Beim Laden eines Tesla am Supercharger kann man sich schon mal etwas unwohl fühlen. Auf der einen Seite sitzt man relativ sicher im bei Bedarf versperrten Auto, andererseits steckt man bei einer Bedrohung auf gewisse Weise fest, weil es sich mit eingestecktem Ladekabel nicht zum Fahren bewegen lässt. Auf diesen Umstand reagiert Tesla jetzt mit einem Software-Update: Wer unbedingt ohne Ausstecken wegfahren will, kann die Sperre mit einem Bildschirm-Befehl überstimmen. Supercharger wie Fahrzeug werden dadurch laut Tesla beschädigt.
Tesla warnt vor hohen Kosten
Die neue Funktion, die als „emergency drive away“ (etwa: Notfall-Wegfahren) bezeichnet wird, werde derzeit mit einem Software-Update eingeführt, heißt es in einem Video, das Tesla in der Nacht auf Freitag auf X veröffentlichte. Es beginnt mit einem silbernen Model Y, das mit eingestecktem Supercharger-Kabel davonfährt. Ein metallisches Geräusch ist zu hören, und dann liegt das Kabel mitsamt Stecker am Boden, während der Tesla seine Fahrt aus dem Bild fortsetzt.
Emergency Drive Away lets you shift into Drive while still plugged into a Supercharger pic.twitter.com/40GSzyP4lG
— Tesla Charging (@TeslaCharging) October 1, 2026
Wie Tesla dazu erklärt, werden durch das Notfall-Wegfahren sowohl das Fahrzeug als auch die Supercharger-Säule beschädigt. Man solle die Funktion also nicht leichtfertig nutzen, aber für den Fall, dass sie gebraucht werde, gebe es sie jetzt. Auf Nachfrage hieß es dazu, die Reparatur-Kosten könnten bis zu 25.000 Dollar betragen. Offenbar geht Tesla davon aus, dass der Großteil des Schadens an der eigenen Infrastruktur entsteht. Der Ladeport des geflohenen Autos müsse aber ebenfalls zumindest zwingend im Service überprüft werden.
Depends on the Supercharger, but electrical & civil cost can be up to $25k. Service visit mandatory for the chargeport. Only use in case of an emergency.
— Tesla Charging (@TeslaCharging) October 2, 2026
Den Einsatz der Flucht-Funktion sollte man sich also gut überlegen. Wer sie missbraucht, muss laut Tesla zudem mit zusätzlichen Sanktionen rechnen.
Ihre Einführung könnte von einem Vorfall Anfang August beschleunigt worden sein: An einem Supercharger in Idaho tötete ein Schütze sieben Menschen, darunter einen Mann, der ladend in seinem Tesla saß, berichtet Electrek. Anschließend forderten viele Tesla-Besitzer Abhilfe. Zuvor gab es sie schon am Zubehör-Markt in Form eines Adapters von EVject für 290 Dollar, der zwischen Supercharger-Stecker und Ladebuchse kommt und darauf ausgelegt ist, relativ leicht zu zerbrechen.
Supercharger-Adapter als Alternative
Nach weiteren Angaben von Tesla ist die neue Funktion im Update auf die Software-Version 2026.38.3 enthalten. Anwendbar ist sie vorerst nur an Superchargern in den USA – eine spätere Ausweitung auf weitere Regionen kündigte das Unternehmen nicht explizit an. Ebenso wurde zunächst nicht klar, ob das Notfall-Wegfahren auch an fremden Ladesäulen funktioniert; denkbar wäre, dass Tesla hier mehr rechtliche Bedenken hat. Der EVject-Adapter lässt sich laut Hersteller an beliebigen Ladesäulen verwenden, ist für Europa bislang aber nur vorbestellbar.
