Tesla Motors veröffentlicht Quartalsbericht für das Q3 2015

Wie bereits Ende Oktober angekündigt, hat Tesla Motors am gestrigen Abend den Quartalsbericht für das 3. Quartal 2015 veröffentlicht. Schon zuvor haben die Kalifornier bekannt gegeben, dass man im vergangenen Quartal insgesamt 11.580 Fahrzeuge ausgeliefert hatte. Diese Zahl ist im finalen Bericht noch einmal auf 11.603 Fahrzeuge nach oben korrigiert worden.

Nachfrage durch Model X und Autopilot gestiegen

Im 3. Quartal sind die Bestellungen für das Tesla Model S im Vorjahresvergleich um 50 Prozent angestiegen. Zusätzlich sind sie in Nordamerika, Europa und Asien stärker angestiegen, als noch im 2. Quartal dieses Jahres. Gerade in China verzeichnet man eine stark gestiegene Nachfrage, die auf zwei Neueröffnungen sowie auf Gesetzesänderungen in einigen Städten zurückzuführen ist.

Es heißt, dass es in Peking und anderen Städten für Tesla-Kunden nun möglich ist, die strikten Lizenzierungsregeln zu umgehen. Zuletzt berichteten wir darüber, dass man in Shenzhen spezielle Nummernschilder erhalten konnte, wofür sich auch Tesla Motors qualifizierte. Womöglich gibt es ähnliche Vorteile auch in anderen Städten, um der Luftverschmutzung entgegen zu wirken.

Da China laut Tesla Motors mittlerweile zu den Hauptabsatzmärkten des Herstellers gehört, erhofft man sich mit der Eröffnung weiterer Tesla Stores eine stetig steigende Nachfrage. Von Januar bis September dieses Jahres wurden in China 3.025 Model S abgesetzt. Mit dem Tesla Model X und den eingebauten Biowaffen-Verteidigungsmodus könnte sich der Absatz noch schneller erhöhen.

Interessanterweise erklärt Tesla Motors, dass die Reservierungen der Model X Signature Series deutlich schneller in tatsächliche Bestellungen umgewandelt werden, als man es mit den ersten Reservierungen des Model S gesehen hat. Seit der Vorstellung des Model X haben die Bestellungen jedoch für beide Fahrzeuge – Model S und X – stark zugenommen.

Obwohl man eine ähnliche Kannibalisierung zwischen Model X und Model S wie bei der Einführung des Model S 70D vermutete – welche sich übrigens auch bewahrheitet hat – gibt es zwischen dem elektrischen SUV und der Limousine laut Tesla Motors kaum bis gar keinen solchen Effekt zu verbuchen. Mit dem Model X werden also doch unterschiedliche Zielgruppen angesprochen.

Bezüglich der kürzlich veröffentlichten Autopilot-Software, welche mittlerweile von rund 40.000 Model S- und Model X-Fahrern genutzt wird, heißt es, dass man seit der Veröffentlichung der Software von Interessenten einen solchen Ansturm auf Testfahrten erlebt hat, dass man sich nun als erster Hersteller entschieden hat, die Terminvergabe über ein Online-Formular zu ermöglichen.

Tesla Energy: Produktion in der Gigafactory bereits gestartet

Dass die Tesla Powerwall in Fremont bereits gefertigt und an erste Kunden übergeben wurde, ist keine Neuigkeit mehr. Bisher jedoch nicht bekannt, ist die Tatsache, dass Tesla Motors bereits seit dem 4. Quartal in der Gigafactory die Batteriespeicher – Powerwall und Powerpack – für Tesla Energy produziert. Zuletzt sprach man hier von geschätzten 100.000 Vorbestellungen.

Die Produktion der Batteriespeicher findet auf einer automatisierten Produktionsstraße statt, wobei die Auslieferung der dort gefertigten Produkte erst im 1. Quartal 2016 erfolgen soll. Man sieht die Nachfrage im Bereich solcher Speicher als sehr hoch an, insbesondere in Ländern wie Australien, Deutschland oder Südafrika. Aus diesem Grund will man in Tesla Energy verstärkt investieren.

