Bild: Tesla (Symbolfoto)
Bei Tesla hat eine neue Ära begonnen – oder doch nicht? Am Donnerstag meldete das Unternehmen eine „vollkommen unüberwachte Robotaxi-Fahrt“ in Austin, doch hinter dem Model Y wurde ein weiteres entdeckt, das einer Überwachung auf kurze Entfernung dienen könnte. In Nordamerika schaffte Tesla unterdessen die kostenlose Funktion Autosteer und die Bezeichnung Autopilot ab, was auch auf Europa zukommen könnte. Von dort wurde bekannt, dass die Zahl der Beschäftigten in der Fabrik im deutschen Grünheide deutlich gesunken ist. Und in einem Winter-Test des ADAC landete das Model Y auf dem zweiten Platz unter 14 Elektroautos.
„Unüberwachte“ Tesla-Robotaxis
Autonomes Fahren bei Tesla ist gemessen an Ankündigungen von CEO Elon Musk seit Jahren überfällig. Im vergangenen Juni sollte es zumindest in einem kleinen Teil der USA mit einem „Robotaxi“-Dienst in Teilen von Austin beginnen. Wie sich zeigte, wurde die dafür genutzte FSD-Software (für Full Self-Driving) aber immer noch beaufsichtigt, nur vom Beifahrer- statt wie bei der Version für Kunden vom Fahrersitz aus. Bis Ende 2025 sollte sich das laut Musk ändern und der Robotaxi-Dienst auf große Teile der USA ausgeweitet werden, aber beides blieb aus.
Trotzdem erreichte die Tesla-Aktie Ende Dezember einen neuen Rekordstand, nachdem in Austin Model Y ohne Insassen gesehen wurden. Laut Musk handelte es sich um Tests, und dann wurde es still darum, doch jetzt schien der nächste Schritt zu folgen: Mindestens zwei Kunden (die Tesla nahestehen) berichteten auf X, in der Stadt Model-Y-Robotaxis ohne FSD-Aufpasser genutzt zu haben. Tesla reagierte darauf mit der erwähnten Meldung vollkommen unüberwachter Fahrten, und KI-Chef Ashok Elluswamy schrieb von „Robotaxi-Fahrten ohne jeden Sicherheitsbeobachter“.
Fahrerloses Model Y mit Begleiter
Auch CEO Musk kommentierte die Robotaxi-Nachricht – schrieb aber „kein Sicherheitsbeobachter im Auto“, was die Möglichkeit offen ließ, dass die FSD-Überwachung nicht abgeschafft, sondern nur verlagert wurde. Tatsächlich fiel im Video der zweiten als unbeaufsichtigt bezeichneten Fahrt auf, dass dem Robotaxi ein weiteres Model Y folgte. Zudem gelang es mehreren anderen Kunden in Austin nicht, ebenfalls ein Tesla-Taxi ohne Aufpasser an Bord zu finden. Einer versuchte es nach eigenen Angaben am Freitag 22-mal, aber stets fuhr ein Model Y mit besetzten Beifahrersitz vor.
Von Tesla-Seite kam bis Samstag keine Reaktion auf diese Erkenntnisse. Die zunächst gefeierten Model Y ohne FSD-Aufsicht an Bord könnten also autonom im engeren Sinn gefahren sein oder auch nicht; auch die Frage, ob der Dienst in dieser Form jetzt wirklich „öffentlich verfügbar“ ist, wie KI-Chef Elluswamy geschrieben hatte, blieb offen. Mehr Informationen dazu könnte es am Mittwoch (28. Januar) geben, wenn Tesla seine Q4-Geschäftszahlen veröffentlicht und anschließend Fragen von Anlegern beantwortet.
Looks like Tesla's newly built Model Y Robotaxis in Austin now have three changes that previous Model Ys don't have.
