Das Jahr 2025 ist für Tesla ähnlich verlaufen wie 2024: Die Elektroauto-Verkäufe gingen erneut zurück, aber die Aktie erreichte ein weiteres Rekordhoch, wohl weil Anleger CEO Elon Musk vertrauen, der Tesla eine goldene Autonomie-Zukunft vorhersagt. Bisherige Prognosen dazu sind nicht aufgegangen, aber 2026 sollen seine Elektroautos wirklich eigenständig fahren und die Roboter-Produktion im großen Stil beginnen. Ebenfalls angekündigt ist der Serienstart für den Sattelschlepper Semi und das rein autonome Cybercab. Darüber hinaus wird über weitere mögliche Ereignisse einschließlich eines Rückzug von Musk spekuliert.
Ziele für Tesla-Roboter verschoben
Das bedeutendste Produkt aller Zeiten könnte laut dem Tesla-Chef der Roboter Optimus werden, den er im Sommer 2021 überraschend ins Programm nahm, was er mit Synergie-Effekten bei der Entwicklung der auch für autonome Elektroautos nötigen künstlichen Intelligenz (KI) begründete. Beides zusammen könnte dem Unternehmen nach seiner Darstellung einen zweistelligen Billionen-Wert einbringen, von dem der Roboter den Großteil ausmachen soll. Möglichst in drei Jahren wolle Tesla mit dem Verkauf beginnen, sagte Musk im Herbst 2022. Anfang 2024 bekräftigte er, im Jahr darauf wohl erste Optimus-Einheiten ausliefern zu können.
Das anvisierte Start-Jahr ist mittlerweile vorbei, aber wie zuvor beim autonomem Fahren begann Musk rechtzeitig, Ziele zu verschieben und neu zu definieren. Erste Tesla-Roboter für externe Kunden solle es ab dem zweiten Halbjahr 2026 geben, sagte er im Januar 2025. Später kündigte der CEO zunächst eine dritte Optimus-Generation an, die als Prototyp vor Ende 2025 vorgestellt werden und ab 2026 produziert werden sollte. Im Oktober verschob er die Vorstellung dieser Produktionsversion weiter auf das erste Quartal 2026. Anschließend wolle Tesla beginnen, eine erste Optimus-Produktionslinie für 1 Million Stück pro Jahr aufzubauen, die „hoffentlich“ gegen Ende 2026 in Betrieb gehen werde.
Warten auf autonomes Tesla-Fahren
Das wäre die erste und, wenn man Musk folgt, zugleich die bedeutendste der Tesla-Ankündigungen für 2026. Die zweite hat ebenfalls mit Autonomie zu tun und zudem eine noch längere Vorgeschichte: In diesem Jahr soll die Serienproduktion des Tesla Cybercab beginnen, eines zweisitzigen Elektroautos ohne Lenkrad oder Pedale. Erstmals gezeigt wurde es erst im Oktober 2024, und die Vorbereitungen für die Produktion in Texas scheinen gut voranzukommen. Allerdings muss Tesla für das Cybercab nicht nur eine neuartige Bauweise in den Griff bekommen, sondern auch sein FSD-System perfektionieren, das bislang noch menschliche Aufpasser braucht.
Bis ungefähr Ende 2025 hätte sich das ändern sollen. Kurz nach dem Start eines Robotaxi-Dienstes mit Model Y und beaufsichtigtem FSD in der Stadt Austin im Juni sagte Musk, bis Ende des Jahres könne dieses Angebot auf die Hälfte der US-Bevölkerung ausgeweitet werden, was bei weitem nicht erreicht wurde. Zudem kündigte er an, wohl innerhalb von 1-2 Monaten auf die Aufpasser in den Robotaxis verzichten zu können und stellte normalen Tesla-Kunden mit FSD bis Ende des Jahres das Gleiche in Aussicht. Mitte Dezember wurden in Austin tatsächlich erste Model Y ganz ohne Insassen auf Straßen gesehen, aber externe Fahrgäste konnten nicht mitfahren.
Musk wird bei Robotaxi vorsichtiger
Aus den anfänglich 50 Prozent der US-Bevölkerung für Robotaxi-Dienste von Tesla wurden bei späteren Musk-Auftritten 8-10 Metropol-Regionen – die bis Jahresende ebenfalls nicht erreicht waren. Damit steht für 2026 an, die überfällige Expansion umzusetzen und FSD so sicher zu machen, dass das System in der Breite ohne Aufsicht genutzt werden kann. Beim zweiten Aspekt hatte CEO Musk im Dezember schon vorgebaut, indem er die vorherige Ankündigung von unbeaufsichtigten Robotaxis im gesamten Service-Gebiet in Austin bis Ende 2025 zu nur Teilen der Stadt in etwa drei Wochen modifizierte.
