Bild: Tesla Manufacturing
Im Elektroauto-Programm von Tesla für Europa tut sich etwas. So gab das Unternehmen jetzt bekannt, dass das Model Y wieder optional mit dritter Sitzreihe erhältlich ist, und Beobachter fanden heraus, dass für die Long-Range-Versionen Batterien im Tesla-Format 4680 verwendet werden. In der Fabrik dafür im deutschen Grünheide stehen Betriebsratswahlen an, und als virtueller Gast sprach Tesla-CEO Elon Musk über ihre Zukunft. Und in Austin in den USA verglichen Analysten die Robotaxis von Tesla und Waymo.
Tesla Model Y mit 7 Sitzen
Bei der Auffrischung des Model Y Anfang 2025 schränkte Tesla die Auswahl zunächst auf nur noch drei Varianten ein. Mit der Performance-Version wurden es ab August wieder vier, und im Oktober führte Tesla als neue Basis das Model Y Standard mit weniger Ausstattung als zuvor ein, während die übrigen Varianten den Beinamen „Premium“ bekamen. In keiner davon zu haben war die zuvor für das Model Y verfügbare Option einer dritten Sitzreihe, aber jetzt ist sie zurück.
Das teilte Tesla am Freitag mit – und erneut sind sieben Sitze im Model Y nur für eine Ausführung bestellbar, nämlich die mit Allrad-Antrieb. Die kostet in Deutschland derzeit ab 52.990 Euro, und die dritte Sitzreihe 2500 Euro Aufpreis. Ob die Option später breiter angeboten wird, blieb zunächst offen. Außerhalb von Europa gibt es sie gar nicht. In China bietet Tesla allerdings ein verlängertes Model Y L mit sechs Sitzen an, das auch für die EU schon zugelassen ist.
4680-Akkus in deutschen Model Y
Die WLTP-Reichweite des Tesla Model Y Premium AWD mit der neuen Siebensitzer-Option beträgt laut dem Konfigurator auf 19-Zoll-Felgen geschätzte 629 Kilometer. Damit übertrifft es neuerdings die Premium-Version des Model Y nur mit Heckantrieb, denn statt die Angabe für dessen Reichweite wie erwartet zu erhöhen, weil ein größerer Akku eingeführt wurde, hat Tesla sie jetzt deutlich gesenkt. Neuerdings sind dafür nur noch 603 Kilometer auf 19 Zoll angegeben.
Der Grund dafür scheint zu sein, dass Tesla im Model Y Premium RWD jetzt Batterien im eigenen 4680-Format verwendet. Der Code-Name dafür lautet nach inoffiziellen Informationen 8L, und damit soll der größere 5M-Akku aus Batterien von LG Energy abgelöst worden sein, der in Europa seit vergangenem Herbst in allen Long-Range-Varianten von Model Y und Model 3 zum Einsatz kam. Als erstes Model Y mit dem 8L-Akku aus 4680-Batterien hatte Tesla Anfang dieses Jahres eine Standard-Version mit Heckantrieb und 657 Kilometern Reichweite eingeführt.
Tesla-Akku enttäuscht beim Laden
Dass der Akku aus Batterien wie im Cybertruck jetzt auch in einem Premium-Model-Y genutzt wird, sorgte nicht für Begeisterung. Denn nicht nur soll die Netto-Kapazität des 8L-Pakets mit rund 74 Kilowattstunden etwa 10 Kilowattstunden niedriger sein als bei dem 5M-Akku, was die Reichweite verringert. In einem ersten Test mit einem einem Model Y mit dem neuen Tesla-Akku betrug die maximale Ladeleistung zudem nur 130 Kilowatt, sogar weniger als mit den LFP-Batterien in den absoluten Basis-Modellen von Model 3 und Model Y.
Software-Updates könnten wie zuvor bei der LFP-Einführung Besserung bringen. Einstweilen aber wurde in Foren eher befürchtet als gehofft, dass Tesla eigene 4680-Batterien bald auch für andere Elektroautos verwenden könnte. Für Model Y aus der deutschen Gigafactory war das von Anfang an vorgesehen, bevor Tesla auf Zulieferungen aus China umschwenkte. Dass in manchen Model Y jetzt doch 4680-Akkus verbaut werden, hatte Tesla ohne nähere Angaben schon in seinem Q4-Bericht von Ende Januar mitgeteilt.
Deutsche Tesla-Fabrik vor Wahl
Noch dürften sie aus den USA stammen, wo nach Angaben von Tesla die Produktion mit trockener Elektroden-Beschichtung inzwischen läuft. Aber auch für die deutsche Gigafactory gibt es neuerdings wieder Batterie-Pläne, nachdem die anfänglichen ausgesetzt worden waren und Tesla sogar eine zugesagte Milliarden-Förderung dafür ausgeschlagen hatte. Seit Ende 2025 sind sie wieder aktuell, wie der Werksleiter Andre Thierig wissen ließ. Im Jahr 2027 sollte, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, die Produktion beginnen.
