. Da diese aber zwangsläufig andere Lebenseinstellungen und –ziele haben, sind Konflikte vorprogrammiert. Das gibt zwangsläufig
    Reibflächen.

    Der zitierte Mitarbeitende Jose Moran sagt ja: „“Ich bin stolz darauf, in einer Gruppe zu arbeiten, die grüne Autos für die breite Masse herstellt. Ich arbeite seit vier Jahren als Fertigungsmitarbeiter in Teslas Fabrik in Fremont und glaube, dass Tesla eine der innovativsten Firmen der Welt ist. Wir arbeiten enorm daran, das beste Auto der Welt herzustellen – nicht nur elektrisch, sondern überhaupt. Leider fühle ich mich oft so, als ob ich für eine Firma aus der Zukunft unter Bedingungen aus der Vergangenheit arbeite.“
    http://de.engadget.com/2017/02/10/tesla-fertigungsmitarbeiter-ruft-zur-organisation-auf/

    Welcher Teil dieser Aussage ist für die Zukunft dieses innovativen Autobauers entscheidend? 5 Dollar/Stunde mehr und die Welt ist in Ordnung? Oder doch noch zusätzlich die 35 Stunden/Woche dazu mit 7 Wochen bezahltem Urlaub mit Urlaubsgeld und … .

    Oder „freiwillig“ 5 Dollar weniger pro Stunde als bei der Konkurrenz verdienen, dafür hat man einen Job in einem zukunftssicheren Arbeitssegment mit Aufstiegsmöglichkeiten bei entsprechendem Einsatz. Dann wenn die anderen, bei besser bezahlenden Autobauer ihre Benziner an dem Meistbietenden verscherbeln, weil sie niemand mehr haben will, stehen diese
    Mitarbeitenden mit gutem Lohn plötzlich auf der Strasse.

    Und ja PV-Berlin, die Gewerkschaften haben GM in die Pleite getrieben!

    Da hab ich doch ein beinahe 2-jähriges deja vu:
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-05/tesla-elon-musk-spacex