„Semi kommt“, lautete der Titel einer Rede von Dan Priestley bei der IAA Transportation am Dienstag, und weil Tesla kurz vorher den Europa-Start seines Sattelschleppers in 2027 angekündigt hatte, war klar, dass es darin um Pläne für diesen Markt gehen würde. Preise für den Semi nannte der Leiter des Lkw-Programms bei Tesla dann allerdings ebensowenig wie einen konkreteren Termin für den Beginn der Auslieferungen in Europa. Stattdessen warb Priestley unter Verweis auf die umfangreichen Tesla-Erfahrungen mit elektrischen Pkw für das Nutzfahrzeug – und kündigte für Europa den Aufbau eines Netzes von zunächst 100 Megacharger-Ladesäulen an.
Tesla Semi mit viel Konkurrenz
Wenn Tesla den Semi wie anfangs geplant schon ab 2020 produziert hätte, wäre der rein elektrische Sattelschlepper heute wohl konkurrenzlos. So aber muss er sich die Aufmerksamkeit bei der Messe in Hannover mit vielen anderen elektrischen Lastwagen teilen, nicht zuletzt von BYD, das Tesla bei den reinen Elektroautos-Verkäufen bereits überholt hat. Auch die großen europäischen Hersteller bieten inzwischen E-Nutzfahrzeuge an, und anders als anfangs bei Pkw erwecken sie nicht den Eindruck, technisch Jahre hinter dem Pionier aus den USA zu liegen.
Für Ende September ist in den USA ein Event zum „Semi Rollout“ geplant, was bedeuten dürfte, dass dort die Auslieferungen der überarbeiteten Serien-Version beginnen. Für Europa hat Tesla dies vergangene Woche für 2027 angekündigt und auf der Messe bekräftigt. Dazu wiederholte Priestley in seiner Rede nur kurz, dass der Semi in dem Jahr nach Europa gebracht werden solle (und sagte wie bei der IAA vor zwei Jahren, dass er sich darauf freue). Zum Preis für den europäischen Semi erklärte der Tesla-Manager, er werde im Vergleich zu anderen elektrischen Angeboten „sehr wettbewerbsfähig“ sein.
Hohe Effizienz und müheloses Laden
Weiter stellte Priestley die hohe Effizienz des Semi heraus, der nur 1 Kilowattstunde pro Kilometer verbrauchen soll. Nach Europa kommt er vorerst nur in einer Version, die der Variante „Standard Range“ in den USA entspricht, bestätigte der Manager; damit sollen 550 Kilometer bei Autobahn-Tempo mit voller Beladung möglich sein,. Dass der Semi mit zwei angetriebenen Achsen fährt, sei für Europa ungewöhnlich, räumte Priestley ein. Das sei aber Teil des Effizienz-Konzepts, und Tesla betrachte den Lkw als „globale Plattform“ für unterschiedliche Märkte.
Im Konkurrenz-Vergleich überdurchschnittlich effizient sind auch die elektrischen Pkw von Tesla – und auch beim Laden soll der Semi von der Erfahrung des Unternehmens profitieren. Weltweit betreibe Tesla inzwischen mehr als 80.000 Supercharger-Ladesäulen, sagte Priestley. Die Erfahrung damit über mehr als ein Jahrzehnt führe zu „niedrigeren Kosten und höherer Zuverlässigkeit und Effizienz“. Dieselbe Logik gelte für den Semi: Das Aufladen des E-Sattelschleppers solle so mühelos sein als das eines Tesla-Pkw am Supercharger, sagte der Programm-Leiter.
Tesla plant Megacharger-Netz in Europa
Ebenfalls wie bei Pkw will Tesla zunächst selbst dafür sorgen. In den USA hat bereits der Aufbau eines Netzes von Megacharger genannten Lkw-Ladesäulen begonnen, die bis zu 1,2 Megawatt Leistung liefern. Für Europa waren am Dienstag auf der „find us“-Seite noch keine geplanten Standorte zu sehen. Priestley kündigte jedoch an, dass Tesla hier im ersten Schritt mehr als 100 Megacharger-Säulen installieren will. Ob dieses Netz (s. Foto oben) mit mehreren Säulen pro Standort zu den ersten Semi-Auslieferungen irgendwann in 2027 schon fertig oder nur begonnen sein soll, sagte er nicht.
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Darüber hinaus bietet Tesla die Megacharger (wie seit einiger Zeit schon seine Supercharger) vom Start weg auch für andere Unternehmen an, die sie selbst betreiben wollen. Auf das neue Angebot „Semi Charging for Business“ wies das Unternehmen am Montag auf X hin. Neben den Megawatt-Säulen gibt es „Base Charger“ mit 120 Kilowatt. Deren Preis liege bei 17.000 Euro pro Stück, während Megacharger „etwas teurer“ seien, sagte Priestley. Laut der deutschen Webseite muss man mindestens zwei bestellen, die dann 163.000 Euro kosten.
Tesla-Kompetenz als Argument für Semi3>
Auf die Tesla-Erfahrung mit Elektro-Pkw als Argument für den Semi berief sich Priestley auch beim Thema Service. In diesem Jahr habe der Sattelschlepper bei Kunden in den USA und eigenen Fahrten eine Verfügbarkeit von 98 Prozent gezeigt. Falls er doch einmal ausfalle, werde es auch in Europa auf den Semi spezialisierte Service-Zentren geben. Tesla wolle seine jahrzehntelange Erfahrung bei der Schulung von Hochvolt-Technikern nutzen, um dafür zu sorgen, „dass Ihr Fahrzeug so schnell wie möglich wieder auf die Straße kommt“.
