Will Tesla doch noch einmal mit einem neuen Elektroauto-Modell punkten? Dafür sprechen aktuelle X-Äußerungen von CEO Elon Musk, die in die Richtung eines geräumigen SUV gehen. Ansonsten ist die Produktion eigener KI-Chips das nächste große Ding bei Tesla – wie jetzt bekannt wurde, zusammen mit SpaceX, dessen Börsengang zudem näherrückt. Der Tesla Semi zeigte unterdessen in einem Video, was in ihm steckt. Und in Deutschland will die IG Metall das Ergebnis der Betriebsratswahl für die Gigafactory in Grünheide kippen.
Musk deutet großes SUV an
Eigentlich hatte Musk auf X nur ein weiteres Mal den Cybertruck gelobt, in diesem Fall für seine hintere Sitzbank, die breit genug sei, um drei Kinder auf Isofix-Sitzen unterzubringen. In einer der Antworten darauf wurde er aufgefordert, einen Minivan herzustellen, wie er tatsächlich schon einmal auf dem Programm von Tesla stand. Damit wird es wohl vorerst nichts werden, aber der CEO hatte eine andere Ankündigung: Etwas viel Cooleres als ein Minivan werde kommen.
Damit hätte er alle möglichen Tesla-Projekte bis hin zum Roboter Optimus meinen können, aber in weiteren X-Interaktionen wurde klar, dass Musk tatsächlich von einem Fahrzeug sprach. So leitete er einen Beitrag weiter, in dem ein „Cyber-SUV“ mit sieben Sitzen in drei vollwertigen Reihen gefordert wurde. Und mit „ist notiert“ kommentierte der CEO einen Beitrag, dessen Verfasser sich ebenfalls ein Elektroauto mit drei Sitzreihen von Tesla gewünscht hatte.
Ein als Cyber-SUV bezeichnetes Fahrzeug hatte sogar schon einmal einen kurzen Auftritt bei Tesla: In einem Video zu Musks vierten Master-Plan war als Modell ein Cybertruck mit geschlossener Karosserie zu sehen, der diesen Spitznamen bekam. Auf den 5,7 Meter Länge der Plattform ließen sich gewiss sechs oder mehr bequeme Sitze unterbringen. Nähere Informationen zu den neuen Tesla-Plänen gab es zunächst nicht. Nach den X-Andeutungen von Musk wurden jedoch mehrere Job-Anzeigen für ein „Prototypen-Fahrzeug“ entdeckt.
Terafab von Tesla und SpaceX
Bevor er die Hoffnung auf ein Cyber-SUV oder ein anderes geräumigeres Elektroauto weckte, hatte der CEO auf X sein neuestes großes Zukunftsprojekt vorgestellt: Zusammen mit seiner Weltraum-Firma SpaceX soll Tesla KI-Chips in beispiellosem Volumen produzieren. Der kommende Bedarf für autonome Elektroautos, Roboter und Rechenzentren sei so groß, dass die bestehenden Lieferanten ihn auf keinen Fall allein decken könnten, begründete Musk dieses Vorhaben, das er als Terafab bezeichnet.
Ähnliche Pläne hatte Tesla vor bald fünf Jahren für Batterien verkündet, ist damit bislang aber nicht weit gekommen. Das Terafab-Projekt gilt als noch viel ehrgeiziger; Analysten rechnen mit mindestens 25 Milliarden Dollar Investitionsbedarf. Geplant ist laut Musk zunächst eine kleinere Anlage auf dem Gelände der Tesla-Gigafactory in Texas. Um wie vorgesehen mehr KI-Chips herstellen zu können als heute alle anderen Anbieter zusammen, werde aber eine weitaus größere Fabrik gebraucht, für die dort nicht genügend Platz sei.
Tesla kann „KI-Powerhouse“ werden
Die Vorbereitungen für den Terafab-Vorläufer nördlich der bestehenden Gigafactory haben laut Austin-American Statesman schon begonnen, und in Südkorea soll Tesla dabei sein, Chip-Experten anzuwerben. In deutschen Technik-Medien wie Heise und Golem schlug der neuesten Musk-Vision viel Skepsis entgegen.
Für den Analysten Daniel Ives von Wedbush Securities dagegen kann Tesla mit der Terafab zum „KI-Powerhouse“ werden, auch wenn die Zeitplanung unklar sei. Zudem sieht Ives die Zusammenarbeit von Tesla und SpaceX als ersten Schritt zu einer Fusion der beiden Unternehmen, die er laut StreetInsider jetzt für 2027 erwartet; etwa 80 Prozent der Chips aus dem Terafab-Projekt sind für KI-Rechenzentren im All vorgesehen. Erst einmal steht aber der Börsengang der von Musk gegründeten Weltraum-Firma an.
