Bundestag beschließt Gesetz für autonomes Fahren

Der Bundestag hat am Donnerstag ein neues Gesetz verabschiedet, mit dem künftig auch Serienfahrzeuge auf öffentlichen Straßen mit technischen Systemen zur Steuerung der Fahrzeuge zugelassen sind. Ein solches System wäre auch Teslas Autopilot. Das Gesetz wurde mit den Stimmen der großen Koalition verabschiedet und muss jetzt noch durch den Bundesrat.

Damit solche Systeme zugelassen werden, müssen sie einige Kriterien erfüllen. Unter anderem muss das System jederzeit zu übersteuern oder zu deaktivieren sein. Auch muss ein Datenspeicher im Fahrzeug vorhanden sein, der über Zweifelsfälle aufklärt – ähnlich der sogenannten „Blackbox“ bei Flugzeugen. Zudem muss der Fahrer mit „ausreichender Zeitreserve“ aufgefordert werden – durch Ton- oder Lichtsignal – wieder das Lenkrad zu übernehmen.

Teslas Autopilot verfügt über alle genannten Kriterien. Es gibt sowohl visuelle als auch akustische Warnhinweise, wenn das System die Situation nicht sicher einordnen kann und den Fahrer dazu auffordert, wieder selbst zu fahren. Zudem speichert die Kamera des Autopiloten Bildmaterial nach einem Unfall ähnlich einer Dashcam.

Während für Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Haftungsfrage eindeutig ist („Wenn der Computer fährt, dann haftet am Schluss der Hersteller“), ist eine solche Produkthaftung möglicherweise nicht ganz so einfach umzusetzen. So könne ein Hersteller immer vortragen, dass ein bestimmtes Risiko vom Stand der Technik zum Entwicklungszeitpunkt noch nicht absehbar war.

Das Gesetz sieht zudem vor, dass die Systeme nur in den Bereichen eingesetzt werden dürfen, für die sie auch gedacht sind. Ist ein solches System beispielsweise nur für die Autobahn gedacht, so darf es auch nur dort verwendet werden. Der ADAC schlägt dafür vor, dass es eingebaute Sperrfunktionen gibt, die das Aktivieren des System innerorts gar nicht erst möglich machen.

Mit dem Gesetz hofft der Bundestag auf weniger Unfälle, weniger Staus und weniger Parkplatz-Suchen. Die Linksfraktion wirft der großen Koalition vor, lediglich wirtschaftliche Interessen zu verfolgen und die Autofahrer als Versuchskaninchen einzusetzen. Auch die Grünen kritisieren, dass das Gesetz zu schnell und überhastet gemacht worden ist.

  • Richard Müller

    Sorry fürs leichte Offtopic aber:
    Wie ist das eigentlich mit der Maut? Da man als Elektrofahrer von der KFZ Steuer befreit ist, man aber die Maut über die KFZ Steuer zurückbekommen soll verstehe ich nicht wie man da auf +-0 kommen soll?!?

    • Dejan Stankovic

      Das würde mich auch sehr gerne wissen… oder denken die Politiker das die Elektroautos die Autobahnen meiden?

    • BeatthePet

      Elektroautos sind auch von der Maut ausgenommen, zumindestens inlaendische e-autos.

    • McGybrush

      Frage mich sowieso von welcher Steuer eAutos befreit sind. Oder andersrum, wenn eAutos nicht mehr von der Kfz Steuer befreit sind, mit was würden die dann die eAutos besteuern? Abgase? Hubraum? Die müssten sich doch erst mal eine Steuer einfallen lassen um eAutos besteuern zu können. Also zumindest eine offizielle Begründung warum der Staat von eAuto Fahrern dann Geld haben will.

  • Thomas

    Der Fahrer muss also immer eingreifen können, ist vernünftig. Wie ist es aber, wenn die Summon Funktion weiter entwickelt wird und ich mein Fahrzeug über etliche km hinweg zu mir rufe. Dann sitzt kein Fahrer drin. Ist das mit dem Gesetz dann schlicht nicht zulässig?

