Bilder: Aviloo
Die Tesla-Nachricht der Woche war ohne Frage die Veranstaltung, bei der die ersten Cybercabs in den Robotaxi-Betrieb in Austin genommen wurden – die hohen Erwartungen im Vorfeld erfüllte sie allerdings nicht, und dann machte auch noch die NHTSA Probleme. In der EU dagegen wachsen die Chancen auf eine Zulassung von überwachtem FSD, denn mit Frankreich zeigt sich ein wichtiges Mitglied jetzt offen dafür. Die deutsche Tesla-Fabrik fährt unterdessen Sonderschichten, und laut einer umfassenden Studie halten Elektroauto-Akkus länger, als viele glauben.
Goldener Tesla-Zweisitzer startet
Jetzt gibt es ihn also wirklich: den goldenen Zweisitzer, den Tesla erstmals vor zwei Jahren bei einer großen Show in Los Angeles zeigte, um mit großer Verspätung das alte Versprechen von CEO Elon Musk vom autonomen Fahren zu realisieren. Lenkrad oder Pedale hat das Serien-Cybercab erst gar nicht und wurden nach Tesla-Angaben nur für Tests gelegentlich hinzugefügt. Die Serien-Produktion in der Gigafactory Texas begann im April; seitdem waren immer häufiger Cybercabs auf Straßen in den USA zu sehen.
In Austin häuften sich diese Sichtungen zuletzt, und schon ab Mitte August schürte Tesla die Neugier auf ein baldiges Cybercab-Event in der Stadt. Bis kurz vor der Veranstaltung war nicht klar, wann genau sie beginnen und wie sie ablaufen würde, obwohl sich viele der offenbar handverlesenen Gäste schon auf den Weg nach Austin gemacht hatten. Wie sich zeigte, war das letztliche Ziel eine Konzert-Halle, in der am Donnerstagabend Ortszeit Mitglieder des Cybercab-Teams kurze Reden hielten und Technik des autonomen Elektroautos ausgestellt wurde.
NHTSA will Cybercab prüfen
Anschließend konnten die Besucher die ersten Fahrten mit Cybercabs buchen – über die gleiche App, über die seit vergangenem Juni Model Y als Robotaxis zu bestellen sind. Anfangs hatten die vom FSD-System gesteuerten Elektroautos menschliche Aufpasser an Bord; mittlerweile fahren sie meist ohne, und Tesla hat den Robotaxi-Dienst auf weitere Städte in Texas und Florida erweitert. In Austin wurden die von vornherein unbeaufsichtigten Cybercabs am Tag nach der Launch-Veranstaltung auch zur Buchung durch die allgemeine Öffentlichkeit freigegeben.
Cybercabs will be available at 2pm CT due to popular demand 🤠 https://t.co/HJoD5VACdZ
— Tesla Robotaxi (@robotaxi) September 4, 2026
Schon dass das eigentliche Event kurz ausfiel, dass es keinen Live-Stream im Internet gab und dass CEO Musk sich dort nicht sehen ließ, sorgte für eine gewisse Enttäuschung. An der Börse wurde moniert, dass Tesla zwar wie erwartet offiziell Cybercabs in seine Robotaxi-Flotte aufnahm, das aber offenbar nur in geringer Zahl; echte Neuigkeiten zu den Plänen damit brachte die Veranstaltung ohne Musk, der zuvor einen „Sturm von Cybercabs“ in Aussicht gestellt hatte, zudem nicht. Und dann zeigte sich obendrein, dass die Verkehrsbehörde NHTSA eine Prüfung der neuen Robotaxis begonnen hat.
Dabei geht es um die unübersehbare Tatsache, dass das Cybercab kein Lenkrad und keine Pedale hat, wie es nach US-Standards eigentlich vorgeschrieben ist. Trotzdem scheint Tesla angegeben zu haben, dass es alle relevanten Vorgaben einhält – und die NHTSA will jetzt prüfen, ob das Unternehmen bei dieser Einschätzung möglicherweise Änderungen daran vorweggenommen hat, die noch nicht beschlossen sind. Man unterstütze sichere Entwicklung und Einsatz automatisierter Fahrzeuge, müsse aber sicherstellen, dass geltendes Recht beachtet wird, schreibt die Behörde.
Musk-Einsatz für FSD in Europa
Vor einer ähnlichen Situation steht Tesla in Europa, hier noch nicht mit Blick auf echte Robotaxis, sondern auf die überwachte Version seines FSD-Systems, die Kunden in den USA und anderen Ländern längst nutzen können. Der regulatorische Rahmen für die EU lässt manche seiner Funktionen nicht zu, weshalb Tesla auf Ausnahme-Genehmigungen setzt. Die erste bekam FSD Supervised in diesem April in den Niederlanden. Und neuerdings zeigt sich auch Frankreich offen für eine Zulassung.
