Die zweite Woche des Jahres 2026 brachte mit Blick auf Tesla zunächst Informationen über 2025 – in Form von Verkaufszahlen für einzelne Märkte, die insbesondere in Europa unschön ausfielen. Wie in einer Reaktion darauf stellte Tesla eine neue Variante seines Model Y vor, aber trotzdem wird an der Zukunft seiner Elektroauto-Fabrik in Grünheide gezweifelt. Mehr Konkurrenz bekommt Tesla auch bei seinem Assistenz-System FSD, das eigentlich längst autonom fahren sollte. Bald könnte es aber in einem Fahrzeug zum Einsatz kommen, von dem länger nichts zu hören war.
Deutsche Tesla-Verkäufe halbiert
Gleich zu Beginn von 2026 hatte Tesla enttäuschende weltweiten Verkaufszahlen für Q4 und ganz 2025 gemeldet, in der zurückliegenden Woche kamen detaillierte Daten hinzu. In Deutschland war das Tesla-Minus mit rund 48 Prozent im Gesamtjahr mit am ausgeprägtesten, aber auch in fast allen anderen Ländern Europas gab es zumeist zweistellige Rückgänge. Insgesamt fielen die Tesla-Verkäufe laut Automotive World um rund 28 Prozent. Wachstum verzeichnete das Unternehmen ausschließlich in Norwegen, wo zum Jahresende die Elektroauto-Förderung zurückgefahren wurde.
Insgesamt verkaufte Tesla in Europa in 2025 nur gut 235.000 Fahrzeuge – ungefähr das Niveau des Jahres 2022, in dem seine Gigafactory im deutschen Grünheide mit der Produktion von Model Y begann. In den USA kam wenig später die neue Fabrik im Bundesstaat Texas hinzu, mit der die Gesamtkapazität weiter stieg. Damals galt noch das Tesla-Ziel von 20 Millionen Elektroauto-Verkäufen in einem Jahr. Im Mai 2024 wurde es aufgegeben, und nach zwei Jahren mit sinkendem Absatz in Europa wird jetzt über eine Schließung der deutschen Gigafactory spekuliert.
Gigafactory Grünheide überflüssig?
Nach Ansicht von Electrek bereitet Tesla diesen Schritt möglicherweise bereits vor. Seine Grünheide-Zweifel macht der Blog daran fest, dass das deutsche Management intern mit einem Stopp der Investitionen in den Standort für den Fall drohe, dass die IG Metall bei der nächsten Wahl die Mehrheit im Betriebsrat der Gigafactory erlangt. Denkbar sei, dass damit eine Art Sündenbock installiert werde: Falls die Gewerkschaft gewinnt, könnte Tesla sich mit diesem Argument zurückziehen, statt eine Fehlentscheidung einräumen zu müssen, so Electrek.
Erst einmal aber beginnt in der deutschen Fabrik die Produktion einer neuen Variante des Model Y, mittlerweile der fünften. Im Herbst 2025 setzte Tesla die Ankündigung um, bezahlbarere Elektroautos auf den Markt zu bringen. Wie sich zeigte, waren damit abgespeckte Model Y und Model 3 gemeint. Sie bekamen den Nachnamen „Standard“, während der Rest der Palette in Premium ungenannt wurde, und ersetzten zu niedrigeren Preisen die vorherigen Basis-Versionen der beiden Elektroautos.
Tesla Model Y in neuer Variante
Das Model Y Standard kostet in Deutschland ab 39.990 Euro, 10.000 Euro weniger als die billigste Premium-Version. Jetzt aber schob Tesla eine weitere Variante für 46.990 Euro dazwischen: das Model Y Standard Maximale Reichweite. Nach inoffiziellen Angaben streckt darin ein kleinerer Akku als in den Premium-Versionen, aber die WLTP-Reichweite ist laut Tesla mit 657 Kilometern höher als bei allen anderen Model Y. Der Grund dafür dürfte in erhöhter Effizienz und kleineren Felgen liegen – und darin, dass Tesla noch nicht alle Daten in seinem Konfigurator auf die vor kurzem leicht erhöhte Akku-Kapazität der Premium-Versionen umgestellt hat.
An Fahrer-Unterstützung bringt das Model Y Standard Maximale Reichweite wie die anderen Modelle von Tesla serienmäßig „basic autopilot“ mit, also Lenkassistenz und adaptiven Tempomat. Darüber hinaus gibt es als Extra für 7500 Euro „volles Potenzial für autonomes Fahren“. Diese Option entspricht dem, was Tesla in den USA als „Full Self-Driving“ (FSD) anbietet, seit Sommer 2024 aber mit dem Zusatz „supervised“, und umfasst unter anderem automatisches Navigieren auch in Städten.
Musk nennt neue FSD-Voraussetzung
In Europa bekommt man mangels behördlicher Zulassung noch fast nichts für den FSD-Aufpreis, was sich laut Tesla ab diesem Februar zunächst in den Niederlanden ändern soll. In den USA und einigen anderen Ländern können Kunden den vollen Funktionsumfang nutzen, doch inzwischen macht Tesla mit dem supervised-Zusatz sehr deutlich, dass die Verantwortung dabei weiter bei ihnen liegt. Laut CEO Elon Musk sollte FSD schon vor Jahren auch autonom bestens funktionieren. Jetzt nannte er eine neue Voraussetzung dafür – und bekam neue Konkurrenz.
