Gut ein halbes Jahr nach der Auffrischung Anfang 2025 ist das Angebot beim Model Y wieder komplett – zumindest in Europa, denn hier führte Tesla jetzt die zunächst fehlende Performance-Version wieder ein. Beim Verkauf in der Region musste sich die US-Marke im Juli allerdings zum ersten Mal dem chinesischen Konkurrenten BYD geschlagen geben. CEO Elon Musk erklärte die Tesla-Technologie für autonomes Fahren nur mit Kameras unterdessen ein weiteres Mal für überlegen. Und die Zoll-Einigung zwischen USA und EU könnte dafür sorgen, dass der Cybertruck doch noch regulär nach Europa kommt – und dass Model S und Model X bleiben.
Top-Version von Tesla Model Y
Irgendwann noch in diesem Jahr will Tesla „bezahlbarere“ Elektroautos anbieten, wie CEO Elon Musk im Juli sagte – aller Voraussicht zunächst abgespeckte Model Y. Erst einmal aber kam in Europa jetzt die teurere Performance-Version dieses Elektroautos wieder ins Program. Wie zuvor beim Model 3 hat Tesla Front und Heck des Model Y Performance sportlicher gestaltet. Zudem bekommen die vorderen Sitze mehr Seitenhalt, und die Oberschenkel-Auflage lässt sich wie beim verlängerten Tesla Model Y L mit sechs Sitzen zunächst nur für China elektrisch länger machen.
Ebenfalls wie bei der Langversion, die auch andere Märkte erreichen dürfte, verbaut Tesla beim Model Y Performance einen Akku mit etwa 5 Kilowattstunden mehr Kapazität als in den Long-Range-Varianten. Das ermöglicht eine WLTP-Reichweite, die mit 580 Kilometern nur 6 Kilometer unter der des Model Y mit normalem Allrad-Antrieb liegt. Die Leistung der neuen Performance-Version gibt Tesla mit 460 PS wie beim sportlichsten Model 3 an. Begrenzt ist sie allerdings durch die Batterie, nicht durch die Antriebe, weshalb der Wert beim Model Y mit etwas mehr Kapazität höher sein könnte.
https://twitter.com/eivissacopter/status/1961370437444862425
Den gleichen neuen Akku hat Tesla zudem bei weiteren Varianten von Model 3 und Model Y für Europa schon genehmigen lassen und jetzt erste Auslieferungen vorgenommen, bevor ab September das Model Y Performance folgen soll. Dessen deutscher Preis stieg im Vergleich zum Vorgänger um 2000 Euro auf 61.990 Euro. Die Beschleunigung auf 100 km/h verkürzte sich um zwei Zehntel auf 3,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit blieb bei 250 km/h. Im Innenraum werten Karbonfaser-Verkleidungen, Plaid-Embleme (s. Foto oben) und ein um 1 Zoll größerer Touchscreen (ebenfalls wie beim Model Y L) die Top-Version auf.
Tesla Europa im Juli hinter BYD
Auf die Gelegenheit, das Model Y Performance Mitte September bei der IAA in München zu präsentieren, verzichtet Tesla, wie aus Vorberichten zu der Messe hervorgeht; vor zwei Jahren war bei der IAA das frisch überarbeitete Tesla Model 3 zu sehen und zog großes Interesse auf sich. Der Elektroauto-Hersteller BYD aus China aber will erneut mit einem großen Auftritt dabei sein – und passend dazu wurde jetzt bekannt, dass er im Juli in Europa wohl erstmals mehr Elektroautos verkauft hat als der US-Pionier.
Die EU-Neuzulassungen von Tesla sanken nach Zahlen des Verbandes ACEA im Juli um 42,4 Prozent auf 6600 Stück. Die von BYD dagegen verdreifachten sich auf 9698 Elektroautos einschließlich Plugin-Hybriden, die in Europa aber nur einen kleinen Teil der Verkäufe der Marke ausmachen. Im bisherigen Jahresverlauf hat Tesla in der EU 77.446 seiner reinen Elektroautos verkauft und lag damit noch klar vor BYD. Jedoch bedeutet die Zahl einen Rückgang um 43,5 Prozent gegenüber Januar bis Juli, während der gesamte Elektroauto-Markt um knapp ein Viertel zulegte.
