Bild: Volkwagen-Chef Herbert Diess vor ID.3-Elektroautos (Foto: VW)
Zumindest die oberste Führung des deutschen Volkswagen-Konzern ist seit einiger Zeit entschlossen auf Elektroauto-Kurs, von den USA aus agiert gleichzeitig Tesla selbst, das den Markt dafür praktisch im Alleingang geschaffen hat. Volkswagen tut sich nach Aussagen eigener Manager noch schwer mit den Software-Konzepten für moderne Elektroautos, Tesla nach vielen Berichten mit Qualität in der Produktion. Die Chefs beider Unternehmen, Herbert Diess bei Volkswagen und Elon Musk bei Tesla, haben sich schon mehrmals gegenseitig ihren Respekt ausgesprochen. Warum also schließen sich der US-Pionier und der riesige Nachzügler aus Deutschland nicht einfach zusammen?
Tesla erst Beute, jetzt Jäger
Näheres Interesse von VW-Seite an Tesla hat es offenbar schon gegeben. Als CEO Musk 2018 kurz einen Börsen-Rückzug von Tesla verfolgte, soll Volkswagen zur Mitfinanzierung bereit gewesen sein. Die Tesla-Aktien blieben dann doch an der Nasdaq, und im August 2019 hieß es, Volkswagen-Chef Diess wolle einen großen Anteil daran kaufen. Allerdings soll Tesla kein Interesse daran gezeigt haben, und auch VW dementierte.
Damals kostete die Tesla-Aktie noch um 225 Dollar – und galt damit vielen schon als zu teuer. Hätte Volkswagen damals zugeschlagen, wären aus zum Beispiel 1 Milliarde Dollar Investition mehr als 6 Milliarden geworden, denn Tesla steht heute bei knapp 1500 Dollar. Gleichzeitig haben sich die Börsen-Verhältnisse schwungvoll umgekehrt: Seit diesem Januar ist die Marktkapitalisierung von Tesla höher als die des riesigen Volkswagen-Konzerns, mittlerweile um den Faktor 4.
Wenn überhaupt, käme heute also eine Übernahme von Volkswagen durch Tesla in Frage. Aber die ist aus fast den gleichen Besitz-Gründen wie umgekehrt fast undenkbar: Bei dem deutschen Konzern hat dank des speziellen VW-Gesetzes das Land Niedersachsen eine Sperr-Minorität, mit der es grundlegende Entscheidungen stoppen kann. Ohne Unterstützung der Politik kann Volkswagen also nicht den Besitzer wechseln, und damit ist angesichts der langen Historie vorerst nicht zu rechnen. Die Aktien-Mehrheit an VW hält zudem die Porsche Automobil Holding, die wiederum den Familien Porsche und Piech gehört.
Volkswagen und Tesla ergänzen sich
Aber unterhalb einer Fusion oder Übernahme gibt es noch andere Möglichkeiten. Ende Juli räumte der Audi-Chef und VW-Forschungsvorstand Markus Duesmann ein, dass Tesla bei Software und automatischem Fahren „sicher zwei Jahre Vorsprung“ habe. Kurz danach bot Tesla-CEO Musk öffentlich an, anderen Auto-Hersteller Antriebe und Batterien zu liefern und Lizenzen für Software einschließlich des Autopilot-Systems zu vergeben. Akkus können VW und Audi laut Duesmann mittlerweile selbst. Aber Tesla-Software könnte die Lücke schließen, die sich beispielsweise soeben beim ID.3 als dem ersten von Grund auf neu entwickelten-Elektroauto der Marke Volkswagen zeigt.
Anders herum spricht CEO Musk häufig davon, dass die Nachfrage nach seinen Elektroautos die Produktionskapazität von Tesla trotz ständiger Steigerungen übersteige. Hier könnte VW gewiss aushelfen. Mit Ford gibt es bereits eine Vereinbarung über die Entwicklung mindestens eines Kompakt-Elektroautos auf derselben Plattform wie der VW ID.3 und dessen Ableger im Konzern. Auch anderen Unternehmen steht diese MEB-Basis offen. Und Tesla-Chef Musk hat vor kurzem gesagt, er würde gern früher auch ein kompaktes Elektroauto sowie einen elektrischen Stadt-Bus herausbringen, aber erst einmal habe Tesla mit den anderen Modellen und Gigafactorys alle Hände voll zu tun.