Tesla Model S fährt mit eingeschaltetem Autopiloten gegen Transporter

Aktuell macht ein Video eines Model S-Besitzers aus der Schweiz im Internet die Runde, welches bei der Fahrt mit einer Dashcam aufgenommen wurde. Auf dem nur wenige Sekunden langen Video ist zu sehen, wie ein Model S trotz eingeschaltetem Autopilot gegen einen stehenden Transporter fährt, ohne abzubremsen.

Nachtrag: Das Video ist mittlerweile nicht mehr öffentlich zugänglich. Stattdessen haben wir eine GIF-Datei angefügt.

Das TACC (Traffic-Aware Cruise Control) war laut dem Fahrer eingeschaltet, bremste jedoch nicht wie gewohnt ab. Auch der Notbremsassistent (AEB) hat keine Reaktion gezeigt. Die Kollisionswarnung sei laut dem Fahrer ebenfalls „deutlich zu spät“ angesprungen. Wie es heißt, habe das Model S kurz vor dem Aufprall sogar noch einmal beschleunigt.

Auf unsere Anfrage hin, hat uns der Fahrer folgenden Kommentar gegeben:

Zunächst mal ist es für mich klar, dass ich verantwortlich bin und den Unfall hätte verhindern können. Aber dennoch sehe ich ein Mitverschulden der Systeme. Wenn ich einem System nicht bis zu einem gewissen Grad vertrauen kann, dann kann ich das System nicht einsetzen und es hat keinen Wert für mich.

Damit ich die Systeme einsetzen kann, muss ich deren Limitierungen und Probleme genau kennen. Da hat Tesla gepatzt und ich habe bisher keine Erklärung bekommen warum z.B. das AEB nicht reagiert hat. Ich habe die Systeme beobachtet und die Situation vor mir gesehen, da sie für mich aber völlig klar und einfach war habe ich gewusst, dass das TACC oder zumindest das AEB korrekt reagieren würden. Deshalb habe ich mich auf den Verkehr rechts konzentriert und ein Lücke zum Einspuren gesucht.

Entgegen meiner Erwartung hat das TACC dann aber beschleunigt und so habe ich eine oder zwei Sekunden zu spät realisiert dass das System sich falsch verhält und selbst gebremst.

Der Autopilot war zwar eingeschaltet, er hat aber meiner Ansicht nach alles richtig gemacht und die Spur sauber gehalten. Nur das TACC hat falsch reagiert und das AEB hat komplett versagt. Eigentlich sollte das AEB so reagieren: https://www.youtube.com/watch?v=PzHM6PVTjXo&feature=youtu.be&t=2m19s

Mein Verhalten ändern kann ich nur, wenn ich weiss warum ein Fehler aufgetreten ist. Solange ich das nicht weiss, muss ich eigentlich davon ausgehen dass jederzeit wieder zufällige Fehlfunktionen auftreten können. Und damit dürfte ich weder den TACC noch den AP eigentlich einsetzen. Aber der Komfortgewinn ist leider doch sehr hoch.

Es ist ca. 4000.- Schaden entstanden. Der Stahl-Stossfänger hat die meiste Energie aufgefangen, ein Ultraschallsensor wurde zerquetscht. Und weil Tesla keine Ersatzteile liefern kann musste die Front repariert und neu lackiert werden.

Ein ähnlicher Unfall ereignete sich vor knapp einem Jahr in der Türkei. Dort ist ein Model S mit eingeschaltetem verkehrsadaptiven Tempomat gegen ein anderes Fahrzeug gefahren, da es anscheinend nicht erkannt hatte, dass das vordere Fahrzeug bremst. Auch in diesem Fall erklärte der Fahrer, dass das Model S kurz vor dem Aufprall sogar noch einmal beschleunigte.