• Rear camera washer
• Side repeater camera washers
• Black lines surrounding the entire front camera housing, which could mean improved sealing to prevent… pic.twitter.com/oPpESkLuP9— Sawyer Merritt (@SawyerMerritt) January 24, 2026
Unbeaufsichtigtes FSD in Elektroautos von Kunden, das laut Musk ebenfalls vor Ende 2025 verfügbar sein sollte, dürfte unabhängig davon noch länger auf sich warten lassen. Dafür spricht schon die Tatsache, dass bei einigen der in Austin eingesetzten Robotaxis jetzt Besonderheiten entdeckt wurden. Sowohl an der hinteren Kamera als auch an beiden Kameras seitlich vorne fielen Wasch-Vorrichtungen auf, die es bei normalen Model Y nicht gibt. Neuen Käufern verspricht Tesla in Nordamerika zudem schon länger kein autonomes Fahren mehr: Im September 2024 bekam die FSD-Option dort offiziell den Beinamen „supervised“.
Tesla USA schafft Autopilot ab
Im Kauf kostet sie in den USA 8000 Dollar, als Abonnement 99 Dollar pro Monat. Vor kurzem hatte Musk angekündigt, dass Tesla FSD ab Februar nur noch in dem Abo-Modell anbieten will. Der Preis dafür wird steigen, wenn sich die Fähigkeiten verbessern, warnte er am Freitag. Und möglicherweise als weiteren Anreiz für Kunden, vor Mitte Februar noch das inzwischen als überwacht bezeichnete FSD zu kaufen, strich Tesla in Nordamerika überraschend die Funktion Autosteer, also die Spurhalte-Assistenz, die seit Jahren Teil des kostenlosen Autopilot-Pakets war.
Tatsächlich verschwand mit ihr der Begriff Autopilot offenbar komplett von der US-Website von Tesla. Bei Google wurde die Support-Seite dazu am Samstag noch gefunden, aber ein Klick darauf führte zu einer neuen Seite mit dem Titel „Active Safety Features and Traffic-Aware Cruise Control“. Demnach bietet Tesla weiterhin Sicherheitsfunktionen wie automatische Notbremsungen und Warnungen. Lenkassistenz aber zählt nicht mehr dazu, sodass vom einstigen Autopiloten nur der adaptive Tempomat übrig blieb.
Sperre für Tesla-Verkauf drohte
Auch diese Entscheidung brachte Beobachter zum Rätseln. Außer mit dem Versuch, mehr Kunden zum Kauf von FSD zu bewegen, das diese und weitere Funktionen umfasst, könnte sie mit einer drohenden Verkaufssperre in Kalifornien zusammenhängen. Dort verlangte die Behörde DMV im Dezember, die ihrer Ansicht nach irreführenden Bezeichnungen „Autopilot“ und „Full Self-Driving“ innerhalb von 60 Tagen zu ändern, und drohte Tesla mit einem 30-tägigen Verkaufsverbot, falls nichts passiert.
Die Streichung des Begriffs Autopilot dürfte ausreichen, um die Behörde zufriedenzustellen – aber die Abschaffung von kostenlosem Autosteer wäre wohl nicht nötig gewesen. Seinem „Full Self-Driving“ wiederum hat Tesla in Nordamerika wie erwähnt schon 2024 die Einschränkung „supervised“ mitgegeben, die nicht mehr nur im Kleingedruckten klar macht, dass damit kein autonomes Fahren gemeint ist.
In Deutschland dagegen wird die FSD-Option weiterhin als „volles Potenzial für autonomes Fahren“ bezeichnet und nur klein darauf hingewiesen, dass damit auch nach zukünftigen Updates nur „nahezu“ gemeint ist. Auch den Begriff Autopilot gab es hierzulande und in anderen Ländern Europas am Samstag noch, ebenso wie die dazugehörige Support-Seite. Dabei ist zu beachten, dass die meisten FSD-Funktionen in Europa noch nicht zugelassen sind. Anders als in den USA bekommt man zunächst also praktisch keinen Gegenwert für einen Kauf.
