Trotz der Priorisierung von autonomem Fahren, Robotern und neuerdings KI-Chips kann Tesla immer noch klassische Elektroauto-Nachrichten liefern – so soll das Unternehmen jetzt doch an einem kompakten SUV arbeiten und plant eine letzte Auflage von Model S und Model X. Neuigkeiten gab es in der zurückliegenden Woche aber auch zu den Zukunftsprojekten von Tesla: Die Niederlande erteilten als erstes EU-Land eine Zulassung für das Assistenz-System FSD, und zu der Chip-Terafab mit SpaceX wurde bekannt, dass Intel eine wichtige Rolle dafür spielt.
Tesla-FSD in Niederlande erlaubt
Viele Jahre mussten Tesla-Kunden in Europa darauf warten, wie in den USA und inzwischen einigen anderen Ländern die als FSD (kurz für Full Self-Driving) bezeichnete Autopilot-Erweiterung nutzen zu können, selbst wenn sie längst dafür bezahlt hatten. Die Einführung wurde immer wieder verschoben, wofür CEO Elon Musk strengere Regulierung außerhalb der USA verantwortlich machte. Jetzt ist es zumindest in den Niederlanden so weit, wie Tesla und die Behörde RDW am späten Freitag mitteilten.
Nach den Angaben wurde das FSD-System nach Tests für sicher genug befunden, um die Typ-Genehmigung in den Niederlanden zu erhalten, die unter anderem automatisiertes Fahren im Stadtverkehr erlaubt. In den Mitteilungen ist jedoch stets von „FSD (Supervised)“ die Rede und wird mehrfach erwähnt, dass es nur ein Assistenz-System ist. Den „überwacht“-Hinweis für FSD hatte Tesla in den USA schon im September 2024 ergänzt. Jetzt steht er auch auf den niederländischen Bestell-Seiten, während die Option in Deutschland „Potenzial für Voll-Selbstständiges Fahren“ heißt.
FSD für Rest der EU ab Sommer?
Die Niederlande sind als Elektroauto-Markt vergleichsweise unbedeutend, doch die Entscheidung der RDW könnte den Weg für die FSD-Zulassung auch im Rest der EU bereiten, wie die Behörde erklärte: Der Europäischen Kommission will sie jetzt die Übernahme ihrer Genehmigung vorschlagen. Wenn es eine Mehrheit der Mitgliedsstaaten dafür gibt, wäre überwachtes FSD in der gesamten EU zugelassen. Tesla geht nach früheren Angaben davon aus, dass es noch in diesem Sommer so weit sein wird.
Kees just merged onto the A10 (ring road) on FSD Supervised in The Netherlands
🇳🇱Well done @aelluswamy and team
Yes it drives “voorzichtig”, but better safe and a gentleman than sorry 🤣#alwaysberiding
What a spectacular weekend for autonomous driving in 🇪🇺
⚡️⚡️⚡️ https://t.co/27TZ8zcnzv pic.twitter.com/r81vird32E— Felix Hamer • electricfelix (@electricfelix) April 11, 2026
Die Ankündigung, dass niederländische Kunden mit bezahltem FSD die Option in wenigen Tagen aktivieren können, wurde jedenfalls prompt umgesetzt. Auf X zeigte einer am Samstag den Download und eine erste Testfahrt damit. Den Beiträgen kann man entnehmen, dass FSD für die Niederlande die Versionsnummer 14.2.2.5 hat. In den USA erhalten Tesla-Kunden neuerdings FSD 14.3. Eigentlich sollte darin schon ein Modell mit viel mehr Parametern als zuvor arbeiten. Dies wurde laut CEO Musk jetzt jedoch auf Version 15 verschoben, zu der er keine zeitlichen Angaben machte.
Neue Infos über Tesla Model Q
Wie er zuvor zu FSD in Europa sagte, hofft Tesla darauf, dass seine Verkäufe in der Region durch die Genehmigung neuen Schwung erhalten. Im ersten Quartal dieses Jahres war das in manchen Ländern schon vorher der Fall. In Deutschland zum Beispiel haben sich die Tesla-Neuzulassungen im März mehr als vervierfacht und stiegen im ganzen Quartal um 160 Prozent, wenn auch von einem niedrigen Niveau aus. Aber möglicherweise will Tesla auch wieder mit einem gänzlich neuen Elektroauto für steigenden Absatz sorgen.
