Tesla Motors veröffentlicht Quartalsbericht für das Q4 2015

Tesla Motors hat in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag den Quartalsbericht für das letzte Quartal des Jahres 2015 veröffentlicht. Daraus sind realisierte Ziele, wie beispielsweise Absatzzahlen oder Baufortschritte bei der Gigafactory, als auch zukünftige Vorhaben des kalifornischen Autobauers zu entnehmen.

Wie es im Bericht heißt, gibt es aktuell 107.000 Tesla-Fahrzeuge in 42 Ländern, welche bisher kumuliert circa 2 Milliarden Meilen gefahren sind. Der Ende letzten Jahres eingeführte Autopilot lernt aus dem Fahrprofil der Tesla-Fahrer und wird täglich mit Daten aus über einer Million Meilen gespeist.

Im 4. Quartal hat Tesla Motors einen positiven operativen Cashflow aus dem Hauptgeschäft von 179 Millionen US-Dollar erzielt (44 Millionen in 2015 insgesamt). Bereits im 1. Quartal hatte der ehemalige Finanzchef Deepak Ahuja ein positives Ergebnis für das letzte Quartal des Jahres vorausgesagt. Wie es heißt, konnte man die Auslieferung zum vorherigen Quartal um 50 Prozent steigern. Für 2016 plant man zudem einen größeren Wachstum bezüglich ausgelieferter Fahrzeuge als noch in 2015.

Auch in diesem Jahr möchte Tesla Motors einen positiven Cash Flow erzielen, obwohl man von Investitionen im Gesamtwert von 1,5 Milliarden US-Dollar ausgeht. Diese sollen vor allem zur Steigerung der Produktionskapazität, Produktionsbeginn der Batteriezellen in der Gigafactory und zur Erweiterung der eigenen Infrastruktur dienen. All diese Investitionen sollen dazu beitragen, den Weg für das Model 3 zu ebnen. Dieses wird offiziell am 31. März dieses Jahres enthüllt. Die Produktion und erste Auslieferungen sollen ab Ende 2017 stattfinden.

Steigende Nachfrage und Erhöhung der Produktionskapazität

Im 4. Quartal hat Tesla Motors im Vergleich zum Vorjahr den Absatz um 76 Prozent steigern können. In den Vereinigten Staaten konnte das Model S im Oberklassen-Segment den größten Absatz verbuchen. Während andere Hersteller einen Absatzrückgang verzeichneten, wurde der Absatz des Model S im Vorjahresvergleich um über 51 Prozent gesteigert. In der Schweiz hat das Model S die Mercedes-Benz S-Klasse, den BMW 7er, den Porsche Panamera, den Audi A8 und die Mercedes-Benz E-Klasse geschlagen – und dabei einen höheren Absatz verzeichnet, als alle genannten Fahrzeuge (ausgenommen E-Klasse) zusammen. Und auch in Deutschland konnte das Model S im vergangenen Quartal einen höheren Absatz vorweisen als der Porsche Panamera. Schaut man sich den gesamten Absatzmarkt Europa an, so konnte die elektrische Limousine mehr Abnehmer finden als der Audi A7 und A8 zusammen und der BMW 6er und 7er, ebenfalls kumuliert.

Obwohl man mit einem hohen Absatz zum Ende des letzten Jahres gerechnet hat, kann Tesla Motors auch eine erfreuliche Nachricht bezüglich der Nachfrage vorweisen. Diese ist für das Model S im 4. Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent gestiegen, wobei es einen Wachstum auf allen Märkten gab. Trotzdem glaubt Tesla Motors, dass man aufgrund der noch relativ geringen Präsenz in einigen Märkten nicht vollständig ausgelastet ist.

Aktuell wird keine geringere Nachfrage aufgrund sinkender Ölpreise beobachtet. Laut Tesla Motors begründen die meisten Kunden ihren Kauf mit der überlegenen Leistung, der fortschrittlichen Technologie, der Sicherheit und der durch das Fahrzeug eher gering erzeugten Umweltbelastung. Die Ersparnis von Treibstoff spiele für die Kunden nur eine untergeordnete Rolle.