Schaut man sich ein weiteres Video auf YouTube an, kann man durchaus ein Muster erkennen. Auch in diesem Fall versagt das verkehrsadaptive Tempomat, da vor dem Model S-Fahrer ein anderes Auto rechts abbiegt, sich dahinter aber ein weiteres, stehendes Auto vor einer roten Ampel befindet. Anscheinend nehmen die Sensoren des Tesla das abbiegende Auto wahr, reagieren aber dann nicht auf das Auto dahinter und leiten keinen Bremsvorgang ein. Ähnlich könnte es sich auch bei dem neuesten Unfall in der Schweiz abgespielt haben, da das vorausfahrende Auto vor dem stehenden Transporter die Spur wechselt.

Auf Seite 83 des Benutzerhandbuchs zum Abstandsgeschwindigkeitsregler schreibt Tesla folgendes:

Warnung: Der Abstandsgeschwindigkeitsregler verzögert/bremst eventuell nicht, wenn sich stehende Fahrzeuge vor Ihnen befinden. Dies kann insbesondere bei Fahrgeschwindigkeiten über 80 km/h geschehen, wenn das vor Ihnen fahrende Fahrzeug Ihre Spur verlassen hat und sich stattdessen ein stehendes Fahrzeug oder Objekt vor Ihnen befindet. Achten Sie stets auf die Straße vor Ihnen, und seien Sie jederzeit bereit, sofort korrigierend einzugreifen. Wenn Sie die Vermeidung von Kollisionen ausschließlich dem Abstandsgeschwindigkeitsregler überlassen, kann dies zu schweren oder tödlichen Verletzungen führen.

Tesla beschreibt im Handbuch somit genau diese Situation. Dennoch entsteht ein fader Beigeschmack, denn die Situation wirkt für Außenstehende überhaupt nicht kompliziert, weshalb wohl auch der Fahrer davon ausging, dass das Model S diese selbst meistern kann.

  • Sascha

    Hallo,

    auf der einen Seite ist der Frust des Fahrers durchaus zu verstehen. Auf der anderen Seite ist es für mich logisch, dass das System nicht wie er erwartet hat reagierte. Ich bin schon einige Autos mit ACC gefahren und keines hat stehende Fahrzeuge erkannt – es wurde auch immer in der Anleitung darauf hingewiesen.

    Der Grund ist eigentlich für mich verständlich (auch wenn sich die Komplexität mit den folgenden Worten sicher nicht umfassend beschreiben lässt): Woher weiß das Radar, dass es ein Hindernis und nicht eine Kurve ist, wenn sich das Objekt (in dem Fall der Laster) nicht bewegt? Bei einer engen Kurve mit Leitplanke sollte es ja auch nicht plötzlich abbremsen, nur weil im aktuellen Moment (vor dem Einlenken) das Hindernis direkt voraus ist.

    Ich hatte mal einen Golf 6 und mit dem ist in bestimmten Kurven regelmäßig der Auffahrassistent mit einem Warnbild und Ton aktiv geworden – eben aus dem Grund, weil da ein Begrenzungspfahl oder eine Leitplanke war. Glücklicherweise hat er nicht sofort gebremst, sonst wäre es sehr unschön gewesen und auch nicht akzeptabel für ein solches System, da durch diese Notbremsung evtl. mein Hintermann aufgefahren wäre (und ich mindestens eine Teilschuld erhalten hätte da ich aus menschlicher Sicht ohne Grund gebremst habe).

    Aus diesem Grund ist es für mich verständlicherweise sehr schwer, stehende Objekte als Hindernis oder eben nicht zu erkennen, da in der Regel ein stehendes Objekt eben kein Auto in meiner Spur ist und da bestimmt die Wahrscheinlichkeitsrechnung eine Rolle spielt.

    Trotzdem ist ein Unfall natürlich nie schön…

    • DocIngwer

      @ Sascha
      Ihre Ausführungen kann ich nur bestätigen. Fahre nun mehr als 130.000 km mit ACC (Passat CC Automatik) und nutzte das tagtäglich intensiv, sogar im Stop and Go auf der Autobahn.

      Geschieht solch ein Unfall mit einem Tesla geht das natürlich direkt um die Welt und wird hochgekocht.