    • Longcheck

      So sehe ich das. In diesem Gesetz geht es ums autonome Fahren mit letzter Verantwortung beim Fahrer, was ich auch richtig finde. Die Industrie ist damit erst einmal aber fein raus. Richtig betrachtet ist das aber nichts anderes, als ein Gesetz für den Umgang mit mehr oder minder funktionellen, immer besser werdenden Fahrassistenten, die ich selber als beruflicher Vielfahrer seit Jahren sehr zu schätzen weis.
      Richtig spannend wird es doch erst, wenn es klar definiert um voll-autonomes Fahren, also kpl. ohne notwendige menschliche Kontrolle auf ALLEN öffentlichen Straßen geht – ohne Wenn und Aber, so wie E.M. das vor hat.

      Und dann MUSS die Haftung ohne „Hintertür“ kpl. beim Hersteller liegen !!

      Mein Gefühl: Das wird noch sehr lange dauern, obwohl ich es mir anders wünsche…

      • Don Barbone

        http://www.dslv.org/dslv/web.nsf/gfx/5371A7842B6494FDC12580B4004F2A81/$file/Kabinettsbeschluss%20Gesetzentwurf%20zum%20automatisierten%20Fahren%20vom%2025.01.2017.pdf

        Es geht JETZT schon im heute beschlossen Gesetz u.a um vollautonomes Fahren (level 4).
        Lediglich level 5 geht noch nicht, da man stets das Auto „übersteuern“ können muss…also drin sitzen muss!
        Fürs Arbeiten im Auto oder Lesen wäre fas Gesetz schon ausreichend.

        • jomein

          Das ist, laut diverser Verkehrsanwälte, schon richtig. Aber das eigene Device darf dazu nicht genutzt werden, sondern nur die Vorrichtung (zB Bildschirm mit Onlineverbindung), die das Auto zur Verfügung stellt.

        • Longcheck

          Na, da bin ich anderer Auffassung. Hierum geht es mir:

          § 1b Pflichten des Fahrzeugführers bei Nu
          tzung hoch- oder vollautomatisierter Fahr-
          funktionen

          Deshalb:
          Wenn ein das Auto voll autonom fährt, darf der Fahrer keinerlei Pflichten mehr haben. Haften muss der Hersteller, Level 5?
          Was nützt es, wenn ich z. B. etwas lese und nicht mehr rechtzeitig reagieren kann, wenn ich zum „Übersteuern“ aufgefordert werde..

    • jomein

      Darüber wurde gestern berichtet. Diese Funktion ist in Deutschland nicht erlaubt, nach dem neuen Gesetz. Müssen nicht mal KM sein, können auch 10 Meter sein.

  • Thomas Viet

    Das kann ja nur ein Anfang sein. Vollautonome Fahrzeuge werden, wenn sie „normal“ geworden sind natürlich auch ohne Fahrer fahren.
    Die Summon Funktion ist ja jetzt auch nur auf eigenem Grundstück erlaubt.
    Summon über mehrere Kilometer ist vollautonomes Fahren mit Zielort Besitzer des Fahrzeugs.

  • KingArtus

    Ich finde, das ist der erste Schritt in die richtige Richtung.

    Und was die Haftung angeht, könnte es ruhig eine Aufteilung der Haftung sein.
    wenn der Hersteller sagt er hat eine entsprechendes System, dann sollte er such teilweise für seine versprechen und die folgen, haften.

  • MaMe

    Ich begrüße diesen Schritt. Auf jeden Fall wichtig das sich die Politik frühzeitig mit diesen Themen auseinandersetzt. Sicherlich wird es noch Änderungsbedarf geben, aber der Anfang ist gemacht. Da hoffe ich mal das dieses Gesetz durchkommt.

  • RobD

    Also kein Summon bei Tesla über mehrere Kilometer möglich, schade !!!

  • Pamela

    Genau. Es betrifft aber die Autobauer in Frankreich, Schweden und England z.Bsp. genauso. Mal schauen, wie die gedenken, in die Zukunft zu gehen.

