Tesla Grohmann Automation: Gewerkschaft kritisiert untertarifliche Bezahlung

Wir hatten Ende letzten Jahres darüber berichtet, dass Tesla den deutschen Maschinenbauer Grohmann Engineering aufkaufte und in Tesla Grohmann Automation umbenannte. Tesla suchte zu der Zeit nach dem „besten Ingenieurstalent im Bereich automatisierte Produktionsprozesse“.

Nun berichtet der Südwestrundfunk, dass es einige Startprobleme beim Unternehmen gibt. Unter anderem kritisiert die Gewerkschaft IG Metall, dass Tesla Grohmann Automation zu schlecht zahle. Wie es heißt, soll das Unternehmen 25 Prozent weniger als andere Firmen zahlen. Allein in den letzten Wochen sollen deshalb fast 100 Mitarbeiter Mitglied in der Gewerkschaft geworden sein.

Von den rund 670 Mitarbeitern ist nun mehr als die Hälfte der Belegschaft gewerkschaftlich organisiert. In einer Versammlung am Freitag sagte das Unternehmen eine Lohnerhöhung um 150 Euro monatlich zu. Das reicht der Gewerkschaft jedoch nicht. Ziel ist es, für alle Mitarbeiter einen Tarifvertrag auszuhandeln. Bereits vor vier Wochen hat man dies in einem ersten Brief thematisiert.

Mit der Übernahme im Januar hat Tesla zeitgleich verkündet, 350 neue Jobs am Unternehmensstandort in Prüm zu schaffen. Bisher sind laut Gewerkschaft jedoch gerade einmal sieben neue Mitarbeiter eingestellt worden. Offenbar will die Jobs niemand haben, sagen Mitarbeiter des Unternehmens. Dass man keine neuen Mitarbeiter findet, liegt laut IG Metall eindeutig am Geld.

Firmengründer Klaus Grohmann nicht mehr dabei

Die Belegschaft des Unternehmens erfuhr zudem in der Versammlung am vergangenen Freitag, dass der Gründer und bisherige Chef des Unternehmens, Klaus Grohmann, sich zum Ausstieg entschieden habe. Das teilte Teslas Technikvorstand J. B. Straubel mit, der am Freitag das Werk in Prüm besuchte. Gründe für den Ausstieg nannte er jedoch nicht.

Auch wenn Klaus Grohmann das Unternehmen vor über 50 Jahren gründete, hieß es bei der Übernahme durch Tesla noch, dass er seine Position im Unternehmen beibehalten werde. Jetzt wissen wir jedoch (via Volksfreund), dass auf den 74-Jährigen nun Lothar Thommes folgt, der bisherige Vertriebschef für den Automobilsektor.

  • Marian Finkbeiner

    Gewerkschaften…wie immer der Segen eines jeden Unternehmens.
    /s

  • KingArtus

    ich habe mich mal mit dem Unternehmen beschäftigt, dachte ich bewerbe mich mal… mein Problem war nicht das Geld, weil soweit kam es nicht, zu wissen was die Zahlen..
    Mich schreckte die Bewertung des Unternehmens ab. also wie ehemalige Mitarbeiter und oder aktuelle, dieses Unternehmen bewerten..

    die Bewertung fällt gigantisch schlecht aus

  • Skynet

    Ich denke Tesla hat die Situation in Deutschland ein stückweit unterschätzt. Wenn man sich mal die Stellenausschreibungen anschaut werden überwiegend Ingenieure / Programmierer / Elektriker mit min. 5 Jahre Berufserfahrung gesucht. Die wachsen eben nicht auf Bäumen und selbst bei Tariflohn wird sich so mancher in ungekündigter Stellung überlegen ob seine Zukunft nun ausgerechnet in Prüm weitab von Großstädten liegt.

    Dazu durfte ich selber schon mehrfach erfahren, dass eine Erwartungshaltung ggf. auch nur zeitlich begrenzt auf „Montage“ oder gar ins Ausland zu gehen, bei vielen Bewerbern nicht vorhanden ist. Oder aber es werden daran exorbitante Gehaltsvorstellungen festgemacht. Gerade ein Mittelständler kann sich nicht erlauben sein Gehaltsgefüge dadurch durcheinander zu bringen.

