Bild: Tesla (Symbolfoto)
Seit September 2024 bezeichnet Tesla seine Software FSD (kurz für Full Self-Driving) offiziell als „supervised“, weist also explizit darauf hin, dass das Assistenz-System von der Person am Steuer beaufsichtigt werden muss. Je leistungsfähiger es wird, desto höher ist allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass FSD bessere Entscheidungen trifft als ein Mensch. Inzwischen scheint das häufiger der Fall zu sein, denn die nächste Version soll laut Tesla im Notfall auch dann eingreifen, wenn das System gar nicht aktiviert ist.
Tesla-System passt im Hintergrund auf
Das vergangene Woche in die Robotaxi-Flotte in Austin genommene Cybercab fährt komplett mit FSD-Steuerung – Lenkrad oder Pedale für Menschen hat es im Normalfall gar nicht. Allerdings ist nach Tesla-Angaben sowohl die Computer-Hardware als auch die Software des Zweisitzers schon weiter entwickelt als bei Fahrzeugen, die normale Kunden kaufen können. Ob auch diese mit HW4 und FSD 14.x ausgestatteten Elektroautos irgendwann autonom fahren werden, ist insofern offen. Laut Tesla-Chef Elon Musk soll das (in den USA) noch in diesem Jahr beginnen.
FSD Supervised v14.3.9 starting to roll out shortly
This release includes a new active safety feature set: FSD Supervised can now activate on your behalf when an imminent collision is detected and Automatic Emergency Braking (AEB) may not be enough.
It may also engage if we…
— Tesla AI (@Tesla_AI) September 4, 2026
Erst einmal aber kommt ein weiteres Update für die überwachte Software. In Kürze werde die Verbreitung von FSD 14.3.9 beginnen, teilte Tesla am Freitag auf X mit, nur wenige Stunden nach dem groß angekündigten Cybercab-Auftakt in Austin. Und bei dieser Version soll die Rollen-Verteilung zwischen Mensch und Computer sozusagen umgekehrt werden: Selbst wenn FSD nicht aktiviert ist, passt es im Hintergrund auf und kann eingreifen, um eine ansonsten drohende Kollision zu verhindern.
FSD übernimmt im Notfall Lenkung
Damit hätte das Computer-System die Aufsicht über die Person am Steuer statt wie bislang umgekehrt. Laut der kurzen Tesla-Erklärung handelt es sich bei dieser Neuerung um eine aktive Sicherheitsfunktion. FSD soll allerdings nur dann eingreifen, wenn es eine unmittelbar bevorstehende Kollision erkannt hat und zu dem Schluss kommt, dass die bisherige Funktion „automatische Notbremsung“ als Abhilfe nicht ausreichen würde. In solchen Fällen übernimmt das System künftig offenbar auch die Lenkung.
Wie die Funktion konkret ausgestaltet ist, blieb zunächst offen. In den Online-Handbüchern für die Elektroautos von Tesla wurde sie am Dienstag noch nicht erwähnt, und FSD 14.3.9 einschließlich Notfall-Übernahme aus dem deaktivierten Zustand schien noch keine Kunden erreicht zu haben. Ein interessanter Punkt dazu wäre zum Beispiel, ob sich die neue Funktion (wie die bisherigen aktiven Helfer) überhaupt noch deaktivieren lässt. Zudem stellt sich die Frage, ob Tesla die Haftung übernimmt, wenn ein automatischer FSD-Eingriff nicht wie geplant funktioniert.
Tesla hofft auf FSD-Zulassung in EU
In Deutschland kann man insofern erst einmal abwarten, als das überwachte (und bald wohl auch überwachende) FSD-System noch keine Zulassung hat. Nach Tesla-Angaben könnte sich das nach einer EU-Abstimmung Anfang Oktober ändern. Im Vorfeld veröffentlichte das Unternehmen vergangene Woche eine Reihe von Daten zu Tests von FSD Supervised in Europa und vor allem den USA. In den Niederlanden ist das System seit April über eine Ausnahme-Genehmigung erlaubt. Seitdem schlossen sich fünf ähnlich kleine EU-Mitglieder an, zuletzt am Montag Slowenien.

