USA: Ab 2019 müssen alle neuen E-Autos Lärm erzeugen (bis 30 km/h), um Fußgänger zu warnen

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Die Verkehrsaufsichtsbehörde National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) hat kürzlich eine neue Vorschrift erlassen, nach der alle neuen Elektrofahrzeuge ab 2019 einen künstlichen Lärm erzeugen müssen, um Fußgänger und auch Radfahrer zu warnen. Allerdings ist dieser Lärm nur bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h und beim Rückwärtsfahren vorgeschrieben.

Diese neue Regelung, die seit 2013 im Gespräch ist, soll vor allem Blinden und Sehbehinderten zugutekommen, da diese besonders auf ihr Gehör angewiesen sind. Die NHTSA geht davon aus, dass durch die Einführung solcher künstlicher Geräusche, jährlich bis zu 2.400 Personen weniger bei Verkehrsunfällen verletzt werden.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Unfall eines Elektro- oder Hybridfahrzeugs mit einem Fußgänger liege laut der NHTSA um 18 Prozent über der eines Autos mit Verbrennungsmotor. Die Wahrscheinlichkeit für einen Unfall mit einem Fahrradfahrer liegt sogar um 51 Prozent höher, wenn es sich um ein Hybrid- oder Elektrofahrzeug handelt.

Die neue Regelung für alle Elektrofahrzeuge tritt ab dem 1. September 2019 in Kraft, wobei eine Übergangsphase ein Jahr zuvor beginnt, bei der die Hälfte der E-Autos mit diesem künstlichen Geräusch ausgestattet sein muss. Zudem sind genaue Vorgaben gemacht worden, welche Kriterien die künstliche Geräuschkulisse erfüllen muss:

  • Mehrere Bandbreiten von Tonhöhen abdecken
  • Geräusch muss lauter werden, wenn das Fahrzeug schneller fährt (zur besseren Orientierung für Fußgänger und Radfahrer über die Geschwindigkeit des ankommenden Fahrzeugs)
  • Geräusch muss auch im Stand erklingen, sobald der Motor eingeschaltet ist
  • Mind. 50 Dezibel laut bei 10 km/h, 56 Dezibel bei 20 km/h, 47 Dezibel beim Rückwärtsfahren

Ähnliche Regelung auch in der EU vorgesehen

Eine Richtlinie in der EU sieht ebenfalls die verbindliche Einführung eines sogenannten Akustischen Fahrzeugwarnsystems (Acoustic Vehicle Alerting System, AVAS) bis Juli 2019 für neue Modelle vor, schreibt die Welt in der Onlineausgabe. Zwei Jahre später soll die Regelung dann für alle Modelle gelten, die schon vor dem Stichtag auf dem Markt waren und neu verkauft werden.

Im Gegensatz zur Verordnung aus den Vereinigten Staaten, sieht die geplante Regelung in Europa lediglich ein Geräusch bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h vor. Außerdem soll es einen zusätzlichen Knopf geben, mit dem Fahrer das Geräusch selbstständig vorübergehend ausschalten kann. Ansonsten soll das Geräusch laut geplanter EU-Verordnung einen Verbrenner imitieren.

Mit Kunstgeräuschen für E-Autos hat sich auch das Weltforum zur Harmonisierung der Fahrzeugregulierung der UNECE beschäftigt. Dabei hat man ein Beispielgeräusch produziert, welches darauf hindeutet, wie sich Elektroautos in Zukunft anhören könnten. Jeder Hersteller kann jedoch auch ein eigenes Geräusch einführen, wenn es den Kriterien entspricht.

Tesla arbeitet bereits seit 2013 an einer Lösung

Da Tesla als reiner Elektrofahrzeughersteller von dieser neuen Verordnung in den USA betroffen ist, muss man sich schon bald intensiver damit beschäftigen. Die Kalifornier setzen sich jedoch bereits seit einigen Jahren mit dem Problem auseinander. Musk sagte in 2013 (via Electrek) dass es jedoch nicht einfach ist, eine für jedermann akzeptable Lösung zu finden:

Ich denke die vernünftigste und idealste Lösung auf langer Sicht wäre, Sensoren zu haben, die ein angenehmes Geräusch direkt in die Richtung abgeben, in der sich der Fußgänger befindet. Dadurch wäre es die geringstmögliche Geräuschkulisse, welche nicht störend ist und genau dorthin geht, wo sie auch benötigt wird. Das ist, so glaube ich, die richtige Lösung auf lange Sicht.

