Bild: Tesla
Nach langen Verzögerungen soll spätestens in diesem Juni die Produktion des Tesla Semi beginnen – und das könnte klappen, wie jetzt Winter-Tests und ein Fabrik-Besuch in den USA zeigten. In Deutschland wiederum gelang es Tesla, den Einfluss der IG Metall in seiner Gigafactory zu verringern, und Fastned bekam Recht in einem alten Verfahren um Ladestationen auf Autobahn-Raststätten. Und BYD aus China lieferte geradezu sensationelle Nachrichten zu superschnellem Elektroauto-Laden.
Tesla Semi & Cybercab vor Start
Vom Semi war in der zurückliegenden Woche zunächst zu hören, dass sich die Fabrik dafür im US-Bundesstaat Nevada der Fertigstellung nähert. Anlass dafür war eine X-Meldung des Journalisten Ashlee Vance, der früh eine erfolgreiche Biografie über Tesla-CEO Elon Musk geschrieben hat. Mit seinem neuen Projekt Core Media bekam er den ersten Blick uns Innere der Fabrik – sie sei enorm und ziemlich spektakulär, berichtete Vance jetzt. Mehr will er bald auf X und YouTube verraten.
We got the first look inside the @tesla semi factory. It's enormous and quite spectacular. Episode coming soon here and on our YouTube channel. @brexHQ card worked hard on this road trip through Nevada pic.twitter.com/rDBleZNhNa
— Ashlee Vance (@ashleevance) March 5, 2026
Am Freitag dann meldete sich der Semi-Account von Tesla von sich auf auf X zu Wort, indem er einige Bilder veröffentlichte. Darauf (s. oben) ist der elektrische Sattelschlepper bei Tests in einer eisigen Umgebung zu sehen, was weiter für einen nahen Serienstart spricht. Den Beginn der Volumen-Produktion hatte Tesla zuletzt in diesem Januar für das erste Halbjahr 2026 angekündigt. Das Gleiche gilt für das Cybercab, von dem nach Tesla-Angaben vor kurzem das erste Serien-Exemplar vom Band in Texas lief.
Gigafactory-Betriebsrat neu gewählt
Der Lastwagen und der rein autonome Tesla-Zweisitzer sowie der Roboter Optimus könnten später auch in der deutschen Gigafactory produziert werden, wie Musk Ende Februar in einem Gespräch mit deren Leiter Andre Thierig sagte. Als Bedingung dafür nannte er, dass die Fabrik nicht unter den Einfluss „externer Organisationen“ gerät, womit er offensichtlich die IG Metall meinte, die eine Mehrheit im Gigafactory-Betriebsrat anstrebte. Und wie sich am Mittwoch zeigte, hat die Gewerkschaft bei der jüngsten Wahl nicht nur dieses Ziel verfehlt, sondern sogar Stimmen verloren.
Im Vorfeld der turnusgemäßen Neuwahl des Gremiums war es hoch hergegangen. Einem Vertreter der IG Metall im bisherigen Betriebsrat warf Tesla den Versuch vor, eine Sitzung am Laptop mitzuschneiden. Die Gewerkschaft konterte mit einer Verleumdungsklage. Und als am Montag die Wahl bereits begonnen hatte, veröffentlichte Tesla-Werksleiter Thierig auf LinkedIn einen Angriff auf das Handelsblatt, dem er vorwarf, mit der Gewerkschaft unter einer Decke zu stecken.
Während sich CEO Musk zunächst nicht dazu äußerte, feierte Thierig das Ergebnis als deutliches Signal gegen die IG Metall und Bestätigung für die bisherige Vorsitzende des Betriebsrats. Deren Liste Giga United gilt als dem Management nahestehend und wird mit einem gesteigerten Stimmanteil von rund 41 Prozent die größte Gruppe und weiterhin die Vorsitzende stellen. Damit wäre jetzt grundsätzlich der Weg frei für die von Musk in Aussicht gestellte Expansion der Tesla-Fabrik, wobei er dafür auch Unterstützung durch Bevölkerung und Behörden verlangt hatte.
