Tesla Grohmann Automation: Einigung auf deutlich höhere Gehaltsstruktur und Jobgarantie bis 2022

Wie die Tageszeitung DIE WELT in ihrer Onlineausgabe berichtet, haben sich Tesla und die Arbeitnehmervertreter des deutschen Ablegers Tesla Grohmann Automation auf eine neue, deutlich höhere Gehaltsstruktur und eine Jobgarantie bis 2022 geeinigt. Verhandelt wurde bereits seit Frühjahr, damals drohte die Gewerkschaft sogar mit Streiks.

Obwohl Tesla Grohmann Automation erst Ende letzten Jahres kaufte, bemängelte die Gewerkschaft nur Monate darauf die untertarifliche Bezahlung, die jedoch bereits vor der Übernahme etwa 30 Prozent unter dem für die Branche üblichen Tarifvertrag lag. Tesla-CEO Elon Musk nahm sich der Sache persönlich an und versprach jeden Beschäftigten an der Eifel 150 Euro mehr Lohn im Monat, Tesla-Aktien im Wert von 10.000 US-Dollar und einen Sofort-Bonus in Höhe von 1.000 Euro in bar.

Den Mitarbeitern reichten diese Zusagen nicht, denn sie wurden zusätzlich dadurch verunsichert, dass Tesla sich zur gleichen Zeit kurzerhand von allen bisherigen Kunden trennte, darunter Volkswagen und BMW, und die Produktion nur noch für sich selbst beanspruchte. Dass zudem Firmengründer und bisheriger Chef Klaus Grohmann das Unternehmen verließ, obwohl es bei der Übernahme noch hieß, er würde seine Position behalten, sorgte ebenfalls für Verunsicherung.

Deutliche Gehaltserhöhung, aber kein Tarifvertrag

Betriebsratsvorsitzender von Tesla Grohmann Automation, Uwe Herzig, sagte gegenüber der WELT, dass man in „pragmatischen Gesprächen eine eigene Gehaltsstruktur erarbeitet“ habe. Man übernahm zwar nicht, wie eingangs gefordert, den Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie, doch das Tarifvniveau wird künftig etwa identisch sein und damit rund 30 Prozent über der bisherigen Gehaltsstruktur liegen. Die Vereinbarung gelte rückwirkend ab dem 1. Oktober.

In einer Stellungnahme gegenüber der Zeitung betonte eine Tesla-Pressesprecherin erneut, dass es sich nicht um einen Tarifvertrag handle: „Heute wurden die Mitarbeiter von Tesla Grohmann über Details der neuen Gehaltsstruktur informiert. Sie garantiert den Mitarbeitern einen fairen und konkurrenzfähigen Lohn.“ Auch die Ausbildungsvergütung werde angehoben, schreibt die Zeitung.

Für die örtliche IG Metall bleibt weiterhin ein echter Tarifvertrag das Ziel, doch zunächst müsse man „das sehr gute Verhandlungsergebnis“ des Betriebsrats anerkennen. „Der Druck hat gewirkt, Tesla ist vielen unserer Forderungen nachgekommen“, sagte Gewerkschaftssekretär Patrick Georg. „In Summe wird bei Tesla künftig auf Tarifniveau bezahlt.“

  • Matthias Knuth

    Dann erwarte ich jetzt mal die lobenden Kommentare von den Kritikern der Übernahmemitteilung aus diesem Forum. Ich mache den Anfang: Daumen hoch Tesla!

  • Skynet

    …doch das Tarifvniveau wird künftig etwa identisch sein…

    Warum hat Tesla vor der Gewerkschaft und dem Tarifvertrag Angst wenn am Ende das selbe rauskommt?

    • Ironman

      ich schätze eineTarifvertrag ist deutlich nachteiliger für Tesla, schließlich wird darin weit mehr geregelt als nur der Lohn oder das Gehalt.

      • Pamela

        So ein Tarifvertrag ist was „Tolles“ – denken sich gerade 5000 Airberliner.