Selbst diese bescheidenere Ankündigung wurde bislang nicht Realität, was bedeuten dürfte, dass die FSD-Software doch noch nicht so weit ist wie erhofft. Das wiederum hat auch Bedeutung für die Cybercab-Pläne, denn Musk besteht darauf, dass es dieses Elektroauto nicht mit Pedalen oder Lenkrad für menschliche Steuerung oder Eingriffe geben wird. Die Produktion soll nach wiederholten Ankündigungen des CEO im April beginnen und noch dieses Jahr ein hohes Volumen erreichen.
FSD mit Aufsicht für Europa
Ohne unbeaufsichtigtes FSD in großen Teilen der USA (in Europa ist bislang nicht einmal die überwachte Version zugelassen, was sich laut Tesla ab Februar zunächst in den Niederlanden ändern soll) hätte eine Produktion von Cybercabs im großen Stil wenig Sinn. Musk scheint also darauf zu setzen, dass die Software rechtzeitig verbessert und für echt autonomes Fahren zugelassen werden kann, möglicherweise Stadt für Stadt oder Bundesstaat für Bundesstaat. Eine Außenseiter-Chance hat aber auch eine andere Variante: Manche Beobachter erwarten, dass das Tesla Cybercab doch mit Elementen für menschliche Steuerung angeboten werden könnte.
Angesichts mehrfacher Absagen von Musk an diese Idee wäre das eine Überraschung – über die sich Kunden, die mehr Interesse an Elektroautos haben als an Zukunftsvisionen, aber wahrscheinlich freuen würden. Zudem wäre ein konventionelles Cybercab eine Möglichkeit für Tesla, in 2026 nach zwei Jahren mit sinkendem Absatz wieder mehr Fahrzeuge zu verkaufen, wie es Analysten zuletzt noch erwarteten.
Tesla Semi vor Produktionsstart
Dazu könnte auch der Tesla Semi beitragen, ein weiteres Projekt mit großer Verzögerung. Ende 2023 wurden die ersten Exemplare ausgeliefert, aber seitdem blieb es offenbar bei zweistelligen Stückzahlen, und zur Hauptversammlung im November zeigte Tesla den Semi in optisch überarbeiteter Form. Kurz vorher hieß es dazu, die ersten Einheiten in einer neuen Fabrik in Nevada sollten ab Anfang 2026 produziert werden. Wenn es dabei bleibt, ist bald eine Meldung dazu zu erwarten, möglicherweise zu den Geschäftszahlen für Q4 2025, die für den 28. Januar angekündigt sind.
Damit sind für 2026 Optimus, Cybercab und Semi gesetzt, während vom zuletzt für Ende 2025 angekündigten neuen Roadster länger nichts zu hören war. Was das für die Aktie von Tesla bedeutet, wird sich erst im Lauf des Jahres zeigen. Noch rechnen Analysten im Durchschnitt mit steigendem Tesla-Gewinn, aber das war schon zu Beginn von 2025 so, bevor die Quartalsergebnisse und Prognosen zu sinken anfingen. Von 30 Banken und Broker empfehlen laut TipRanks aktuell 13 die Tesla-Aktie zum Kauf, 9 raten zum Halten und 8 zum Verkaufen. Das durchschnittliche Kursziel beträgt 393,89 Dollar, knapp 10 Prozent unter dem letzten Stand.
Wetten auf konkrete Tesla-Themen
Wie es Tesla im neuen Jahr ergeht, darauf kann man natürlich an der Börse spekulieren. Der Kurs wird jedoch auch von der allgemeinen Markt-Entwicklung und Anleger-Psychologie beeinflusst, und wie die vergangenen beiden Jahre gezeigt haben, steckt die Tesla-Aktie Schwäche im aktuellen Geschäft dank immer ambitionierterer Musk-Visionen bisweilen locker weg. Direktere Tesla-Wetten sind bei unterschiedlichen Internet-Plattformen möglich und erlauben zugleich einen Blick darauf, wie die (bislang noch begrenzte) Öffentlichkeit konkrete Themen sieht.
Zu diesen Internet-Wettbüros zählt Polymarket, wo am Dienstag 25 Wetten mit Tesla-Bezug offen waren. Einige davon beziehen sich nur auf den Börsenkurs, doch man kann auch darauf setzen, dass Tesla vor Ende Juni konkrete Käufe seines Roboters Optimus ermöglicht: aus den Einsätzen ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit von 7 Prozent. Ein Robotaxi-Start ohne Mensch am Steuer im ersten Halbjahr auch in Kalifornien wurde am Dienstag mit 41 Prozent erwartet. Und dass Musk in 2026 als Tesla-Chef zurücktritt, sahen Teilnehmer mit 8 Prozent zumindest als wahrscheinlicher an als Optimus-Verkäufe vor Juli.
