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Kein Tesla Cybertruck für Europa – aber Spezialist sieht Chancen für Einzel-Zulassung

Ettrichrätz

Ettrichrätz

Bild: Alexander Zink

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Zur Enttäuschung europäischer Besteller und Fans erwähnte Tesla-Chef Elon Musk beim Batterie-Tag Ende September nebenbei, dass der Cybertruck zunächst wohl nicht auf den alten Kontinent kommen wird – er sei grundlegend amerikanisch ausgelegt und nicht für den globalen Markt geeignet, erklärte der CEO. Doch das Interesse am Tesla Cybertruck selbst in Deutschland scheint groß, und auch in den USA sind die Zulassungsbedingungen für neue Fahrzeuge streng. Was also verhindert den europäischen Cybertruck? Die Informationen dazu sind schlicht diffus – aber ein deutscher Spezialist sieht Chancen, ihn trotzdem auf die Straßen der Republik zu bringen.

Strenge Regeln für deutsche Zulassung

In Europa und Deutschland gelten für Fahrzeuge jeder Art besondere Bestimmungen, die das Inverkehrbringen in den Straßenverkehr regeln und den sicheren Betrieb garantieren sollen. Vermutungen in Bezug auf den Cybertruck lauten, dass dieser eventuell in puncto Crashsicherheit nicht den europäischen oder deutschen Normen entsprechen würde.

Über diese Themen sprach teslamag.de mit Thomas Ettrichrätz von GwZ4x4 in Gotha. Er importiert seit vielen Jahren Fahrzeuge aus den USA nach Deutschland und macht sie mit teils aufwändigen Umbauten fit für den deutschen TÜV. Dadurch verfügt er über viel Know-How in Bezug auf die Probleme und möglichen Hindernisse, aber auch die Lösungen, die eine Zulassung in Deutschland zu ermöglichen.

Warum kann der Tesla-Pickup nicht in Europa zugelassen werden? „An den Emissionswerten kann es beim Cybtertruck ja wohl nicht liegen“ scherzt Ettrichrätz zunächst. Ernst fährt er fort: „Es gibt viele Probleme, die dazu führen können, dass die Zulassung in Deutschland nicht möglich ist.“ So besteht bei einigen Fahrzeugen nach dem Import aus den USA großer Umbaubedarf an der Betriebsbremsanlage. Das könne er sich angesichts der Bilder von Teslas Cybertruck aber nicht vorstellen. Eher sei die ungewöhnliche Form mit der extremen Frontpartie ein mögliches Problem, so Ettrichrätz.

Zu harte Front bei Tesla Cybertruck?

Bei einer Bewertung helfen die verfügbaren Informationen zum Tesla Cybertruck. Nach Angaben von Tesla-Chef Musk ist er aus hochfestem Stahl gebaut, was eine extreme Steifigkeit bedinge. Laut Ettrichrätz müssen aber auch bei Importen aus den USA bestimmte Voraussetzungen für den Fußgänger-Schutz erfüllt sein. So darf die Front nicht zu hart sein, denn ansonsten würden sich zu hohe Verletzungsrisiken ergeben, erklärt Ettrichrätz. Die Energie-Absorption im Front-Bereich sei möglicherweise schlicht zu gering. Und das könnte ein grundlegendes Problem sein: Selbst eine Einzelzulassung werde „schwer, wenn es an der Front liegt.“

Andere Punkte wie die Bremsanlage oder die Lichteinbauten am Tesla Cybertruck hält der Experte für eher lösbar. In diesen Fällen setze man auf eine Einzelabnahme, wie sie bei anderen Fahrzeugen regelmäßig gewährt werde. Eine solche Entscheidung aus Deutschland wird laut Ettrichrätz dann auch von vielen anderen europäischen Ländern anerkannt. Anders sehe es allerdings umgekehrt aus: Deutsche Behörden würden ausländische Entscheidungen nicht unbedingt mittragen, weil sie nicht überzeugt sind, dass überall streng genug geprüft wird. Und ohne Einzelzulassung gäbe es auch beim Cybertruck zumindest kein deutsches Kennzeichen.

Cybertruck notfalls über Marokko

Auch wenn über Teslas Cybertruck noch nicht viele Details bekannt sind, ist also denkbar, dass er nicht einmal Einzel-Abnahmen für Deutschland bekommen würde. Andere europäische Behörden könnten milder sein, was dann zumindest Cybertrucks mit zum Beispiel tschechischer Zulassung ermöglichen würde. Und wenn in Europa gar nichts geht, kennen Exoten-Experten immer noch eine weitere Möglichkeit: Man könnte den Cybertruck in einem Land wie Marokko zulassen und dann trotzdem hierzulande nutzen. Darüber will Ettrichrätz nicht viel reden. Möglich sei es aber, sagt er.

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