Obwohl Tesla Motors das Model X im vergangenen Jahr eher spärlich beworben hat, sind auch für das elektrische SUV die Reservierungen um 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. In den kommenden Wochen möchte man weitere Model X in den eigenen Tesla Stores ausstellen und mehr Probefahrten anbieten, um das Interesse zu erhöhen.

Im 4. Quartal 2015 konnte Tesla Motors die Produktionskosten des Model S senken und zugleich mit der Produktion des Model X beginnen. Insgesamt wurden im vergangenen Quartal 14.037 Fahrzeuge produziert. Im Januar dieses Jahres musste die Produktion des Model X für einen kurzen Zeitraum eingeschränkt werden, da es geringe Qualitätsprobleme gab. Mittlerweile sollen diese aber behoben sein, sodass man die Produktion allmählich wieder hochfährt. Im 2. Quartal 2016 plant man mit einem Produktionsvolumen von 1.000 Model X pro Woche.

Dass Qualität für den kalifornischen Autobauer eine wichtige Rolle spielt, zeigen auch aktuelle Auswertungen von durchgeführten Reparaturen. Die Kosten für die Reparaturen von Fahrzeugen aus dem Jahr 2015 beliefen sich auf ungefähr die Hälfte der Kosten, die im Jahr 2014 angefallen sind. Im Vergleich zu Fahrzeugen aus dem Produktionsjahr 2012 betragen die Kosten sogar lediglich ein Viertel.

Tesla Energy mit weltweitem Debüt

Im vergangenen Quartal hat Tesla Motors begonnen den Wirtschaftszweig Tesla Energy in die Gigafactory 1 umzusiedeln. Trotz einem langsamen Start verläuft die Produktion aktuell reibungslos und wird stetig erhöht. Die ersten Powerwalls, die in der Gigafactory produziert wurden, sind bereits bei Kunden in den Vereinigten Staaten, Australien und Deutschland installiert. In den ersten Hauptmärkten, Australien und Deutschland, übertreffen die Verkäufe von Tesla Energy-Produkten denen von Tesla Motors. Dadurch konnten die Kalifornier die Kundenzahl in beiden Märkten mehr als verdoppeln. Solche Kunden könnten laut Tesla zukünftig auch die eigenen Fahrzeuge nachfragen.

Obwohl man mit der Produktion der Batteriespeicher gerade erst gestartet ist, konnte dennoch eine positive Marge erzielt werden. Mit steigender Produktion und damit sinkenden Kosten wird die sich die Bruttomarge weiter erhöhen. Dieser Geschäftszweig wird zukünftig insgesamt zu einem positiven Ergebnis für Tesla Motors beitragen.

Ergebnisse des 4. Quartals

Tesla Motors hat im 4. Quartal einen Umsatz von 1,75 Milliarden US-Dollar erzielt. Dies entspricht einer Steigerung um 59 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im gesamten Jahr 2015 hat man einen Umsatz von 5,29 Milliarden US-Dollar erzielt, was einer Steigerung von 47 im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Bruttomarge lag im 4. Quartal 2015 bei 20 Prozent (20,9 Prozent aus Automobilverkäufen).

Der Umsatz aus Automobilverkäufen lag bei 1,65 Milliarden US-Dollar. Dieser wurde durch die Auslieferung von 17.478 Fahrzeugen erzielt, darunter 206 Model X. Direkt bei Tesla Motors wurden 881 Fahrzeuge geleased, was einem Gesamtwert von 85 Millionen US-Dollar entspricht. Der durchschnittliche Verkaufspreis des Model S ist um 2 Prozent gesunken, da es Veränderungen bei den verfügbaren Optionen gab.

Hätte es im vergangenen Quartal keine unerwarteten Ausgaben für die verspätete Produktion des Model X und für die Verbesserung des Produktionsprozesses gegeben, würde die Bruttomarge aus Automobilverkäufen bei 25 Prozent liegen. Dies wäre eine Steigerung der Bruttomarge, obwohl der durchschnittliche Verkaufspreis zuletzt gesunken ist.

Der Umsatz durch Service und anderen Tätigkeiten lag im vergangenen Quartal bei 97 Millionen US-Dollar, was einer Steigerung von 47 Prozent entspricht. Obwohl weniger Antriebseinheiten verkauft wurden, haben der höhere Absatz gebrauchter Fahrzeuge, mehr Service-Dienstleistungen und der Verkaufsstart der Tesla Energy-Produkte ein positives Ergebnis geleifert.

