Mit seinen Geschäftszahlen im ersten Quartal 2026 hat Tesla die Erwartungen der Börse übertroffen, doch die Telefon-Konferenz nach der Veröffentlichung am Mittwoch wurde überwiegend mit Enttäuschung aufgenommen. Für einen Schrecken bei Anlegern sorgte die Ankündigung, dass Tesla in diesem Jahr sogar 25 Milliarden Dollar investieren will. Und für frühe Kunden hatte CEO Elon Musk die Nachricht, dass die Hardware in ihren Elektroautos für unbeaufsichtigtes Fahren mit dem FSD-System nicht ausreichen wird.
Tesla mit immer neuer FSD-Hardware
Die so genannte Hardware 3 (HW3), von Tesla eingeführt im Frühjahr 2019 und auch als FSD-Computer bezeichnet, reiche für Full Self-Driving ohne menschliche Aufsicht schlicht nicht aus, sagte Musk in der Konferenz auf Nachfrage. Mit der Nachfolger-Generation HW4 oder AI4 ist das mittlerweile zumindest eingeschränkt möglich: In Austin betreibt Tesla seit Juni 2024 einen Robotaxi-Dienst mit Model Y, die zum Teil keinen FSD-Aufpasser an Bord haben. Auch in Teilen von Dallas und Houston fahren seit kurzem Tesla-Robotaxis ohne Aufsicht, also autonom.
Eigentlich sollte das längst auch für Elektroautos bei normalen Kunden gelten, wenn sie die FSD-Option gekauft haben, die erst im September 2024 den offiziellen Zusatz „supervised“ bekam. Bei der Einführung von HW3 (s. Foto oben) verkündete Tesla, damit genügend Rechenleistung für vollautonomes Fahren zu haben. Ungefähr das Gleiche hatte das Unternehmen sogar schon 2016 behauptet, begann dann aber, zuvor verkaufte Elektroautos mit FSD-Option auf die neueste Hardware umzurüsten.
Musk kündigt Lösung für HW3-Kunden an
Auf diese HW3 folgte zudem ab 2023 die vierte Generation, als HW4 oder AI4 bezeichnet, zu der auch neue Kameras gehören. Seitdem wird die FSD-Software hauptsächlich für die neueste Tesla-Hardware weiterentwickelt, während Kunden mit HW3 nur ältere Versionen nutzen können. Das gilt zudem nur für die USA: In den Niederlanden erhielt Tesla im April die erste Zulassung für überwachtes FSD in der EU, doch die gilt nur für Elektroautos mit AI4 an Bord.
Dagegen begehren Tesla-Kunden mit HW3 und bezahlter FSD-Option zunehmend auf, weil sie sich als frühe Unterstützer von Musks Autonomie-Plänen benachteiligt fühlen. Am Mittwoch teilte der CEO ihnen wohl endgültig mit, dass ihre Hardware für die Umsetzung nicht ausreichen wird. Er schilderte aber recht konkret, wie Tesla mit diesem Problem umgehen will: Frühe FSD-Käufer sollen Rabatte beim Umstieg auf einen neuen Tesla mit AI4 erhalten, sagte er. Außerdem werde Tesla die Option anbieten, ihre Fahrzeuge auf die neue Generation umzurüsten.
Tesla plant für Umbau Mikro-Fabriken
Laut Musk wird das aber schwieriger als zuvor beim Austausch von HW2 oder 2.5 gegen den HW3-Computer von 2019, unter anderem, weil Tesla mit AI4 auch neue Kameras eingeführt hatte. Also will der CEO „Mikro-Fabriken“ in großen Metropol-Regionen einrichten, um den aufwendigen Umbau effizient vornehmen zu können. Tesla scheint sich hier also einiges vorgenommen zu haben. Nach den Aussagen von Musk dürften auf Dauer sogar alle Teslas mit HW3 umgerüstet werden, auch wenn ihre Besitzer FSD nicht gekauft haben,
Eine zeitliche Perspektive dafür nannte der Tesla-Chef nicht, weshalb mit einer baldigen Umsetzung nicht unbedingt zu rechnen ist. Nach Angaben des KI-Leiters Ashok Elluswamy soll voraussichtlich Ende Juni zunächst eine für HW3 optimierte Version von FSD v14 herauskommen, deren Funktionsumfang dem mit AI4 entspricht.
Warten auf autonomes Tesla-Fahren
Der Schritt zu wirklich autonomem Fahren mit privaten Tesla-Fahrzeugen, der gemessen an früheren Musk-Aussagen seit Jahren überfällig ist, dürfte damit jedoch nicht möglich sein. In diesem Zusammenhang kündigte der CEO jetzt eine weitere grundlegende Überarbeitung der Software-Architektur an, die in FSD Version 15 signifikante Verbesserungen bringen soll. Damit werde unüberwachtes Tesla-Fahren voraussichtlich in allen Regionen weltweit möglich, in denen es rechtlich zulässig sei. V15 sei für Ende 2026 oder spätestens Anfang 2027 zu erwarten.
Auch wenn Musk in der Konferenz sagte, schon FSD V14 fahre sicherer als Menschen, scheint er damit die nächste Verzögerung auf dem Weg zum großen Autonomie-Ziel von Tesla verkündet zu haben. Die Frage, wann Tesla-Kunden unüberwachtes FSD bekommen, beantwortete er mit „möglicherweise im vierten Quartal“, was aber nur eine Schätzung sei. Eine breite Einführung sei schwierig, weil es überall spezielle Herausforderungen gebe. FSD ohne Aufsicht werde deshalb wohl nur schrittweise eingeführt, nachdem seine Sicherheit für die jeweilige Region bestätigt sei.