      Es gibt noch eine Möglichkeit zur Erklärung dieses Unfalles, die ich aus eigener „Erfahrung“ sehe:
      Wenn man bei eingeschaltetem ACC das Gaspedal unbewusst etwas betätigt, so wird ACC deaktiviert, weil ich ja als Fahrer dann das „Kommando“ übernommen habe – wäre also auch eine Möglichkeit. Das kommt schon mal vor, man muss es nur wissen und immer zur Übernahme, in dem Fall dem Bremsen bereit sein. Ob ein Tesla allerdings ebenso arbeitet, vermag ich (noch…) nicht zu beurteilen…

      • Karl

        Dito, 2 VW + 2 Audi mit in Summe mehr als 475.000km (und ich nutze das ACC fast ständig). Habe mich schon gewundert, daß Tesla da schon soviel weiter sein sollte. Nur würde ich mich da auch (noch) nicht drauf verlassen. Unsinnige Beschleunigungen mit anschließender Warnung man möge doch bitte selber bremsen, kenne ich von der VAG Technik auch.

      • Philipp

        ACC sollte nicht beim Gasgeben deaktiviert werden, sondern beim Bremsen.
        Darüber hinaus sollte der notbremsassistent niemals deaktiviert werden, außer ich gebe bewusst Gas oder weiche aus.

        Ich kenne das Pasat System nicht. Aber Mercedes, Audi und BMW Bremsen korrekt auch auf stehende Fahrzeuge. Es kommt dem Fahrer nur oft etwas zu kurzfristig vor.

    • Philipp

      Also die E-Klasse bremst auf stehende Fahrzeuge.

      Das Radar erkennt die Geschwindigkeit eines vorausfahrenden SEHR gut über den Dopplereffekt. Auch die Entfernung bekommt das Radar sehr gut erfasst, mit dem vertikalen Abstand haben die meisten Probleme, aber dafür hat man die Kamera.

      Für mich klingt das eher so, dass Tesla ein Problem mit seiner Sensorfunktion hat.

  • notting

    Tja, die Fahrer werden drauf dressiert, dass sie nicht mehr reagieren müssen, das ist das Ergebnis…
    Eigentlich sollte es verpflichtend sein, dass solche Systeme regelmäßig ohne Vorwarnung die Reaktion des Fahrers auf sowas testen, damit diese trainiert bleiben. Damit meine ich weniger ein Totmann-Knopf, sondern dass das System einfach mal deutlich später reagiert, sodass der Fahrer merken muss, dass was nicht stimmt.

    notting

    • Holger Frommann

      Gute Idee, und leider sehr aktuell. Ich bin dafür, diese Funktion „Cato-Schaltung“ zu nennen, nach dem Kammerdiener von Inspektor Clouseau in den Pink Panther Filmen. Dieser hatte den Auftrag, seinen Arbeitgeber ohne jede Vorwarnung anzugreifen, um dessen Verteidigungsbereitschaft zu trainieren.

      Der Darsteller von Cato, Burt Kwouk, ist kürzlich im Alter von 85 Jahren verstorben.

      • Frajoes

        Wowww, da kennt sich einer aus. Aber so eine Schaltung sollte es auf keinen Fall geben.

  • Dr.M.

    Scheint für mich ein Problem beim Zusammenspiel von Frontsensor und Kamera zu sein. Das System streicht das abbiegende Fahrzeug korrekt aus der Überwachung, erkennt dann aber das neue Fahrzeug nicht. Wenn man mal unterstellt, dass AEB vom Frontsensor ausgelöst wird, aber nicht anspricht, dann könnte eine Erklärung sein, dass die Kamera nicht schnell genug erkennt, dass es sich eben nicht um die erwähnte Leitplanke handelt, sondern um ein neues Hindernis. Die Software gibt daher die Notbremse nicht frei.
    Ist zwar alles Beta beim Autopiloten, aber trotzdem sehr ärgerlich und der Hinweis im Handbuch schön und gut, aber wenn praktisch genau die Situation als Problem bei Tesla bekannt ist, dann sollte es doch möglich sein, eine Lösung zu finden – denn dies ist in der Tat eine alltägliche Verkehrssituation. Und sei es durch mehr Sensoren oder mehr Rechenleistung, damit Signale schneller verarbeitet und die richtigen Schlüsse gezogen werden können.

