Die vorige Tesla-Woche stand im Zeichen der Vorstellung des Raketen-Elektroautos Roadster, jetzt aber ging wieder um irdischere Bemühungen. Am Mittwoch meldete Tesla Q3-Geschäftszahlen, und in der Konferenz dazu nannte CEO Elon Musk ein neues Ziel für die Elektroauto-Produktion – und für den eigenen Robotaxi-Dienst. Vorher bestätigte er, dass eine Fusion zwischen Tesla und SpaceX geprüft wird, und kündigte an, ab 2027 im großen Stil Aktien der Weltraum-Firma zu spenden. Und die deutsche Gigafactory hat ihre installierte Kapazität erstmals nahezu ausgeschöpft.
Q3-Zahlen und -Konferenz bei Tesla
Statt des erwarteten Rekord-Umsatzes im dritten Quartal gab Tesla am Mittwoch nach US-Börsenschluss einen minimalen Rückgang gegenüber Q3 2025 bekannt. Der bereinigte Gewinn lag mit 0,48 Dollar pro Aktie leicht über den Prognosen, blieb aber niedrig. Überraschend betrug die Höhe der Investitionen nur 5,79 Milliarden Dollar, was dazu beitrug, dass Tesla in dem Quartal weitere rund 1,5 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln zuflossen. Statt insgesamt 25 Milliarden Dollar Investitionen in 2026 sind jetzt nur noch 20 Milliarden geplant.
Diese Information kam erst in der Telefon-Konferenz nach Veröffentlichung des Q3-Berichts. Dieses Mal wurde sie mit besonderer Spannung erwartet, denn erst einen Tag vorher hatte Musk schon in seiner Rolle als SpaceX-CEO Fragen von Analysten und Anlegern beantwortet – hier sogar mit Live-Video und in guter Qualität. Unter anderem ließ er wissen, dass Ausschüsse auf beiden Seiten über eine Fusion von Tesla und SpaceX verhandeln. Gerüchte dazu gab es schon länger, aber noch keine direkte Bestätigung von Musk.
Musk-Kontrolle über Tesla-SpaceX
Also hofften Anleger für die Q3-Konferenz von Tesla auf weitere Informationen über die mögliche Fusion mit SpaceX, doch Musk machte es kurz: Zu diesem Thema sei seiner Meinung nach alles gesagt, erklärte er in seiner Einleitung. An anderer Stelle wurde aber weiter darüber spekuliert und berichtet. Eine Fusion seiner beiden Billionen-Unternehmen wäre wohl nicht nur deshalb nach Musks Geschmack, weil sie eine gewaltige Herausforderung darstellt und seine vielfältigen Aktivitäten unter einen Hut bringen würde.
Gleichzeitig würde er sich mehr Kontrolle über das neue Gebilde sichern. Denn mit seiner höheren Bewertung würde SpaceX wohl die Mehrheit daran halten, und anders als bei Tesla hat sich Musk hier besondere Aktien gesichert, die bedeuten, dass er trotz des Börsengangs mit externer Kapital-Aufnahme 82 Prozent der Stimmrechte hat. Damit würde er in dem fusionierten Unternehmen noch zu 56 Prozent bestimmen, hat laut Time ein Analyst von Barclays berechnet. Als CEO abberufen werden kann Musk bei SpaceX zudem nur mit seiner eigenen Zustimmung.
Neues Tesla-Ziel für Elektroauto-Bau
Für ihn selbst wäre eine Fusion also offensichtlich vorteilhaft, darüber zu entscheiden haben aber die freien Aktionäre. Vorher gäbe es zudem eine Reihe von rechtlich-politischen Problemen zu lösen, die damit zusammenhängen, dass SpaceX ein großer staatlicher Auftragnehmer für sensible Aufgaben ist und gleichzeitig Tesla die meisten seiner Elektroautos in China als dem geopolitischen Rivalen der USA produziert. In diesem Sommer hieß es dazu, eine mögliche Vorbereitung für die SpaceX-Fusion wäre die Abspaltung der chinesischen Aktivitäten von Tesla.
Erst einmal aber soll das Unternehmen im Kerngeschäft wieder wachsen. In der Q3-Konferenz gab Musk als Ziel aus, die Tesla-Produktion bis 2030 auf 5 Millionen Elektroautos pro Jahr zu steigern, was jährliches Wachstum um rund 29 Prozent erfordern würde. Allerdings ist nicht sicher, ob Musk dabei Elektroautos für Endkunden im Sinn hat: Die automobile Tesla-Zukunft sieht er in autonomem Fahren, und das dafür entwickelte Cybercab soll weit überwiegend in der eigenen Robotaxi-Flotte bleiben, wie er jetzt sagte.
Robotaxis bald in Kunden-Besitz?
Vorher hatte sein Engineering-VP Lars Moravy auf Nachfrage erklärt, Tesla versuche, erste Cybercabs noch 2026 zu Kunden zu bringen. Das schien sich aber ebenfalls auf den Einsatz als öffentliche Robotaxis zu beziehen, nicht auf den Verkauf als private Fahrzeuge, denn Moravy sprach von nötigen Vorbereitung für die Integration der Kunden-Cybercabs in die Flotte.
Das Gleiche gilt offenbar für autonomes Fahren mit anderen Tesla-Modellen: Ab dem zweiten Quartal 2027 soll es nach Angaben in der Konferenz möglich werden, weil sie dann die gleiche V15-Version der FSD-Software wie das Cybercab erhalten. Zusätzlich müsse man sicherstellen, dass diese Kunden-Elektroautos die für die eigenen Robotaxi-Dienste eingerichteten Geo-Zäune beachten, und sie in die Flotten-Management integrieren, sagte Teslas KI-Chef Ashok Elluswamy dazu.