    Keiner will sich die Konsequenzen vorstellen, wenn die Jobs der „nichtqualifizierten Schrauber“, der „ausgebeuteten LKW-Fahrer“ und der „Verbrennermechaniker in den Werkstätten“ auf 10% sinken.
    Es ist keine Zeit mehr für Hochmut und Kurzsichtigkeit.
    Es wird alles viel schneller gehen.
    Es muss selbstkritisch hinterfragt werden, wie man hierzulande mit den Entwicklungen in China und im Silicon Valley mithalten kann.

  • Pamela

    Nochmal offtopic zur Maut. Den muss man einfach verbreiten, für die die es nicht gesehen haben 😉

    https://www.youtube.com/watch?v=t2nFMrQwJTE

    • Andreas Ullrich

      Wenn die reale Einführung im selben Tempo wie andere Grossprojekte in DE vorangeht (man erinnere sich an das Fiasko der LKW Maut), dann kann man sich getrost zurücklehnen 🙂

    • Longcheck

      Untragbar, ich hoffe…
      Bald sind ja Wahlen. Aber was, wer kommt dann? Ich sehe nichts Positives für BEV – oder sehe ich da was nicht?

      • Pamela

        Der Markt passt sich immer der Nachfrage an. Diese kann einen gewissen Zeitraum noch manipuliert werden, irgendwann entscheidet der Verbraucher aber nach vorliegenden Kriterien.
        Das Ladenetz ist noch unzumutbar (ausgenommen SC’s).
        Viele Menschen – auch wenn sie gerne einen Beitrag zur Umwelt leisten wollten – können sich einen mittepreisigen Neuwagen einfach nicht leisten. Die stoßen erst später auf den BEV-Gebrauchtmarkt. Du hast Recht, es sieht erst mal nicht so gut aus.
        Ich bin sicher, dass das Model 3 gut laufen wird, aber nicht als Generallösung.
        Aber grade heute hab ich in Köln wieder eine Menge wirklich teure Autos sehen können. Mercedes, BMW, Audi, Porsche …
        Es ist wie mit dem Rauchen. Irgendwann ändert sich das Image. Und das ist vielen, die auch Geld haben, besonders wichtig. Ab dem Zeitpunkt, wenn man bei der nächsten Grillparty mit Freunden und Kollegen als Verbrennerfahrer schief angesehen oder belächelt wird, dann muss es einen Wechsel beim eigenen Image geben und dann geht alles schnell. Das ist so meine Hoffnung. Denn danach erst kann auch der Gebrauchtwagenmarkt für BEV entstehen – für die anderen.
        Diese Entwicklungen bedürfen aber immer:
        Die, die damit anfagen – deshalb mag ich schon mal alle Teslafahrer und die, die es werden wollen – ganz ganz doll. 🙂

        • Longcheck

          Danke 😉 und gut analysiert. Da sind wir exakt der gleichen Auffassung.
          Mein kurzes Posting oben mit dem Grundtenor „ich sehe nichts“ bezog sich mehr auf die politischen Gegebenheiten:

          also, (alles nur meine Ansicht:)
          Merkel / Dobrindt / Wirtschaftsministerium: Fossilienstützen, eine Auto-Kanzlerin hoffentlich und vielleicht mit FähnchenImWind-Syndrom, s. Fukushima… Meine Hoffnung: Sie ist clever und denkt weiter, gibt das aber noch nicht öffentlich zu.
          Gegenpol: Umweltminsterium, welches gute Ideen hat, von den mächtigen oben genannten (noch) gehindert und ins Abseits gestellt worden ist.

          Schulz: Er wird eher im „Klare-Kante“-Teich fischen wollen. Dort halten die Leser E-Mobilität z. B. in boulevard-orientierten Blättern, Portalen für den totalen Mist und wünschen sich direkt die Schrottpresse. (schaue da bewusst immer mal wieder hin, um für mich einen gewissen „Faktor“ für solche Denkweisen zu messen.. Es ist unfassbar, was da abgeht, hat einen gewissen Unterhaltungswert, :-() , hoffe aber auf eine überwiegend einsichtige Mittelschicht. Von Schulz wird da bezüglich BEV wohl eher nichts in direkter Ansprache zu erwarten sein.