  • Dirk Pakosch

    Ich finde, so ein Schwachsinn Autos nun auch künstlich lauter zu machen. Da gibt es hier in D z.B. in Jena im Zentrum von 22-06 Uhr ein Tempolimit von 30Km/h aus Lärmschutzgründen, und die E Autos machen dann extra bis zu diesem Geschwindigkeitsbereich krach. Meine Freundin ist gehörlos, und die muß auch die ganze Zeit damit klar kommen, das sie die Autos nicht hört und passt dann eben dementsprechend auf. Und die Fußgänger und Radfahrer dürfen dann halt nicht mit Stöpseln im Ohr unterwegs sein, sondern sollen sich eben auf den Straßenverkehr konzentrieren, wie es eigentlich normal sein sollte. Also mir gefällt das nicht, aber kommen wird das wohl doch.

    • theBIGeasy

      Spätestens ab 30 km/h sind die Abrollgeräusche lauter als das Motorengeräusch.

    • Don Barbone

      Es geht ja nicht darum, dass die E-Autos zB bei 20 Km/h brüllen wie ein 8Liter-Diesel, sie sollen auch nicht piepen wie ein rückwärtsfahrender Müllwagen..sondern leise, warnehmbare Geräusche erzeugen.
      Ich erwische mich selbst immer wieder dabei wie ich ohne zu gucken über die Straße gehe weil ich mich auf die Geräusche verlasse. Natürlich ist das leichtsinnig…aber die meisten Menschen haben sich so an die Autogeräusche gewöhnt, dass sie sich darauf verlassen..zumindest an kleineren Straßen.
      Ich halte es für sehr sinnvoll.

      • Dieslstinker

        Da haben Sie ja Glück gehabt, wenn Sie noch nie einen Radfahrer zu Sturz gebracht haben…
        ich hab mir voriges Jahr ein Kettenblatt verbogen wegen so einer Notbremsung!

      • Will_Elektroauto

        .. Oder ein Elektroauto erwischt DICH..Nennt man dann natürliche Auslese..
        Im Ernst: Wer einfach so auf die Straße läuft, sollte auch die Konsequenzen tragen…

    • Pamela

      Ich bin dafür, dass Fußgänger und Radfahrer auch Geräusche um die 50 Dezibel machen sollten, bevor sie Furgänger- oder Radweg verlassen (außer auf einen Zebrastreifen), damit man sie kommen hört.

      • DerSchneider

        …oder Lichtsignale von sich geben.

    • Sikerman

      OT
      Hallo aus Jena!
      /OT

      Dann bimmelt es wie wild in den Innenstädten oder im Stau. Gibt es da Vorgaben oder darf jeder wie er will (in USA)?

  • Derk van Dorsten

    … das hat dann ja sicherlich auch für Hybrid-Fahrzeuge Gültigkeit, wenn Sie im E-Modus fahren, oder ? Mich wärmt der Gedanke auch nicht in der verkehrsberuhigten Zone bei 7 km/h meine Umwelt mit „Piepsgeräuschen“ zu beglücken …

    Mal sehen, was Tesla sich einfallen lässt !

    • ThomasJ

      Da würde sich ein Löwenknurren, Schimpansenkreischen oder
      wenn der Fussgänger sehr nahe kommt ein Elefantentrompeten anbieten. So bringen
      wir etwas „Natur“ in die Städte, bzw. erinnern uns daran, dass es das ja auch noch
      gibt 🙂

      • Pamela

        Was für eine zauberhafte Idee, die können wir weiterspinnen …

        • ThomasJ

          Oder es spielt ein Lied, nachdem der Mensch durch die Autopilot Software Level 7 individuell erkannt wird.
          Beim GSP wäre das vermutlich „let it be“ und beim K. Genz „Help“, beide von Beatles 🙂
          PS: Sorry ihr beiden, ich konnte s mir nicht verkneiffen 😉

          • Fritz!

            Komisch, bei Erna und dem Genz ist mir „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord“ eingefallen… 😉

            Aber lustig wäre es, wenn das Auto den Gemütszustand des Fahrers anhand seines aktuellen Fahrstils erkennt und die Musik entsprechend anpaßt. Also die laute Trash-Metal-Band bei aggresivem und das Streichorchester bei sehr ruhiger Fahrweise.

          • Pamela

            Auch hübsch. Bei Erna und Genz könnte ich mir allerdings vorstellen, dass die 2045 noch Berühmtheit erlangen, als die letzten beiden Deutschen, die mit ihren 15 Jahre alten Verbrennern überall Aufsehen erregen.

