Wenn man nur auf das zurückliegende Quartal blickt, könnte man meinen, der globalen und insbesondere der europäischen Auto-Industrie gehe es bestens: In den drei Monaten bis Juni 2023 ist der Gewinn der 16 größten Konzerne der Branche um 31 Prozent auf nie zuvor erreichte 40 Milliarden Dollar gestiegen, teilte die Beratungsfirma EY am Montag mit. Allerdings rechnet sie damit, dass der bislang recht komfortable Markt noch in diesem Jahr eine Wende erleben wird.
Tesla-Marge nicht mehr genannt
Neben dem Gewinn habe auch der Umsatz der 16 größten Auto-Hersteller im zweiten Quartal einen neuen Rekord erreicht, schreibt EY in einer Presse-Mitteilung mit einigen Daten dazu. Am besten erging es demnach japanischen Unternehmen, deren operativer Gewinn um durchschnittlich 91 Prozent stieg. Das war laut EY allerdings vom schwachen Yen getrieben. Mit Ausnahme von Tesla und Ford steigerten alle betrachteten Unternehmen weltweit den operativen Gewinn.
Bei den deutschen zum Beispiel nahm er um 19 Prozent zu. Die höchste operative Gewinn-Marge weltweit erzielte nach den Zahlen dabei Mercedes-Benz mit 13,04 Prozent. Nachdem in den Jahren 2021 wie 2022 Tesla das Margen-Ranking von EY anführte, hatte der deutsche Hersteller diese Position im ersten Quartal dieses Jahres übernommen. Im zweiten Viertel von 2023 war der Vorsprung vor Kia als dem Zweitplatzierten mit 12,97 Prozent denkbar knapp, BMW folgte mit 11,7 Prozent.
Wie hoch die von EY berechnete operative Tesla-Marge zuletzt war, wird in der Mitteilung anders als bei den früheren Top-Positionen nicht erwähnt. Im ersten Quartal sollte sie 11,4 Prozent betragen haben, deutlich weniger als in den beiden Vorjahren, aber noch genug für Platz 4. Damit machte sich bemerkbar, dass Tesla zu Beginn von 2023 weltweit seine Preise gesenkt hatte. Anfang des zweiten Quartals folgte eine weitere Runde nach unten, und zusätzlich gab und gibt es immer wieder Rabatte auf Bestandsfahrzeuge.
Deutschland unter Kosten-Druck
In eine ähnliche Situation werden laut EY bald auch die etablierteren Hersteller kommen, die Gewinne und Margen zuletzt noch steigern konnten. Derzeit werde die Produktion hochgefahren, und ein komfortables Auftragspolster ermögliche steigende Verkäufe zu „immer noch sehr guten Preisen“. Wohl noch in diesem Jahr aber werde die Branche erleben, dass sich der Markt dreht, und mit einer neuen Realität von schwacher Konjunktur und Nachfrage, Preisdruck und Überkapazitäten konfrontiert sein, warnen die Berater.
Anders als Tesla allerdings sehen sie die Konkurrenz um ihre höheren Margen kämpfen, also weniger Bereitschaft, zugunsten höherer Stückzahlen die Preise zu senken und Rabatte zu geben. Zweistellige Werte seien auch langfristig möglich, aber dafür würden die Hersteller in Zukunft wieder stärker auf alle Kostenarten einschließlich Personal und Entwicklung achten. Insbesondere für den Standort Deutschland mit hohen Energie- und Arbeitskosten bedeute das zusätzlichen Druck.