Musk mit neuer Autonomie-Prognose
Laut CEO Musk sind solche Verkaufszahlen im Vergleich zum enormen Tesla-Potenzial mit autonome Autos und Robotern unbedeutend – doch je schlechter sie werden, desto mehr hängt die immer noch hoch bewertete Aktie davon ab, dass seine Visionen dazu Realität werden. Zuletzt erklärte er, dass die für September angekündigte Version 14 der Tesla-Software FSD zwei- bis dreimal besser fahren werde als ein Mensch. Wie Musk dann einschränkte, gilt das aber nicht sofort nach der Veröffentlichung, sondern erst, wenn nach „einigen Monaten“ alle Fehler behoben sind, die sich in der Praxis zeigen.
An dem Prinzip, autonomes Fahren allein mit Kameras und künstlicher Intelligenz zu erreichen, hält der Tesla-Chef dennoch fest. Bis Anfang 2021 sollte dafür zusätzlich Radar verwendet werden, das dann aber zugunsten von „vision only“ abgeschafft wurde. Bislang hat dieser Ansatz nur dazu geführt, dass etwa ein Dutzend Model Y als „Robotaxis“ mit aufpassendem Beifahrer durch Austin fährt. Das Service-Gebiet dafür wurde jetzt erneut erweitert, und die Zahl der Fahrzeuge soll um 50 Prozent erhöht werden, doch der Konkurrent Waymo, der neben Radar auch Lidar-Sensoren nutzt, fährt in Austin und anderen US-Städten bereits wirklich autonom.
Mehr Sensoren laut Tesla-Chef unsicher
Trotzdem erklärte Musk den Tesla-Ansatz am Montag erneut für überlegen. Mehr als eine Art von Sensoren schaffe nur Unklarheit in Situationen, in denen sie unterschiedliche Ergebnisse liefern, schrieb er auf X. Dies bedeute weniger Sicherheit statt mehr und sei der Grund dafür, dass Waymo nicht auf Autobahnen fahren könne. Dafür erntete er einigen Widerspruch. Der Blog Electrek erinnerte daran, dass Musk selbst ihm vor vier Jahren geschrieben habe, dass Kameras zusammen mit hochauflösendem Radar eine bessere Lösung wären. Und ein Waymo-Sprecher zeigte ein Video, in dem eines seiner autonomen Fahrzeuge über den Freeway US-101 fährt.
Multiple sensors together is a fool’s errand. What do you do when the sensors disagree? Surely no one has solved that!
Anyway, here’s one of our freeway rides that don’t count in our 1M+ fully autonomous paid rides per month, because freeways are for employees only (for now). https://t.co/QevsgVnbIv
— Ethan Teicher (@ethanteicher) August 25, 2025
Ansonsten zeigte sich Musk in der zurückliegenden Woche wieder viel von seiner politischen Seite. Die zuvor angekündigte Gründung einer eigenen Amerika-Partei hat er nach Berichten zurückgestellt, doch auf X äußerte und unterstützte er intensiv Kritik an der Flüchtlingspolitik der britischen Regierung und in ganz Europa. Mit Blick auf Tesla erklärte er am Freitag, Teil 2 des Master-Plans dafür werde nächstes Jahr abgeschlossen sein. Der im März 2023 bei Teslas Anleger-Tag vorgestellte Teil 3 sei „zu komplex“ gewesen, Master-Plan 4 aber werde „prägnant“ sein, kündigte Musk ohne Zeitangabe dazu an.
Cybertruck für Europa möglich
Im weniger visionären Alltag brachte Tesla unterdessen seine überwachte FSD-Software erstmals auf einen anderen Kontinent als Nordamerika: Mit einem Update kam sie zu zahlenden Kunden in Australien, wo auf der linken Straßenseite statt rechts gefahren wird. In Südkorea begannen zudem die Verkäufe des Cybertruck, der zuvor ebenfalls nur auf dem Heimat-Kontinent angeboten wurde. Innerhalb der EU verhindern bislang Vorschriften zum Fußgänger-Schutz eine Typ-Genehmigung des kantigen Tesla-Pickups. Doch eine Zoll-Einigung mit den USA unter Präsident Trump könnte das ändern.
Denn wie InsideEVs berichtet, einigten sich die beiden Seiten Ende Juli nicht nur darauf, dass Autos aus den USA in Zukunft mit 0 Prozent Zoll in die EU kommen können und die umgekehrte Richtung mit 15 Prozent verzollt wird. Schon das ist eine Ersparnis für Tesla und seine europäischen Kunden, denn Model S und Model X wurden schon immer aus den USA importiert. Zudem eröffnet die Einigung, mit deren Umsetzung die EU jetzt begann, neue Chancen für den Cybertruck: USA und EU wollen gegenseitig ihre Auto-Zulassungsstandards anerkennen, was wohl bedeuten würde, dass der Tesla-Pickups ohne Weiteres auch auf europäische Straßen dürfte.