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Forscher-Alternative zu Elektroauto-Prämie: Doppelter Spritpreis – aber nur für Neuwagen

Bild: CAR

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Mit einer Verdoppelung des Staatsanteils an der Kaufprämie für Elektroautos auf bis zu 6000 Euro hat die Bundesregierung den deutschen Markt wie erhofft in Schwung gebracht. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts wurden 2020 insgesamt gut 194.000 Elektroautos zugelassen und erreichten damit einen Marktanteil von rund 10 Prozent aller neuen Autos. Doch diese Förderung kostet den Staat viel Geld und kommt auch Personen zugute, die auch ohne sie ein Elektroauto kaufen würden. Ein Auto-Forscher hat deshalb einen interessanten Alternativ-Vorschlag gemacht: Der Spritpreis solle verdoppelt werden – aber nur für Autos, die ab der Einführung dieser Regelung neu gekauft werden.

„Verwerfungen durch Elektroauto-Prämie“

Allein bis 2025 werde Deutschland insgesamt 10 Milliarden Euro an Prämien für rein und teilweise elektrische Autos ausgeben müssen, wenn der jüngste Schwung erhalten bleibe, schreibt Ferdinand Dudenhöffer vom Duisburger Center Automotive Research (CAR) in einem aktuellen Beitrag für die Fachzeitschrift Wirtschaftsdienst. Hinzu kämen Steuervorteile für Elektroautos, Fördergelder für Lade-Infrastruktur und weitere Zuschüsse auf Ebene der Bundesländer.

Dies berge zum einen die Gefahr, dass der Elektroauto-Boom als Strohfeuer ende, wenn nicht mehr so reichlich öffentliche Fördermittel zur Verfügung gestellt würden, erklärt der Direktor des seit kurzem privaten Forschungsinstituts weiter. Und zweitens brächten die Subventionen weitere Verwerfungen mit sich. So steige, teils staatlich unterstützt, die durchschnittliche Leistung neu zugelassener Autos in Deutschland. Zudem spielt laut Dudenhöffer „der Leasingmarkt verrückt“. Denn vor Einführung und Erhöhung der Prämie gekaufte Elektroautos seien nach der Rückgabe an die Gesellschaften nur mit hohem Verlust verkaufbar.

Eine viel diskutierte Alternative zur Verbilligung von Elektroautos auf Staatskosten besteht darin, stattdessen die Treibstoff-Kosten für Verbrenner drastisch zu erhöhen. Dem wird aber gern entgegengehalten, dass das sozial ungerecht wäre: Viele Menschen seien auf ein Auto angewiesen, und ausgerechnet Personen mit niedrigerem Einkommen könnten sich trotz Förderung kein Elektroauto leisten und hätten deshalb keine Chance, mit dem gewünschten Umstieg den höheren Kosten zu entgehen.

Auch Tesla-Chef für CO2-Steuer

Dieses Argument hat seine Berechtigung und scheint Politiker tatsächlich davon abzuhalten, diesen Weg zu gehen. So sagte Tesla-Chef Elon Musk vor kurzem in einem Interview, er habe sich bei der neuen US-Regierung um Präsident Joe Biden für eine Besteuerung nach dem CO2-Ausstoß ausgesprochen. Dabei erwähnte Musk, dass eine solche Steuer nicht „regressiv“ sein solle, sich also auch nach dem Einkommen der Zahlenden richten solle. Doch die Antwort an den Tesla-Chef war nach seiner Erzählung ablehnend: Biden-Mitarbeiter hätten eine CO2-Steuer als politisch zu kompliziert bezeichnet.

Der deutsche Auto-Forscher macht in seinem Fachbeitrag allerdings einen interessanten Vorschlag, der sich sowohl einfach als auch gerecht anhört. Statt eine Kaufprämie für Elektroautos zu bezahlen, solle der Staat mit Steuern den Preis für Benzin und Diesel verdoppeln, schreibt Dudenhöffer. Ohne ausgleichende Maßnahmen drohe dann eine Gelbwesten-Revolte wie in Frankreich. Aber daran hat der Forscher gedacht: Die erhöhte Steuer solle jeweils zurückerstattet werden – außer an Personen, die nach dem Stichtag ein neues Auto angeschafft hätten. Damit wäre ein Elektroauto finanziell fast automatisch die bessere Wahl, aber eben nur bei einem Neukauf, und finanziell schwächere Menschen könnten ohne Mehrbelastung ihren Verbrenner weiter fahren.

Im Detail kann man sicher auch an diesem Vorschlag Schwächen finden – zum Beispiel lassen sich alte Autos nicht endlos lange reparieren, so dass ein (kleines) neues irgendwann billiger kommt. Aber grundsätzlich hätte er den Charme, in einer zudem leicht erklärbaren Form das politisch und ökologisch unerwünschte Verursachen von CO2-Emissionen drastisch teurer zu machen und gleichzeitig Über-Förderung, Markt-Verwerfungen und unsoziale Belastungen zu vermeiden.

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