Wie Tesla-CEO Elon Musk jetzt deutlich machte, zählt zu den gewünschten Bedingungen, dass die deutsche Fabrik nicht unter zu starken gewerkschaftlichen Einfluss gerät. In der ersten März-Woche wird deren Betriebsrat neu gewählt, und die IG Metall strebt im dritten Anlauf eine Mehrheit darin an. Vertreter der Gewerkschaft und der Tesla-Führung überziehen sich schon länger mit Vorwürfen, was im Februar in gegenseitigen Strafanzeigen gipfelte. Zuletzt schlossen sie einen Vergleich, bis zum Ende der Wahl bestimmte Behauptungen nicht zu wiederholen.
Musk warnt und verschiebt EU-FSD
Eher vorsichtig, aber dennoch deutlich, äußerte sich zu dem Thema auch Musk. Am Mittwoch wurde Beschäftigten der Gigafactory in Grünheide laut Berichten ein Video vorgeführt, in dem Werksleiter Thierig den CEO in der Gigafactory in Texas interviewte (s. Foto oben). Am Donnerstag wurde es von einem Tesla-Account auf X vollständig veröffentlicht.
Darin wiederholt Musk bekannte Visionen und kündigt für die deutsche Gigafactory eine Expansion einschließlich Batterie-Produktion in hohem Volumen an. Er hatte als „Rat“ aber auch eine kaum verhohlene Drohung an die Belegschaft: „Wenn es externe Organisationen gibt, die Tesla in die falsche Richtung drängen, wird es sicherlich schwieriger“, sagte er und schien damit die IG Metall zu meinen. In diesem Fall werde Tesla die deutsche Fabrik nicht schließen, aber auch eine Expansion sei nicht realistisch, warnte Musk.
00:00 – Welcome & what’s exciting about Tesla
00:24 – Full Self-Driving, AI & European rollout
01:20 – Optimus humanoid robot
02:15 – Cyber Cab, Semi & future products for Europe
03:59 – Tesla’s transformation of the auto industry
04:52 – State of European & German automotive…— Tesla Manufacturing (@gigafactories) February 26, 2026
Ansonsten aber könne der Standort damit rechnen, als Nächstes das Cybercab den Roboter Optimus und den Sattelschlepper Semi zu produzieren, der hoffentlich 2027 nach Europa komme, sagte der CEO. Zur Produktion des Model Y in der deutschen Fabrik, die laut Berichten in 2025 stark gesunken ist, erklärte Musk, sie werde erhöht, vor allem überwachtes FSD in Europa genehmigt werde. Dazu hatte er aber zunächst eine Verschiebung: Zuvor wollte Tesla die erste FSD-Zulassung in diesem Februar in den Niederlanden erhalten, jetzt nannte Musk dafür den 20. März.
Tesla-Robotaxis in Test schwach
In den USA können Tesla-Besitzer überwachtes FSD schon länger nutzen. Einige wenige Model Y in Teilen der Stadt Austin fahren seit kurzem sogar als Robotaxis ohne FSD-Aufpasser, also wohl autonom, wie Musk es seit Jahren auch für normale Kunden verspricht. Aufgrund der Verzögerung sind andere Autonomie-Anbieter wie vor allem die Google-Tochter Waymo an Tesla vorbeigezogen. Analysten kamen jetzt allerdings zu dem Schluss, dass bislang beide konventionellen Mitfahr-Diensten unterlegen sind.
Jefferies analysts took 34 autonomous ride hailing trips across the Austin autonomous vehicle operating zone on Feb 8-9. With autonomous ride hailing, the three drivers of market share will be the interplay of price, ETA, and efficacy (does the car drive itself), On price, TSLA… pic.twitter.com/HV6P8QQ67D
— Gary Black (@garyblack00) February 26, 2026
Auf den Robotaxi-Test der Investmentbank Jefferies wies am Donnerstag ein Fondsmanager auf X hin. Laut ihrem Bericht stellten die Analysten in Austin sowohl bei Waymo als auch bei Tesla längere Wartezeiten und Fahrzeiten fest als bei einer Beförderung mit einem menschlichen Uber-Fahrer. Bei Tesla waren beide Werte am schlechtesten, und einzig der niedrigere Preis fiel positiv auf. Zudem fanden von den 15 Fahrten in Model-Y-Robotaxis nur zwei ohne FSD-Aufsicht an Bord statt und bei 2 Fahrten musste sie eingreifen.
Autonomie nicht unbedingt billiger
Die Tesla-Technologie scheine noch nicht fertig entwickelt zu sein, schreibt Jefferies. Letztlich werde es für Kunden von Transport-Diensten auf die Kombination aus Wartezeit und Preis ankommen. Frühere Analysen der Bank sollen jedoch zeigen, dass rein autonome Flotten nicht unbedingt niedrigere Kosten versprechen. Aus diesem Grund sei die Minimierung der Wartezeiten der entscheidende Faktor, und ein hybrides Modell mit menschlich und automatisch gesteuerten Fahrzeugen werde möglicherweise die beste Erfahrung bieten.

