Tesla verklagt Ex-Mitarbeiter wegen Hacking und Diebstahl, dieser behauptet, er sei ein Whistleblower

Wir hatten kürzlich über einen Tesla-Mitarbeiter berichtet, der als Saboteur entlarvt worden war und die Produktion des Autobauers negativ beeinflussen wollte. Nun berichtet der Nachrichtensender CNN, dass Tesla gegen jenen Mitarbeiter am Mittwoch eine Klage eingereicht hat, und diesen darin beschuldigt, das Produktionsbetriebssystem gehackt und Firmendaten gestohlen zu haben.

Bei dem Mitarbeiter handelt es sich um Martin Tripp, einem 40-jährigen Prozessingenieur, der seit Oktober 2017 an der Batterieproduktion in der Gigafactory 1 arbeitete. Dieser behauptet nun in öffentlichen Stellungnahmen gegenüber verschiedenster Medien, dass er von Tesla angegriffen wird, weil er versucht habe, Probleme im Unternehmen ans Licht zu bringen.

„Ich wurde herausgegriffen, weil ich ein Whistleblower bin. Ich habe mich nicht in das System gehackt. Die Daten, die ich sammelte, waren so ernst, dass ich zu den Medien gehen musste“, sagte Tripp gegenüber CNN kurz nachdem die Klage eingereicht wurde.

In der beim Bundesgericht in Nevada eingereichten Klage bittet Tesla um nicht näher bezifferte finanzielle Entschädigung und um die Möglichkeit, Tripps Computer und persönliche USB- und elektronische Speichergeräte, E-Mail-Konten, Cloud-basierte Speicherkonten sowie die Anruf- und Nachrichtenhistorie zu durchsuchen.

In der Klageschrift heißt es, dass er „die vertraulichen und geheimen Informationen des Unternehmens gehackt und an Dritte weitergegeben hat“. Er soll Software auf dem Computersystem platziert haben, die auch dann weiterlaufen würde, wenn er das Unternehmen verließ. Außerdem sollen die von Tesla gestohlenen Daten Dutzende von vertraulichen Fotos und ein Video von Teslas Produktionssystem enthalten.

Angeblich beschädigte Akkupakete in über 1.000 Model 3 eingebaut

Laut Aussagen von Tripp habe er lediglich versucht Investoren und die Öffentlichkeit über Probleme bei Tesla aufzuklären. Er habe entdeckt, dass Tesla insgesamt 1.100 beschädigte Akkupakete in Model 3-Fahrzeuge eingebaut habe, die heute im Umlauf sind. Zudem sei er besorgt über den übermäßigen Schrott, der in gefährlicher Weise auf Teslas Grundstück in Nevada gelagert und der in Zukunft teuer zu entsorgen sein wird.

Der Autobauer soll laut Tripp jedoch auch bei Produktionszahlen gelogen haben. Denn Anfang April vermeldete Tesla, dass man 2.020 Model 3 in den letzten sieben Tagen vor besagter Ankündigung produziert haben soll. Tripp behauptet jedoch, dass man tatsächlich näher an 1.900 Fahrzeugen war. Außerdem sei es für ihn gar nicht möglich, Änderungen am Betriebssystem von Tesla vorzunehmen. Er habe lediglich Computerarbeit verrichtet, für die er in seiner Rolle als Prozesstechniker eingestellt worden war.

Laut Tesla sind die gemachten Aussagen um beschädigte Akkupakete falsch. Außerdem soll Tripp die Menge an Schrott, die Tesla produziert, extrem aufgeblasen haben. In der Klageschrift heißt es, dass Tripp sich darüber beschwert hatte, dass ihm nicht genügend Führungspositionen im Unternehmen eingeräumt wurden und dass er, als Manager Probleme mit seiner Arbeitsleistung identifizierten und ihn neu zuteilten, seine Wut über die Neuzuweisung zum Ausdruck brachte. Tripp leugnete, dass er jemals eine Beförderung wollte oder sich über seine Position beschwerte.

Mittlerweile hat Tripp sich gegenüber mehreren Medien geäußert, darunter auch ein längeres Interview, welches jedoch noch nicht veröffentlicht wurde.

Angebliche Drohung, die Gigafactory hochzujagen

Indes berichtet die Washington Post, dass ein Freund von Tripp telefonischen Kontakt zu Tesla aufgenommen hatte, um das Unternehmen über eine mögliche Gefahrensituation zu informieren. Demnach soll Tripp gegenüber diesem Freund ausgesagt haben, dass er zur Gigafactory fahren würde „um den Ort hochzujagen“, so eine Tesla-Pressesprecherin.

Eine Untersuchung durch das Büro des Sheriffs in Storey County, wo sich die Gigafactory befindet, stellte jedoch fest: „Nach mehreren Stunden der Untersuchung gab es keine glaubwürdige Bedrohung“. Die Untersuchung wird dennoch fortgeführt und Tesla hat auch angekündigt, die Sicherheitsmaßnahmen an der Gigafactory zu erhöhen.

E-Mails zwischen Musk und Tripp: „Du bist ein schrecklicher Mensch“

Auch einen Austausch von E-Mails zwischen Musk und Tripp, deren Echtheit von Tesla bestätigt wurde, hat die Washington Post veröffentlicht. In diesen schrieb Tripp, dass er niemals eine Drohung ausgesprochen habe oder seine Arbeitskollegen verleumdet hätte. Musk nannte ihn für seine Aktionen hingegen einen „schrecklichen Menschen“.

Übersetzung der E-Mails:

Von Tripp: „Keine Sorge, Sie haben das, was Ihnen für die Lügen, die Sie der Öffentlichkeit und den Investoren erzählt haben, zusteht.“

Von Musk: „Mich zu bedrohen, macht es nur schlimmer für dich.“

Von Tripp: „Ich habe nie eine Drohung ausgesprochen. Ich habe dir nur gesagt, dass du bekommst, was kommt. Danke für das Geschenk!!!!“

Von Musk: „Du solltest dich schämen, dass du andere Leute reingelegt hast. Du bist ein schrecklicher Mensch.“

Von Tripp: „Ich habe NIEMALS irgendjemanden „reingelegt“ oder gar angedeutet, dass er an meiner Produktion von Dokumenten Ihrer MILLIONEN VON ABFÄLLEN, Sicherheitsbedenken, Lügen gegenüber Investoren/WELT beteiligt war. Autos mit Sicherheitsbedenken auf die Straße zu setzen, ist ein schrecklicher Mensch zu sein.

Von Musk: „Mit dem Model 3 gibt es buchstäblich Verletzungen. Es ist das mit Abstand sicherste Auto der Welt für jedes Mittelklassefahrzeug. Und natürlich wird ein Unternehmen mit Milliarden von Produkten Millionen von Dollar an Schrott haben. Das ist nichts Neues. Allerdings, Ihr Ehrenwort zu verraten, den Deal zu brechen, den Sie hatten, als Tesla Ihnen einen Job gab, und Ihre Kollegen zu verleumden, sind falsch und einige kommen mit gesetzlichen Strafen. So geht es. Mach’s gut.“

Von Musk: „Ich beabsichtigte ‚keine Verletzungen‘ zu schreiben.“