US-Verkehrsaufsicht stellt Untersuchungen ein: Autopilot nicht schuld am tödlichen Unfall

Die US-Verkehrsaufsichtsbehörde NHTSA hat die Untersuchungen zu einem tödlichen Unfall mit einem Tesla Model S eingestellt. Der Unfall ereignete sich Anfang Mai letzten Jahres im US-Bundesstaat Florida und war der erste tödliche Unfall, bei dem der Autopilot im Tesla eingeschaltet war. Die NHTSA wollte mit den Untersuchungen klären, ob das System die Schuld am Unfall trägt.

Bei dem besagten Unfall ist ein Model S an einer Kreuzung mit einem abbiegenden Lastwagen zusammengestoßen. Vorläufige Ermittlungen des NHTSA deuteten darauf hin, dass die Kameras des Model S die weiße Flanke des Sattelzugs nicht vom hellen Himmel unterscheiden konnten. Das Auto sei daraufhin seitlich in den LKW gefahren, woraufhin die Windschutzscheibe eingedrückt wurde. Auch Tesla selbst erklärte, dass wohl weder der Fahrer noch der Autopilot den LKW vom hellen Himmel unterscheiden konnten.

Nun berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, dass die NHTSA die Untersuchungen eingestellt hätte und keine Schuld beim Autopiloten bzw. keinen Defekt am System von Tesla festgestellt habe. Demzufolge sei auch kein Rückruf verordnet worden.

Im September rückte Tesla mittels Update dann mehr den Radar der Fahrzeuge in den Vordergrund, sodass dieser – wie das Kamerasystem der Fahrzeuge – nun ebenfalls eine Bremsung einleiten kann. Zuvor wurde dies vom System ausschließlich durch die Kamera-Daten entschieden bzw. erforderte eine Bestätigung durch die Kameras. Laut Tesla hatte das Radar den Sattelzug des LKW erkannt, durfte zu der Zeit jedoch nicht die Kameras überstimmen.

Tesla reduzierte Unfallrisiko um 40% seit der Einführung der Lenkautomatik

Das NHTSA veröffentlichte die Untersuchungsergebnisse auf der eigenen Internetseite, welche jedoch wieder offline genommen wurden. Das Technikmagazin TechCrunch konnte die Ergebnisse jedoch vorher herunterladen und selbst veröffentlichen. Diese sind auch am Ende dieses Artikels angehängt. Dabei sind einige interessante Informationen veröffentlicht worden. So wurde festgestellt, dass durch die Einführung der Lenkautomatik (Autosteer) das Unfallrisiko von Tesla-Fahrzeugen um 40 Prozent gesenkt werden konnte.

Bei der Analyse wurden die gefahrenen Kilometer und die Anzahl der durch Unfälle ausgelöster Airbags herangezogen, wobei ausschließlich Fahrzeuge mit der Autopilot-Hardware analysiert wurden (Model S Produktionszeitraum 2014-2016 und Model X ab 2016). Dabei wurde ein Vergleich vor und nach der Installation der Lenkautomatik durchgeführt.

Unfälle pro Millionen Meilen vor und nach der Einführung der Lenkautomatik (Abbildung © NHTSA)

Das NHTSA kommt nach einer Rekonstruierung des Unfalls zu dem Schluss, dass der Tesla-Fahrer den Sattelzug mindestens sieben Sekunden lang vor dem Unfall hätte sehen können. Deshalb gibt auch das NHTSA – genau wie Tesla – noch einmal den Hinweis, dass man als Fahrer stets die Kontrolle über das System behalten muss und sich nicht ausschließlich darauf verlassen sollte.

Das NHTSA ist zwar der Meinung, dass Tesla noch detaillierter über den Autopiloten aufklären könnte, bestätigte jedoch auch, dass man im Benutzerhandbuch man auf die Limitierungen des Systems hinweist. Deshalb fordert das NHTSA allen Tesla-Fahrern auf, das Benutzerhandbuch mit all seinen Anweisungen und Warnhinweisen sorgfältig zu lesen, bevor man den Autopiloten nutzt.

NHTSA's full report on Tesla's 2016 fatal Autopilot crash by TechCrunch on Scribd

  • Don-Umbro

    Bei der Angabe der Unfallraten mit und ohne vorhandenem Autopilot wäre es interessant zu wissen, welche absoluten Zahlen dahinter stehen bzw. mit welcher stochastischen Sicherheit die Werte zu betrachten sind. Ich konnte in dem Artikel leider keine Angabe darüber finden. Also prinzipiell bin ich auch der Überzeugung, dass Fahrerassitenzsysteme (und später selbstfahrende Fahrzeuge) die Unfallraten deutlich reduzieren werden.
    Aber überspitzt gesagt: Wenn wir einmal mit Autopilot drei Unfälle und ohne vier Unfälle hatten, kann man daraus schon eine Regel ableiten?

