Akku der Basisversion des Model 3 kleiner als 60 kWh, Batteriekosten bereits unter $190/kWh

Colin Langan, ein Analyst bei UBS, glaubt nicht, dass Tesla mit dem Model 3 bei einem Verkaufspreis von 35.000 US-Dollar Gewinn erwirtschaften kann. Wie es im veröffentlichten Analysebericht auf StreetInsider heißt, müsste Tesla nach seiner Berechnung mindestens 50.000 US-Dollar verlangen, um in die Gewinnschwelle zu rutschen.

In einem Conference Call mit Jon Bereisa, Präsident und CEO von Auto Lectrification, sprachen beide über die Fortschritte im Bereich der Li-Ionen-Batterien. Bereisa war 35 Jahre bei General Motors beschäftigt und war der verantwortliche Ingenieur für den Chevy Volt. Laut ihm gab es seit 2014 nur sehr wenig Fortschritt in der Batterietechnologie und keinen wirklichen Durchbruch. Bereisa kann sich im besten Fall einen Preis von $133-$155/kWh bis 2025 vorstellen.

Weiter heißt es, dass Bereisa mit variablen Produktionskosten für das Model 3 rechnet, die 1.510 US-Dollar über den Verkaufspreis von 35.000 US-Dollar liegen. Der Bolt hingegen habe variable Produktionskosten von 4.980 US-Dollar unter dem Verkaufspreis von 37.500 US-Dollar. Insbesondere der Aluminium-Anteil in der Karosserie, die zusätzlichen Sensoren, das schnellere Antriebssystem und die höhere Kosten der Akkus sollen das Model 3 unrentabel machen. Laut Bereisa kosten Tesla die Akkus $260/kWh, während GM lediglich $215/kWh bei LG zahlt, wo man die Zellen zum Herstellungspreis erhält.

Tesla widerspricht: Basisversion des Model 3 wird mit weniger als 60 kWh angeboten, Batteriekosten bereits unter $190/kWh

Jeff Evanson, Teslas leitender Angestellter für den Bereich Investor Relations, schaltete sich in die Konferenz ein, um einige Aussagen zu berichtigen. Es gibt zwei wichtige Kernpunkte, die laut Tesla richtiggestellt werden müssen:

  1. Evanson erklärte, dass das Model 3 lediglich zum Teil aus Aluminium bestehen wird, nicht gänzlich.
  2. Weiter verkündete Evanson, dass die Akkupakete im Model S bereits heute unter $190/kWh kosten und das Model 3 mit einem kleineren Akku als 60 kWh angeboten wird.

Analysten weiterhin skeptisch über Teslas Batteriekosten

Dennoch blieben die Analysten skeptisch gegenüber den Aussagen des Tesla-Mitarbeiters. Laut Bereisa liegen allein die Materialkosten für die Zellchemie bei circa 160 US-Dollar, wenn man von einer Gewinnmarge von 40 Prozent für den Zulieferer ausgeht. Außerdem glaubt er, dass im Model 3 mindestens ein Akkupaket mit 55 kWh verbaut sein muss, damit das Fahrzeug eine Reichweite von lediglich 200 Meilen erreicht (also unter den von Tesla angekündigten 215 Meilen).

Der Analyst ist auch skeptisch gegenüber den Herstellungskosten von $190/kWh für die Akkupakete. Aber selbst wenn die variablen Produktionskosten 4.500 US-Dollar unter dem Verkaufspreis liegen würden, bliebe wenig Spielraum für einen Profit. Schließlich sind in den variablen Produktionskosten nicht die Kosten für Abschreibungen, Forschung und Entwicklung, Fixkosten oder Vertriebsgemeinkosten enthalten. Für gewöhnlich brauchen Hersteller einen Preisunterschied von 45-55 Prozent zwischen den Kosten und dem Verkaufspreis, damit man lediglich an die Gewinnschwelle kratzt, heißt es im Bericht. Selbst bei $190/kWh müsste Tesla das Model 3 dann für 45.000 bis 48.000 US-Dollar verkaufen.

215 Meilen Reichweite mit weniger als 60 kWh durchaus möglich

Auch wenn die Analysten skeptisch sind, ist eine Reichweite von 215 Meilen mit einem kleineren als 60 kWh-Akku durchaus möglich. Das Model S wurde ursprünglich auch mit einem 60 kWh-Akkupaket angeboten und damals mit einer Reichweite von 208 Meilen beworben. Nun ist das Model 3 circa 20 Prozent kleiner und deutlich leichter als das Model S. Das Model S hat zudem einen cw-Wert von 0,24 während des Model 3 einen cw-Wert von 0,21 haben soll.

Da es sich nach der letzten Stichelei von Nissan anbietet, kann man auch einen Vergleich mit dem Leaf ziehen. Der Leaf hat mit seinem 30 kWh-Akku eine EPA-Reichweite von 107 Meilen. Es dürfte zwar etwas leichter sein als das kommende Model 3, dafür ist der cw-Wert mit 0,28 deutlich schlechter. Tesla könnte die 215 Meilen Reichweite sicherlich auch mit einem 55 kWh-Akku schaffen, selbst wenn man technologische Vorsprünge völlig außen vor lässt.

Beitragsbild: Reddit-Nutzer shineycode entdeckte zufällig das Model 3 bei einem offiziellen Fotoshoot in den Marin Headlands, nahe der Golden Gate Bridge.