  • McGybrush

    Da bald nicht mehr der Mensch schuld sein wird sondern immer die Technik von vollautonomen Fahrzeugen werden hier bald Millionen Gelder durch Rechtssprechung an die Opfer fliessen. Denn ab dem Tag werden immer die anderen Schuld sein und die Strafen wesentlich höher. Ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Als Hersteller würde ich solange wie es geht Autonome Technik in „meinen“ Autos verzichten. Ich traue dem erst wenn ALLE Autos auf der Welt untereinander kommunizieren können und sich so strategisch „absprechen“ können. So kann ein fehlerhafter Sensor des eigenen Autos dann von fremden Autos vor/hinter kompensiert werden die dann sagen… „Du brems mal jetzt, ich weiss das es nötig ist da mein Sensor noch heile ist und es auch bleiben soll“.

    • notting

      Da fehlen aber noch Fußgänger, Radfahrer, Tiere, von anderen Fahrzeuge herabfallende Gegenstände usw. die auch kommunizieren müssten. Dann gibt’s mal wieder mind. 10 zueinander komplett inkompatible Standard, die mit Glück auf 3 zumindest pro Kontinent einheitl. Systeme eingedampft werden etc…

  • Teflo

    Passiert schonmal in einer Beta…

    Fakt ist einfach das auch ein Autopilot der aisgereift ist nicht 100% sicher ist.

    Aber, wenn ich mir viele Autofahrer ansehe wird er zu 99% besser sein als Menschen.

    Und hier zählt einfach die Statistik. Unfälle wird es geben, gott sei Dank deutlich weniger als bisher.

  • weltraumhund

    Gibt es einen Link auf das Video?

  • Genussfahrer

    Dieses Verhalten des TACC konnte ich auch bei meinem Model S schon ein paar mal erleben. Ich fahre viel mit Autopilot.

    Wie die Vorredner schon vermutet haben, tritt das meist dann auf, wenn ein Fahrzeug unmittelbar hinter einem stehenden Fahrzeug ausschert und die Spur wechselt.

    Da ich solche Ereignisse bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten beobachten konnte, kann ich spekulieren, dass das Kernproblem vermutlich daran liegt, dass das Kamerasystem ca. 1-2 Sekunden benötigt, um sich auf die neue Situation mit dem stehenden Hindernis einzustellen.

    Wenn der Abstand zum stehenden Fahrzeug in Relation zur eigenen Geschwindigkeit ausreichend war, dann erfasst das System das stehende Fahrzeug nach dieser „Schrecksekunde“ wieder richtig und leitete die Bremsung korrekt ein. Problematisch wird es, wenn bei höherer Geschwindigkeit der Abstand nicht mehr ausreicht, dass das TACC noch abbremsen kann. Auch das nicht Ansprechen der Notbremsung im geschilderten Fall last sich daraus ableiten, dass das System während der verlängerten Schrecksekunde das Hindernis als solches noch nicht richtig interpretiert hat.

    Ich persönlich vermute, dass das Problem mit einer zu geringen Rechenleistung des Systems in Verbindung stehen könnte. Vielleicht kann Tesla hier noch die Software noch weiter optimieren. Andererseits hätte das Tesla sicher schon längst gemacht, wenn das so einfach wäre.

    • FMH

      …sehe ich auch so!

