Bis September war das Tesla Model Y das meistverkaufte Auto aller Antriebe in Europa – und für den ADAC ist seine Performance-Version das schlechteste von vier E-SUV. Ebenfalls unerfreulich für die Marke: In Kalifornien brannte ein Tesla Semi aus. Die Gemeinde Grünheide mit der deutschen Gigafactory freut sich unterdessen über mehr Steuer-Einnahmen. Und der Tesla-Roboter Optimus könnte noch dieses Jahr neu demonstriert werden, aber ein zu General Motors gewechselter Manager sieht darin ebensowenig Sinn wie in autonomem Fahren nur mit Kameras.
Model Y für ADAC auf letztem Platz
„Wer baut das beste Elektro-SUV“, fragte der ADAC am Donnerstag über einem Vergleich von BMW iX3, Mercedes GLC EQ, Tesla Model Y und Volvo EX60, jeweils mit Allrad und dem stärksten Antrieb. Der Sieger in diesem Elektroauto-Quartett war für den Club der Mercedes, der sich mit der Gesamtnote 1,8 vor BMW und Volvo mit 1,9 platzierte. Für das Tesla Model Y Performance als die Top-Version des meistverkauften Pkw in Europa bis September blieb damit nur der letzte Platz mit Note 2,2.
Bei Reichweite und Ladeleistung kann der Tesla-Bestseller, bei dem sich seit dem US-Start in 2020 nicht viel getan hat, nach den ADAC-Daten tatsächlich kaum noch mithalten. Der BMW iX3 50 xDrive kam mit einer Ladung seines viel größeren Akkus rund 50 Prozent weiter als das Model Y Performance, das Nachladen 10-70 Prozent ging 10 Minuten schneller (25 vs. 35). Auch Mercedes GLC 400 EQ 4matic und Volvo EX60 P10 AWD waren bei beiden Punkten besser; bei dem Volvo-Elektroauto mit China-Technik dauerte das Nachladen von 60 Prozent nur 17 Minuten.
Tesla-SUV kostet viel weniger
Kritisiert wird das Tesla Model Y vom ADAC vor allem für Karosserie-Qualität, Assistenten sowie fehlende Knöpfe und Schalter im Cockpit, gelobt für die Innen-Materialien, die besser seien als in dem BMW. Die schlechteste Gesamtnote entsteht durch einen deutlichen Abstand in den Kategorien Innenraum und Sicherheit, der im Text zum Test kaum erläutert wird. Bei Komfort, Antrieb und Fahreigenschaften konnte der Tesla dagegen mithalten.
Aktuell: Tesla Model Y bei ADAC-Vergleich mit E-SUV von BMW, Mercedes und Volvo Letzterhttps://t.co/hEs8grDhFx
— TeslaMag.de (@teslamag) October 30, 2026
Erwähnt, aber in der ADAC-Benotung offenbar nicht berücksichtigt wird die Tatsache, dass das getestete Model Y mindestens rund 10.000 Euro weniger kostet als die elektrischen Premium-SUV von BMW, Mercedes und Volvo. Serienmäßig recht großzügig ausgestattet, kostet der Performance-Tesla 62.990 Euro – und als Model Y Premium AWD mit kaum schwächerem Antrieb sogar nur 53.990 Euro, was den Abstand auf 20.000 Euro wachsen lässt. Entsprechend intensiv wurde die teslamag-Meldung zu dem ADAC-Vergleich auf X diskutiert.
Tesla Semi brennt auf Highway
Während das Model Y wohl nicht zuletzt wegen eines guten Preis-Leistung-Verhältnisses der Bestseller bleibt, muss Europa auf den 2017 angekündigten Tesla-Sattelschlepper Semi noch warten. In den USA wurden ab Ende 2022 erste Test-Exemplare an PepsiCo ausgeliefert, mit einem weiteren Event in diesem September feierte Tesla den Start der Auslieferungen von überarbeiteten Serien-Semis. Bislang dürften insgesamt weniger als 1000 der Tesla-Sattelschlepper unterwegs sein – und bei einem davon ging jetzt der riesige Akku in Flammen auf.
This is what it looked like for us, before cops or fire got there.
— Reo Eveleth (@reveleth.com) 28. Oktober 2026 um 15:11
Der ohne Unfall ausbrennende Tesla Semi auf einem Highway in Kalifornien sorgte für eine lange Sperrung und ebenfalls intensive Diskussionen. Brennende (Diesel-)Lastwagen gibt es in den USA laut Berichten 42-mal am Tag, weshalb ein einzelner Fall mit einem elektrischen von Tesla kaum ins Gewicht fällt. Andererseits ist die Semi-Stückzahl noch so gering, dass der Akku-Brand statistisch relevant sein könnte. Im Zuge der Debatte darüber stellte sich jedenfalls heraus, dass es sich bei dem ausgebrannten Semi um ein frühes Exemplar handelte, in dem wohl noch ein Akku aus 2170- statt heute 4680-Batterien steckte.