        • McGybrush

          Jamba Spar Abo. „Lade Dir JETZT den neusten Sound für Dein Auto runter! Nur 4.99Eur für 2 Töne pro Woche im ABO. Ruf an… 666-So-ein-mist-999! Nur Diese Woche! V8 Sound für Dein Auto…!“

        • Dieslstinker

          Spiel mir das Lied vom Tod

      • Gatanis

        Ich hätte für meinen Tesla gerne entspanntes Hufgetrappel wenn ich mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs bin 🙂

  • McGybrush

    Das Problem sind nicht die leisen eAutos sondern die laute Umgebung von den Verbrennern und anderen Dingen das man nix anderes wahr nimmt. Also Blinde weichen mir sogar beim Spazieren gehen aus. Schon erlebt. Ich hab dabei nicht gepfiffen oder so. Es war auf der IFA wo es allgemein eine schweinelaute Geräuschkulisse ist und der Boden mit Teppich ausgelegt war.

    Was sagen denn die Blinden selbst zu dem Thema? Das man Afroamerikaner nicht mehr Ni..a sagen darf stört allen nur die Leute selbst nicht. Die machen das ja selber um so mehr und feiern das auch noch 😉 Also oft wird über Dinge entschieden die die Betroffenen selbst nie gestört hat.

  • Rudi Walter

    Der Renault Zoe der bei uns in der Nachbarschaft rumgeistert macht mit recht angenehmen Geräuschen auf sich aufmerksam.
    https://youtu.be/mNkGD_Sryxg

    • DerSchneider

      Naja, klingt schon recht futuristisch würd ich sagen 😉

    • McGybrush

      Mal gegoogelt und das gefunden. BMW’s i3 hat das ja in Japan eh Serie und hier derzeit noch gegen Aufpreis. Bei 0.40sek kann man hören das der i3 bisher leiser ist als ein SUV. Ob das mit den jetzigen db übereinkommt weiss ich aber auch nicht,

      https://www.youtube.com/watch?v=vug8LrfFILg

  • PV-Berlin

    Die Werte für die Lautstärke sind sehr irritierend

    Mind. 50 Dezibel laut bei 10 km/h, 56 Dezibel bei 20 km/h, 47 Dezibel beim Rückwärtsfahren

    50 zu 56 klingt nach nicht viel, ist aber extrem viel lauter! Und 47 ist deutlich weniger als 50.

    sehr leise Waschmaschinen waschen mit nur 47 bis 49 dB.

    50 bis 55 Dezibel ist in etwa so leise wie ein normales Gespräch.

    Keine Ahnung, wie andere Radfahren, ich fahre ca. 2.000 km p.A. in Berlin. Ich kann nicht unterscheiden, ob das Auto direkt neben mir fährt oder auf der anderen Straßenseite. Es ist derart laut, dass ich immer sehen muss, was überhaupt geht. Ich habe aber auch keine Freisprechanlage oder ähnliches im Ohr. Wenn ich Rad fahre, bin ich 100% dabei, sonst würde ich fast täglich unter einem Auto landen.

  • Don Barbone

    Eigentlich erübrigt sich ja das Problem zumindest für diejenigen E-Autos die über ausreichende Sensoren&Assisten verfügen so dass automatisch gebremst/ausgewichen wird wenn ein Fußgänger/Fahrradfahrer das Auto übersieht bzw. überhört.

  • Dieslstinker

    ich bin dafür das alle mit der Melodie: https://www.youtube.com/watch?v=7GSeZcBUxeE herumfahren

  • Marc Stumpe

    Der größte Blödsinn ist ja dass „das Geräusch laut geplanter EU-Verordnung einen Verbrenner imitieren“ soll.
    Da hat man gute Hoffnung, dass die Lärmverschmutzung endlich abnimmt, und dann kommt so etwas.
    TESLA’s Idee mit einer selektiven Geräuscherzeugung kann man zur Not noch akzeptieren.

    • Nelkenduft / AHF

      Das hoffe ich nicht, denn beim Geräusch eines Verbrenners klappt bei mir immer das Messer in der Tasche auf. Der Zoe im verlinkten Video oder der i3 klingen hingegen sehr schön.

  • FMH

    Also in jedem guten science-Fiction Film machen die Fahrzeuge doch auch so coole Geräusche – kein Problem!
    Ich habe ja nur immer die dezente Fussgängerhupe a la Ampera gefordert, das habt ihr nun davon…

  • Skynet

    Das Piepsen beim Rückwärtsfahren sollte eigentlich bei jedem Auto schon lange Pflicht sein. Ich habe nie verstanden warum die LKW in Deutschland dies nicht brauchen. Es sollte doch aber bitte ein Piepsen sein, denn alles andere macht aus meiner Sicht keinen Sinn, da es nicht als Warnung verstanden wird.