      Bei meinen Tests mit dem Model S Autopiloten hatte ich genau diese Effekte wenn das Fahrzeugt hinter einem anderen Fahrzeug hinterher fährt.
      Dann geht das System wohl davon aus, dass dieses Fahrzeug korrekt fährt und man ihm nur folgen muss. Dabei werden dann auch schonmal Fahrspuren (fast) überfahren!
      Wenn dann dieses Fahrzeug plötzlich verschwindet (Abbiegen oder scheller Spurwechsel) hat das Model S für 1-2 Sek. keine Referenz mehr und schaltet dann erst in die Spurmodus zurück. In diesen 1-2 Sek. beschleunigt das Fahrzeug sogar!!!
      Da ich das inzwischen kenne bremse ich da immer gleich ab und schalte so das System aus…
      Auch werden leicht versetzte Fahrzeuge (oder Motoräder) nur schwer oder gar nicht erklannt.

      Wie man sieht sind all diese Kriterien bei dem Unfall zusammen gekommen.

      Ich kann Tesla auch nur auffordern die Notfallbremsung immer parallel mit höherer Prio mitlaufen zu lassen – dann passiert sowas hoffentlich nicht mehr.
      Wir müssen dann nur hinnehmen, dass das Auto dann evtl. manchmal kurz notbremst, wenn es sich nicht ganz sicher ist.

      Zu den anderen System: Auch bei meinem Opel Zafira Tourer reagiert das Radar etwas breiter und es kommt bei engen Kurven öfters zu kurzen Auslösern der Notbremsfunktion – fängt sich aber meist gleich wieder, so dass mit der Hintermann nicht rein fährt…
      Dafür reagiert der auf stehende Hindernisse auch einwandfrei!

  • Clemens Schneider

    Wenn ich den Autopiloten ohnehin nur nutzen darf wenn ich voll bei der Sache bin, kann ich mir das Geld auch sparen.

  • Joe Cool

    Spannend. Ich fahre regelmässig mit adaptivem Tempomat und ärgere mich dauernd, dass das Fahrzeug unnötig oder viel zu früh (Autobahn, Lastwagen auf gleicher Spur) abbremst. Den Autopiloten habe ich einige Male ausprobiert. Bis jetzt erachte ich ihn als wenig brauchbar weil die Sensorik ungenügend ist. Offenbar gibt es bei uns einige Hindernistypen, die in Kalifornien nicht vorkommen. Könnte es auch sein, dass da unterschiedliche Systeme verbaut worden sind, die nicht genügend oder nicht zeitgerecht miteinander kommunizieren? Auf jeden Fall würde ich mich auf das System nicht verlassen.

  • Lars

    Meine Erfahrung mit VW ACC ist, dass gerade mit abbiegenden Fahrzeugen das ACC anspricht und zur Not mit einer Bremsung reagiert, auch wenn ich vorbei fahren kann. ACC beim auf eine rote Ampel zufahren aktivieren hat wie bei Tesla den Effekt, dass ein stehendes Fahrzeug nicht erkannt wird. Allgemein sind stehende Fahrzeuge unsichtbar, bis sie sich bewegen. Ich würde auch erwarten, dass ACC wenigstens Geschwindigkeit rausnimmt und nicht beschleunigt (was es bei meinem VW macht). In Kurven beschleunigt ACC ja auch nicht, weil es sich über den weiteren Verlauf der Strecke nicht sicher ist.
    Bei einem BMW 4er hatte ich ein deutlich besseres Verhalten im Vergleich zu den oben beschriebenen Punkten. Keine Notbremsung bei abbiegenden Fahrzeugen zum Beispiel. Dafür hat BMW parkende Autos NEBEN der Spur als Hindernisse erkannt und die Bremse betätigt.
    Irgendwie ist die Zeit noch nicht reif für eine perfekte Fahrt.
    Allerdings hat der Mensch trotzdem heute schon das nachsehen. Es ist mir nicht nur einmal im Leben passiert, dass ich einem anderen die Vorfahrt genommen habe, ein anderes Fahrzeug übersehen habe,….
    Zum Glück in 99% aller Fälle immer mit Glück gehabt.
    Ich kann mein autonomes Auto fast nicht erwarten.
    Schon mal im Verkehrschaos Stuttgarter Überlandstrecken gewesen???

  • Muckl

    Offensichtlich sind dieses Systeme nicht wirklich ausgereift.