Tesla-Fabrik macht Grünheide reich
Eigene Batterien im 4680-Format nutzt Tesla inzwischen auch für manche Model Y aus seiner Fabrik im deutschen Grünheide. Ansonsten kommen sie im Cybertruck zum Einsatz, und im neuesten Tesla Roadster ab 2028 soll eine neuere Version eine deutlich höhere Ladeleistung erlauben. Das deutsche Model Y aber verkauft sich bislang auch ohne diese Akku-Weiterentwicklung gut, ebenso wie ohne das Assistenz-System FSD Supervised. CEO Elon Musk erwartet, dass FSD unter dem neuen Namen Tesla Assisted Driving in Q1 2027 in der ganzen EU zugelassen sein wird.
Nachdem bislang zehn kleinere Länder TAD erlaubt haben, könnte die EU-weite Zulassung weiteren Schub im Verkauf bringen, wie ihn sich Musk erhofft. Die deutsche Gigafactory, die Model Y für Europa und weitere Märkte liefert, scheint aber ohnehin bereits fast ausgelastet – Ende Oktober meldete Tesla für sie eine Rekord-Woche mit 7000 produzierten Elektroautos, was nah an der derzeit installierten Kapazität von 7500 liegt. Gleichzeitig sorgt die Gigafactory bereits für hohe Steuer-Einnahmen ihrer Heimat-Gemeinde Grünheide.
Zwar verrät ein RBB-Bericht dazu nicht, wie viel Gewerbe-Steuer die deutsche Tesla-Fabrik abführt. Doch Grünheide soll dadurch erstmals eine der finanzstärksten Gemeinden Brandenburgs sein und damit verpflichtet, einen Teil der Einnahmen ans Land abzutreten. Mit rund 3 Millionen Euro Finanzausgleich für 2025 gehört Grünheide nicht zu den größten Zahlern – ganz vorn blieb die Flughafen-Gemeinde Schönefeld mit 38,6 Millionen Euro. Doch der deutsche Tesla-Standort soll noch deutlich wachsen; im nächsten Jahr könnte der Bau einer zweiten großen Produktionshalle beginnen.
Optimus bei Konferenz im Dezember?
Nach Darstellung von CEO Musk sind solche Elektroauto-Pläne relativ unbedeutend, weil die Zukunft von Tesla in autonomem Fahren und noch mehr in humanoiden Robotern liege. Beides ging er im Abstand von etwa fünf Jahren an, und während zumindest die Produktion des rein autonom ausgelegten Tesla Cybercab gut läuft, ist von dem Optimus genannten Roboter, erstmals erwähnt 2021, immer noch wenig zu sehen. Nach Angaben im Q3-Bericht hat seine Produktion auf einer hochvolumigen Linie begonnen, doch Hardware wie Prozesse sind noch nicht endgültig.
No
— Elon Musk (@elonmusk) October 30, 2026
Die Vorstellung der zuvor angekündigten Optimus-Version 3 steht weiterhin aus. In der Q3-Konferenz kündigte Musk zumindest ein Video mit dem Tesla-Roboter in 1-2 Monaten an. Dabei könnte er die Veranstaltung „Humanoids Summit“ Anfang Dezember im Sinn gehabt haben, denn deren Ausrichter sagte jetzt dem San Francisco Standard, Tesla sei dieses Jahr ein wichtiger Partner. Das Unternehmen wolle bei der Konferenz Optimus V3 zeigen und wenig später Reservierungen dafür ermöglichen. CEO Musk dementierte auf X – aber streng genommen nur den zweiten Aspekt.
GM-Manager sieht „Religion“ bei Tesla
Zweifel an der Vorgehensweise sowohl bei Autonomie als auch bei Robotern äußerte jetzt Sterling Anderson, ein früherer Tesla-Manager, der heute Produkt-Chef beim Konkurrenten General Motors ist. Auf Radar zu verzichten, wie es Tesla zugunsten eines reinen Kamera-Ansatzes getan hat, sei „eine merkwürdige religiöse Haltung, die Physik ignoriert“, kritisierte er seinen Arbeitgeber von 2015-2016. Auch Lidar-Technologie, die bei Tesla nie zum Einsatz kam, aber zum Beispiel von Waymo-Robotaxis genutzt wird, stellte Anderson als praktisch unverzichtbar war.
An anderer Stelle in dem Interview geht es um Roboter. Dazu sagt der GM-Vorstand, dass die von Tesla und anderen angestrebte humanoide Form wenige Vorteile biete. In Fabriken würden stattdessen merkwürdig aussehende Roboter-Konstruktionen gebraucht, die begrenzten Platz optimal ausnutzen. Auch in diesem Zusammenhang sprach der Manager, der bei Tesla die Entwicklung des Model X und das Autopilot-Team leitete, von einer „Religion“, die bei GM jedoch ignoriert werde.