        Oh, bevor ich gleich wieder „Turbokapitalisten im Forum“ lese:
        Tarifverträge sind nützlich aber manchmal nützen sie nichts.

        • Ironman

          wenn die Mitarbeiter die Wahl hätten – was meinst du würden sie bevorzugen? Einen Tarifvertrag oder das von Tesla vorgestellte Modell?

          Ein Tarifvertrag ist auch keine Jobgarantie, erst recht nicht für ein Unternehmen was Insolvenz gemeldet hat. Was glaubst du wie es den 5000 Airberlinern nun gehen würde ohne Tarifvertrag? garantiert nicht besser.
          Aber moment. Sie hätten ja nach dem Modell Tesla jetzt noch Aktienoptionen, die sie für 15cent/stück verkaufen könnten. Klasse oder?

          • Jossele

            Der Gedanke geht dahin, das bei geringen Lohnkosten die AirBerlin noch immer fliegen würde. Ob’s stimmt – keine Ahnung, geschadet hätt’s den Firmenfinanzen vermutlich nicht.
            Eine Umfrage unter den AirBerlinern wäre interessant ob sie nachträglich betrachtet lieber auf Hausnummer 10% vom Lohn verzichtet und dafür noch einen Arbeitgeber hätten oder ob sie’s gleich machen würden inkl. ungewissen Ausgang wer noch aller einen Job hat in ein paar Wochen.

          • Kyle Seven

            Aber sicher:

            Nein eurowings verdienen sie bis zu 40% weniger, wenn das keinen Ausschlag gibt, weiß ich nicht was sonst.

        • theBIGeasy

          Dann hoffen Wir mal, dass man für Grohmann einen Käufer findet, bevor Tesla in die Insolvenz geht. Dann bringt die Jobgarantie auch was.

          • Nelkenduft / AHF

            Wenn Grohmann so toll ist wie alle behaupten, dann sollten sich alle Autohersteller die Finger danach schlecken.

          • PV-Berlin

            Die Bilanz kann man einsehen. Fazit:

            unterirdisch für ein ‚erfolgreiches‘ Maschinenbauunternehmen.
            bei mir hätten die keinen Cent bekommen (Kredit)

          • Fritz!

            Da geht doch sicherlich vorher VW in die Insolvenz!

        • PV-Berlin

          Die reale Gesamtvergütung je Pilot, ist sicher in den letzten 10 Jahren um ca. 50% reduziert worden.

          Auch kein Wunder, wenn man die Nachfrage vor allem dadurch steigerte, in dem man die Ticketpreise dramatisch nach unten gedrückt hat.

          Am Boden, bzw. beim „restlichen“ Personal, sind es sicher auch ca. 50% Minus zu Mitte der 90 Jahre (Reale Löhne und Gehälter)

    • Kyle Seven

      Weil dann auch für die Zulunft die IGM mit Daimler Zulieferern aushandeln kann was Tesla dann zahlen muss

  • Thomas Otto

    ….. die jedoch bereits vor der Übernahme etwa 30 Prozent unter dem für die Branche üblichen Tarifvertrag lag…….
    Und dann kommt Tesla und den müssen wir erst mal zeigen wie beschissen das hier in Deutschland läuft mit den Gewerkschaften und Behörden damit Tesla gar nicht erst auf den Gedanken kommt weiter in Produktionsstätten in Deutschland zu investieren! Na vielen DANK!!! Wo waren denn die Vernichter der IG Metall als noch Klaus Grohmann Innhaber war?
    Macht mal so weiter dann wird Deutschland weiter ausbluten. Wacht mal auf und klebt nicht so an euren üppig bezahlten Stühlen der Gewerkschaften!

    • theBIGeasy

      Die IGMetall war schon länger an Grohmann dran. Nur hat Musk es durch sein sprunghaftes Verhalten (Grohmann kalt stellen, allen Kunden einseitig kündigen) geschafft den MA genug Angst vor der Zukunft zu machen, dass diese Hilfe und Unterstützung bei der IGM gesucht haben. Vor Tesla waren 25% für Tarifvertrag, seit Tesla dann etwa 50% und somit hätte die IGM dann auch Mandat gehabt.