  • Ingo

    Also dass hier als selbstverständlich dargestellt wird, dass gegen ein stehendes Auto halt gefahren wird, eine Wand oder ein Brückenpfeiler steht auch.
    Und dann die Kurvenargumentation, da muss man die Kurve eben fahren und nicht gerade gegen das Hinderniss.
    Und dann ins Handbuch schreiben das ist halt so.
    Da fehlt einer mit gesunden Menschenverstand.

  • Lieber anonym

    Hallo, ich bin Entwickler für solche Systeme und kann vielleicht etwas Klarheit schaffen.

    Wir sehen hier ein klassisches Problem eines Radarsensors in einer aus Sicht des Sensors alles andere als einfachen Situation!
    Ein sehr schwierig zu erkennenden Element in diesem Szenario ist die Brücke. Da es sich bei einem Radar quasi um ein beugungsbegrenztes optisches System handelt hat es nicht nur eng begrenzte „Strahlen“ in die jeweilige Richtung nach vorn sondern es bilden sich sogenannte Nebenkeulen aus, die in unerwünschte Richtungen, zB eben auch nach oben schauen. Dies ist insbesondere bei Brücken ein Problem, da es so dazu kommen kann, dass eine Brücke fälschlicherweise als Objekt direkt vor einem interpretiert wird. Um deswegen nicht vor jeder Brücke eine Vollbremsung einzulegen entwickelt man Umwege diese Brücke doch noch zu erkennen. Ein klassisches Mittel dafür sind die Zuhilfenahme vorausfahrender Fahrzeuge.
    Dies ist der zweite sehr schwierige Part dieses Szenarios. Nicht nur auf der Nebenspur sondern auch direkt vor dem Fahrer schlängelt sich noch gerade so der Audi am stehenden Transporter vorbei. Dabei sieht das Radar den Audi und sagt „ah das muss eine Brücke sein das große Ziel da weil vor mir der kann ja auch drunter durch“. Den Transporter interpretiert der Algorithmus als Teil der ebenfalls stehenden Brücke.
    Allgemein sind zudem stehende Ziele, wie der ein oder andere Vorredner schon richtig bemerkt hat, sehr sehr schwer korrekt zu detektieren und nicht mit anderen stehenden Schildern, Brücken, Leitplanken oder ähnlichem zu verwechseln.

    Grundsätzlich haben alle Sensortypen (Radar, Kamera, Ultraschall, Lidar,…) jeweilige Vor- und Nachteile. Keiner ist perfekt und nur durch die Kombination mehrerer Arten kann die Fehlerrate signifikant verringert werden.
    Diese Fehlentscheidung des Tesla-Radars könnte auf verschiedene Arten verhindert werden.
    1. Ein besseres, moderneres aber auch teureres Radar verwenden. Zum einen gibt es Varianten mit weniger ausgeprägten sog. Nebenkeulen nach oben, die die Brücke erst hat nicht sehen. Zum anderen gibt es mittlerweile Sensoren auf dem Markt, die die Höhe von Objekten über der Straße messen können und so die Brücke leicht erkennen können.
    2. Ich kann nicht genau sagen, wie das System von Tesla arbeitet, aber das Verhalten sieht sehr nach einem Radar-Only-Ansatz aus. Der Fehler ist klar dem Radar zuzuschreiben, die Kamera scheint zumindest nicht selbst in der Lage zu sein hier eine Bremsreaktion auszulösen. Durch bessere Fusion beider Sensoren wäre es möglich gewesen, dass der sicher von der Kamera erkannte Transporter in Kombination mit der vom Radar bewusst getroffenen Entscheidung einer Brückenerkennung (Unsicherheit groß) dazu hätte führen können, dass der von der Kamera erkannte Transporter auch obwohl sich das Radar unsicher ist zu einer Bremsung führt.
    Hier muss man aber den aktuellen Ansatz verstehen. Ziel ist es den Fahrer zu unterstützen. Ein Falsch-Positiv (übersehenes Objekt) ist noch akzeptabel, weil ja der Fahrer alles im Griff haben muss. Ein Falsch-Negativ (Geisterobjekt) ist sicherheitskritisch, weil man eventuell bremst ohne Anlass und dadurch andere oder sich selbst gefährdet.
    Wie gesagt wäre aber eine bessere verknüpfende Logik zwischen Kamera und Radar hier eventuell auch hilfreich gewesen.
    3. Fusion mit einem dritten Sensor anderer Art, zum Beispiel eines Lasermesssystems zur weiteren Plausibilisierung ist sicher auf jeden Fall nötig um den Fahrer weiter aus der Verantwortung zu nehmen und die Fehldetektionsrate weiter zu reduzieren.