Roughly 10 billion miles of training data is needed to achieve safe unsupervised self-driving. Reality has a super long tail of complexity.
— Elon Musk (@elonmusk) January 8, 2026
„Um sicheres unüberwachtes Selbstfahren zu erreichen, werden ungefähr 10 Milliarden Meilen Trainingsdaten gebraucht“, schrieb Musk auf X. Ob das direkt auf die bislang gut 7,2 Milliarden Meilen bezogen war, die nach Angaben auf der Website von Tesla bis Samstagabend insgesamt mit überwachtem FSD gefahren wurden, ist nicht klar.
Jedoch scheint der CEO Anleger und Anhänger ein weiteres Mal darauf vorzubereiten, dass es mit dem autonomen Fahren doch nicht so schnell geht wie erhofft. Nach seiner jüngsten Ankündigung hätten bis Ende 2025 zumindest die menschlichen FSD-Aufpasser in Tesla-Robotaxis in Austin wegfallen sollen, was außer bei internen Tests nicht geschah.
FSD-Konkurrenz von Tesla-Partner
Stärker als die schwachen Verkaufszahlen könnte das dazu beigetragen haben, dass die Tesla-Aktie nach einem von Robotaxi-Hoffnungen getragenen Rekord kurz vor Ende 2025 zuletzt gefallen ist. Musk sagte schon vor Jahren bei niedrigeren Kursen und steigenden Verkäufen, dass Tesla ohne die Hoffnung auf autonomes Fahren viel weniger wert wäre. Bislang scheinen Anleger Geduld mit ihm zu haben. Aber bei leistungsfähigen Assistenz-Systemen bis hin zu echter Autonomie kommen zunehmend auch andere Unternehmen voran.
Wie anlässlich der Elektronik-Messe CES in Las Vegas ab Montag deutlich wurde, haben sie dabei zudem Unterstützung von einem mächtigen Tesla-Partner: Nvidia als der Hersteller, der die gefragtesten Chips für moderne KI-Anwendungen nicht nur für Musk-Unternehmen, sondern praktisch die gesamte Branche liefert. In seiner CES-Keynote sprach CEO Jensen Huang von einem dank eigener Produkte fast erreichten „ChatGPT-Moment“ bei physischer KI, also in genau dem Bereich, in dem Musk Tesla als weit führend darstellt.
Musk: Viele Jahre Tesla-Vorsprung
Mit als erstes würden davon Robotaxis profitieren, sagte Huang weiter. Die Grundlage dafür soll Alpamayo sein, ein Satz von KI-Modellen, die – ebenfalls wie bei Tesla vorgesehen – eigene sinnvolle Überlegungen anstellen können. Nach Angaben von Dezember soll Nvidia-Hardware und Software ab 2027 für Flotten autonomer Fahrzeuge von Partnern genutzt werden, berichtet dazu CNBC. Und noch in diesem Jahr will Mercedes für sein neues Elektroauto CLA in den USA mit Nvidia-Hilfe Assistenz-Funktionen anbieten, die in etwa überwachtem FSD entsprechen.
„Das ist genau das, was Tesla macht“, kommentierte Musk auf X die Nvidia-Nachrichten. Jedoch werde es sich als enorm schwierig herausstellen, über eine 99-Prozent-Lösung hinauszukommen. Nach den ersten Schritten dauere es mehrere Jahre, ein System wie FSD sicherer als menschliche Fahrer zu machen, schrieb er in einer weiteren Nachricht. Anschließend würden alte Auto-Hersteller Jahre brauchen, um die nötigen Kameras und KI-Computer in ihre Fahrzeuge zu integrieren. Insgesamt werde Konkurrenz-Druck auf Tesla deshalb 5-6 Jahre auf sich warten lassen.
Robovan für Las-Vegas-Tunnel geplant
Mit einem Stand bei der CES vertreten war Tesla nicht, auch nicht mit seinem Roboter Optimus als dem laut Musk für die Zukunft noch wichtigeren KI-Projekt (während Hyundai dort ankündigte, ab 2028 Atlas-Roboter seiner Beteiligung Boston Dynamics in eigenen Fabriken einzusetzen). Jedoch kamen viele Besucher mit Musk-Hilfe zu der Messe, denn in Las Vegas betreibt sein Unternehmen Boring Co. einen unterirdischen Shuttle-Dienst mit Elektroautos von Tesla. Autonom sind sie wie der Rest der Flotte nicht, aber zur CES demonstrierte Tesla Tunnel-Fahrten mit überwachtem FSD.
This is awesome, nice to see FSD being used more and more in the Vegas Loop. Looking forward to visiting Vegas for the wider rollout later this year! https://t.co/7BJOYjTGOr
— Dan Burkland (@DBurkland) January 9, 2026
Bald will Boring weitere Linien eröffnen, sagte der President des Unternehmens zur CES gegenüber Las Vegas Review-Journal. Zudem soll in dem Loop-System später auch der Robovan fahren, den Tesla zusammen mit dem zweisitzigen Cybercab im Oktober 2024 präsentierte. Der rein autonom konzipierte Zweisitzer wurde schon auf öffentlichen Straßen gesehen und die Produktion soll laut Musk im April beginnen. Zum ebenfalls als autonom angekündigten Robovan für viele Passagiere (s. Computer-Bild oben) gab es seit der Vorstellung kaum Neuigkeiten, aber zumindest scheint er noch nicht in Vergessenheit geraten zu sein.
