Bild: teslamag.de (Cybercab-Prototyp in Berlin)
Zu einem guten Teil stand die zurückliegende Woche bei Tesla im Zeichen seiner „Cyber“-Produkte: Zum autonomen Zweisitzer Cybercab teilte das Unternehmen mit, dass in Austin das erste Exemplar vom Band gelaufen sei, und der Pickup Cybertruck kam in einer interessanten Allrad-Version auf den Markt – wenn auch vielleicht nur kurz. Neue Daten zu den Robotaxis von Tesla zeigten unterdessen nur langsamen Fortschritt. Und in Deutschland eskaliert der Streit zwischen der Führung der Gigafactory in Grünheide und der Gewerkschaft IG Metall.
Tesla Cybertruck ab 59.990 $
Wenig zu hören außer schwachen Verkaufszahlen war zuletzt vom Cybertruck, aber hier sorgte Tesla jetzt mit einer positiven Nachricht für Abwechslung: Der stählerne Pickup kommt in einer neuen Basis-Version auf den Markt, die 59.990 Dollar statt zuvor 79.990 Dollar kostet. Anders als bei einem vorherigen Versuch mit einer schnell wieder eingestellten Version nur mit Heckantrieb und ohne Ladeflächen-Abdeckung hat der neue Basis-Cybertruck sowohl Allrad als auch die Abdeckung.
Damit macht Tesla erstmals ein Angebot, das den Ankündigungen von der Cybertruck-Vorstellung Ende 2019 nahekommt und sie teils sogar übertrifft. Für die mittlere Version war damals die Rede von Allrad-Antrieb, 300 Meilen Reichweite und 4,5 Sekunden für die Beschleunigung auf 60 Meilen pro Stunde zum Preis von 49.000 Dollar. Mit 325 Meilen und 4,1 Sekunden sind Reichweite und Beschleunigung der neuen Basis-Version sogar besser, und der Preis von 59.990 Dollar liegt nur etwa 22 Prozent über dem 2019 genannten Wert.
Depends on how much demand we see at this price level
— Elon Musk (@elonmusk) February 20, 2026
Auch bei der als Cyberbeast bezeichneten Top-Version mit drei Motoren senkte Tesla den Preis jetzt auf 99.990 Dollar, nachdem sie zwischendurch 15.000 Dollar mehr gekostet hatte. Mit Blick auf den billigsten Cybertruck dämpfte CEO Elon Musk die Freude allerdings rasch, indem er erklärte, dieses Angebot gelte nur für zehn Tage. Wie aus einer weiteren X-Nachricht von ihm hervorgeht, dürfte es die Version auch anschließend noch geben, aber der zukünftige Preis hängt davon ab, wie viel Nachfrage Tesla beim aktuellen Niveau verzeichnet.
Erstes Cybercab vom Band gerollt
In diesem April soll nach wiederholten Ankündigungen von Musk die Produktion des Tesla Cybercab beginnen. Das für ausschließlich autonomes Fahren ausgelegte Elektroauto mit nur zwei Sitzplätzen soll zudem in einer revolutionär neuen Bauweise entstehen, die eine weitaus schnellere und billigere Produktion ermöglicht. Prototypen wurden zuletzt vermehrt auch auf öffentlichen Straßen gesehen. Und am Dienstag teilte Tesla mit, dass jetzt das erste Cybercab auf der Produktionslinie dafür in der Fabrik in Austin gebaut wurde.
Nach weiteren Musk-Ankündigungen soll der Tesla-Zweisitzer ohne Pedale und Lenkrad noch in 2026 in hohem Volumen produziert werden, obwohl er auch warnt, dass der Hochlauf hier noch länger dauern werde als gewohnt. Auf Nachfrage blieb der CEO jetzt aber bei dem Preis, den er bei der Vorstellung im Oktober 2024 genannt hatte: Vor Ende 2026 wird mindestens ein Cybercab für unter 30.000 Dollar an Kunden ausgeliefert werden, gab Musk indirekt zu verstehen.