SpaceX vor Rekord-Börsengang
Nach aktuellen Berichten soll sie mit 1,7 Billionen Dollar bewertet werden, wobei Musk den Preis im Grunde selbst festsetze, wie die FT einen informierten Anleger zitiert. Damit wäre SpaceX vom Börsenstart weg wertvoller, als es der Kooperations- und potenzielle Fusionspartner je war. Seine bislang höchste Marktkapitalisierung hatte Tesla Ende 2025 bei gut 1,6 Billionen Dollar erreicht, getragen von ersten Robotaxi-Erfolgen; zuletzt lag sie bei 1,36 Billionen Dollar. Die von SpaceX anvisierten IPO-Einnahmen sollen mit jetzt 75 Milliarden Dollar die höchsten aller Zeiten werden.
Fast scheint SpaceX Tesla als Musk-Zugpferd also schon abgelöst zu haben – wie sich die Unternehmen an der Börse einzeln und relativ zueinander entwickeln und wie ihre Terafab-Kooperation konkret gestaltet wird und ob sie gelingt, wird spannend zu beobachten sein.
Tesla Semi für 1 Million Meilen
Näher an der Gegenwart soll vor Ende Juni der Hochlauf der Serienproduktion des Tesla Semi in einer Fabrik in Nevada beginnen, wie es im Q4-Bericht von Ende Januar hieß. Der elektrische Sattelschlepper mit bis zu 500 Meilen Reichweite steht bislang nur einigen Test-Kunden zur Verfügung, die sich jeweils angetan davon zeigen. Die nahezu endgültige Semi-Version für die Serie konnte jetzt der TV-Moderator Jay Leno begutachten, der schon öfter frühen Zugang zu Tesla-Produkten bekam.
Lenos Begegnung mit dem Serien-Semi wird begleitet vom Programm-Leiter Dan Priestley. In dem Video kann man unter anderem erfahren, dass die Batterie des Tesla-Lastwagens für eine Million Meilen ausgelegt ist – um eine der teuersten Komponenten müssten sich Kunden also lange keine Sorgen machen. Außerdem hat Tesla laut Priestley beim Gewicht rund eine Tonne eingespart, die der Nutzlast zugutekommt. Zur Produktion sagte er nichts Neues. Geplant sind bislang 50.000 Semi pro Jahr, zunächst für Nordamerika.
IG Metall ficht Gigafactory-Wahl an
Wenn die Produktion in Nevada in Gang gekommen ist, will Tesla den Semi auch in Europa anbieten. Nach Angaben von CEO Musk könnte der Sattelschlepper auch in der deutschen Gigafactory in Grünheide bei Berlin gebaut werden. Der sagte er vor kurzem enormes Potenzial mit Cybercab, Robotern und Semi unter der Bedingung voraus, dass die Belegschaft bei der Betriebsratswahl im März nicht mehrheitlich für Vertreter der IG Metall stimmt. Tatsächlich fiel das Ergebnis im Sinn von Musk und Tesla aus, aber die Gewerkschaft will das nicht hinnehmen.
00:00 – Welcome & what’s exciting about Tesla
00:24 – Full Self-Driving, AI & European rollout
01:20 – Optimus humanoid robot
02:15 – Cyber Cab, Semi & future products for Europe
03:59 – Tesla’s transformation of the auto industry
04:52 – State of European & German automotive…— Tesla Manufacturing (@gigafactories) February 26, 2026
Sie stört sich nicht zuletzt an dem Interview des deutschen Werksleiters Andre Thierig mit CEO Musk, das Gigafactory-Beschäftigten kurz vor der Wahl vorgespielt wurde, was sie als unzulässige Beeinflussung ansieht. Vor dem Arbeitsgericht habe man deshalb beantragt, die Unwirksamkeit der Wahl bei Tesla festzustellen, teilte die IG Metall am Mittwoch mit. Wenn diese Anfechtung erfolgreich sei, müsse der zuletzt gewählte Betriebsrat aufgelöst werden und eine Neuwahl stattfinden.
Vorwürfe von Tesla entkräftet
Im Vorfeld der Abstimmung Anfang März hatten nicht nur Musk und Thierig indirekt mit einem Ausbau-Stopp in Grünheide gedroht, falls die Gewerkschaft gewinnt: Tesla zeigte auch einen ihrer Vertreter im alten Betriebsrat an, weil er eine Sitzung des Gremiums heimlich auf einem Laptop mitgeschnitten habe. Die IG Metall reagierte darauf mit einer Anzeige wegen übler Nachrede gegen den Gigafactory-Chef. Dazu wurde laut RBB jetzt bekannt, dass Ermittler auf dem Laptop „keine Anhaltspunkte für aufgezeichnete und/oder gespeicherte Aufnahmen“ gefunden hätten.
