Tesla möchte eigene Autoversicherung auch außerhalb von Australien und Hongkong anbieten

Wir haben Ende August darüber berichtet, dass Tesla in Australien und Hongkong unter dem Namen InsureMyTesla eine eigene Autoversicherung anbietet. Dafür geht Tesla Partnerschaften mit Versicherungsgesellschaften ein, z.B. mit AXA in Hongkong, um den Kunden einen auf ihr Fahrzeug zugeschnittenes Angebot zu machen, welches auf die besonderen Merkmale eines Tesla eingeht.

Tesla-CEO Elon Musk und John McNeill, Teslas Verantwortlicher für den weltweiten Absatz, haben nun im letzten Conference Call bestätigt (via Electrek), dass man dieses Angebot auch außerhalb der beiden genannten Märkte anbieten möchte. Dabei soll sich die Versicherungsrate dem Fortschritt des Autopiloten anpassen, also sinken, da auch die Unfallwahrscheinlichkeit sinkt.

Die US-Verkehrsaufsichtsbehörde NHTSA hatte in einem im Januar veröffentlichten Untersuchungsbericht bestätigt, dass die Lenkautomatik von Tesla seit der Einführung das Unfallrisiko um 40 Prozent reduziert hat. Elon Musk ging einen Schritt weiter und erklärte, dass man das Ziel habe, mit dem verbesserten Autopiloten das Unfallrisiko gar um 90 Prozent zu reduzieren.

Morgan Stanley-Analyst Adam Jonas fragte beim Conference Call – nicht wissend, dass Tesla so etwas bereits anbietet -, ob man vorhabe, eine eigene Autoversicherung anzubieten, wenn die herkömmlichen Versicherungsgesellschaften das verringerte Unfallrisiko durch den Autopiloten nicht angemessen in ihrer Kalkulation der Versicherungsrate einberechnen.

John McNeill antwortete:

Tatsächlich tun wir dies bereits. Wir haben es eher still und leise gemacht, aber beispielsweise in Asien, wo wir das Ganze gestartet haben, verkaufen wir die meisten Fahrzeuge mit entsprechender Versicherung, welche auf einen Tesla zugeschnitten ist und dabei nicht nur die Sicherheitsfunktionen des Autopiloten mit einbezieht, sondern auch die Instandhaltungskosten des Fahrzeugs. Es ist unsere Vision für die Zukunft, dass wir all das unter einen Preis verkaufen, das Auto, die Instandhaltung und die Versicherung, bei einem ziemlich verlockendem Angebot für den Kunden – und wir tun das bereits schon heute.

Musk fügte hinzu, dass man die Versicherung auch eigenständig anbieten könnte, ohne eine Partnerschaft mit einer Versicherungsgesellschaft einzugehen. Dies würde jedoch nur nötig werden, wenn diese in ihrer Kalkulation das verringerte Unfallrisiko nicht einberechnen. Er glaubt jedoch, dass auch die Versicherungen das verringerte Unfallrisiko eines Tesla mit einbeziehen werden.

  • Jens B. H.

    Habe ich schonmal erwähnt, dass ich Tesla liebe?

    • Fritz!

      Lieben finde ich jetzt für mich ein wenig übertrieben, aber die machen einfach alles richtig!

      So, wie ich es von einem verantwortungsvoll handelnden Menschen auch erwarten würde. Im Moment das genaue Gegenteil zu VW und den Betrüger-Konsorten.

    • MRd74

      Sicher mehr als unwissende Analysten.

  • Nelkenduft / AHF

    Dieser Adam Jonas ist echt ein Komiker vor dem Herrn. Er ist absolut uninformiert, aber wagt die kühnsten Prognosen in Detailbereichen von denen er noch viel weniger Ahnung hat als von Versicherungen.

    Davon abgesehen freue ich mich aber auf so ein Angebot, würde meinen Tesla sofort da versichern, selbst wenn es woanders noch ein paar Prozent günstiger wäre.

  • theBIGeasy

    @TK. Korrektur nötig?
    „Die US-Verkehrsaufsichtsbehörde NHTSA hatte in einem im Januar veröffentlichten Untersuchungsbericht bestätigt, dass die Lenkautomatik von Tesla seit der Einführung das Unfallrisiko um 40 Prozent reduziert hat.“
    Das wurde schon im letzten Artikel hierzu falsch berichtet. Lediglich die Anzahl der Auffahrunfälle wurde um 40% reduziert. Zitat: „IIHS research shows that AEB systems meeting the commitment would reduce rear-end crashes by 40 percent.“
    AEB ist auch nicht die Lenkautomatik sondern der Bremsassistent.

    • Teslamag.de (TK)

      Ne, passt schon so. Aus dem Bericht:

      „ODI analyzed mileage and airbag deployment data supplied by Tesla for all MY 2014 through 2016 Model S and 2016 Model X vehicles equipped with the Autopilot Technology Package, either installed in the vehicle when sold or through an OTA update, to calculate crash rates by miles travelled prior to and after Autopilot installation.
      Figure 11 shows the rates calculated by ODI for airbag deployment crashes in the subject Tesla vehicles before and after Autosteer installation. The data show that the Tesla vehicles crash rate dropped by almost 40 percent after Autosteer installation.“

      Die entsprechende Grafik (Figure 11) ist zusätzlich im verlinken Artikel eingefügt.

  • McGybrush

    Steigerungsform im Duden ab 2017:
    Vertikal, vertikaler, am vertikalsten, Tesla…

  • Klaus Dõring

    Ich hätte nichts dagegen, bei einem All Inclusive Paket. Wenn alles zu einem vernümftigen Preis zu haben ist.

