Wirklich kaufen kann das Anfang September als Teil der Robotaxi-Flotte von Texas in Betrieb genommene Tesla Cybercab noch niemand, aber weil es auf US-Straßen fährt, muss es auch die dafür geltenden Vorschriften einhalten. Nach der Darstellung von Tesla ist das der Fall: Wie in den USA üblich, erklärte das Unternehmen sein Cybercab vor der Inbetriebnahme selbst für regelkonform. Die Verkehrsbehörde NHTSA will es jetzt aber deutlich genauer wissen: Bis Ende September muss Tesla detaillierte Fragen zur Zulässigkeit des autonomen Zweisitzers beantworten – unter Eid.
„Special Order“ zu Tesla Cybercab
Das Problem dabei ist, wie am Mittwoch mehrere US-Medien berichteten, dass ein Auto ohne Lenkrad und Pedale wie das Cybercab in den USA eigentlich noch nicht zulassungsfähig ist. Zwar sollen Vorschriften, die zum Beispiel eine Fußbremse oder verstellbare Außenspiegel verlangen, für das Zeitalter autonomer Fahrzeuge angepasst werden. Noch ist das aber nicht geschehen. Bis dahin gelten auch für Tesla die alten Regeln, erklärte die NHTSA kurz nach dem Cybercab-Start und leitete eine Untersuchung dazu ein.
Als Teil davon folgte jetzt ein umfangreicher Fragen-Katalog im Rahmen einer „special order“ an Tesla, zu beantworten bis 30. September und von der Führung in Form einer Zusicherung („sworn affidavit“) zu beeiden. Andernfalls drohen eine Einschaltung des Justiz-Ministeriums und eine Geldstrafe von bis zu knapp 140 Millionen Dollar, wie es in dem Dokument heißt. Falsche oder vorenthaltene Angaben können laut NHTSA als Straftat mit Geldstrafen oder Gefängnis sanktioniert werden.
Robotaxi-Konkurrent mit Ausnahme
Im Kern möchte die Behörde wissen, wie Tesla im Einzelnen zu dem Schluss gekommen ist, dass sein reines Robotaxi alle US-weiten Sicherheitsstandards erfüllt. Unter anderem soll Tesla angeben, ob und wie es auch manuell gesteuert werden kann und ob es temporäre Einrichtungen (wie ein Bremspedal) gibt, die für die Selbstzertifizierung als regelkonform eine Rolle spielten, beim tatsächlichen Cybercab-Betrieb auf der Straße aber wegfallen. Falls Tesla der Meinung ist, dass bestimmte Regeln für das Fahrzeug nicht anwendbar sind, soll das für jede erklärt und begründet werden.
Über die Bedeutung dieser Sonderanweisung wurde nach ihrem Bekanntwerden gestritten. Manche Tesla-Fans erklärten sie zur bloßen Formsache, skeptischere Beobachter sahen schon das vorläufige Aus für das gerade erst gestartete Cybercab kommen. Bislang ist nur eine kleine Zahl davon in begrenzten Bereichen von Austin aktiv, obwohl CEO Elon Musk vor dem Auftakt-Event einen „Sturm von Cybercabs“ angekündigt hatte. Der Konkurrent Zoox hatte sich anders als Tesla vorab eine Ausnahme-Genehmigung der NHTSA gesichert, in deren Rahmen zunächst 2500 seiner Robotaxis auf US-Straßen dürfen.