    Ich hoffe ich konnte dem einen oder anderen interessante Einblicke in die Arbeit eines Radarsensors geben. Wie gesagt, man sieht hier eine wirklich schwierige Situation für so ein Gerät.
    Und natürlich übertreibt Tesla zuweilen und gibt ordentlich an. Tesla kann auch nicht mehr zB als Daimler, BMW, andere Hersteller bzw. die Systemzulieferer. Tesla hat nur ein gutes Marketing 😉

    • TK

      Danke für Ihren sehr aufschlussreichen Kommentar!

    • Hääääääää

      „Diese Fehlentscheidung des Tesla-Radars könnte auf verschiedene Arten verhindert werden.
      1. Ein besseres, moderneres aber auch teureres Radar verwenden. Zum einen gibt es Varianten mit weniger ausgeprägten sog. Nebenkeulen nach oben, die die Brücke erst hat nicht sehen. Zum anderen gibt es mittlerweile Sensoren auf dem Markt, die die Höhe von Objekten über der Straße messen können und so die Brücke leicht erkennen können.“

      Ich bin beeindruckt von solchem Hightechzeugs

      Das spart in Zukunft das einschalten des Warnblikers
      ( Geld und Blaulichter sind auch nur für die überflüßigen
      Wessen die auf Terra bleiben, wen die Elite zum Mars hinaufsteigt
      ( früher war für sowas der Olymp vorgesehen )) weil die
      Kamera ignoriert es eh, wozu als die Mühe des Einschaltens
      ( Augenrollsmily )

      Tesla hat so gut wie garkein Markting, nutzt aber virales
      Marketing ist auch klar das Herr Musk SFfän

      https://www.youtube.com/watch?v=uF2djJcPO2A

    • FMH

      SUPER Beitrag – Danke!

      Hätte Tesla mal doch lieber die BOSCH-Lösung einbauen sollen…

      Diese langjährige Erfahrung kann man nicht einfach in einem halben Jahr kopieren.
      Aber Tesla kann dafür jetzt sehr schnell mit einem Software-Update darauf reagieren.
      (evtl. wieder ohne Releasenote…)

      • Muckl

        „Woll’n Se was von Bosch, oder was Gscheits?“ Wurde ich mal in nem Fachgeschäft gefragt. =D

        • FMH

          ohne Worte – schaut mal lieber hier:
          Tesla Model S – Bosch Automated Driving (25.05.2015)
          https://www.youtube.com/watch?v=KwD1hjlbhwU

          Soweit mit bekannt hat Tesla zwar größtenteils die Sensorik von BOSCH verbaut, aber nicht die eigentliche Software. In dem Video sieht man sozusagen die „Autopilot2-Hardware“ mit BOSCH Steuerungssoftware.

          Man muss wissen, dass in den meisten ganz oben genannten Autos alles von BOSCH ist wenn es um Sensorik und Software geht!