          Grüne: Die trauen sich nicht, obwohl gerade sie damit wirklich Punkten könnten. Statt dessen manövrieren die sich lieber mit „Pille-Palle-Themen“ ins Abseits, mit denen sie sich enorm geschadet haben und viele sie nicht ernst nehmen.
          Ich hoffe sehr, dass die sich endlich mutig wieder auf ihrer ureigenen Themen besinnen!

          • Pamela

            Auch hier sind wir d’accord, lieber Longcheck. Und ja, ich hab mich vor dem politischen Bezug Deiner Frage gedrückt – vielleicht weil alles ziemlich depri ist. Ich erwarte von der Berliner Politik: Nichts.
            Hier werden Weichen für 100 m gestellt, wo die Reise hingehen soll, will keiner wissen oder sagen. Mit Ausbau der Erneuerbaren und E-Mobilität mobilisiert man zu wenig Wähler.
            Ich sehe so kleine Hoffnungsschimmer in der Kommunalpolitik, hängt da stark von den Persönlichkeiten und eventueller Abhängigkeiten zum Großkapital im entsprechenden Bundesland ab. Aber da gibt es – neben viel Unsinn – auch gute Entscheidungen.

            Ich halte unsere Kanzlerin für eine sehr intelligente Frau und für einen guten Menschen. Deshalb hat sich ihre Spontanentscheidung zur Flüchtlingsbewegung nicht überrascht (auch wenn einen so manche Schlampereien beim Umgang mit diesen Problemen ärgern konnten).
            Aber Ihre Entscheidung nach Fukushima hat mich aus den Socken gehauen. Das war das erste und einzige Mal, dass sie sich gegen einen Teil Wirtschaft gestellt hat.
            Ihre Klugheit ist imho durch etwas ganz Entscheidendes gefangen (und deshalb ist sie für mich nicht wählbar):
            Ein konservativer Käfig: Ihr Festhalten an dem tiefen Glauben, wir würden uns immer noch im System der sich selbst regulierenden sozialen Marktwirtschaft befinden. Aber ätsch:
            Wir befinden uns in einem wuchernden Finanzkapitalismus mit gutem Nährboden für Korruption und Ausbeutung und den falschen Gewinnern.
            Für dieses Monster zu stoppen fallen mir (und wer bin ich schon) erst mal nur zwei Dinge ein: 1. Druck von unten nach oben. 2. Eine entscheidende Anzahl von handlungsfähigen Visionären, die zwar vom Mopp als Narzissten beschimpft werden – aber keine sind. Einen kenne ich 🙂

            Und dessen Aktie steht gerade auf Allzeithoch – das feiere ich. LG

          • Longcheck

            JOU !!! 😉

          • Fritz!

            Ich glaube, Merkel hat in ihrem politischen Leben 2 wirklich „gute“ Entscheidungen selbst getroffen, das war einmal der Ausstieg nach Fukushima (da hat die Physikerin die Oberhand gewonnen) und zur Flüchtlingskrise (da hat der Mensch in ihr die Oberhand gewonnen). Sonst fällt sie nur Entscheidungen, wenn sie muß und wenn ihr die Wirtschaft sagt, wie die auszusehen haben. Leider hat sie bei beiden Entscheidungen dann die üblichen Idioten/Teile der Wirtschaft an die Ausgestaltung rangelassen, so daß sie teilweise sehr schlecht umgesetzt worden sind.

            Aber beides kein Grund, sie weiter die anderen groben Fehlentscheidungen treffen zu lassen…

          • Pamela

            unterschrieben !
            Und der Groscheck, Verkehrsminister NRW (SPD), faselt schwachsinnigen, schädlichen, korrupten Mist !

            http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.nrw-minister-unterstuetzt-kretschmann-gruen-rote-einigkeit-ueber-den-sauberen-diesel.e80f0822-39ca-4f79-88f8-967adae6fe48.html

            oder eben auf ecomento …

            Ich ziehe mich zur Depression zurück, oder schaue mal, ob ich wen hauen kann …

          • Longcheck

            Ich kann Dir helfen: Der Umweltminister in NRW fährt ja einen Tesla… :-))

          • Fritz!