Weitere Märkte für Batteriespeicher seien Indien, wo die Regierung verstärkt in solche Projekte investieren will, als auch Hawaii, wo es kürzlich neue Tarifstrukturen für die Einspeisung von selbst erzeugtem Strom gab, die solche Speicher lukrativ machen. Insgesamt erwartet man weltweit ab 2016 eine deutlich steigende Nachfrage nach Batteriespeichern, die Tesla Energy zugute kommt.

Obwohl erste Batteriespeicher produziert werden, gibt es in der Gigafactory zurzeit noch keine Zellproduktion. Erste Zellen sollen Ende 2016 produziert werden, also mehrere Quartale vor dem, was man bisher geplant hatte. Dafür hat man unter anderem Verträge mit zwei Zulieferern von Lithiumhydroxid geschlossen. Diese wären Bacanora Minerals Ltd. und Rare Earth Minerals.

Ergebnisse des 3. Quartals

Tesla Motors hat im 3. Quartal einen Umsatz von 1,24 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Dies entspricht einer Steigerung von 33 Prozent im Vergleich zum gleichen Quartal im Vorjahr. Die Bruttomarge lag dabei bei 25,1 Prozent, wobei sie im Kerngeschäft mit einem Umsatz von 1,16 Milliarden US-Dollar (Vergleich Q2: 1,12 Milliarden US-Dollar) bei 23,7 Prozent lag (Q2: 23,9).

Zwar haben sich in Nordamerika im letzten Quartal insgesamt mehr Kunden für das Leasing entschieden, doch sind diese Verträge eher bei Leasingpartnern als direkt bei Tesla Motors zustande gekommen. Der kalifornische Autobauer konnte somit lediglich 494 Fahrzeuge als Leasinggeber direkt leasen, mit einem Gesamtwert von 45 Millionen US-Dollar.

Im 3. Quartal konnte man ganze 13.091 Fahrzeuge produzieren, darunter die ersten Tesla Model X. Dieser Produktionsrekord ist zustande gekommen, obwohl die Produktion für eine Woche gestoppt werden musste, um neue Anlagen für die Fabrik aufzustellen. Laut Tesla Motors wurden die tatsächlich mögliche Verarbeitungsmenge durch diesen Umbau um über 35 Prozent erhöht.

Um im 4. Quartal mehr Fahrzeuge ausliefern zu können, hat man die Anzahl der fertigen Produkte im 3. Quartal bereits erhöht. Somit befinden sich aktuell viele fertige Fahrzeuge auf den Weg zur Auslieferung, die dann im 4. Quartal den Endkunden erreichen sollen. Die Lieferzeit wird trotz der gestiegenen Auslieferung auch in diesem Quartal niedrig bleiben und circa einen Monat betragen.

Durch Service und zusätzliche Dienstleistungen hat Tesla Motors einen Umsatz von 84 Millionen US-Dollar erwirtschaftet, was einer Steigerung von 62 Prozent im Vorjahresvergleich bedeutet. Davon sind 33 Millionen US-Dollar Einnahmen aus dem Verkauf gebrauchter Model S. Man hat jedoch mehr gebrauchte Model S verkauft, als in diesem Quartal von Kunden eingetauscht wurden.

Für die operativen Tätigkeiten hatte Tesla Motors Kosten in Höhe von 363 Millionen US-Dollar zu tragen. Das entspricht einen Anstieg um 5 Prozent im Vergleich zum 2. Quartal dieses Jahres. Die Kosten für Forschung und Entwicklung sind kontinuierlich gesunken, da zum Ende des Quartals die Entwicklung des Model X abgeschlossen und die Produktion stattgefunden hat.

Im 3. Quartal hat Tesla Motors einen Verlust von 75 Millionen US-Dollar verbucht, also 0,58 US-Dollar pro Aktie bei 129 Millionen Aktien. Das Eigenkapital hat sich auf 1,4 Milliarden US-Dollar erhöht, als um 275 Millionen US-Dollar. Grund dafür, ist die kürzlich durchgeführte Kapitalerhöhung durch 2,7 Millionen neuer Aktien, bei der 739 Millionen US-Dollar umgesetzt werden konnten.