Urteil zu Ladestellen an Autobahn
Ein für Fahrer von Elektroautos nicht nur von Tesla interessantes Urteil erließ unterdessen das Oberlandesgericht Düsseldorf. Dort hatte Fastned in einem langwierigen Verfahren gegen die Tatsache geklagt, dass Tank & Rast als der Konzessionär für die meisten deutschen Autobahn-Raststätten ohne Ausschreibung auch das Recht bekommen hatte, dort Ladestationen betreiben zu lassen. Das war nicht rechtens, entschied laut einer Mitteilung das OLG, nachdem Teilaspekte zuvor vom Europäischen Gerichtshof geprüft worden waren.
Anfangs war Tesla an dieser Klage beteiligt, hatte sich dann aber aus unbekannten Gründen zurückgezogen. Das Ergebnis dürfte ohnehin allgemein gelten und sollte laut dem Kläger zur Folge haben, dass die Autobahn GmbH Ladestellen-Betrieb an ihren Raststätten jetzt offen ausschreibt. Laut einem Bericht von electrive könnte das allerdings dazu führen, dass der Aufbau von Ladeinfrastruktur an deutschen Autobahnen noch weitere Jahre nicht richtig in Gang kommt. Die Klage von 2022 hatte ihn bereits weitestgehend ausgebremst.
BYD-Elektroautos mit Megawatt-Laden
In der Zwischenzeit wächst das deutsche Netz an schnellen Ladestationen, die sich wie bei Tesla zumeist leicht abseits der Autobahnen befinden, weiter kräftig. Technisch könnte all das jedoch in den Schatten gestellt – oder zu bloßer Hilfsinfrastruktur – werden, wenn Realität wird, was BYD jetzt ankündigte: Elektroauto-Laden mit Leistungen von 1 Megawatt und mehr in der Breite. Um mit solchem „Flash-Charging“ (Blitzladen) das Stromnetz nicht zu überlasten, will BYD eigene Batterien als Puffer an den Stationen einsetzen.
In 2025 wurde BYD zum weltgrößten Hersteller reiner Elektroautos vor Tesla, und mit der zweiten Generation seiner Blade-Batterie will das Unternehmen den nächsten Sprung nach vorn machen. Die zu LMFP optimierten LFP-Zellen vertragen ein Vielfaches ihrer Kapazität an Leistung, was im Paket Elektroauto-Ladezeiten wie beim Verbrenner-Betanken ermöglicht. Für zehn verschiedene Modelle nannte BYD jeweils um 5 Minuten für das Nachladen von 10-70 Prozent, und Werte um 9 Minuten bis 97 Prozent.
Flash-Charging-Stationen mit Batterien
Dafür braucht es entsprechend starke Ladesäulen, und wie CarNewsChina berichtet, sind die fester Bestandteil der am Donnerstag vorgestellten BYD-Pläne. Futuristisch gestaltete Flash-Charging-Stationen sollen pro Kabel bis zu 1,5 Megawatt für Elektroautos mit der zweiten Blade-Generation liefern. 20.000 solcher Stationen will BYD bis Ende dieses Jahres installiert haben, bislang sollen es rund 4200 sein.
Introducing BYD FLASH Charging Technology, enabling a charge from 10% to 70% in just 5 minutes.
To accelerate the transition to electric mobility, BYD also announced the rollout of FLASH Charging Stations, starting with 20,000 across China by the end of 2026.#BYD #BladeBattery… pic.twitter.com/3Cd1ZmypFP
— BYD Global (@BYDGlobal) March 6, 2026
Laut dem Bericht ist sich BYD der Tatsache bewusst, der derart viel Leistung an einem Ort eine Herausforderung für das Stromnetz darstellt – und hat eine interessante Lösung dafür: Die meisten Blitz-Ladestellen sollen „stations within a station“ werden, die an bestehende Ladeinfrastruktur angebunden sind. Bevor ein Elektroauto mit Megawatt-Bedarf ankommt, sollen die fremden Säulen zum Aufladen von BYD-Batterien für Flash-Charging genutzt werden, damit nicht die gesamte Leistung aus dem Netz gezogen werden muss.

