Vor dem Börsengang seiner Weltraum-Firma SpaceX steht Elon Musk nicht nur Bankern und großen Anlegern Rede und Auskunft, sondern auch eigenen Mitarbeitern: Am Montag veröffentlichte das Unternehmen, offenbar nur auf seiner inzwischen eigenen Plattform X, ein Interview mit dem Tesla- und SpaceX-Chef, in dem es unter anderem um die gemeinsamen Pläne für Chip-Produktion und Flotten von KI-Satelliten im Weltraum geht. Aktualisierung: Am Donnerstag gab SpaceX das Ergebnis seines öffentlichen Aktien-Angebots bekannt (s. ganz unten)
SpaceX vor Rekord-Börsengang
In wenigen Tagen – ab Freitag, den 12.6. – dürfte es ein weiteres Musk-Unternehmen mit Billionen-Wert an der Börse geben und der CEO von beiden damit zum Billionär werden. Mit 1,75 Billionen Dollar vom Start weg strebt er für SpaceX eine absolute Rekord-Bewertung für einen Debütanten an, und auch die aufgenommene Summe soll mit 75 Milliarden Dollar so hoch werden wie nie zuvor. Vergangene Woche deutete Musk an, dass das nur der Anfang gewesen sein könnte: Tesla habe zum Börsengang in 2010 nur 0,1 Prozent seines heutigen Werts gehabt.
Tesla IPO market cap was 0.1% of its current value https://t.co/UhlqbkauzX
— Elon Musk (@elonmusk) June 2, 2026
Umgerechnet auf SpaceX bedeutet das, dass die Weltraum-Firma in 16 Jahren 1750 Billionen Dollar wert sein könnte – was nicht einmal die größten Optimisten unter den Banken vorhersagen, die den Börsengang begleiten. Musks großes Ziel mit ihr bleibt eine Besiedelung des Mars. Davon spricht er seit vielen Jahren und erklärte im Juli 2020, dass letztlich auch Tesla nur der Finanzierung von SpaceX-Missionen dient. Inzwischen aber hat er das Elektroauto-Unternehmen stark verändert, und es ist auch an vergleichsweise konkreten SpaceX-Vorhaben beteiligt.
Musk-Pläne mit Tesla und SpaceX
Unter anderem darüber äußerte sich Musk jetzt in dem Interview mit zwei SpaceX-Beschäftigten, von denen einen nach den Angaben im Video zum Bereich Kommunikation gehört und der andere die Satelliten-Entwicklung leitet. Tesla und SpaceX wollen zusammen eine Terafab für massenhaft KI-Chips bauen, bekräftigte der CEO. Ein großer Teil davon soll nicht auf der Erde zum Einsatz kommen, sondern im Weltraum, eingebaut in tausende Satelliten mit solarer Stromversorgung, die zusammen riesige Rechenzentren ohne Standort- oder Energie-Probleme bilden.
Watch @ElonMusk provide a technical update on SpaceX’s capability to manufacture, launch, and operate AI satellites at scale → https://t.co/PSCyWrNsOg pic.twitter.com/vhtr46uax7
— SpaceX (@SpaceX) June 8, 2026
Dazu braucht es genügend Transport-Kapazität ins All, genügend Photovoltaik und genügend KI-Chips, erklärte Musk in dem Interview zum Börsengang. Um den ersten Punkt soll sich SpaceX mit seinen großen Starship-Raketen allein kümmern, bei den anderen beiden ist nach früheren Angaben auch Tesla beteiligt. So erwähnte Musk eine Terafab für Chips erstmals bei der Tesla-Hauptversammlung im November 2025; dass der Großteil davon mit SpaceX im Weltraum eingesetzt werden soll, verriet er erst in diesem März.
KI-Satelliten mit Photovoltaik-Segeln
In dem X-Video von Montag konkretisierte Musk, dass jeder der KI-Satelliten in der ersten Generation, genannt AI1, eine durchschnittliche Rechenleistung von 120 Kilowatt haben soll. Solar-Segel mit 70 Metern Spannweite sollen bis zu 150 Kilowatt Stromleistung liefern (s. Grafik oben). Um genügend Chips für den Ausbau zu bekommen, sei die eigene Terafab mit Tesla unverzichtbar – das Ziel ist 1 Terawatt neue KI-Rechenleistung jährlich, etwa zehnmal so viel wie heute weltweit. Dafür ist laut Musk das zehnfache der Fläche der Tesla-Gigafactory in Texas erforderlich, die selbst schon riesig ist.
Update: SpaceX-IPO nach Musk-Wünschen
Anleger haben sich von den Musk-Visionen offenbar überzeugen lassen: Am Donnerstag gab SpaceX bekannt, dass die angebotenen 555.555.555 Aktien des Unternehmens wie vom CEO und seinem Team vorgegeben 135 Dollar pro Stück kosten. Das bedeutet frisches Kapital in Höhe von rund 75 Milliarden Dollar, das für die Realisierung zur Verfügung steht. Hinzu kommt eine Mehrzuteilungsoption von 83.333.333 Aktien, die weitere gut 11 Milliarden Dollar einbringen könnte. Am Freitag soll SpaceX erstmals an der Börse gehandelt werden – mit heftigen Kursschwankungen wurde weithin gerechnet.