    Wesentlich gravierender sehe ich da schon den Fakt das sich der Firmengründer offensichtlich ohne Begründung sofort zurückgezogen hat. Das bringt Unsicherheit in die Belegschaft und ist immer schlecht für den Kontakt zu den bisherigen Kunden. Die werden es sich dann dreimal überlegen, ob sie noch Folgeaufträge vergeben. Was man so hört sind das dann immer noch 2/3 des Umsatzes.

  • Jakob

    Die entscheidende Frage ist, welche Zustände und welche Zahlen gab es denn vor der Übernahme? Waren die alle vorher super glücklich und top bezahlt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Tesla bei der Übernahme erstmal alle Löhne um 25% gedrückt hat. In der Regel werden die so belassen, oder sogar gesteigert.

    • EinGrohmannEngineer

      Nein, die Löhne waren vor der Übernahme schon katastrophal.

      • Pamela

        Danke für die Aufklärung. 🙂
        Für gute Arbeit – gute Bezahlung, keine Frage. Ich wünsche Ihnen, dass das besser wird.

        Die Grohmann-Kunden haben also in der Vergangenheit kein Problem mit der Lohnpolitik dieses Unternehmens gehabt ? Oder vielleicht hatten sie ja selber einen Anteil daran gehabt ? Billiger, billiger !
        Dann erscheint das Geschrei nach der Übernahme durch Tesla durchaus heuchlerisch !
        s.
        https://uploads.disquscdn.com/images/5e5af89e1c423c1c0c976f44cbd6da0f49d2285b0515f2e7716bbdf16e1c0a51.png http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/pruem/aktuell/Heute-in-der-Pruemer-Zeitung-Tesla-Technikchef-zu-Besuch-in-Pruem-Sie-haetten-da-ein-paar-Vorschlaege;art8111,4621110

        • EinGrohmannEngineer

          Ich glaube da hat, außer den schlecht bezahlten Mitarbeitern, in der Vergangenheit niemand ein Problem mit gehabt.
          Das früher darüber kein Geschrei gemacht wurde liegt glaube ich daran, dass wir früher „nur“ Zulieferer für die Automobilbranche waren und jetzt durch die Übernahme durch Tesla mehr oder weniger „Konkurrenz“ sind und mehr oder weniger selber zur „Automobilbranche“ gehören.
          Zudem war der Anteil der Mitarbeiter die Mitglied in der IG-Metall sind vor der Übernahme schwindend gering.

          • Pamela

            Nun, dann erscheint das jetzt plötzliche Engagement der IG-Metall in einem komischen Licht. Bisher waren die Löhne der Mitarbeiter nicht so wichtig, jetzt heißt es der neuen Konkurrenz der deutschen Atomobilindustrie kräftig einzuheizen.
            Tesla geht bei den Löhnen gleich mit einem Zuwachs von 1,2 Mio ran – das ist sicher noch nicht gerecht, aber vor der Übernahme hatte man logischer Weise die bisherigen Bilanzen zugrundegelegt.

            Vielleicht gelingt es den Mitarbeitern und Tesla langsam zusammenzuwachsen. Ich fänd es nicht gerecht, wenn jetzt ein von außen angezettelter Arbeitskampf (aus welchen Gründen auch immer) die neuen Chancen zerstört. Für die Zukunft alles Gute !

          • greenbrake

            Ich spiele im Moment mit dem Gedanken mich zu bewerben als Maschinenbauer. Sind Sie aktuell noch bei Grohmann beschäftigt ?

          • EinGrohmannEngineer

            Ja, aktuell noch beschäftigt.

          • greenbrake

            Kann man Sie vielleicht irgendwie per E-Mail, Skype usw. kontaktieren für ein paar Fragen ? (Können mir auch gerne auf greenbrake@gmail.com schreiben)

  • Melone

    Siehe https://www.kununu.com/de/grohmann-engineering/kommentare
    Das klingt teils wirklich haarsträubend. Zwar sind solche Bewertungen bei Mittelständlern nicht immer aussagekräftig (allein aufgrund der kleinen Menge), aber zusammen mit den aktuellen Berichten verwundert es nicht allzu sehr, dass Grohmann da kaum Mitarbeiter findet, das Gesamtpaket wirkt zu Zeiten des Mangels an Fachkräften in dem Bereich doch eher abschreckend – Abgelegene Lage des Unternehmens, schlechte Bewertungen, mäßige Bezahlung, die Website wirkt momentan auch nicht besonders einladend, unsichere Zukunft (Übernahme, der plötzliche Abgang des Chefs) gepaart mit der fordernden und amerikanisch geprägten Betriebskultur Teslas. Mal sehen, wie es da weitergeht.