  • eCar-Fan und TESLA-Fahrer

    Ausnahmslos alle Medien -von Fernsehen über Rundfunk, Auto- sowie Publikumszeitschriften bis hin zur Regenbogenpresse- haben über den tödlichen Unfall eines TESLA mit Autopilot groß und breit berichtet. Meist schlecht oder gar nicht recherchiert und nur abgeschrieben, teils sogar mit hinzu gedichtetem völligen Schwachsinn.

    Ich bin mal gespannt, wie all diese Medien angesichts des Untersuchungsergebnisses der NHTSA darüber berichten werden, dass der Autopilot definitiv nicht schuld an dem tragischen Unfall war. Und ob sie -wenn überhaupt- dann unter „ferner liefen“ irgendwo klein mit 2 Zeilen oder mit vernünftigen Artikeln darüber berichten werden. Ich vermute mal eher, keine oder nur „homöopathische“ Berichterstattung. Negative Schlagzeilen lassen sich bekanntlich besser vermarkten…..

    • halo55

      Die FAZ berichtete gestern über die Entscheidung der NHTSA. Allerdings mit einer äußerst negativen Wortwahl. Wobei auch suggeriert wird, das eine abschließende Entscheidung noch ausstehen würde und die Überschrift klingt etwas nach Bedauern über den positiven Ausgang. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/autonomes-fahren-keine-folgen-fuer-tesla-nach-toedlichem-unfall-14708191.html Und auch im Kommentar versucht der Autor dem Ganzen etwas Negatives anzudichten. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/kommentar-teslas-baerendienst-14708187.html

    • Vomer

      Das hat einen einfachen Grund: Das Autofahren ist für den Deutschen nunmal sein Baby. Versucht man es ihm streitig zu machen, geht er in den Angriffsmodus über. Auch Journalisten können sich von der Emotion „Auto“ nicht freisprechen – sie sind ja auch nur Menschen.
      Und da Artikel und Kommentare nunmal immer von Menschen geschrieben werden, sind sie immer subjektiv. Unbequeme Wahrheiten werden so schnell relativiert oder schlicht ignoriert und bequeme Wahrheiten hervorgehoben. Das gilt für Kritiker wie auch für Befürworter.
      Eine möglichst neutrale und vollständige Gegenübestellung der Fakten wäre wahrscheinlich zu komplex und der Artikel zu lang. Der Leser von heute braucht einen Reibungspunkt oder ein Happy End, sonst liest er die Artikel nicht. Wohin die Reise für den Leser geht, wird ja meist schon in der Artikelüberschrift oder Subheadline angekündigt und dort auch schon von den Autoren bewusst polarisiert oder provoziert. Wie unsinnig das ist, zeigt sich in den sozialen Medien: Immer öfter müssen „Welt“ und „Zeit“ darauf hinweisen doch bitte den Artikel komplett zu lesen, bevor sich die Leute einen Meinung bilden und kommentieren.

      Aber es ist schon paradox. Auf der einen Seite schreien die Autoren gradezu nach Innovation. Ist sie dann da, reden sie die Innovation schlecht.

  • PV-Berlin

    Die Zahlen sind leider alle verifiziert. Je X Personenkilometer so viel Unfälle mit Personenschaden und Todesopfer. Das ‚funktioniert‘ über die Rückversicherer, die jeden schweren Unfall auf den Tisch bekommen. Deshalb darf man den 40% schon glauben. Was eine gigantische Verbesserung darstellt. Die Änderung von 40% bedeutet schlicht, das man deutlich mehr als 40% an Schadenssumme spart.

    Wahrscheinlich ist, dass die Hersteller selbst zu Erstversicherung sich entwickeln werden und die Rückversicherer in ihrer Position bleiben werden. Die vielen gesammelten Daten erleichtern das unglaublich für die Rückversicherer. Der Autopilot sollte dazu führen, dass die sehr schweren Unfälle dramatisch weniger werden, was zu einer unglaublichen Entlastung der Volkswirtschaften führen wird.

    https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2016/12/PD16_439_46241.html

    Hier geht es um zweistellige Mrd. € p.A. nur für D. In den USA darf man von mehr als 100 Mrd. $ ausgehen.

    Alleine nicht zu Tode gekommene Fußgänger und Radfahrer (bzw. Invaliden) ist unfassbar viel Schmerz und Geld, was ‚gespart‘ wird.