Musk: Bald FSD für Europa & China
Nach Angaben von Tesla sollen FSD-Zulassungen in Europa im Februar beginnen, zunächst in den Niederlanden und dann rasch in weiteren Ländern. Die in dieser Ankündigung von November 2025 erwähnte Behörde RDW widersprach, aber bei einem Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos wiederholte CEO Musk sie jetzt, wenn auch vorsichtig: „Wir hoffen, die Genehmigung für überwachtes Full Self-Driving in Europa zu bekommen, hoffentlich nächsten Monat.“ Für China stellte er das Gleiche in Aussicht. Laut einem Bericht von China Daily bezeichnete eine nicht näher beschriebene Quelle dies jedoch als „nicht wahr“.
Ob Tesla nach der erhofften Genehmigung auch in Europa auf reine FSD-Abos umstellt und als Anreiz für den Abschluss das kostenlose Autopilot-Paket abschafft, wird sich zeigen. Der zweite Punkt hätte direkten Einfluss auf die Bewertung bei der Organisation Euro NCAP, die Tesla Model 3 und Model Y vor kurzem als sicherste Autos ihrer Klasse auszeichnete – unter anderem dank voller Punktzahl bei Spurhalte-Assistenz. Das und das dann fehlende Marketing-Argument könnte sich weiter negativ auf die zuletzt ohnehin schwachen Tesla-Verkäufe in Europa auswirken.
Jobs in deutscher Gigafactory
Im Jahr 2025 gingen sie im Vergleich zum Vorjahr laut Automotive World um 28 Prozent auf 235.000 Stück zurück, obwohl der gesamte Elektroauto-Markt wuchs. Damit wirkt die Tesla-Fabrik im deutschen Grünheide zunehmend überdimensioniert, zumal sie nur Model Y produziert und das Model 3 weiterhin aus China nach Europa kommt. Geplant war sie für 500.000 Elektroautos pro Jahr, die derzeit installierte Kapazität beträgt nach Tesla-Angaben 375.000 Stück. Vor diesem Hintergrund wurden bereits Zweifel an der Zukunft von „Giga Berlin“ laut, und offenbar wurden dort zumindest bereits kräftig Stellen abgebaut.
Nach aktuellen Zahlen des Betriebsrats seien in der deutschen Gigafactory 10.703 Personen beschäftigt, berichtete am Mittwoch das Handelsblatt. Vor zwei Jahren seien es noch 12.415 gewesen, was eine Verringerung um 14 Prozent bedeutet. Nach manchen Berichten dementierte Tesla diese Meldung, aber das scheint nicht korrekt: Im Vergleich zu 2024 habe es keinen nennenswerten Abbau in der Stammbelegschaft gegeben, teilte laut n-tv eine Sprecherin mit. „Schwankungen in dieser Größe der gesamten Belegschaft“ (also einschließlich Leiharbeitskräften) bezeichnete sie aber als normal.
Model Y überzeugt in Winter-Test
Zumindest in Deutschland könnte beim Absatz in diesem Jahr die am Montag bestätigte neue Elektroauto-Kaufprämie helfen, für die vorerst alle Tesla-Modelle qualifiziert sind. Zudem kam das Model Y als das wichtigste davon in einem „Winter-Stresstest“ des ADAC jetzt auf Platz 2 vor vielen teils deutlich teureren Elektroautos. Der Akku ist zwar kleiner und die Ladeleistung längst nicht mehr die höchste, aber als Paket stellte sich der Tesla aufgrund hoher Effizienz weiter als fast unschlagbar heraus.
Der Winter-Test des ADAC mit 14 Elektroautos für Familien fand auf dem Prüfstand statt, mit Daten, die auf realen Straßen gesammelt wurden. Nach den Angaben dazu betrug die Temperatur 0 Grad, das durchschnittliche Tempo 114 km/h. Unter diesen Bedingungen hatte das Tesla Model Y mit 22,2 kWh pro 100 km den niedrigsten Verbrauch. Dank größerem Akku und schnellerem Laden schnitt über 500 km einzig der Audi A6 Avant e-tron performance besser ab. Er kostet allerdings 25.000 Euro mehr als das Model Y, das zudem mit Allrad getestet wurde, obwohl es mit dem gleichen Akku auch eine noch effizientere (und billigere) Version mit Heckantrieb gibt.