            Ich würde da einen kurzen Gang zum Herrn Groscheck empfehlen, der hat Haue anscheinend nötig.

            Auch für Politker gilt: Handeln hat Konsequenzen!

          • Pamela
  • Don Barbone

    Der Artikel müsste eigentlich „Bundestag beschließt Gesetz für hoch- und vollautomatisiertes Fahren“ heißen.
    Autonomes Fahren ist für mich ohne eine Person im Auto.
    So definiert es zumindest auch der Gesetzgeber im Gesetzestext:

    „Das wäre erst beim autonomen Fahren der Fall, bei dem es keinen Fahrer, sondern nur Passagiere gibt.“

    Quelle:
    http://www.dslv.org/dslv/web.nsf/gfx/5371A7842B6494FDC12580B4004F2A81/$file/Kabinettsbeschluss%20Gesetzentwurf%20zum%20automatisierten%20Fahren%20vom%2025.01.2017.pdf

  • ThomasJ

    Passt zum Thema, in diesem Forum auch schon diskutiert und aktuell in der FAZ vom 1.4.2017:

    Zur Ethik des autonomen Fahrens
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/neue-mobilitaet/wie-soll-ein-autonomes-auto-von-tesla-entscheiden-14943703.html

    • Pamela

      Ich begrüße es, wenn man sich mal rechtzeitig von gesetzgebender Seite mit zukunftsrelevanten Themen beschäftigt und Grundlagen schafft. Wichtig ist, dass man dabei dynamisch bleibt und das Ethische gesellschaftlich weiter diskutiert wird.

      Als ich gestern den Artikel las, hatte ich nach:

      „Das Thema autonomes Fahren besitzt für Deutschland höchste Bedeutung.
      Denn deutsche Unternehmen, nicht Google oder Tesla, sind hier führend.
      Von den 2828 Patenten zu autonomem Fahren, die seit 2010 weltweit
      registriert wurden, stammen 1646 (58 Prozent) aus Deutschland.“

      eigentlich keinen Bock mehr, weiterzulesen. Auch die Erwähnung des Tesla-Unfalls von Joshua D. Brown, nur mal so, ohne Richtigstellung fand ich billig.

      Ich glaube, dass unser lieber Verkehrsminister, das Thema so unüblich frühzeitig angegangen ist, liegt im Interesse der „üblichen Verdächtigen“, die damit jetzt uneingeschränkt werben/ankündigen können und ihre Patente aus den Schubladen holen um sich richtig aufplustern zu können. Sollen sie, alles für den Fortschritt !
      Wenn man nur mal die Schlaumeierei lassen würde … 🙁

      • ThomasJ

        Da es sich ja um einen Standpunkt dieses Herrn Simon handelt, habe ich das vaterländisch, geplusterte und die anschliessend fehlerhafte „Berichterstattung“ grossmütig überlesen. Zum Kern des Themas hat er richtige und gute Ansätze angesprochen. Diese sind nicht neu, aber immer noch im Beginn des Prozesses des autonomen Fahrens und unausweichlich für die gesetzliche Rahmenbedingungen.

        Ich denke, dass solche Fragen dieser Ethik gerade für die Bildung einer neuen Gesetzesgrundlage, zu Beginn solch einer Diskussion, gründlich angegangen werden müssen. Weil es schwierige Fragen sind (auf einmal ist eine Software der Entscheidungsträger und nicht mehr der Instinkt des Menschen der mal logisch, mal unlogisch entscheidet). Damit man so viel Sicherheit und Klarheit wie möglich bekommt. Dass gerade diese Software ein Vielfaches an Unfällen verhütet, darf dabei natürlich nicht vergessen gehen, ist ja der zentral Punkt!