    • Nelkenduft / AHF

      Da fragt man sich was für elendige Versager die Konkurrenten sein müssen, wenn selbst so eine Firma die großen der Branche beliefert.

      • Melone

        Findet man öfters mal, dass es bei Firmen, die gute Produkte liefern, hinter den Kulissen nicht so rund läuft (von Tesla selbst hört man ja auch so einiges). Kann aber auch sein, dass sich Grohmann in dieser Hinsicht schlicht schlecht vermarktet. Sie scheinen es ja (bisher) nicht nötig zu haben, die Geschäfte laufen.

    • Reinhold

      11 Antworten sind mal so gar nicht repräsentativ!! Die Zufriedenen sehen keinen Anlass überhaupt eine Bewertung abzugeben, das heißt man kann sich das echt schenken.

  • Skynet

    Es gibt Neues, was wohl klar macht, wieso der Firmengründer das Handtuch geworfen hat. Bei allem Verständnis für Tesla wirft kein Mittelständler seinen über Jahrzehnte aufgebauten profitablen Kundenstamm einfach weg und setzt alles ausschließlich auf eine Karte. Dazu 40 Stunden Woche mit weniger Gehalt als bei 35 Stunden und das ganze in der tiefsten Provinz. Die Sorgen der Mitarbeiter sind wohl berechtigt und nicht unbedingt motivierend.

    http://www.swr.de/swraktuell/rp/trier/neuausrichtung-bei-maschinenbauer-in-pruem-tesla-und-sonst-niemand/-/id=1672/did=19329730/nid=1672/1fvyb3y/index.html

    • Melone

      Das ist natürlich heftig, vor allem, mit welcher Geschwindigkeit es vonstatten geht. Aber es passt ja zu Tesla, auf volles Risiko zu gehen. Bleibt für die Mitarbeiter nur zu hoffen, dass die Wette aufgeht.

  • Graf

    Das ist schon eine große Schande der Gewerkschaft , seit einer Woche reden sie Grohmann schlecht , prangern Missstände an und ziehen Vergleiche dieser Mittelständischen Firma mit 670 Mitarbeitern zu den Autokonzernen mit über Hunderttausend Mitarbeitern.
    Wo war die Gewerkschaft all die Jahre ? jetzt wollen sie in einer Woche alle Mitarbeiter aufstacheln und drohen schon mit Arbeitskampf.
    Laut Gewerkschaft zahlt Volvo 25 % mehr Lohn ! doch Leiharbeiter sind nicht mit eingerechnet und die gibt es in der Regel sehr viele wie bei allen anderen Herstellern, Mittelständische Firmen haben dagegen in der Regel kaum Leiharbeiter.
    Tesla hat sicher nicht damit gerechnet das die Gewerkschaft so massiv bei Grohmann eingreift und kann den Firmenausbau nicht so schnell realisieren, als Folge trennt er sich von allen Kunden um die benötigten Kapazitäten für Tesla zu sichern.

    • Harald Schattauer

      Nach der Übernahme von Tesla ist Grohmann keine Mittelständische Firma mehr, sondern Teil eines Weltweiten Konzerns (Autokonzern) In Deutschland kenne ich keinen Autokonzern, der seine Angestellten und Leiharbeiter nicht nach Tarif bezahlt. Selbst die Modernen Sklaven (Leiharbeiter) verdienen, wenn sie Facharbeiter im IG Metall-Tarif sind, richtig gutes Geld.
      https://www.igmetall.de/docs_20170301_2017_03_01_Leiharbeit_Branchenzuschlaege_Tabellenrechnung_M_rz_2017_M__2683b88029fd7f63d0001134e93b4ab04043e440.PDF

      Grohmann war vor der Übernahme durch Tesla nur ein Zulieferer für die Automobilindustrie. Diese Zulieferer, besonders die für Autoteile, werden von den Autoherstellern schlecht bezahlt. Daher zahlen viele von den Zulieferfirmen Ihren Angestellten kein Tarif-Gehalt.
      Da Tarif gebundene Leiharbeiter sogar teurer sein könne als fest Angestellte, gehen viele Firmen dazu über Werksverträge für „Leistungen“ abzuschließen. Diese „Leistungen“ werden dann von Firmen ausgeführt, die Ihre Mitarbeiter zum Teil nur mit einem Hungerlohn abspeist.

