Vorwurf: Falsche Leistungsangaben – Tesla und norwegische Kläger einigen sich außergerichtlich

In Norwegen zeigten sich vor fast zwei Jahren zahlreiche Fahrer eines Tesla Model S P85D verärgert, da ihr Fahrzeug auf Leistungstests „lediglich“ 469 PS auswies, statt den 772 PS, mit denen Tesla warb. Dabei hatte der kalifornische Autobauer einen Fehler gemacht und die Leistung des Front- und Heckmotors einfach miteinander addiert – das funktioniert jedoch nicht.

Die Fahrzeuge mit dem Doppelmotor, also alle D-Modelle, können nicht die summierte Leistung beider Motoren abrufen. Das liegt an der batteriebegrenzten Motorwellen-Höchstleistung und hätte eigentlich auch von Tesla so beworben werden müssen. Für 132 Kunden aus Norwegen waren diese Leistungsangaben offenbar für den Kauf entscheidend und sie reichten Klage ein.

Zwar hatte Tesla die Angaben im Nachhinein auch offiziell korrigiert, doch bis dahin wurden hunderte Model S P85D in Norwegen verkauft. Die norwegische Kommission für Verbraucherrechtsstreitigkeiten entschied noch vor einem offiziellen Gerichtsurteil, dass Tesla den Kunden eine Entschädigung von 50.000 norwegischen Kronen (5.400 Euro) zahlen sollte.

Tesla hat dieses Urteil der Kommission angefochten und wollte die Angelegenheit am 12. Dezember dieses Jahres vor Gericht klären. Wie lokale Medien jedoch berichten, kam es erst gar nicht zu einer solchen Gerichtsverhandlung, da sich beide Parteien außergerichtlich geeinigt haben sollen. Zumindest seien die „meisten der 132 Kläger“ mit dem Angebot einverstanden, heißt es.

Zuvor hatten die Kläger jeweils 129.700 norwegische Kronen (ca. 14.500 Euro) verlangt, was seinerzeit den Unterschiedsbetrag zwischen dem Model S 85D und dem P85D ausmachte. Es wird begründet, dass man sich ursprünglich für das 85D entschieden hätte, wenn die Leistungsangaben des P85D korrekt angegeben worden wären.

Tesla hat sich mit den meisten Klägern nun auf eine Entschädigung in Höhe von 65.000 norwegische Kronen (ca. 7.300 Euro) geeinigt. Statt des Geldbetrags können die Kunden aber auch anders entschädigt werden und u.a. ein (Ludicrous) Beschleunigungs-Upgrade (dann 539 PS), einen neuen Satz Räder oder Tesla Store-Guthaben bekommen.

  • Thomas

    7.300 Euro oder ein neuer Satz Reifen… Was sind das für Reifen? 😉

    • TeeKayEV

      Gemeint ist sicher ein Satz Räder. Ein Satz 21″ kostet 7.500 Euro im Store. Absurd überteuert und der Marktpreis bei Gebrauchtangeboten liegt irgendwo zwischen 2.000 und 2.500 Euro. Aber gibt genug, die auch die 7.500 auf den tisch legen. Ludicrous kostet für Owner, die vor der Vorstellung des Ludicrous Upgrades bestellten, nur 5.500 Euro. Bargeld oder Räder sind also für Besteller der ersten Monate die beste Wahl – vom Geld kann man dann immer noch das Ludicrous-Upgrade buchen.

      • Teslamag.de (TK)

        Genau, ein Satz Räder. Ist im Artikel korrigiert.

      • Marc-André Kolly

        Was meinst du mit dem automatisch schließendem Chargingport? Wieso sollte es das denn nicht geben???

        • TeeKayEV

          Es gibt kein Vorfacelift-Modell mit automatisch schließendem Chargeport. Zwischen Oktober 2014 und dem Facelift wurden tausende Fahrzeuge in Europa ohne dieses im Oktober 2014 von Tesla zugesagte Feature ausgeliefert und es wird kein einziges dieser Fahrzeuge umgerüstet. Ansage von Tesla im Blog nach der Präsentation in den USA war für Monate, jedes Dual Drive Modell hätte den automatisch schließenden Chargeport. Nachdem immer mehr Kunden in Europa nach Auslieferung ihres Fahrzeugs nach dem Chargeport fragten, wurde der Blogbeitrag nachträglich geändert.

  • ThomasJ

    Hier die falsche Leistungsangaben im Fokus (da hat sich Tesla keine goldenen Kranz geholt), aber so kann man von den wirklichen Trickser ablenken.
    Im Dieselgate scheint sich VW gebessert zu haben, dafür sind andere Autobauer (Mercedes ist weit vorne!) negativ zu punkten.
    Zugegeben, gehört nicht wirklich zum Thema, nervt aber dafür umso mehr, wie dreist wir hier alle beschissen werden (Beim Filmbericht ist etwas Schweizerdeutsch verstehen Voraussetzung):
    http://www.srf.ch/news/schweiz/so-tricksen-autobauer-bei-der-abgasreinigung

  • Dieslstinker

    naja… sind die Beschleunigungswerte auch falsch, dann wäre es tatsächlich ein Nachteil, ist aber nur der Stromverbrauch geringer, die Fahreigenschaft aber wie angegeben, ist es doch eigentlich ein Vorteil.
    Oder werden hier cm mit PS kompensiert?

    • Fritz!

      Stimmt, ist mir so nicht aufgefallen. Da ja die Beschleunigungs- und Höchstgeschwindigkeitswerte gleich geblieben sind (die wurden ja gemessen und nicht gerechnet), ergibt sich für die Fahrer eigentlich kein Nachteil, außer das sie nicht mehr so stark vor ihren Freunden angeben können mit „772 PS“!

      Nichtsdestotrotz waren die PS-Angaben von Tesla falsch und das Sie dafür eine Gegenleistung/Entschädigung bringen müssen, finde ich OK. Ich glaube, ich hätte es auch versucht…

      • TeeKayEV

        Gemessen wurde die Beschleunigung bis 100km/h. Wenn nun ein neues Auto mit 700 oder 772PS angeboten wird, also 300PS mehr als beim bis dahin angebotenen P85, dann verspricht man sich dabei natürlich auch etwas mehr Beschleunigung oberhalb von 100km/h. De facto sind P85D und P85 oberhalb von 100km/h aber so gut wie überhaupt nicht zu unterscheiden.

      • Nic Megert

        Das hat nichts mit angeben zu tun. TeeKayEV beschreibt es absolut richtig. Nur eines darf man hier nicht vergessen, eine beachtliche Anzahl P85 und P85+ Besitzer haben ihren fast neuen Wagen mit Verlust verkauft um die vermeintlichen 300PS Mehrleistung zu erhalten. Hier wurde also klar zu Gunsten Tesla gelogen und die haben dadurch viele neue P85D verkauft. Auch ich gehöre zu dieser Gruppe. Ich hätte aber den P85+ nicht hergegeben und 25’000 Taken mehr ausgegeben wenn klar gewesen währe das die Leistung ab 100Km/h identisch ist.