        Das aktuelle Schaffen von gesetzlichen Grundlagen für autonomes Fahren ist von der deutschen Regierung weitsichtig. Dass da wie in den meisten Entscheidungen der Politik, vor allem auch handfeste, wirtschaftliche und lobbysierende Interessen sind, ist nichts neues. Das hat in unserem System System.

        • Fritz!

          Der ethische Grundgedanke dazu sollte sich grob an die 3, bzw. 4 assimowschen Robotergesetze halten und sie ergänzen/erweitern durch:

          Sachschaden vor Personenschaden
          Fremdpersonen vor Eigenpersonen

          Ich hatte noch einen dritten Punkt, aber der fällt mir gerade nicht mehr ein.

          • ThomasJ

            „Fremdpersonen vor Eigenpersonen“
            Aus der Sicht des Fahrers mag das i.O. sein, aus ethischer Sicht fraglich (habe aber keine gute Antwort).

            Hier wird das Thema auch angegangen, gerade zu dieser Frage. Hab den Artikel auch schon einmal gepostet … :
            https://www.nzz.ch/feuilleton/zeitgeschehen/digitale-welt-wenn-mich-mein-auto-gegen-die-wand-faehrt-ld.125978

          • Fritz!

            „“Fremdpersonen vor Eigenpersonen“
            Aus der Sicht des Fahrers mag das i.O. sein, aus ethischer Sicht fraglich (habe aber keine gute Antwort).“

            Damit meinte ich, daß erst Fremdpersonen (also die außerhalb des Autos) geschützt werden sollen und danach kommen im Schutzbedürfniss die Insassen des Autos an die Reihe. Denn diese Insassen sind ja „im Groben“ die Verursacher der Situation, in die das Auto gerade gekommen ist. Hätten sie die Fahrt nicht angetreten, gäbe es die Situation ja nicht. Zusätzlich haben sie weitere Schutzmechanismen (Airbag, Gurt, Polster, …), die ein Fußgänger außerhalb nicht hat.

            Aber es ist ein schwieriges Problem, daß gebe ich zu.

          • ThomasJ

            „Aber es ist ein schwieriges Problem, daß gebe ich zu.“
            Sehe ich auch so. Sonst würde wir zwei das hier kurz lösen … 😉

          • Karl

            Da hat sich doch Daimler schon zu geäußert: ‚Customers first‘

          • Fritz!

            Das werden sie so nicht stehenlassen können. „Kunden zuerst“. Sobald es ein Ergebniss der Ethikkommission gibt, werden die solche Aussagen kassieren, da bin ich mir sicher.

            Ob das Ganze dann Deutschlandweit, EU-weit oder Weltweit geregelt wird, wird auch noch spannend.

    • Fritz!

      Mit seiner Differenzierung zwischen 90jährigem und 10jährigem Leben begeht er schon den ersten Fehler, da ist kein Unterschied nötig/gewünscht.

      Den zweiten Fehler begeht er darin, daß er zwar versucht, konkrete Situationen zu beschreiben, aber den Kontext dieser Situation völlig außer acht läßt. Wenn ich schon eine Geschichte erfinde, in der das Auto zwischen 2 zu tötenden Fußgängern unterscheiden muß, dann muß ich auch die (nicht erwähnte) Vorgeschichte dazu bringen und da bin ich mir sicher, wäre das gut funktionierende autonome Auto garnicht reingeraten, die beschrieben Situation also garnicht entstanden.

      Ich gehe jetzt nicht von z.B. einer Situation aus, in der in einer engen Einbahnstraße jeweils zwischen den Autos von links ein 90jähriger und von rechts eine 10jährige ohne zu schauen auf die Straße läuft. In diesem Fall wäre die Schuldfrage sehr klar beim 90jährigen/bei der 10jährigen zu finden und zwar zu 100 %. Wenn es sich um eine Spielstraße gehandelt hätte, wäre das autonome Auto natürlich (nicht wie heute üblich mit Tempo 30) Schritttempo gefahren und es kommt garnicht erst zu einem Unfall.

      Bitte richtig verstehen, es gibt noch kein gut funktinierendes autonmes Auto (Level 5), daher ist die Diskussion mit schlechten konkreten Beispielen ein wenig zu früh, zumindest in einer so reißerischen Ausprägung wie in der FAZ.