Ein solches Modell für 25.000 Dollar war lange Teil der öffentlichen Planung, bis es im April 2024 zugunsten von voller Konzentration auf autonomes Fahren aufgegeben wurde. Billigere Teslas kamen zunächst nur in Form von abgespeckten Versionen von Model 3 und Model Y, während eine laut Musk revolutionäre neue Plattform dem rein autonomen Zweisitzer Cybercab vorbehalten bleiben sein sollte. Trotzdem gibt es immer wieder Gerüchte über ein mögliches Tesla Model Q im Kompakt-Format. Recht konkret wurden sie in der vergangenen Woche.
Von vier Personen will die Agentur Reuters erfahren haben, dass Tesla ein SUV unterhalb des Model Y vorbereitet, mit einer Länge von 4,28 Metern und 1,5 Tonnen Gewicht. Zuerst solle es in China produziert werden, später möglicherweise auch in Europa und den USA. Das Projekt befindet sich laut dem Bericht noch in einem frühen Stadium. Ob die Produktion schon fest beschlossen ist, ließ sich laut Reuters nicht erfahren, mit einem Start noch in 2026 sei aber nicht zu rechnen. Von Tesla China kam dazu eine Reaktion, die man als Dementi verstehen kann, aber nicht muss: Pläne für ein kleineres und billigeres Elektroauto seien „ein Gerücht“, meldete Cailian Press.
Schluss-Auflage für Model S & X
Bereits sicher dagegen ist, dass die Premium-Elektroautos Model S und Model X ein zweites Leben erhalten, allerdings nur ein ganz kurzes. Ende März wurde ihre Produktion nach Angaben von CEO Musk eingestellt, um in Fremont Platz für die erste Produktionslinie für den Roboter Optimus zu schaffen. Im deutschen Bestand gab es am Sonntag schon kein einziges Model S oder Model X mehr, in den USA noch jeweils einige Dutzend. Aber zum Abschuss sollen noch einmal einige Plaid-Versionen produziert werden, mit viel Ausstattung und zu einem hohen Verkaufspreis.
Hey everyone, was a bit busy today, but I got a chance to speak with a couple customers who were offered a @Tesla Model S and Model X Signature Edition, the final versions of the Model S/X that will ever be produced. Here's all the info:
Model X Signature Edition:
• Price:… pic.twitter.com/rmqvDIYfqm— Sawyer Merritt (@SawyerMerritt) April 12, 2026
Jeweils 159.420 Dollar sollen Model S und Model X Plaid in der limitierten „Signature Series“ kosten, wurde am Samstag bekannt. Das liegt noch einmal deutlich über den US-Bestandspreisen, die erst vor kurzem um 15.000 Dollar stiegen. Neben dem Gefühl, die wirklich letzten ihrer Art erwischt zu haben, bekommt man dafür ein besonderes Rot, einige „Signature“-Zeichen, ein goldenes T auf dem Lenkrad, FSD, vier Jahre Service und mehr. Das Angebot soll allerdings auf 100 Model X und 150 Model S begrenzt sein und nur per E-Mail an ausgewählte Kunden gehen.
Tesla-Terafab mit SpaceX und Intel
Ob auf das endgültige Ende für Model S und Model X ein großes Tesla-SUV mit drei Sitzreihen folgt, wie Musk Anfang April andeutete, wird sich noch zeigen. Konkreter wurden jetzt aber seine Pläne für eine riesige „Terafab“ für KI-Chips, die er überraschend im November erstmals erwähnte. Seit Ende März ist bekannt, dass Tesla die Terafab zusammen mit Musks Weltraum-Firma SpaceX realisieren will, die vor einem Rekord-Börsengang steht. Beide haben in der Chip-Produktion kaum Erfahrung – wollen sich aber von dem Spezialisten Intel unterstützen lassen.
Elon has a proven track record of reimagining entire industries. This is exactly what is needed in semiconductor manufacturing today. Terafab represents a step change in how silicon logic, memory and packaging will get built in the future. Intel is proud to be a partner and work… https://t.co/PmzsTLNmad
— Lip-Bu Tan (@LipBuTan1) April 7, 2026
Das gaben beide Seiten am Dienstag nach einem Treffen von Musk und Intel-CEO Lip-Bu Tan bekannt. Intel freue sich, zu dem Terafab-Projekt zu stoßen, schrieb Tan auf X. Die eigenen Kompetenzen würden dazu beitragen, schneller das Ziel zu erreichen, pro Jahr 1 Terawatt an neuer Rechenleistung für KI und Robotik zu produzieren. Tesla schrieb vom „epischsten Projekt zur Herstellung von Chips aller Zeiten“ zusammen mit Intel und SpaceX. Sie sollen nicht nur auf der Erde zum Einsatz kommen, sondern im großen Stil auch auf KI-Satelliten im Weltraum.
