Bei Tesla scheinen die Zeiten des rapiden Wachstums vorerst vorbei zu sein – für dieses Jahr erwarten Analysten einen Umsatz-Anstieg um etwa 11 Prozent und für 2027 um rund 14 Prozent, nachdem er 2025 sogar leicht gesunken war. Bei SpaceX aber, seit diesem Juni als zweites großes Unternehmen unter Elon Musk an der Börse notiert und dort vom Start weg wertvoller als Tesla, soll es in den nächsten Jahren weiter dreistellig vorangehen: Für sein Weltraum-Unternehmen sagte Musk jetzt eine Zunahme des Umsatzes auf 1 Billion Dollar bis 2030 voraus.
Tesla und SpaceX rücken zusammen
Zwar hat auch SpaceX nach dem steilen Anstieg direkt nach seinem Rekord-Börsengang inzwischen Federn gelassen, mit zuletzt rund 1,75 Billionen Dollar war das Unternehmen aber immer noch höher bewertet als Tesla mit etwa 1,3 Billionen Dollar. Für viele Beobachter ist es nur eine Frage der Zeit, bis Musk eine Fusion seiner beiden Unternehmen angeht. Seine neuesten Zukunftsprojekte wie eine Chip-Fabrik und KI-Satelliten im Weltraum hat er ohnehin bereits als Gemeinschaftsarbeiten von Tesla und SpaceX angelegt.
Vergangene Woche hielt Musk die erste Quartalskonferenz als SpaceX-CEO seit dem Börsengang ab. Vorher gab das Unternehmen Wachstumszahlen bekannt, von denen Tesla seit einiger Zeit nur noch träumen kann: Der Umsatz von SpaceX in Q2 2026 war mit 7,8 Milliarden Dollar 92 Prozent höher als ein Jahr zuvor. In der Konferenz legte Musk nach: In diesem Dezember solle SpaceX eine annualisierte Umsatz-Rate (ARR) von 100 Milliarden Dollar und im Jahr 2030 (statt bislang 2031) 1 Billion Dollar Umsatz erreichen.
1 Bill. $ SpaceX-Umsatz geplant
Insbesondere der zweite Wert klingt so ambitioniert, dass er Verwirrung stiftete. Bestimmt habe der CEO den kumulierten SpaceX-Umsatz bis zum Jahr 2030 gemeint, schrieb zum Beispiel ein am Börsengang beteiligter Analyst auf X. Nein, er habe vom Umsatz nur in dem einen Jahr gesprochen, stellte Musk in einer Antwort am Sonntag klar. Natürlich bestehe die Möglichkeit, dass SpaceX dieses Ziel nicht erreiche oder sich damit etwas vormache, aber dies sei eine echte interne Prognose, schrieb er.
No, I meant actual revenue in the year 2030 itself, not cumulative, which would be a higher number.
Of course, it’s always possible that we flounder along the way or are delusional, but those are our actual internal projections.
— Elon Musk (@elonmusk) August 8, 2026
Schon in der Konferenz hatten Musk und andere Manager zu den Umsatz-Zielen erklärt, diese sollten wie schon das tatsächliche Wachstum in Q2 2026 von allen drei SpaceX-Sparten gleichermaßen getragen werden. Dabei handelt es sich um die Bereiche Weltraum, also Raketen-Starts und -Dienste, Konnektivität (Starlink-Internet über Satelliten) und KI (Vermietung von Infrastruktur und eigene Modell-Einahmen). Der CEO selbst hob dabei vor allem das Potenzial von Starlink hervor.
200 Mrd. $ nur mit Starlink-Internet
Am Wochenende wurde er dazu auf X konkreter. Aufgrund von KI und Robotik werde die Nachfrage nach Bandbreite massiv zunehmen, kommentierte Musk eine Prognose, laut der allein der Starlink-Dienst 1 Billion Dollar wert sein könne, und schätzte selbst „viel mehr als das“. Starlink könne 25 Prozent Anteil an einem verdoppelten Markt erreichen, was einer halben Billion Dollar Einnahmen jährlich entspreche. Langfristig sei sogar denkbar, dass SpaceX mehr als 50 Prozent des weltweiten Internet-Verkehrs transportiere und so 1 Billion Dollar pro Jahr einnehme.
Some of the things I say are speculative or aspirational and some are not.
What is not speculative is that the V3 satellites that will be launched on Starship are an order of magnitude more capable than the V2 satellites currently launched on Falcon.
Or that an order of…
— Elon Musk (@elonmusk) August 8, 2026
Nicht spekulativ sei jedenfalls, dass die neue Generation V3 der Starlink-Satelliten eine Größenordnung leistungsfähiger sei als V2, fuhr Musk in einer weiteren X-Antwort fort. Außerdem werde SpaceX davon eine Größenordnung mehr ins Weltall bringen, was zusammen mehr als 100-mal so viel Bandbreite wie bisher bedeute. Und weil schon für Starlink V2 mit 20 Milliarden Umsatz-Rate Ende 2026 zu rechnen sei, werde SpaceX selbst dann noch 200 Milliarden Dollar Umsatz mit Starlink machen, wenn die Kosten pro Gigabit um den Faktor 10 fallen.
Will Musk Tesla billiger machen?
Solche Rechnungen klingen überzeugend, wenn man außer Acht lässt, dass Musk in der Vergangenheit ähnliche Prognosen für rapides Wachstum von Tesla (auf 20 Millionen Elektroautos jährlich) abgegeben hat, aus denen bislang wenig wurde. Auch das seit Jahren angekündigte autonome Fahren mit Tesla-FSD lässt für normale Kunden auf sich warten. Und zur Expansion des eigenen Robotaxi-Dienstes äußerte sich Musk zuletzt so ungewohnt vorsichtig, dass manche Aktionäre vermuten, er wolle vor einem Übernahme-Angebot den Kurs von Tesla relativ zu dem von SpaceX drücken.