Robotaxi-Dienst noch überschaubar
Um das rein autonome Elektroauto auf den Markt bringen zu können, muss Tesla nicht nur die „unboxed“-Produktion der Hardware in den Griff bekommen, sondern auch die Software für seine Steuerung. Dabei handelt es sich um das FSD-System, das gegen Bezahlung auch normale Tesla-Kunden in Nordamerika in einer Version mit dem Zusatz „supervised“ (überwacht) nutzen können. Bei seinen als Robtoaxis bezeichneten Model Y in Austin ist Tesla schon weiter: Seit Ende 2025 befördern einige davon Passagiere ohne menschliche FSD-Aufsicht an Bord.
Insgesamt scheint dieser Dienst seit dem Start im vergangenen Juni aber nicht sehr weit vorangekommen zu sein, geht aus einer Zwischenbilanz des Blogs Electrek hervor. Nach seinen Angaben auf der Grundlage unabhängiger Tracker sind in Austin weiterhin nur etwa 42 Model Y als Robotaxis aktiv, obwohl es längst mehrere hundert sein sollten. Zudem habe die Verfügbarkeit innerhalb der vorgesehenen Zeiten zuletzt bei nur 19 Prozent gelegen. Und die wenigen Robotaxi-Fahrten ohne FSD-Aufpasser hätten in einem kleinen Ausschnitt des Service-Gebiets stattgefunden.
14 Unfälle mit Tesla-Robotaxis
Außerdem wurden in der zurückliegenden Woche neue Daten über Robotaxi-Unfälle bekannt. Laut der Agentur Bloomberg meldete Tesla seit Juni 14 davon, allein 5 im Dezember und Januar. Zumeist handelte sich dabei nur um Rempler bei niedriger Geschwindigkeit, in zwei Fällen aber kam es zu leichten Verletzungen. Für den Konkurrenten Waymo mit insgesamt 2500 Robotaxis in 6 US-Städten und Tests in weiteren nennt Bloomberg „hunderte“ Unfälle seit Juni, davon rund 50 in Austin.
Unfortunately, the projected numbers don't look as good as presented in this post…https://t.co/43nxffajzS
Thx @raines1220 for providing clarification on robotaxi miles for Austin.Facts:
-Tesla: Provided cumulative Austin "robotaxi" miles for Q3 (verbal 250k miles thru ~Oct… https://t.co/K014ZRoKEB pic.twitter.com/ObbOar76CW— Elias Martinez (@EliasMartinez) February 18, 2026
Über die korrekte Interpretation dieser Pflicht-Meldungen an die Behörde NHTSA wurde auf X gestritten. Ein in Tesla-Kreisen bekanntes Mitglied bezeichnete sie als „aufregend“. Im Januar hätten unbeaufsichtigte Robotaxis im Durchschnitt 200.000 Meilen zurückgelegt, bis es zu einem Zwischenfall gekommen sei, im Februar sei dieser Wert auf 400.000 Meilen gestiegen, leitete @raines1220 daraus und aus weiteren Daten ab. @EliasMartinez dagegen, Betreiber eines Robotaxi-Trackers, errechnete für Mitte Januar einen Unfall alle 42.000 Meilen, eine deutliche Verschlechterung gegenüber den drei Monaten zuvor.
Showdown um deutsche Tesla-Fabrik
In Deutschland kommt es unterdessen fast zu einem Showdown zwischen der Führung der deutschen Tesla-Fabrik und der IG Metall, die dort eine Mehrheit im Betriebsrat anstrebt. Die neueste und bislang gravierendste Auseinandersetzung begann mit dem Vorwurf, ein Vertreter der Gewerkschaft habe unerlaubt eine Betriebsratssitzung mitgeschnitten. Tesla ließ sein Laptop von der Polizei sicherstellen und erstattete Strafanzeige, ein Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet.
Die Gewerkschaft hatte den Mitschnitt-Vorwurf postwendend als kalkulierte Lüge bezeichnet – und stellte gegen den deutschen Tesla-Werkschef Andre Thierig jetzt ihrerseits Strafanzeige wegen übler Nachrede. Auch dazu laufen bereits Ermittlungen. Außerdem will die IG Metall Thierig die Wiederholung bestimmter Behauptungen verbieten lassen und bereitet nach eigenen Angaben eine Klage wegen Behinderung von Gewerkschaftsarbeit vor. Im Jahr 2024 hatte sie eine Mehrheit im Tesla-Betriebsrat knapp verfehlt, für Anfang März steht laut dem RBB die nächste Wahl an.

