Bild: suc-tracker.eu
Manchmal kommen die besten Werkzeuge von privaten Enthusiasten – aktuell zum Beispiel von einem deutschen Tesla-Fahrer, der eine dynamische Web-Karte mit Supercharger-Preisen (s. Foto) programmiert hat. Tesla selbst kündigte an, bei der IAA Transportation Details zum Europa-Marktstart des Semi zu nennen. Anfang September soll es zudem ein Auftakt-Event für Cybercabs als Robotaxis geben. In China findet unterdessen der größte Rückruf statt, den das Land je gesehen hat – hauptsächlich bei Tesla. Und der einstige Energie-Hoffnungsträger Solar Roof scheint aus dem Programm genommen worden zu sein.
Supercharger-Preise für ganz Europa
Die Preise an den Supercharger-Ladestationen von Tesla können sich von Land zu Land, Standort zu Standort und sogar abhängig von der Tageszeit unterscheiden. Wer möglichst günstig unterwegs sein will, hat also viel zu recherchieren. Was eine Kilowattstunde am jeweiligen Standort kostet, kann man zwar auch einer Website von Tesla oder der App entnehmen, aber das ist vor allem für längere Reisen relativ umständlich. Aus diesem Grund hat das Mitglied SkywardEngineer aus dem deutschen Forum TFF einen europaweiten „SuC-Tracker“ erstellt.
Darüber informierte es am Sonntag in dem Forum und bekam dort sowie auf X viel Zuspruch für das Projekt. Tesla mache den Abruf der vielen benötigten Daten nicht einfach, schrieb SkywardEngineer dazu. Mittlerweile sei sein System aber stabil genug, um es zur öffentlichen Nutzung freizugeben. Eine Besonderheit daran ist, dass man sich Preise für die Zukunft anzeigen lassen kann, wenn man zum Beispiel tagsüber plant und abends fahren möchte. Eine automatische Routen-Planung ist noch nicht dabei, könnte laut dem Entwickler aber in Zukunft kommen.
Tesla kündigt Semi für Europa an
Nicht mehr allzu lange dauern dürfte es auch, bis der Tesla Semi nach Europa kommt. Wie andere Projekte des Unternehmens ist der im November 2017 erstmals vorgestellte Sattelschlepper lange überfällig. Für die USA wird der Marktstart auf einer kürzlich aktualisierten Website definitiv für dieses Jahr angekündigt; gleichzeitig sammelt Tesla dort schon reihenweise Semi-Bestellungen, zuletzt 500 Stück von dem Logistiker Einride. Und am Donnerstag kündigte das Unternehmen an, dass bald auch Informationen zum Verkauf des Semi in Europa folgen werden.
Specs & launch details for Semi in Europe to be unveiled at IAA Transportation in Hannover, Germany pic.twitter.com/eEXNUU2Y39
— Tesla Semi (@tesla_semi) August 20, 2026
Bei der IAA Transportation 2026 Mitte September in Hannover würden technische Daten zum europäischen Semi und zu seiner Markt-Einführung bekanntgegeben, teilte Tesla auf X mit. Damit ist zum einen grundsätzlich bestätigt, dass Tesla seinen Semi tatsächlich auch in Europa anbieten will und kann. Zum anderen könnte die Ankündigung bedeuten, dass die Vorbereitungen dafür konkreter werden. Schon bei der Nutzfahrzeug-IAA vor zwei Jahren hatte Tesla den Semi gezeigt und Beifahrten damit angeboten, Hoffnungen auf einen baldigen Europa-Start aber gedämpft.
Cybercab als Robotaxis ab September
Eine weitere aktuelle Ankündigung betrifft das Cybercab. Zuerst kam sie inoffiziell in Form eines Berichts von The Information, laut dem Tesla noch im August erste Cybercabs als Robotaxis in Austin einsetzen will, zunächst nur mit eigenen Beschäftigten als Fahrgäste. Auf X ließ das Unternehmen dann wissen, dass es tatsächlich eine Auftakt-Veranstaltung für den Zweisitzer ohne Lenkrad und Pedale geben soll, und nannte später auch Ort (Austin) und einen Termin dafür (3. September).
— Tesla (@Tesla) August 22, 2026
Die Serien-Produktion des Cybercab hat nach Tesla-Angaben im April begonnen. Mit dem offensichtlich nahenden Einsatz als Robotaxi in Austin würde es erstmals praktische Verwendung finden. Allerdings ist nicht klar, wie breit die Premiere Anfang September wird. In der Stadt in Texas hatte Tesla im Juni 2025 seinen ersten Robotaxi-Dienst überhaupt gestartet, mit nur wenigen Model Y, deren FSD-System für autonomes Fahren zunächst von einer Person an Bord überwacht wurde.