    Vorwärts verstehe ich absolut nicht. Ich fahre viel Fahrrad und mich hört auch bei 30km/h kein Fußgänger oder Radfahrer mit annähernd den vorgeschriebenn db. Deshalb wird er trotzdem nicht umgefahren und zur Not gibts ne Klingel oder ein paar nette Worte.

    • Nelkenduft / AHF

      Hör blos auf, so penetrant wie mancher LKW diese Töne raushaut, das brauchen wir nun wirklich nicht beim PKW. Außerdem bringt es mir als Radlfahrer herzlich wenig, wenn ich zukünftig mit lautem Getöse die Vorfahrt genommen bekomme. Das Problem ist, dass die Fahrer oft blind sind und das löst man nicht mit zusätzlichem Lärm!

  • Jakob

    Doch nicht ernsthaft einen Verbrenner imitieren? Gibt es dafür Quellen?

    • Pamela

      Ich hoffe und glaube, dass Tesla so eine Primitiv-Lösung nicht übernimmt.
      Aber wenn Verbrennergeräusch, dann wird bei mir der Knopf zum vorübergehenden Ausschalten festgeklemmt ! Da binde ich mir lieber ne Kuhglocke aufs Dach … 😉

  • Nelkenduft / AHF

    Finde ich übrigens genial, dass Tesla sich schon seit Jahren Gedanken zu dem Thema macht und was Elon Musk in dem Zitat sagt spricht mir aus der Seele! Genau so und nicht anders sollte es umgesetzt werden.
    Der absolute Horror wäre es, wenn man in der Stadt dann zukünftig nicht mehr mit offenem Fenster schlafen kann, weil man irgendwelche künstlich erzeugten Geräusche um die Ohren gehauen bekommt, obwohl die Straße komplett leer ist.

    • Hex

      Aber dann dürftest du ja auch jetzt schon nicht mit offenem Fenster schalfen können? Denn bis jetzt sind nur laute Verbrenner auf der Straße…

  • Kufi

    Nur weil wir uns innerhalb eines Jahrhunderts an den Krach von Verbrennungsmotoren „gewöhnt“ haben, sollten wir nicht die Chance verpassen, einen großen Mehrwert an Lebensqualität wieder zurück zugewinnen. Auch vor dem Hintergrund der vielen Todesfälle, die infolge Stress z.B. durch Lärm entstehen.

  • Til Schmelzer

    Richtig wäre tatsächlich Blinde und Taube zu befragen. Die
    Angaben von Inhaltsstoffen der Lebensmittel in Speisekarten wurde in
    Deutschland wegen 2%der Menschen mit Unverträglichkeiten

    eingeführt. Nein im Ernst: Ich betrachte das Tragen von Kopfhörern im
    öffentlichen Raum als vortreffliche „Grundübung“ für das geräuschlose
    zurechtfinden im Innerstätischen Raum der Zukunft.

    Über 30 Km/h macht ein auf Rädern basierendes Fahrzeug leider sowieso
    Geräusche.

    Alles andere sind Geschwüre einer sich zu Tode regelten Gesellschaft.

  • Jubel Trubel

    Ich finde es sollte eine Übergangslösung geben bis zum Jahr 2025 sollten alle E-Autos die Titelmelodie von Star Trek Next Generation abspielen aber nur mit 30db und danach die Geräuschintensität schrittweise runtersetzen

  • Marc Stumpe

    Autos haben ja eigentlich schon seit eh und jeh einen Signalgeber eingebaut: Die Hupe.
    Nur, dass dieser für viele Situationen überdimensioniert ist.
    Wie wäre es also mit einem 2. manuell zu betätigendem Signalgeber, der zwar ausreicht, einem (unachtsamen) Fussgänger oder Fahrradfahrer zu signalisieren, dass sich ein (zum Glück leises) Fahrzeug nähert, aber nicht gleich den Fahrradfahrer vor Schreck vom Fahrrad fallen lässt?
    Das wäre m.E. deutlich besser als ein dauerhaftes synthetisches Geräusch.
    Nach dem Umweltaspekt und der Effizienz ist doch auch die Lärmreduzierung ein wesentlicher Vorteil von Elektroantrieben. Dies sollte man nicht gleich im Keim ersticken.
    Ich gebe ja zu, dass ich früher auch den turbinenartigen Sound eines BMW 6-Zylinders oder eines Ami V8 toll fand, aber spätestens seit meiner ersten Fahrt in einen MS denke ich darüber anders.
    Und die ganzen Spinner mit ihren „Sportauspuffanlagen“ oder „Soundpaketen“ (gibt es tatsächlich bei VW beim GTD als Aufpreis:-) gehören für 24h in eine Garage eingesperrt mit ihrem Lärmerzeuger bei max. dB.