Unternehmen, die an der Realisierung deutschen Gigafactory von Tesla in Grünheide bei Berlin beteiligt sind, haben ein Problem: Sie würden gern intensiv öffentlich darüber berichten, denn von Tesla als Partner für das ehrgeizige Projekt ausgewählt zu werden, verspricht einen erheblichen Image-Effekt. Auf der anderen Seite ist der anspruchsvolle Kunde bekannt dafür, Geheimhaltung zu verlangen, was die Marketing-Möglichkeiten begrenzt. Der deutsche Maschinenbauer Dürr hat jetzt einen Weg gefunden, um die widerstreitenden Wünsche miteinander zu vereinen – einer Mitteilung von ihm lässt sich entnehmen, dass von ihm hergestellte Roboter-Technik auf der Giga-Baustelle eingetroffen ist. Eine Großlieferung aus China steht allerdings noch aus und könnte sich verspäten.
Tesla-Lieferant löscht LinkedIn-Nachricht
„Unsere Roboter sind auf dem Weg zu ihren Kunden“, schrieb Dürr am Dienstag in einem LinkedIn-Beitrag und veröffentlichte drei Fotos dazu. Auf einem davon ist ein Lastwagen mit Firmen-Logo und -Slogan auf einer Autobahn zu sehen, der auf dem zweiten seinen Zielort erreicht hat: „Freienbrink – Gemeinde Grünheide (Mark)“ steht auf einem Ortsschild. Im Hintergrund sieht man Container, die zu der Tesla-Baustelle gehören dürften. Auf einem weiteren Foto steht der Dürr-Lkw vor einer Halle. Die Seiten-Plane ist geöffnet, auf der Ladefläche sind drei verpackte Roboter-Arme und eine große Kiste zu sehen.
Ohne Tesla zu erwähnen, hat der börsennotierte Maschinenbauer also deutlich gemacht, dass auch er an der deutschen Gigafactory beteiligt ist. Laut einer auf Twitter gepflegten Übersicht liefert Dürr Roboter für die Lackiererei und Anwendungstechnologie in Giga Berlin; in welchem Umfang ist aber nicht bekannt.
Dass Tesla es mit der Geheimhaltung durchaus ernst meint, zeigte sich ebenfalls in dieser Woche. Der Mittelständler Bang Kransysteme war in seinem Giga-Marketing mutiger als Dürr und meldete, ebenfalls auf LinkedIn, soeben sei innerhalb von fünf Tagen ein Brückenkran aus dem eigenen Haus in der Gigafactory installiert worden. In der Nachricht fiel der Name Tesla und das Logo war auf einem Träger zu sehen – und inzwischen lässt sie sich auf LinkedIn nicht mehr aufrufen.
Giga Berlin wartet auf China-Roboter
Neben Bang und Dürr stehen auf der (nicht unbedingt vollständigen) Twitter-Liste der Tesla-Lieferanten 16 weitere Unternehmen. Eines davon und vielleicht das wichtigste ist die Stellantis-Tochter Comau: Nach Informationen von teslamag.de von Ende Januar sollte sie aus einem Werk in China 190 Container mit Produktionstechnik für Tesla nach Grünheide schicken. Anfang März sollten die ersten 110 Container in Hamburg eintreffen und dann per Bahn und Lkw zur Tesla-Baustelle gebracht werden.
Eine solche Großlieferung dürfte den Gigafactory-Beobachtern vor Ort auch ohne Marketing-Hinweise nicht entgehen, doch zuletzt haben sie dort keine Lastwagen-Kolonne mit Maschinen gesehen, wie einer von ihnen teslamag.de am Mittwoch wissen ließ. Aus Logistiker-Kreisen wurde bestätigt, dass eine Verzögerung möglich sei. Schon seit Januar seien hohe Frachtpreise ein Hemmnis gewesen, und zusätzlich habe die tagelange Blockade des Suez-Kanals durch ein feststeckendes Frachtschiff bis Anfang dieser Woche „die Ankunft sicher nicht beschleunigt“.