Nevada erlaubt 5000 Tesla-Robotaxis
Die Robotaxi-Expansion war seitdem viel langsamer, als von Tesla-CEO Elon Musk zum Auftakt angekündigt. Laut einem Bericht von The Verge scheint aber mittlerweile die gesamte Flotte in der Stadt auf Fahren ohne FSD-Aufpasser an Bord umgestellt zu sein. Auch in Dallas und Houston, wo Tesla inzwischen ebenfalls begrenzte Robotaxi-Dienste anbietet, soll die Zahl der unbeaufsichtigt eingesetzten Model Y deutlich gestiegen sein. Die Gesamtzahl bleibt allerdings trotzdem überschaubar: In den vergangenen zwei Wochen wurden in Austin 54 unterschiedliche Robotaxis beobachtet, im Rest von Texas noch einmal rund 30.
Der Bundesstaat Las Vegas hat unterdessen die rechtlichen Voraussetzungen für rapides Robotaxi-Wachstum geschaffen. Von der dortigen Verkehrsbehörde erhielten Tesla, Uber und Waymo Lizenzen für den Betrieb von zusammen 7000 Taxis ohne Fahrer im Clark County mit der Spieler-Stadt Las Vegas, berichtet TechCrunch. Allein Tesla dürfte 5000 solcher Fahrzeuge betreiben, gab in einer Sitzung aber an, schon mit 2500 bis Ende 2027 mehr als zufrieden zu sein. Zudem soll ein Vertreter des Unternehmens angekündigt haben, in Nevada mit Model Y statt Cybercabs als Robotaxis zu beginnen.
Riesiger Tesla-Rückruf in China
Nach all diesen erfreulichen Ankündigungen, von denen auch die Tesla-Aktie profitierte, folgte am Freitag ein Dämpfer: In China findet laut einem Bericht von Reuters der größte Auto-Rückruf aller Zeiten statt, und in seinem Zentrum steht Tesla. Dabei geht es um elektrische Tür-Entriegelungen in modernen Elektroautos. Bei einem Unfall können sie ausfallen, weshalb es eine mechanische Alternative gibt. Bei Tesla und anderen vom Design der US-Marke inspirierten Herstellern ist der Hebel dafür aber nicht deutlich genug gekennzeichnet.
Die Folge ist der jetzt bekannt gegebene Rekord-Rückruf. Allein bei Tesla betrifft er rund 3 Millionen Fahrzeuge, aus den USA nach China importierte ebenso wie ab 2019 lokal produzierte. Diese sollen jetzt „Warnhinweise“ bekommen, also wohl Aufkleber, die auf die Not-Entriegelung hinweisen. Ob Tesla die Kunden dafür zu sich in die Werkstätten rufen muss oder ihnen einfach Post schickt, blieb zunächst offen. Ein weiterer Teil des Rückrufs lässt sich jedenfalls per Funk-Update erledigen: Es soll dafür sorgen, dass sich die Fenster bei einem Unfall automatisch öffnen.
Unvorbereitet dürfte diese Aktion weder Tesla noch den Rest der chinesischen Elektroauto-Branche treffen. Zum Thema Türen hatte die Regierung schon zuvor verfügt, dass ab 2027 neu auf den Markt kommende Fahrzeuge keine in die Karosserie eingelassenen Griffe mehr haben dürfen, weil diese das Öffnen von außen nach Unfällen erschweren. Die Übergangsfrist für bestehende Modelle läuft bis 2029. Zu ähnlichen Diskussionen in den USA sagte der Chef-Designer Franz von Holzhausen im Oktober 2025, Tesla bereite eine neue „tolle Lösung“ zum Öffnen der Türen vor.
Tesla Solar Roof nicht mehr zu haben
Eine überzeugende Lösung sollte lange auch das Solar Roof sein, das Tesla 2016 als Dachziegel mit integrierter Photovoltaik vorgestellt hatte. Einige Jahre später machte CEO Musk es zur Chefsache und gab als Ziel die Installation von 1000 Tesla-Solardächern pro Woche aus. Die Kosten blieben jedoch hoch und die Installation kompliziert, und wirklich in Schwung schien das Geschäft nie zu kommen. Parallel bot Tesla zumeist klassische Aufdach-Photovoltaik an, auf der zuletzt der Fokus zu liegen schien. Und jetzt scheint sich das Projekt Solar Roof gänzlich erledigt zu haben.
Darüber berichtete am Donnerstag zuerst der Blog Electrek: Das Unternehmen habe Partnern für die Installation mitgeteilt, in Zukunft keine Solarziegel mehr zu liefern, nur noch normale Module. Die bei Google noch angezeigte Tesla-Seite zum Solar Roof war am Samstag bereits auf „Solar Panels“ umgeleitet, und auch aus der Navigation wurde der langjährige Hoffnungsträger komplett entfernt. Photovoltaik soll trotzdem eine wichtigere Rolle spielen als je zuvor. Tesla wolle 100 Gigawatt eigene Produktionskapazität dafür aufbauen, kündigte CEO Musk im Januar überraschend an.

