Die große US-Zeitschrift MotorTrend hat kurz vor den ersten Auslieferungen vergangene Woche die Möglichkeit bekommen, das neue Tesla Model S Plaid zu testen. In einem lesenswerten Artikel berichtet sie jetzt darüber – und kommt zu dem Schluss, dass das Elektroauto mit Plaid-Antrieb der beste Tesla ist, den es je gab, sowie das schnellste je von ihr getestete Auto und eines der schnellsten und besten überhaupt. Die Tesla-Angabe zur Beschleunigung von 0 bis 60 Meilen pro Stunde konnten die Tester sogar leicht unterbieten. Der Wert von 1,98 Sekunden ist allerdings schon in der Überschrift neckisch mit einem kleinen Stern versehen.
Tesla besteht auf Klebe-Start
Anders als sonst bei der Einschränkung von Werbe-Aussagen durch Verweis auf einen erklärenden Text wird das Titel-Sternchen des MotorTrend-Artikels nicht mehr explizit aufgegriffen. Aber auch so wird klar, dass Tesla die 1,99 Sekunden von 0-60, die auf seiner Website für das Model S Plaid stehen, vielleicht lieber doppelt einschränken sollte. Denn um auf die 1,98 Sekunden zu kommen, mussten die Tester nicht nur die Zeit für das Zurücklegen des ersten 1 Fuß der Distanz abziehen – auf diese Praxis weist Tesla bei dem Plaid-Modell selbst hin. Doch zusätzlich ließ sich die Super-Zeit nur erreichen, wenn der Start-Platz mit einer klebrigen Masse für mehr Reifen-Haftung eingeschmiert war.
„Die Barriere von 2,0 Sekunden von 0 bis 60 bleibt undurchbrochen – es sei denn, man schreibt seine eigenen Regeln“, fasst MotorTrend diese Erkenntnis trocken zusammen. Dabei hatte Tesla offenbar viel dafür getan, sie zu verhindern. Die Zeitschrift berichtet von längeren und wiederholten Verhandlungen vor dem Test und noch währenddessen. Darin habe Tesla erreichen wollen, dass die Beschleunigung des Model S Plaid nur auf seiner Haus-Rennstrecke getestet wird – und dort nur mit am Anfang klebrig gemachter Fahrbahn. Ein zunächst widerwillig erlaubter Test von ihrem Ende aus, also ohne den Start-Vorteil, soll dem Team telefonisch wieder verboten worden sein. Es gehorchte – testete den Plaid-Tesla aber später auf seiner eigenen Stamm-Strecke nach. Denn Kleber am Start ist auf Drag-Strecken durchaus üblich, bedeutet für MotorTrend aber einen unfairen Vorteil beim Vergleich von Sprint- statt Viertelmeilen-Zeiten.
Wenig überraschend brauchte das Model S Plaid für den Prestige-Spurt ohne diese Unterstützung etwas länger. Aber mit 2,07 Sekunden vergingen nur 9 Hundertstel mehr, und das war immer noch schneller als alles andere, was MotorTrend je getestet hat. Der bisherige Rekordhalter war mit 2,28 Sekunden ebenfalls ein Tesla Model S gewesen, 2017 noch als P100D. Die schnellste Viertelmeile schaffte mit 9,74 Sekunden ein Ferrari LaFerrari, und auch das unterbot das neue Plaid-Elektroauto: 9,25 Sekunden brauchte es laut der Zeitschrift auf der Tesla-Strecke mit Start-Kleber, auf der eigenen ohne sollen es hochgerechnet 9,34 Sekunden gewesen sein – ohne aufwendige Sicherheitsvorkehrungen sind Highspeed-Tests dort verboten.
Model S Plaid kassiert Rekorde
Sozusagen nebenbei stellte das Model S Plaid bei den Tests noch einen weiteren MotorTrend-Rekord ein: So schnell wie bislang kein anderes Auto erreichte es auf dem Stand 100 Meilen pro Stunde, um dann wieder zu stoppen. Das klappte in 8,2 Sekunden, 0,3 Sekunden schneller als mit einem McLaren Senna. Dabei war der höchste g-Wert beim Beschleunigen minimal höher als die stärkste Verzögerung beim Bremsen. Und für das Protokoll oder weitere Vergleiche: Um auf einer unpräparierten Straße und ohne Abzug des ersten Fuß von 0 auf 60 Meilen zu kommen, brauchte das Tesla Model S Plaid 2,28 Sekunden.
Das umstrittene Lenk-Rechteck namens Yoke kam auch bei MotorTrend jedenfalls bei niedrigem Tempo nicht gut an, doch durch die Plaid-Fähigkeiten des neuen Model S wird das laut den Testern mehr als wettgemacht. Das Fahrwerk könnte für ihren Geschmack noch etwas straffer sein, wenn es schneller zugeht. Insgesamt wird der neueste Tesla als „beeindruckende Leistung“ bezeichnet und für seine runde Kombination aus Luxus, Leistung und Effizienz gelobt. Unabhängig von den Tesla-Spezialitäten bei den Spurt-Daten gehöre es ohne Frage zu den besten Autos, die es aktuell zu kaufen gibt.