  • TESLA-Fan

    Egal, ob Bosch, TESLA oder VW, MB, AUDI oder BMW etc. Eines haben alle gemeinsam: Der Fahrer ALLEIN trägt -gem. Bedienungsanleitung- die Verantwortung beim autonomen Fahren. (TESLA weist auch explizit auf BETA hin). Und zwar solange, bis alle Hersteller anderslautende Freigaben mit gleichzeitiger Übernahme der Verantwortung herausgeben. Das wird aber nicht so schnell geschehen. Jedenfalls nicht vor der sog. Stufe 4 der autonomen Systeme. Im jetzigen Stadium sind diese Systeme nicht mit dem Straßenverlauf, Verkehrsinseln, Brücken, Baustellen – und anderen Verkehrsteilnehmern (zumindest Autos und Krafträdern) u.v.m. vernetzt. JEDER, der sein Auto mit solch einem autonomen System nutzt, weiß das und kennt es aus der Praxis. Ergo stellt sich auch jeder Fahrer auf die Ausraster und Fehlerquoten ein; jederzeit lenkbereit und vor allem auch bremsbereit zu sein. Insofern ist der TESLA-Fahrer eindeutig selbst Schuld, wenn er sehenden Auges auf den Laster knallt. Dass da noch dazu eine besondere Situation vor ihm ist, musste er vorausschauend erkennen können. Ich jedenfalls bremse mit meinem Model S vorsichtshalber selbst in so ausreichendem Abstand (auch ggf. „in letzter Sekunde“ wo es noch sicher ausreicht).
    Weshalb dann der Autopilot? Ganz einfach: Super entspannend auf langen Autobahnstrecken, keinerlei Verspannungen mehr im Nacken, Schulter und Rücken, weil meist deutlich weniger oder gar kein Kraftaufwand. D.h. aber nicht, während der Fahrt schlafen. Vermutlich auch noch nicht ab 2020.

    • Tesla-Fan

      Ah, noch ein Tesla-Fan 😉

  • Dr .Michael Gürtler

    Die geschilderte Situation ist doch typisch für Stauende Unfälle ,denn so oft wechseln die Ankommenden auf die noch vorrückende andere Spur ,kommt es zum Anprall ist das System unangepasst gefahren.was soll geschehen ,wenn innerhalb desAnhalteweges ein Fussgänger oder ein Radfahrer plötzlich zur Mitte ausweich ;dies sogar muss? Jetzt hätte das Selbstfahrende alle Risiken aufzunehmen um eine Zusammmenstoss zu vermeiden . nach rechts in die Geparkten Relativ 1V 1 oder In den Gegenverkehr 1V. oder Überfahren . Was ist da wohl programmiert und wer verantwortet das ?Ich möcht in dieser Situation nicht fremdgefahren sei, un sei es noch so bequem.

  • FMH

    Trotzdem sollte man sich abschließend dieses Video noch anschauen – da hat der Notbremsassistent nämlich einwandfrei funktioniert:
    https://www.youtube.com/watch?v=9X-5fKzmy38&list=PLxfKdkc-cEWOR5NoTpRgn_GWIR_fJAla6

    Mit Pappe funktioniert es dagegen wohl nicht so gut:
    https://www.youtube.com/watch?v=WoJDkABnoFs&index=2&list=PLxfKdkc-cEWOR5NoTpRgn_GWIR_fJAla6

  • FMH

    Habe auf meinem Kanal nochmal ein längeres Video eingestellt in dem man sehr gut die Alltagstauglichkeit des Tempomaten und Autopiloten im Model S sehen kann.

    Bin über die Autobahn nach Stuttgart in die Innenstadt gefahren…
    https://www.youtube.com/watch?v=ZetTg73Ebyo

    Da ich das Fahrersisplay mit eingeblendet habe, sieht man recht schön wann das Auto was erkennt. Die Situation wie oben beschrieben kommt da praktisch mehrmals vor – nur habe ich mich halt nicht auf den Assistenten verlassen, sondern dann selbst die Steuerung übernommen.

    • tslaintr

      Hallo,
      das Situationsvideo ist ja ausgezeichnet.
      Es zeigt auch die Grenzen des dort installierten Systems, die man natürlich berücksichtigen muß.
      Zum absolut selbsständigen Fahren ist noch ein weiter Weg, da zu viele Einflußfaktoren zu berücksichtigen sind.
      Der Mensch ist dazu (im Normalfall) in der Lage (wenn er nicht gerade objektive Gegebenheiten im Straßenverkehr bewußt ignoriert).