      • Longcheck

        Da bin ich ähnlicher Auffassung. Auch die Kommunen, etc. stehen in großer Verantwortung. Ich fahre seit Jahren bundesweit beruflich in den Dienstwagen mit Begeisterung mit vielen Fahrassistenten, die ich selber dazu bestellt hatte.
        Aktuell im A4/Euro6 (;-()…) mit Geschwindigkeitserkennung und deren autom. Übernahme in die Assistenz. Der soll dann autom. mit der gerade gültigen Geschwindigkeit fahren – macht er auch prima; aber nur so lange wie die Beschilderung stimmt.
        Da liegt noch so viel im Argen. Beispiele: xxkm/h, dann nicht aufgehoben, xxkm/h zu kurz nach einer Einmündung und dann von Kamera nicht erkannt, 50km/h erlaubt, 30 oder weniger wären aber eigentlich wegen unübersichtlicher Kurve und aus Erfahrung überquerenden Personen mehr als angebracht. Das weis ich; aber eben nicht der Assisitent und auch nicht der AP. Letzterer könnte das bei Tesla durch das Übermitteln der Daten auch hier aus D noch lernen.

        • Karl

          Ich habe exakt die gleichen ‚Erfahrungen‘ mit den Assistenzsystemen gemacht, und diese ersetzen eben noch (?) nicht den gesunden Menschenverstand. Was ich aber nicht nachvollziehen kann, sind Diskussionen um den Sicherheitsabstand. Nur weil hier Drängler auf Bummler stoßen oder Pappnasen meinen, Sie müßten mit 180km/h eine 80er Geschwindigkeitsbegrenzung ignorieren, gilt immer noch, daß man eben (aus welchen Gründen auch immer) früh genug reagieren muß, wenn eine Notbremsung notwendig wird. Ob das jetzt der Bremsassistent oder der Fahrer selber auslöst.

          • Don Barbone

            Wir hatten vor ein paar Monaten schon einmal diese Diskussion über das angebliche ethische Dilemma für die Programmierer.
            Typisch ist inmer dieses Beispiel in dem das Auto zwischen 2 Leben entscheiden muss.

            1. gibt es auch für Menschen da keine richtige Antwort.

            2. Muss man es einfach so programmieren, dass das Auto in keinem Fall ein Passanten durch ein Ausweichmanöver gefährdet sondern dann lieber auffährt.

            Wobei gerade darin die extreme Stärke eines Computers zum Tragen kommt da er in Millisekunden alle erdenklichen Optionen durchrechnen kann (und dabei hat er dank der Kameras alles im Blick ohne sich erst umgucken zu müssen wie ein Mensch!)
            Und er blinzelt nicht, guckt zum Radio oder träumt grade vor sich hin.
            Unausweichliche Unfälle bleiben unausweichlich.

            KEIN Ausweichmanöver wenn dritte Personen dadurch gefährdet werden …ganz einfach!

          • Don Barbone
          • ThomasJ

            Danke für den Link. Wirklich interessant !!

          • Longcheck

            „Shakehand“ – ganz fest zum Sicherheitsabstand-Assistenten. Äußerst wichtig und sinnvoll, schont auch enorm die Nerven. Es ist eigentlich die technisch möglich gewordene Weisheit meines Fahrlehrers vor vieeeeelen Jahren:
            Der „2-Sekunden Abstand“, der sich im Abstand immer der Geschwindigkeit anpasst, viel einfacher an zu wenden ist, als andere immer wieder angeführte Regeln.

      • ThomasJ

        Dass die Beispiel oft sehr fraglich sind, sehe ich auch so. Wenn es solche zu 99.9 % nicht gibt, vor allem auch wegen dem Autopiloten, umso besser. Wenn ein solches Beispiel mit 0.1 % Wahrscheinlichkeit eintrifft, dann ist das jedoch zu 100% für die Frage der Reaktion des Autoplioten relevant. Wenn die Beispiele schlecht und zu wenig konkret sind, ändert es an der Grundsatzfrage nichts?

