Einen so praktischen Web-Konfigurator für seine Megapacks wie in den USA bietet Tesla in europäischen Ländern nicht an – was aber nicht bedeutet, dass der Großspeicher dort nicht vermarktet würde. Im Gegenteil wurde am Dienstag aus Europa der bislang möglicherweise größte Megapack-Auftrag überhaupt bekannt: Für die britische Energie-Firma NatPower soll Tesla zunächst 25 Gigawattstunden neue Akku-Kapazität installieren. Auf längere Sicht könnten die Unternehmen zusammen sogar mehr als 100 Gigawattstunden realisieren.
Europa-Rekorde mit Megapacks
Das gab NatPower in einer Presse-Mitteilung bekannt und wurde wenig später vom Megapack-Konto von Tesla auf X bestätigt. Nach diesen Angaben haben die beiden Seiten eine über mehrere Jahre laufende Vereinbarung getroffen, bei der es um Batterie-Speichersysteme mit mehr als 25 GWh Kapazität für verschiedene europäische Märkte geht. Das Volumen verteilt sich auf zunächst fünf Projekte in Italien und Großbritannien.
https://twitter.com/Tesla_Megapack/status/2069464985743634917
Schon das sind erhebliche Dimensionen. Die angestrebte Neubau-Kapazität entspricht knapp 70 Prozent von allem, was Europa nach aktuellen Zahlen in 2025 an Batterie-Speichern hatte (36 GWh). Mit rechnerisch im Durchschnitt 5 Gigawattstunden pro Megapack-Projekt mit NatPower dürfte jedes einzelne davon im jeweiligen Land das größte seiner Art werden – wenn ihm nicht andere zuvorkommen, denn derzeit wird in Europa (nicht zuletzt in Deutschland) und weiteren Regionen kräftig in stationäre Akkus investiert.
Tesla-Software Autobidder im Einsatz
Im Fall der Vereinbarung mit NatPower trägt Tesla dazu nicht nur als Hardware-Lieferant und -Installateur bei: Laut der Mitteilung will das britische Unternehmen zur Vermarktung der kommenden Megapack-Kapazität auch die Software Autobidder nutzen, die Tesla schon vor vielen Jahren als KI-Lösung für den Handel an Strombörsen einführte. Die Namensähnlichkeit zum Autopilot-System für Elektroautos dürfte kein Zufall sein, wobei diese Bezeichnung in den USA in diesem Frühjahr wegfiel, wohl weil Tesla deshalb ein Verkaufsverbot in Kalifornien drohte.
Mit der Autobidder-Software (und bei Elektroautos mit überwachtem FSD) aber geht es weiter, und der Rekord-Auftrag von NatPower könnte der Energie-Sparte von Tesla neuen Schwung geben. Das Megapack wurde vor kurzem in seiner dritten Generation vorgestellt, später in diesem Jahr soll deren Produktion in der eigenen Megafactory in Kalifornien beginnen. Die Kapazität dieser ersten Megafactory gibt Tesla mit 40 Gigawattstunden pro Jahr an; eine weitere mit 20 GWh steht in China, für Texas ist ebenfalls eine geplant.
Milliarden-Auftrag für Tesla
Das Energie-Geschäft von Tesla liefert seit mehreren Quartalen meist zweistelliges Wachstum – enttäuschte in Q1 allerdings mit einem Rückgang der installierten Speicher-Kapazität auf 8,8 GWh. Rechnerisch möglich wären derzeit 15 GWh an Megapacks pro Quartal. Allein der NatPower-Auftrag würde Tesla also eine Weile auslasten. Und er könnte nur der Anfang gewesen sein, denn laut dem Kunden sind die fünf Gigawatt-Projekte die erste Phase eines Programms für sogar gut 100 GWh neue Akkus. Die gesamten Kosten dafür werden auf 4-5 Milliarden Dollar geschätzt, die Einnahmen damit auf 20 Milliarden Dollar.
