Bilder: Tesla / FinanzBuch Verlag (Montage: teslamag.de)
Über Elon Musk als den (Mit)gründer von Tesla, SpaceX, Neuralink, Boring und xAI wurden schon viele Bücher geschrieben. Die zwei bekanntesten stammen von den US-Journalisten Ashlee Vance (erschienen 2015) und Walter Isaacson (2023), und obwohl Musk in der Zwischenzeit umstrittener wurde, kam er auch in dem späteren Werk gut weg – Isaacson erklärte den Tesla-Chef zwar für verrückt, stellte ihn aber auch als Helden dar. Ganz anders jedoch liest sich die neueste Musk-Biografie.
Biografie will Musk entzaubern
Sie stammt ebenfalls von einem Journalisten aus den USA: Faiz Siddiqui, der als Reporter bei der Washington Post Technologie-Unternehmen im Silicon Valley beobachtet, und damit auch Tesla und weitere Teile des Musk-Imperiums. Dass er sich für seine Biografie „Hubris Maximus“ etwas anderes vorgenommen hat als die überwiegend angetanen Vorgänger, wird unmittelbar klar. Auf dem Cover (s. oben) ist eine bröckelnde Büste des inzwischen reichsten Menschen der Welt zu sehen, und im Untertitel wird nicht weniger angekündigt als die „Entzauberung“ von Elon Musk.
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In den USA ist das Buch im Mai 2025 erschienen, die deutsche Ausgabe mit dem Titel „Hybris Maximus“ (übersetzt von Sascha Mattke, Chefredakteur von teslamag.de) kommt in diesen Tagen heraus. Bei einem schnell beweglichen Ziel wie Musk bedeutet der zeitliche Vorlauf, dass seit der Fertigstellung des Originals viel passiert ist. So enthält Siddiquis Biografie nicht die Information, dass Musk bei Tesla ein neuer Bonus in Billionen-Höhe winkt und dass er sein strauchelndes Sozialmedium X mit der KI-Firma xAI fusioniert hat.
Weinende PR-Beschäftigte bei Tesla
Dass Aktionäre im November 2025 mit großer Mehrheit das nächste Rekord-Paket für den Tesla-Chef billigten, spricht dafür, dass es Siddiqui mit seinem Buch nicht wirklich gelungen ist, Musk zu entzaubern – jedenfalls nicht für dessen immer noch zahlreiche Anhänger. Dabei hat der Autor, oft in vertraulichen Gesprächen, reichlich Material gesammelt, das Musk in keinem guten Licht erscheinen lässt. So soll er als neuer Besitzer von Twitter reihenweise Beschäftigte in sein riesiges Büro dort beordert haben, um sie dann stundenlang warten zu lassen oder doch nicht zu empfangen.
Bei Tesla soll Musk Beschäftigte in der PR-Abteilung zum Weinen gebracht haben (er selbst sagt von sich, zwar offen Feedback zu geben, dabei aber nie zu verletzen). Jerome Guillen, dem ehemaligen President Automotive, dem manche Analysten die Rettung der frühen Model-3-Produktion zuschreiben, wollte er sogar den Lohn für seinen Einsatz nehmen: Nach einem Streit wurde Guillen degradiert und trat bald darauf zurück – und Musk sagte (erfolglos), als nur noch Ex-President müsse er auf seine Tesla-Optionen im Wert von 600 Millionen Dollar verzichten.
Musk: lieber sterben als verlieren
Dass Musk wenig Dankbarkeit gegenüber Personen zeigt, die entscheidend zu Erfolgen seiner Unternehmen beigetragen haben, konnte man schon der Biografie von Vance aus dem Jahr 2015 entnehmen. Bei Isaacson ist ebenfalls davon zu lesen – unter anderem Musks Ex-Partnerin Grimes berichtet in dem Buch, dass der Tesla-Chef in einen destruktiven „Dämonen-Modus“ geraten könne. Seinem Bruder Kimbal soll er finanzielle Unterstützung für dessen Restaurant-Geschäft verweigert haben, obwohl der in frühen Zeiten Geld zur Rettung von Tesla zugeschossen hatte.
Schon Isaacson, der Musk für seine Biografie zwei Jahre lang begleitete, stellte bei ihm „Hybris“ fest, eine Mischung aus Arroganz und Anmaßung. Siddiqui hat dieses Motiv zusammen mit dem Attribut „Maximus“ zum Titel seines Buches gemacht. Was für Isaacson bloße Schönheitsfehler eines „großen Innovators“ sind, stellt der Washington-Post-Journalist also als zentral dar – und Musk als gefährlich, weil der lieber Selbstmord begehen würde, als eine Niederlage einzugestehen, und im Zweifel bereit sei, „viele von uns mit sich zu nehmen“.
Neues Futter für Musk-Skeptiker
Echte Fans von Musk wird Saddiqui mit seinem unterhaltsam geschriebenen Buch nicht umstimmen können, zumal nicht solche, die auf mühelosen Reichtum dank Tesla- und bald vielleicht auch SpaceX-Aktien hoffen. Aber wer an der Integrität des immer reicher und mächtiger werdenden Multi-Unternehmers schon vorher zweifelte, bekommt in „Hybris Maximus“ reichlich neues Futter dafür.