Die Kosten für operative Tätigkeiten betrugen im 4. Quartal 479 Millionen US-Dollar, darunter 50 Millionen US-Dollar an Aktienanteilen zur Kompensation.

Insgesamt hat Tesla Motors im vergangenen Quartal einen Verlust von 114 Millionen US-Dollar eingefahren, was 0,87 US-Dollar je Anteil entspricht (basierend auf 131 Millionen Anteilen). Allein die Wechselkurse sind für einen Verlust von 17 Millionen US-Dollar verantwortlich gewesen. Für das gesamte Jahr 2015 lag der Verlust bei 2,30 US-Dollar je Anteil.

Das Eigenkapital betrug zum Ende des Jahres 1,2 Milliarden US-Dollar. Im 4. Quartal wurden Investitionen in Höhe von 411 Millionen US-Dollar getätigt, welche hauptsächlich für die Produktionserweiterung, die Fertigung des Model X, den Bau der Gigafactory und Erweiterung des Store- und Supercharger-Netzwerks eingesetzt wurden.

Im 4. Quartal hat man den verfügbaren Kreditrahmen dafür genutzt, ein teueres Warenlager (135 Millionen US-Dollar) abzubezahlen. Um solche Aktivitäten weiterhin zu ermöglich, hat man den verfügbaren Kreditrahmen daraufhin auf 1 Milliarde US-Dollar erhöht.

Ausblick auf Q1 2016 und das gesamte Jahr

Für das Jahr 2016 erwartet Tesla Motors erneut einen positiven Cash Flow und möchte zudem erstmals Profit erzielen. Es werden Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar geplant, wobei man keinen zusätzlichen Kredit als den aktuell verfügbaren in Anspruch nehmen möchte.

In diesem Jahr soll es weiterhin Investitionen für Maschinen für die Zellproduktion in der Gigafactory geben. Außerdem wird die Produktionslinie auf die Fertigung des Model 3 vorbereitet, welches Ende 2017 erstmals vom Band laufen soll. In 2016 möchte Tesla Motors circa 80 neue Stores und Service Center eröffnen, dazu über 300 neue Supercharger-Stationen.

Um die angestrebten Ziele zu erreichen plant man für 2016 insgesamt 80.000 bis 90.000 Fahrzeuge (Model S und X) zu verkaufen. Da das Model X dabei einen größeren Anteil einnehmen wird als bisher, wird auch eine größere Bruttomarge erwartet. Allein im ersten Quartal soll der Absatz um 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden. Dafür plant man insgesamt circa 16.000 Fahrzeuge abzusetzen.

Im gesamten Jahr soll die Bruttomarge stetig anwachsen, da die Produktionskosten des Model S gesenkt werden und die Produktion des Model X hochfährt. Zum Ende des Jahres erwartet man eine Bruttomarge für das Model S im Bereich von 30 Prozent. Für das Model X wird eine Bruttomarge von circa 25 Prozent erwartet. Bis 2017 soll die Bruttomarge des Model X weiter ansteigen.

Im Jahr 2016 erwartet man einen Anstieg der Kosten für das operative Geschäft um circa 20 Prozent.

  • Sukram

    Oh wow:

    >Dass Qualität für den kalifornischen Autobauer eine wichtige Rolle spielt, zeigen auch aktuelle Auswertungen von durchgeführten Reparaturen. Die Kosten für die Reparaturen von Fahrzeugen aus dem Jahr 2015 beliefen sich auf ungefähr die Hälfte der Kosten, die im Jahr 2014 angefallen sind. Im Vergleich zu Fahrzeugen aus dem Produktionsjahr 2012 betragen die Kosten sogar lediglich ein Viertel.“

    Ist euch sowas nicht selber peinlich?