Aussichten für das 4. Quartal

Tesla Motors möchte im 4. Quartal insgesamt 15.000 bis 17.000 Fahrzeuge produzieren. Ausliefern möchten die Kalifornier sogar noch mehr: 17.000 bis 19.000 sollen es zum Jahresende werden. Mit einer solchen Auslieferung würde man bei einem Gesamtabsatz von 50.000 bis 52.000 in diesem Jahr liegen und hätte das zuvor definierte Ziel von 50.000 bis 55.000 erreicht.

Für das Model S sehen die Zahlen für das 4. Quartal bisher sehr gut aus. Der einzige limitierende Faktor für eine noch höhere Auslieferung im 4. Quartal, ist, dass einige Komponenten für die zweite Sitzreihe im Model X in Lieferverzug sind. Um diese Probleme zu umgehen und insgesamt ein besseres Ergebnis zu erzielen hat Tesla Motors die Produktion dieser Sitze In-House verlagert.

Das Steady State-Produktionsniveau für das Model X soll im 1. Quartal 2016 erreicht werden. Es gibt aktuell keine Anzeichen dafür, weder durch die Produktion, noch durch Zulieferer, dass es in nächster Zeit zu einer Verzögerung kommen könnte. Eine durchschnittliche Produktion von 1.600 bis 1.800 Fahrzeuge pro Woche in 2016 erscheint Tesla Motors weiterhin als realistisch.

Im 4. Quartal sollte der durchschnittliche Preis pro Fahrzeug leicht ansteigen, da mehr hochpreisige Model X ausgeliefert werden. Zwar soll sich auch die Bruttomarge des Model S verbessern, doch wird die Gesamtbruttomarge wohl durch die entsprechende Bruttomarge des Model X, was zu Beginn mit hohen Produktionskosten verbunden ist, aufgezerrt und sogar verschlechtert.

Wenn sich die Produktion des Model X im 1. Quartal 2016 stabilisiert hat, kann man in den kommenden Quartalen von einer ähnlichen Bruttomarge ausgehen, wie die des Model S. Das soll auch nicht dadurch verzerrt werden, dass man eine günstigere Basisversion mit kleinerem Akkupaket, ähnlich dem Model S 70D, veröffentlicht. Eine solche Version soll noch 2016 erscheinen.

Die Kosten für die operativen Tätigkeiten werden im 4. Quartal leicht ansteigen, jedoch wird der Anstieg aufgrund der abgeschlossenen Entwicklung des Model X nicht sehr drastisch ausfallen. Neben der Eröffnung weiterer Stores ist ein Anstieg der Kosten für operative Tätigkeiten deshalb zu verzeichnen, da man weiterhin das Model 3 entwickelt, was man im März 2016 enthüllen wird.

Im 4. Quartal plant man Investitionen in Höhe von 500 Millionen US-Dollar, wodurch die Gesamtinvestitionen für dieses Jahr auf 1,7 Milliarden US-Dollar ansteigen werden. Das meiste Geld wird hierbei in den Ausbau der Gigafactory fließen, aber auch um die Produktion der Sitze des Model X in den eigenen Betrieb einzugliedern und die Produktion des SUV insgesamt zu beschleunigen.

  • heros

    Superchargers ? Kein Wort !?

    • TK

      Ich muss selbst sagen, dass mir das gar nicht aufgefallen ist, als ich den Bericht abgetippt habe. Tatsächlich wird nichts zu den Superchargern gesagt.

  • J

    Wie viele Fahrzeuge hat Tesla insgesamt schon Ausgeliefert?
    Also ich mein: Roadster+ModelS+ModelX

  • Michael

    Wenn ich die Zahlen auf InsideEVs so ansehe, und die weltweiten Verkäufe addiere (aus Quellen oder Erinnerung geschätzt) werden es exakt ca. an die 100.000 sein. Davon die Hälfte 2015. Es geht also rasant aufwärts!