        Erinnern Sie sich an dieses Video von Tesla?:
        https://vimeo.com/192179726

        War es gut, dass der MX bei den Joggerinnen fast ganz abgebremst hat (labile Bewegungen in der Fahrtrichtung, hätten auch Kinder sein können?). Was hätte der MX gemacht, wenn das hinten fahrende Fahrzeug sehr nahe aufgefahren wäre?

        • Fritz!

          „Was hätte der MX gemacht, wenn das hinten fahrende Fahrzeug sehr nahe aufgefahren wäre?“

          Es hätte natürlich trotzdem bremsen müssen, da ganz klar Sachschaden vor Personenschaden. Es hätte (wenn es gut programmiert gewesen ist und die Zeit es zuläßt) die Bremslichter möglicherweise bereits vor dem Bremsvorgang anschalten können, um dem Nachfahrenden zu signalisieren, „da ist was, sei vorsichtig“.

          Ja, ich fand es gut, daß er bei den Joggerinen gebremst hat. Wir hätten wahrscheinlich einen kleinen Schlenker gemacht, ohne vom Tempo zu gehen.

          Evtl. kann er ja lernen, die Personen am Straßenrand bereits vorher mathematisch zu erfassen um zu schauen, ob sie in das Schema „Kind, läuft gerne einfach so über die Straße“ oder das Schema „Jogger, laufen immer nur am Straßenrand“ oder das Schema „Renter, ist zu lahm, um über die Straße zu laufen“ paßt.

          😉

          • ThomasJ

            „Was hätte der MX gemacht, wenn das hinten fahrende Fahrzeug sehr nahe aufgefahren wäre?“
            Dann hätte der MX einen Unfall provoziert, obwohl die beiden Joggerinen sicher unterwegs waren.
            Ich weiss, viel Spekulatius mit noch mehr Eventualitäten und hypothetischen Antworten und ….. .
            Eine Kernaussage ist auch, dass es nicht nur die Frage von – welches ist der richtige Entscheid? – gibt, sondern auch die – darf ein Programm einen Entscheid mit Todesfolge fällen, wenn der Mensch als Alternative (instinktiv) auch einen Entscheid mit Todesfolge, jedoch aber andere Personen betrifft, fällen? Auch wenn der Autopilot der grosse Vorteil zur Umfallverhütung bietet, kann in Extremis dies eintreffen. Und wer programmiert das?
            Schwieriges Thema und schwierig in dem Rahmen dieses Forum zu diskutieren.
            LG

          • Fritz!

            „“Was hätte der MX gemacht, wenn das hinten fahrende Fahrzeug sehr nahe aufgefahren wäre?“
            Dann hätte der MX einen Unfall provoziert, obwohl die beiden Joggerinen sicher unterwegs waren.“

            Naja, ich würde in dem Fall sagen, da hat der hinter dem Tesla fahrende wohl einen zu geringen Abstand gehabt.

            Aber auch dieser Punkt beschreibt ganz gut, daß es von einem Standpunkt/einer Entscheidung immer auch eine andere Sichtweise gibt. Und wenn dann der Kontext dazu kommt, sind es viele verschiedene Standpunkte. Da gibs kein Schwarz oder Weiß, sondern sehr viel Grau…

          • ThomasJ

            “ Da gibs kein Schwarz oder Weiß, sondern sehr viel Grau…“
            Schon ziemlich gut auf den Punkt gebracht.
            Ein Programm/PC entscheidet mit 0 oder 1. Da gibt es kein grau, so wie wir Menschen in einer ausgesprochenen Notunfallsituation es tun, mit dem Instinkt, oder eben grau, mal so, mal so.

  • RealUlli

    Beim einem Test eines autonomen Fahrzeugs sitzt i.d.R. ein Tester im Auto, da gibt es dann einen Not-Aus Schalter, der alle Funktionen sofort deaktiviert. Vermutlich geht sogar der Motor aus.

    D.h. den Anforderungen des Gesetzes ist Genuege getan.