Echte Robotaxis betreibt Tesla bislang in jeweils drei Städten in Florida und Texas; weitere sollen schrittweise hinzukommen. Die gleichen geografischen Einschränkungen dürften auch für Teslas in Kundenhand gelten, wenn sie ab nächstem Jahr wirklich erstmals autonom fahren. Auf längere Sicht aber hat CEO Musk weiterhin die ganze Welt im Blick: Letztlich werde Tesla seiner Meinung nach die Mehrzahl aller Passagier-Meilen auf Erden übernehmen, in jedem Land, in dem das Unternehmen frei agieren dürfe (was nicht garantiert sei), erklärte er in der Konferenz.
Deutsche Tesla-Fabrik erhöht Produktion
In Europa ist einstweilen nicht einmal die überwachte Version des FSD-Systems zugelassen. In den Niederlanden sicherte sich Tesla im April eine Ausnahme-Genehmigung für FSD, und seit eine Umbenennung in Tesla Assisted Driving (TAD) zugesagt und umgesetzt wurde, unterstützt auch Deutschland die EU-weite Zulassung. Er wäre überrascht, wenn sie nicht spätestens im ersten Quartal 2027 käme, sagte Musk jetzt dazu.
Die deutsche Tesla-Fabrik kam in der Telefon-Konferenz zu den Q3-Zahlen ebenfalls vor. Man habe Genehmigungen für ihre Erweiterung beantragt, bestätigte VP Moravy Berichte von Mitte Oktober, laut denen die schon länger geplante Verdoppelung der Tesla-Kapazität in Grünheide konkreter wird. Beantragt wurde die Errichtung einer weiteren großen Produktionshalle, die im nächsten Jahr beginnen soll. Für das bisherige Gigafactory-Hauptgebäude sind 500.000 Elektroautos pro Jahr genehmigt, darin ist aber erst Technik für 375.000 Model Y installiert.
Ramp-up is in full swing at Giga Berlin. This week we hit the next production milestone: 7,000 Model Y built in one week. Congrats to the whole team! pic.twitter.com/1eOBZ6Vclo
— Tesla Manufacturing (@gigafactories) October 23, 2026
Zumindest die installierte Kapazität in Grünheide wollte Tesla im Oktober erstmals voll ausschöpfen – und dieses Ziel ist laut einer X-Mitteilung von Freitag fast erreicht. Der Hochlauf der Giga Berlin sei voll in Gang, schrieb der Gigafactory-Account mit Foto (s. oben). Erstmals habe sie jetzt 7000 Model Y pro Woche produziert. Das ist ein Rekord für den Standort, und hochgerechnet auf ein Jahr mit 50 Arbeitswochen bedeutet er 350.000 Stück, also fast die Gesamtkapazität, die 7500 Einheiten pro Woche entsprechen würde.
Roboter Optimus noch in Entwicklung
Weitere Informationen gab es am Mittwoch zu dem Roboter Optimus, der wie viele ehrgeizige Musk-Projekte schon vor Jahren angekündigt wurde, bislang aber nicht Realität ist. Man habe mit der frühen Produktion von Optimus auf der hochvolumigen Linie dafür in Fremont begonnen, sagte der CEO dazu. Diese sei auf 1 Million Einheiten pro Jahr ausgelegt und fast fertig. Die Kapazität voll auszulasten, werde aber mindestens ein Jahr dauern.
Als Grund dafür nannte der Tesla-Chef, dass Teile des Optimus-Designs noch verändert würden. Die Vorstellung der zuvor als produktionsfertig angekündigten V3-Version ist also immer noch nicht erfolgt, aber die Produktion in Serie soll schon begonnen haben. Eine große Roboter-Show bei Tesla wie im September und Oktober für Semi, Cybercab und Roadster scheint jedenfalls nicht geplant zu sein. In ein bis zwei Monaten will Musk jedoch ein Video veröffentlichen, das zeigen solle, wie Optimus anders als andere humanoide Roboter unprogrammiert Aufgaben erledigt.
Musk will SpaceX-Aktien verschenken
Obwohl das Tesla-Geschäft wenig Dynamik zeigt, hält sich die Aktie, was auch mit der Hoffnung auf einen Zusammenschluss mit SpaceX zusammenhängen könnte. Musk jedenfalls wird mit seinen Anteilen an beiden Unternehmen immer reicher und liegt je nach Kursstand über der Schwelle zum Dollar-Billionär. Mit diesem Reichtum zeigt er sich nicht geizig. Laut einem CNBC-Bericht gibt Musk derzeit dreistellige Millionen-Beträge aus, um die anstehenden US-Zwischenwahlen zu beeinflussen. Und im nächsten Jahr will er anfangen, Kinder in den USA zu beschenken.
Next year, I will give one of my SpaceX shares to every kid in America.
This will be the first of many.
— Elon Musk (@elonmusk) October 19, 2026
Das gab der Tesla- und SpaceX-Chef am Montag ohne erkennbaren Anlass auf X bekannt, aber er liegt damit im Trend. „Nächstes Jahr werde ich jedem Kind in Amerika eine meiner SpaceX-Aktien schenken“, schrieb er; dies werde „die erste von vielen sein“. Rund 74 Millionen Aktien seiner Weltraum-Firma für aktuell insgesamt rund 27,5 Milliarden Dollar will Musk also im ersten Schritt hergeben. Als Vehikel dafür scheinen die neuen „Trump Accounts“ zu dienen, die vom Staat steuerlich und mit 1000 Dollar pro Kind gefördert werden und auch externe Spenden zulassen.