      • Matthias Knuth

        Dann frage ich mich aber, wieviel Angst Grohmann den Mitarbeitern gemacht hat, dass nur 25% für einen Tarifvertrag waren.

        • theBIGeasy

          Anscheinend genug.

      • Graf

        Das beweist wieder wie wenig Hintergrundwissen Sie bei Ihren Kommentare haben, Die IGM war sofort an Ort und Stelle mit Mitgliederwerbung und Gehaltsforderungen bzw. Streikdrohung, noch bevor Musk irgend eine Entscheidung getroffen hatte. Wochenlang hat die IGM die schlechten Zustände und die zu geringen Löhne öffentlich angeprangert, Musk Plan schnell viele Mitarbeiter einzustellen wurden damit zunichte gemacht, wer will denn von der IGM kritisierten Firma schon arbeiten.
        Erst dann hat Musk die Notbremse gezogen und die Fremdaufträge gekündigt als er gesehen hat das ein schnelles Wachstum bei Grohmann nicht möglich ist.

    • Luganorenz

      Ja schön beschissen in Deutschland… saublöd dass sich die Arbeitnehmer in verschiedenen Betrieben nicht gegenseitig ausspielen lassen.
      Diese beschissenen Arbeitnehmer: Die wagen es doch tatsächlich, sich zu organisieren. Wäre doch viel besser, wenn wir „hire and fire“ hätten.
      Aber vielleicht sind ja anständig bezahlte Arbeitnehmer loyaler und produktiver?
      Kein Mensch hat EM gezwungen, Grohmann zu kaufen. Er hat es trotzdem getan, er zahlt – im Gegensatz zum ehemaligen Eigentümer – anständig

      • PV-Berlin

        30% Unter Tarifvertrag bedeutet ja nicht, das sie unbedingt 30% weniger bekommen haben. UND in realer Kaufkraft am Ort, haben sie ganz sicher mehr, als z.B. Metaller mit Tarifvertrag an Standorten wie München, Hamburg etc.

        Am Arsch der Welt ähnlich gute Gehälter zu bekommen wie wirklich gute Mitarbeiter an Standorten wie Berlin? Glückwunsch, dann hätte mein Sohn innerhalb ca. eines Jahres ein EFH zusammen (Brutto Lohn) in Berlin muss er nur „unwesentlich“ länger dafür arbeiten (10 Jahre)

        Und das alles in einem Unternehmen, welches eine überaus schwache Ertragslage hatte und keine ansehnliche Bilanzstruktur und auch keine sonderlich hohes Niveau des Anlagevermögens zu Mitarbeitern.

        Bei der Produktivität hinken die eher 50% hinter richtigen Unternehmen her.

        Aber was interessieren heute schon Fakten? Wie soll da jemand eine Chance haben, ein Unternehmen wettbewerbsfähig zu machen und aufzubauen, wenn er sofort Löhne und Gehälter zahlen soll, die im Kern nur überaus erfolgreiche Unternehmen zahlen können?

        • Luganorenz

          Ich kann leider keinen Zusammenhang zwischen Ihrem und meinem Post erkennen.
          Ich habe nur auf den Kommentar Herrn Ottos geantwortet, der die „beschissenen“ Verhältnisse in Deutschland zum Thema hat.
          Wer, wie EM in D investiert, weiss, worauf er sich einlässt.
          Und im europäischen Vergleich sind Arbeitnehmer und deren Vertreter in Betriebsräten und Gewerkschaften in D doch harmlos und pragmatisch.
          Klar versuchen die Amiklitschen wie Amazon das System zu torpedieren. Um so mehr muss man seinen Hut davor ziehen, dass Tesla hier eine für beide Seiten vertretbare Lösung gefunden hat.

  • theBIGeasy

    Selber=)

  • Ulathar

    Autsch!