Elon Musk kann seinen Kurs korrigieren, aber zugeben, dass er falsch lag, kann er offenbar noch nicht: Überraschend kündigte der Tesla-Chef am Freitagmorgen die Einstellung des Cybertruck an, also des stählernen Pickups, über den er vor den ersten Auslieferungen Ende 2023 sagte, die Nachfrage danach sei unfassbar hoch. Die Verkaufszahlen sprachen dann eine andere Sprache, und jetzt scheint Musk die Konsequenz zu ziehen. Nach seiner Darstellung hat die Entscheidung jedoch andere Gründe.
Tesla Cybertruck weicht Cybercab
Die Produktion des Cybertruck in der Gigafactory Texas werde ungefähr ab Mitte nächsten Jahres heruntergefahren, schrieb der CEO auf X. An dem riesigen Standort bei Austin befindet sich auch der Hauptsitz von Tesla, an Elektroautos werden dort neben dem Cybertruck auch das Model Y und das reine Robotaxi Cybercab produziert. Und laut Musk wird der Pickup nicht etwa mangels Nachfrage eingestellt, sondern weil in Texas mehr Platz für das Cybercab gebraucht wird.
Tesla will be winding down production of the Cybertruck at Gigafactory Texas around the middle of next year to make room for increased Cybercab production
— Elon Musk (@elonmusk) November 6, 2026
Für die beiden Cyber-Autos nennt Tesla in seinem jüngsten Quartalsbericht eine Kapazität in in der Gigafactory Texas von jeweils 125.000 Stück pro Jahr. Die Produktion des Cybercab hat erst 2026 begonnen und läuft nach aktuellen Aussagen so gut, dass Tesla derzeit mehr davon baut, als sich als Robotaxis einsetzen lassen. Der Cybertruck wiederum wurden in Q3 2026 maximal 8295-mal verkauft, was etwa einem Viertel der rechnerischen Kapazität in dem Zeitraum entspricht.
Begründung wie bei Model S & X
Die exakte Cybertruck-Verkaufszahl lässt sich nicht angeben, weil Tesla sie nur zusammen mit der für Model S und Model X als „andere Modelle“ ausweist. Das dritte Quartal dieses Jahres war jedoch das erste, in dem die beiden Nicht-Pickups praktisch keine Rolle mehr spielten, denn deren Produktion im Werk Fremont stellte Tesla im ersten Halbjahr ein. Diese Entscheidung hatte Musk Ende Januar verkündet. Der Platz für Model S und Model X werde für die Produktion des Roboters Optimus genutzt, sagte er.
Die Begründungen für das Aus zunächst von Tesla Model S und Model X und jetzt des Cybertruck als drittes der „anderen Modelle“ ähneln sich also frappierend. In beiden Fällen behauptet Musk, der Platz in der jeweiligen Fabrik werde für ein anderes Produkt gebraucht. Ebenfalls in beiden Fällen wurde vorher über eine Einstellung wegen schwacher Verkaufszahlen spekuliert, die der Tesla-Chef zunächst dementierte. Die Produktion des Optimus-Roboters in Fremont hat nach Angaben von Ende Oktober begonnen, Verkäufe gibt es noch nicht.
Tesla-Manager nimmt Cybertruck-Abschied
Rein theoretisch hätte die Formulierung, dass die Cybertruck-Produktion in Texas endet, die Möglichkeit offen gelassen, dass er in Zukunft anderswo gebaut wird. Kurz nach der Musk-Ankündigung ließ jedoch der Tesla-Manager Wes Morrill erkennen, dass es damit nichts wird: Der Cybertruck sei eine „unglaubliche Plattform zur Technologie-Entwicklung“ gewesen und lebe im Cybercab weiter, schrieb er, nahm also schon Abschied von dem von ihm geleiteten Projekt.
Cybertruck was an incredible technology development platform and lives on through Cybercab. Thanks to everyone who contributed to making the future looking like the future
As well to the community of owners whose adventures I've enjoyed and will continue to follow ❤️ https://t.co/0nZoTJYC5o
— Wes (@wmorrill3) November 6, 2026