    Bei welcher Revision der „Drive Unit“ sind sie eigentlich mittlerweile (mein letzter Stand war „Q“ in der alphabetischen Kennzeichnung…), das fängt ja „erst“ so ab 20.000 an, und einige haben schon 3 getauscht…

  • Man könnte fast wetten, dass Tesla es schafft, 1 Million Fahrzeuge (Model S, X und 3) auf die Straße zu bringen (bisher 100.000 – 2016 + 90.000,00, 2017 + 150.000 – 2018 + 600.000 = Summe ca. 950.000), bevor ein Deutscher Autobauer das erste gleichwertige Auto auf den Markt bringt 🙂

    • Michael

      600.000 in 2018?! 300% Steigerung hat noch nie irgendjemand geschafft der eine einigermaßen komplizierte Hardware baut.
      Man kann nicht ein drittel der Fertigungskapazität von BMW oder Mercedes innerhalb von einem Jahr aufbauen …Nicht mal Tesla.

    • Michael

      Und nachdem Tesla noch kein einziges Mal die delivery guidance am Jahresanfang einhalten konnte, gehe mal lieber davon aus, dass es 2016 das untere Ende der guidance wird, also 75-80k. Das ist schon sportlich genug (+50%).
      Was ab 2017 noch dazukommt ist der Wegfall der 7500$ Förderung in den USA (nimmt über 50% aller Verkäufe ein), da Tesla dann 200k Autos verkauft hat. Macht ein Auto gleich mal teurer. Da z.B. Chevrolet weit von den 200k entfernt ist, können die viel länger von diesem Bonus zehren. Hoffentlich kommt das Model 3 noch vor der 200k Grenze, sonst ja da Chevy einen guten Preisvorteil. Was sich wiederum auf die Tesla Sales auswirken kann.

  • Erik

    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht und die Mühen die in diese Seite gesteckt werden! Ich lese immer gerne Ihre Artikel.

  • FVK

    Ab wann konnte man denn die Modelle s und x bestellen. Am selben Tag wie die Präsentation? Oder einen Tag später? Und: im Store oder online? Macht es Sinn am 31. die Präsentation im Store zu erleben?

  • Michael

    „Im 4. Quartal hat Tesla Motors einen positiven operativen Cashflow aus dem Hauptgeschäft von 179 Millionen US-Dollar erzielt …“
    Vielen Dank erstmal dass sich jmd gemacht hat den Jahresabschluss zusammenzufassen. Aber diese Zahl „Cashflow from Core Operations“ ist eine von Tesla rein erfundene Zahl, die keinen wirklich Sinn macht, denn der operational Chasflow nach GPAA ist $-411M.
    Alles nur dass sich ein positives Bild ergibt gegenüber Investoren. Hier ist das ganze nochmal im Wall Street Journal erläutert: http://blogs.wsj.com/moneybeat/2016/02/11/a-tesla-innovation-investors-can-do-without/?mod=yahoo_hs

    • Michael

      Ich meinte natürlich GAAP 😉

    • TK

      Ich gebe Ihnen in diesem Fall recht, jedoch nehme ich immer die Zahlen von Tesla und nicht die nach der besagten Rechnungslegungvorschrift. Da es in beiden Fällen Vor- und Nachteile gibt, sollte ich zukünftig womöglich beide Zahlen nennen. Danke für die Anregung.

      • Michael

        War keine Anschuldigung 🙂 Wollte nur zum Ausdruck bringen dass diese +179 Mio keinerlei Aussagekraft haben und nur für Investoren auf dem Papier gut aussehen sollen. Bin nur zufällig über den WSJ Artikel gestolpert nachdem ich noch nie von diesem Cashflow gehört habe …
        Es bleibt ja auch nichts anderes übrig das zu glauben was Tesla offiziell verkündet, leider kennen wir keinen Insider aus der Tesla Finanzabteilung 😉

  • Bernd
  • lubrikasM

    Die Meldungen klingen ja doch sehr positiv. Im Manager-Magazin klingt das nämlich ganz anders:

    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/tesla-zittern-vor-den-zahlen-elon-musk-unter-druck-a-1076741.html

    Zwischen den Zeilen kann man durchaus erkennen, dass man Tesla diesen Erfolg nicht gönnt. Auch die Auflistung der „Tesla-Fighter“ ist vollgestopft mit großspurigen Ankündigungen v. a. deutscher Hersteller, wie man sie seit Jahren immer wieder lesen kann.