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Schwacher Auftakt: VW ID.4 kommt in China gegen Tesla und lokale Konkurrenz nicht an

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Bild: VW ID.4 (Europa-Variante, Foto: Volkswagen)

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Wenn man sich die anhaltende Spitzenposition von Tesla vor lokalen Herstellern in China ansieht, könnte man auf die Idee kommen, westliche Elektroautos seien dort ganz allgemein beliebter. Doch drei Monate nach dem Start des ID.4 in zwei Varianten zusammen mit chinesischen Autofirmen macht Volkswagen dort eine ganz andere Erfahrung. In diesem Mai wurden von den beiden China-ID.4 zusammen nur 1213 Stück verkauft – vom lokal produzierten Tesla Model Y dagegen etwa zehnmal so viele.

Nur Tesla und Chinesen in Top-15

Mit dem ID.4, angeboten als ID.4 X in dem Joint-Venture mit SAIC und als ID.4 Crozz zusammen mit FAW, hat sich VW das gefragte SUV-Format für seinen Elektroauto-Start in China ausgesucht. Seit diesem März ist es dort wie schon vorher ohne Namenszusätze in Europa und den USA auf dem Markt. Aber während die zwei VW-Joint-Ventures bei Plugin-Fahrzeugen (also auch hybriden) im Mai insgesamt an der Spitze der China-Verkäufe standen, ist das reine Elektroauto ID.4 nur unter ferner liefen zu finden.

Das lässt sich umfangreichen Daten zum chinesischen Automarkt vom Verband CPCA entnehmen, die der Twitter-Beobachter @DKurac in dieser Woche veröffentlichte. Am besten verkaufte sich demnach erneut der SGMW Hongguang Mini EV, der seinem Namen als Kleinstauto voll gerecht wird und nur etwa 4000 Euro kostet. Dann folgten das Model Y von Tesla mit 12.828 China-Verkäufen im Mai 2021 und das Model 3 mit 9208. Den Rest der Top-15 besetzen rein chinesische Elektroautos vom Changan BenBen bis zum Nio ES6, der noch 3017-mal gekauft wurde.

Und wahrscheinlich würden noch viele weitere folgen, bevor das erste VW-Elektroauto auftaucht, wenn alle dazwischen in der Liste stünden. Jedenfalls kauften Chinesen den ID.4 X im Mai nur 787-mal und den ID.4 Crozz nur 426-mal. Zusammen waren es also 1213 Stück, etwa ein Zehntel der Verkaufszahl beim Tesla Model Y und ein Achtel von der beim Model 3.

Mit einem schwierigen Anlauf lässt sich das nach dem Start im März wohl nicht mehr erklären, zumal die Zahlen im April noch etwas höher gewesen sein sollen, wie Reuters dazu berichtete. Unternehmensnahe Quellen gaben sich gegenüber der Agentur denn auch kaum Mühe, ihre Enttäuschung zu verhehlen: Die Verkäufe lägen weit unter den Erwartungen, sagte eine davon, die Kunden würden aktuell beim ID.4 einfach nicht zugreifen. Das Jahresziel für beide Varianten zusammen hat laut dem Bericht zuvor mindestens 100.000 Stück betragen. In einer offiziellen Stellungnahme teilte VW dagegen mit, die China-Verkäufe während des Aufbaus von Produktion und Vertriebsnetz entsprächen den Erwartungen.

VW im Elektrouto-Hintertreffen?

Interessant – und für VW vielleicht beunruhigend – sind auf jeden Fall die Begründungen, die Befragte für die relative ID.4-Schwäche in China nannten: Ganz anders als in Europa würden lokale Käufer viel Wert auf Technologie und ein Science-Fiction-Gefühl in Elektroautos legen, und ihre Marken-Loyalität sei gering ausgeprägt, sagte ein lokaler Marktforscher zu Reuters. Ähnlich äußerte sich ein befragter Kunde.

Wenn diese Einschätzung stimmt, dürfte Volkswagen also auch mit den weiteren ID-Modellen für China keine allzu guten Chancen haben. Denn wie den MEB-Baukasten als die recht gelungene physische Einheitsplattform dafür werden sie wohl auch dieselbe aktuelle VW-Software und Elektronik-Architektur haben. In diesem Bereich hat das Unternehmen nach Einschätzung der eigenen Führung gegenüber Tesla noch am meisten aufzuholen – und wie es aussieht, auch gegenüber chinesischen Herstellern, die bei konventionellen Autos bislang eher hinterher zu sein schienen.

Aktualisierung: Auf Nachfrage von teslamag.de gab Lei Xing eine Einschätzung dazu ab, früherer Chefredakteur der Zeitschrift China Auto Review. Jedenfalls die externen Erwartungen habe Volkswagen mit seinem chinesischen Erst-Elektroauto definitiv verfehlt – er selbst hätte auf jeden Fall mit vierstelligen Monatsverkäufen für beide Varianten des ID.4 gerechnet, erklärte er. Der Umstieg für westliche Marken ist in China laut Xing schwierig, weil bei intelligenten Elektroautos einheimische Marken die Maßstäbe setzten. Von einem VW-Misserfolg in China könne man aber noch nicht sprechen. In ein paar Monaten werde sich zeigen, ob die dort neu eingeführten Modelle ID.3 und ID.6 besser ankommen.

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