Mit einer Abstimmung auf EU-Ebene Anfang Oktober könnte die FSD-Ausnahme innerhalb des Blocks zur Regel werden, ließ Tesla am Dienstag wissen – und veröffentlichte umfangreiche Analysen zur Leistung des Systems, die der Zulassung in den Niederlanden zugrunde lagen. Frankreich hatte sich dazu bislang skeptisch bis ablehnend geäußert, doch der Tesla-Chef persönlich scheint mit Erfolg interveniert zu haben.
Échange constructif ce soir avec @elonmusk autour du dispositif Full Self-Driving (FSD) de Tesla.
Depuis plusieurs mois, les autorités françaises travaillent étroitement avec @Tesla sur les adaptations techniques qui permettront à la France de soutenir son homologation, qui sera… pic.twitter.com/d1Y90cGJLf
— Philippe Tabarot (@PhilippeTabarot) September 2, 2026
Er habe mit Musk ein konstruktives Gespräch über FSD geführt, schrieb der französische Verkehrsminister am Dienstag auf X. Behörden würden mit Tesla an Anpassungen arbeiten, die eine Unterstützung der Zulassung ermöglichen würden. Mit zwei von dem Unternehmen zur Verfügung gestellten Fahrzeugen trete man jetzt in die Phase der Erprobung im Straßenverkehr ein. Ähnlich hatte ein deutscher Staatssekretär im Juli eine schnelle nationale FSD-Ausnahme abgelehnt und erklärt, das Kraftfahrt-Bundesamt werde das Tesla-System zunächst selbst testen.
Tesla Grünheide mit Sonderschichten
Wenn sich Frankreich und Deutschland überzeugen lassen, hätte FSD Supervised gute Chancen auf die erforderliche EU-Mehrheit. Laut CEO Musk verspricht eine Zulassung in Europa für Tesla neuen Schub bei den Verkäufen. Zumindest in Deutschland mit den zwei besonders schwachen Vorjahren aber scheinen sie auch so zu laufen: Hier haben sich die Tesla-Neuzulassungen im August gut verdoppelt, geht aus neuen KBA-Zahlen hervor. Im Juli waren sie nach starken sechs Monaten zwar um zwei Drittel eingebrochen, doch insgesamt liegt Tesla nach acht Monaten jetzt um 182 Prozent vor 2025.
Die meisten Model Y für den europäischen Markt kommen aus der Tesla-Fabrik im deutschen Grünheide – wo die Steigerung der Produktion offenbar gar nicht schnell genug gehen kann. Als Ziel gab ihr Leiter im Juni 7500 Model Y pro Woche ab Oktober aus. Derzeit liegt die Rate laut einem Bericht des Handelsblatts unter 6500, wurde seit Juni also schon um rund 20 Prozent erhöht. Um dem Ziel näher zu kommen, soll es an drei Tagen im September Sonderschichten geben. Der gewünschte Fertigungstakt von 45 Sekunden pro Fahrzeug sei inzwischen erreicht, aber noch nicht die angestrebte Stückzahl.
Elektroauto-Akkus halten lange
Einige der in Grünheide gebauten Tesla Model Y fahren seit kurzem (wie das Cybercab) mit 4680-Batterien aus eigener Produktion. Diese Modelle dürften noch nicht in einer umfangreichen Auswertung von Elektroauto-Akkus berücksichtigt sein, die am Mittwoch Aviloo veröffentlichte, nach eigenen Angaben ein global führender Anbieter von Batterie-Diagnostik. Die Daten-Grundlage sollen 500.000 Tests von 20 Modellen von 2022-2026 bilden.
Das wichtigste Ergebnis: Elektroauto-Batterien halten länger als manchmal befürchtet, aber zwischen und selbst innerhalb von Modellen kann es erhebliche Unterschiede geben.
Einzeln herausgegriffen werden in einer Mitteilung die verbreiteten Elektroautos Tesla Model Y, VW ID.4, Hyundai Ioniq 5 und Nissan Leaf (s. Grafik oben). Das Model Y hat laut Aviloo nach 50.000 Kilometern im Durchschnitt noch 94,5 Prozent seiner ursprünglichen Akku-Kapazität, nach 150.000 km noch 90,3 Prozent. Bei dem VW sind beide Werte minimal höher, bei dem Hyundai mit 97,2 Prozent und 92,8 Prozent deutlich. Am schlechtesten in dem Quartett schnitt mit 91,1 Prozent und 86,3 Prozent der Nissan Leaf ab, dessen kleiner Akku entsprechend häufiger nachgeladen werden muss.