  • eCar-Fan und TESLA-Fahrer

    Eine eigene Versicherung ist genauso konsequent und logisch, wie eine eigene Finanzierungs- und Leasingsbank. Große Autokonzerne haben das schon z. T. seit Jahrzehnten und verdienen ganz nebenbei nicht wenig damit!

    Wenn auch wir Kunden davon profitieren, ist das die klassische Win-Win-Situation!

  • PV-Berlin

    Bis jetzt vermittelt er ja nur Verträge (Gruppenvertrag) als eigenständige Versicherer muss er eine Rückversicherer haben, die beurteilen dann seine Aussagen etwas genaue, als die Gartenzwerge irgendwelcher Behörden. Denn die haften im Extremfall bis 100.000.000 € je Schaden. Zumindest in der EU ist dem so. Da müsste Tesla zuerst nachweisen, dass sie solche Schäden überhaupt decken könnten. Gar keine Chance. Das könne nicht mal VW, Daimler oder BMW.

    Klingt gut! Ist aber nur Vertriebsgewäsch. Wobei die Vertriebskosten schon einen beträchtliche Teil der Erstversicherung ausmachen. Da Tesla viel zu viel in den eigenen Vertrieb steckt, könnte dies ein Mittel sein, die laufenden Kosten zu verdienen, die ja offensichtlich nicht verdient werden.

    • ThomasJ

      Wenn sich mit dem (obligatorisch) eingeschalteten Autopiloten das Unfallrisiko um 90% reduzieren lässt, dann ist das Schadensrisiko im Verhältnis zu den Versicherten in einem Extremfall auch tiefer. Das zu berechnen haben die Versicherungen (oder eben InsureMy Tesla) ihre Mathematik zur Risikoeinschätzung. Und dann gäbe es da auch noch die Rückversicherungen die auch mit diesem verminderten Risiko rechnen werden.

      VW, Daimler und Benz können dieses Versicherungsgeschäft auch als Grosse in der Auto-Branche nicht anbieten, weil sie den Autopiloten für die Risikominderung (noch) nicht in der ausgereiften Form haben, in der Tesla in zunehmend anbietet. Wenn dem dann so ist, werden sie bestimmt auch einen Teil dieses Kuchens für sich beanspruchen wollen. Das wäre dann ein klassisches Beispiel einen Marktverschiebung.

      • Jörg

        Ich glaube, TESLA hat hier eine sehr feine, risikoarme Versicherungskundschaft. Außerdem hat TESLA über die Kfz-Datenerfassung Echtzeitdaten, über die sich jeder Versicherer freuen würde (die Datenschützer wohl eher nicht).

        Die TESLA-Fahrer sind wohl eher so zu beschreiben:
        + das Auto ist häufiger ein Zweitwagen mit wenigen Jahres-km
        + auf Langstrecke wird das Fahrzeug eher im unteren Geschwindigkeitsbereich bewegt (keine „Linke-Spur-Hochgeschwindigkeitsfahrer“)
        + auf Langstrecke wird nach max. 300km (?) eine, Auto und Fahrer „auffrischende“, Zwangs-Lade-Pause eingelegt (keine übermüdeten Fahrer)
        + die eingebaute Technik („Autopilot“) vermeidet eventuell die eine oder andere Unfallsituation (Einhaltung Höchstgeschwindigkeit, automatische Notfallbremsung, automatische Spurhaltung, Einhaltung Abstand …)
        + Unfälle auf Grund technischem Verschleiß sind eventuell geringer als bei Verbrennern
        + das Durchschnittsalter der Flotte ist sehr gering
        + die Echtzeitdatenerfassung diszipliniert den Fahrer

    • Jörg

      „… Da müsste Tesla erstmal nachweisen, dass sie solche Schäden überhaupt decken können. Gar keine Chance. Das können nicht mal VW, Daimler oder BMW…“

      Und ich dachte immer, die Volkswagen Autoversicherungs AG (und die anderen beiden auch) hätte eine Versicherungslizens und würden in der Kfz.-Haftpflicht regelmäßig die Versicherungssumme von 100 Mio EUR anbieten …

      • PV-Berlin

        Denken kann man viel, man sollte es mal mit dem Informieren versuchen. Die VW Versicherung hat sich das Geschäft Rückversichert. Punkt.

        • Jörg

          Ja, natürlich. So, wie alle Versicherer von „A“ wie Allianz bis „Z“ wie Zurich sich sowohl ihre obligatorischen als auch ihr fakultativen Risiken mehr oder weniger rückversichern. Der eine oder andere Erstversicherer betreibt sogar eigene Rückversicherungsgesellschaften (s. z.B. „Allianz Re“).

          Wenn TESLA in diesen Markt einsteigen möchte, so ist dies (für die Unternehmensgröße von TESLA) mit einem überschaubaren Aufwand möglich. Ob TESLA dann damit Geld verdienen wird, sei mal dahingestellt.

          Über ihr Garantiegeschäft hat TESLA ja schon einen Fuß in der Tür.

          In der Bündelung von spezieller Kunden-/Fahrzeuggruppe + Instandhaltungsservice im eigenen System + eigene Versicherung (natürlich rückgedeckt) kann das ganze auch kaufmännisch sinnvoll sein.

          Ein einfacher Einstieg könnte die Gründung einer Niederlassung in Deutschland einer dann sonstwo sitzenden „TESLA-Versicherung“ sein.

          (Insofern, lieber PV-Berlin, habe ich über das Thema nicht nur nachgedacht sondern auch auf die eine oder andere Information zurückgegriffen.)