In den Wahlkampf um die Neubesetzung des Betriebsrats in der Gigafactory von Tesla in Grünheide bei Berlin wird jetzt auch eine Zeitung hineingezogen – jedenfalls vom Leiter des Werks, der am Montag schwere Vorwürfe gegen das Handelsblatt äußerte. Zuletzt hatte die Zeitung unter Berufung auf Marktforscher über einen drastischen Produktionsrückgang in der deutschen Fabrik berichtet. Dies stellte Werkschef Andre Thierig auf LinkedIn als Teil einer Kampagne gegen Tesla zusammen mit der IG Metall dar. Der von ihm kritisierte Autor wehrte sich.
Musk vor Wahl mit Warnung
Seit Montag wird in der deutschen Tesla-Fabrik in Grünheide drei Tage lang ein neuer Betriebsrat gewählt. Mit zur Wahl stehen Vertreter der IG Metall, die vor zwei Jahren eine Mehrheit verpasste und sie dieses Mal erneut anstrebt. Das lokale Management dagegen will getreu der Linie von Tesla-CEO Elon Musk eine gewerkschaftliche Mehrheit im Gigafactory-Betriebsrat verhindern. Zuletzt eskalierte der Konflikt mit gegenseitigen Strafanzeigen, vergangene Woche aber einigten sich Tesla und IG Metall, bis nach der Wahl bestimmte Behauptungen nicht zu wiederholen.
00:00 – Welcome & what’s exciting about Tesla
00:24 – Full Self-Driving, AI & European rollout
01:20 – Optimus humanoid robot
02:15 – Cyber Cab, Semi & future products for Europe
03:59 – Tesla’s transformation of the auto industry
04:52 – State of European & German automotive…— Tesla Manufacturing (@gigafactories) February 26, 2026
Der Wahlkampf aber ging weiter. So veröffentlichte Tesla am Donnerstag ein Video, in dem der deutsche Werksleiter Thierig CEO Musk befragt. Darin ist der Tesla-Chef voller Lob für die Beschäftigten und stellt dem Standort in Aussicht, zum größten Fabrik-Komplex Europas zu werden, Aber er hat auch eine Warnung: Wenn die Fabrik unter den Einfluss externer Organisationen gerate, werde Tesla in Grünheide nicht expandieren. Explizit sagte Musk es also nicht, aber der Kontext macht erkennbar, dass er vor Stimmen für die IG Metall warnte.
Tesla-Werkschef greift Zeitung an
Die Wirtschaftszeitung Handelsblatt hatte damit zunächst nur insofern zu tun, als sie häufig über die deutsche Tesla-Fabrik berichtet; auch die ersten Informationen über das Video mit der indirekten Musk-Drohung vor der Belegschaft kamen von ihr. Am Montag aber zog Thierig die Zeitung mitten in den Konflikt von Tesla mit der Gewerkschaft hinein. Auf LinkedIn stellte er die Frage, „welche Ziele Medienhäuser verfolgen“. Seine Antwort für das Handelsblatt: eine Kampagne gegen Tesla zusammen mit der IG Metall.
Diesen Vorwurf machte Thierig an einem Artikel von Freitag fest, in dem es unter Berufung auf den Daten-Dienstleister Inovev heißt, in 2025 habe die deutsche Tesla-Fabrik nur 149.000 Elektroautos produziert, 30 Prozent weniger als 2024, bei einer Auslastung von 40 Prozent. Diese Angabe sei „FALSCH“, schrieb der Werksleiter dazu. 2025 habe Tesla in Deutschland erneut mehr als 200.000 Fahrzeuge produziert. Nach unbestrittenen Zahlen waren es im Vorjahr gut 211.000. Ein Rückgang gegenüber 2024 wäre also möglich, aber um maximal 5 Prozent.
„Handelsblatt verkommt zum Sprachrohr“
Außerdem schreibt Thierig, das Handelsblatt bezichtige ihn der „Lüge“, weil er gesagt habe, dass die Gigafactory ihre Produktion hochfahre. In 2025 habe man die Produktion Quartal für Quartal erhöht und werde wohl auch im ersten Quartal 2026 über dem Wert von Q4 2025 liegen. Die Zeitung hatte geschrieben, die von ihr gemeldeten Inovev-Zahlen stünden in krassem Widerspruch zu Aussagen des Tesla-Managers, sie aber nicht als gelogen bezeichnet.
„Das Handelsblatt verkommt zum Sprachrohr der IG Metall“, beantwortet Thierig nach der Aufzählung einer Reihe von Gigafactory-Fakten seine eigene Frage, „warum es seit geraumer Zeit so viel Stimmung gegen Tesla“ macht. Seiner Meinung nach hätten die Artikel das Ziel, Angst und Verunsicherung in der Belegschaft zu erzeugen und damit das Wähler-Verhalten zu beeinflussen. Zudem sei dieser Kampagnen-Journalismus lukrativ – „Skandale in Verbindung klicken super“.
Tesla will Antworten verweigern
Als Konsequenz seiner Erfahrung hält der Tesla-Werkschef fest, dass „auch alle zukünftigen Anfragen durch uns unbeantwortet bleiben“, zeigt sich also auch hier im Musk-Stil, indem er der Zeitung öffentlich den Kontakt verweigert. Laut dem Bericht über die Gigafactory-Produktion in 2025 hatte das Handelsblatt bei Tesla nach einem Kommentar dazu gefragt, aber keinen erhalten. Darauf wies auf LinkedIn auch die IG Metall Berlin-Brandenburg hin, die Thierigs Angriff ansonsten ihrerseits als reinen Wahlkampf darstellte.