  • User

    Schön, das manch einer hier im Forum die Rolle der IG Metall in dieser
    ganzen Geschichte korrekt einzuschätzen weiß. Vor der Übernahme hat sich
    die Gewerkschaft einen Sch… für die Firma interessiert. Jetzt
    plötzlich dieses enorme Interesse, inklusive die schlechten Presse mit
    völlig übertriebenen Schlagwörtern wie Dumpinglöhne etc. Die Löhne im
    Unternehmen sind regionstypisch und für hochquialifizierte Facharbeiter
    sogar übertarieflich. Warum hat das Unternehmen sonst hunderte
    Mitarbeiter, welche seit Jahrzehnten dem Unternehmen treu geblieben
    sind? Bei Unterbezahlung wäre das nicht der Fall. Es wird ja niemand
    gezwungen hier zu arbeiten. Von den super Interessaten Projekten in der
    Vergangenheit (BMW, Daimler, VW etc.) und den spannenden Aufgaben der
    Zukunft (Tesla) ganz zu schweigen. Wem nützt nun die ganze
    Neagtivpresse? Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

    • Harald Schattauer

      „Vor der Übernahme hat sich
      die Gewerkschaft einen Sch… für die Firma interessiert.“

      Da bin ich ganz Ihrer Meinung

      Der IG Metall geht es um Werbung und auch die Presse übertreibt sehr oft.
      Auch Ihre Identifikation mit der Firma finde ich sehr Positiv.

      Ich weiß nicht wie hoch der regionstypische Lohn ist. Doch wenn der regionstypische Lohn unterhalb des Tarif-Lohn oder des Lohn der Mitbewerber liegt, ist es schwer neue Facharbeiter aus höher bezahlten Regionen zu bekommen.
      Langfristig kann man das nur mit massiven regionalen Ausbildungsprogrammen lösen.

  • c j
  • c j

    Wer diese Behauptungen aufstellt, arbeitet ja sicher in unserer Geschäftsleitung. Von da kamen diese Sprüche all die Jahre.
    IG-METALL ist schon mehrere Jahre in unserem Unternehmen aktiv. Leider hat aber die Geschäftsleitung alles getan, dass es nie zu einer Mehrheit der Mitglieder kam, die natürlich von Nöten ist etwas zu bewegen. Und die Ungewissheit und die Angst hat dies nun geändert.
    Hat die IG-METALL z.B. Daimler und BMW geschadet? Nein!!! Premiumhersteller. So wie Tesla es auch werden will.

    In Sichtweite unserer Firma baut eine Tarifgebundene Firma ihren Betrieb aus. Dort sollen 400 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Wer möchte wetten, wer schneller Mitarbeiter findet? Auch aus unseren Reihen haben einige dort schon Bewerbungen laufen.

    -regionstypisch? 3 Betriebe mit Tarifgebunden. Entfernung ca. 2km Luftlinie. z.B. Stihl
    -übertariflich? Diese Facharbeiter will ich sehen. evtl. einige die aber in übergeordneten Ebenen sitzen.

    Es sagt niemand, alle verdienen schlecht. Die Unterschiede sind einfach zu gross bei gleicher oder oft besserer Leistung. Nasenfaktor halt. Und ökonomisch gesehen, wie sinnvoll ist es, wenn ein Arbeiter nach einer Lohnerhöhung fragt und als Antwort hört, er solle mehr Überstunden machen, dann hätte er mehr.

    Aber nochmal, Tarifvertrag ist uns wichtig damit wir für eine festgeschriebene Zeit einen sicheren Arbeitsplatz haben. Und diese Sicherheit bietet nur ein Tarifvertrag. So ungefähr sehen die Prioritäten aus.

    1. Standortsicherungsvertrag
    2. Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen
    3. Zusicherung der Beschäftigtenzahl
    4. 35 Std. Woche (bei Bedarf auch mehr falls dies zeitlich begrenzt von nöten ist)
    5. Arbeitsplatzbeschreibung
    6. stufenweise Anhebung auf Tariflohn in den nächsten Jahren

  • Karsten Jung