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Tesla-Woche 5/26: Aus für S & X, Solar-Pläne, echte Robotaxis, Semi-Netz, SpaceX-Fusion

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Bild: Tesla (Sattelschlepper Semi mit neu gestalteter Front)

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CEO Elon Musk betont schon länger, dass Tesla kein bloßer Elektroauto-Hersteller mehr ist, und passend dazu verkündete er jetzt die symbolträchtige Entscheidung, die Produktion der Flaggschiffe Model S und Model X einzustellen. Mehr investieren als je zuvor will er trotzdem, in autonome Produkte, aber auch Batterien, Photovoltaik und eigene Chips. Vereinzelte Robotaxis von Tesla scheinen jetzt tatsächlich unbeaufsichtigt zu fahren, und im alten Geschäft ist ein Ladenetz für den Sattelschlepper Semi geplant. All das könnte zudem bald in einem größeren Rahmen geschehen, denn möglicherweise will Musk Tesla, SpaceX und xAI zusammenlegen.

6 neue Tesla-Produktionslinien

Für die am Mittwoch veröffentlichten Geschäftszahlen von Tesla im vierten Quartal 2025 interessierte sich kaum noch jemand – sie fielen besser aus als erwartet, doch Umsatz und Gewinn waren wegen sinkender Elektroauto-Verkäufe niedriger als ein Jahr zuvor. Neue Modelle für menschliche Fahrer sind laut dem Q4-Bericht weiterhin nicht geplant, aber in 2026 will Tesla sechs neue Produktionslinien hochfahren: für den autonomen Zweisitzer Cybercab, den Sattelschlepper Semi, den Roboter Optimus, Megapack-Akkus, Kathoden-Material und LFP-Batterien.

Den Großteil davon hatte Tesla schon zuvor angekündigt, weshalb die Angaben als Bekräftigung früherer Pläne zu verstehen sind. Neu war dagegen die Information, dass Tesla eigene Batterien im 4680-Format jetzt für „bestimmte“ Model Y einsetzt, und zwar mit einem Verfahren für trocken beschichtete Elektroden, das zuvor noch Probleme machte. Das Material für die Kathoden dürfte aus der Lithium-Raffinerie am Standort der Gigafactory in Texas stammen, die laut Tesla Mitte Januar in Betrieb ging.

Musk mit nächster Tesla-Mission

Ebenfalls überraschend heißt es in dem Q4-Bericht, dass Tesla 2 Milliarden Dollar in xAI investiert, also das von Musk gegründete KI-Unternehmen, an dem sich auch seine Weltraum-Firma SpaceX beteiligt hat. Über einen Einstieg bei xAI wurde bei der jüngsten Tesla-Hauptversammlung abgestimmt, doch der von Vorschlag privater Aktionäre erreichte nicht die erforderliche Mehrheit. Im Bericht wird die Entscheidung als Teil der Strategie nach dem vierten „Master-Plan“ für Tesla dargestellt, der im September 2025 veröffentlicht und als wenig konkret kritisiert wurde.

Die von Musk angekündigte Nacharbeit blieb bislang aus, doch die Mission hat er seitdem ein weiteres Mal verändert: Aus „Wir beschleunigen den weltweiten Übergang zu nachhaltigem Überfluss“ wurde auf der US-Website „Wir erbauen eine Welt von wundervollem Überfluss“ (während auf der deutschen weiterhin „nachhaltig“ steht). Wachstum bei KI und Robotik werde höchstwahrscheinlich ein hohes Einkommen für jedermann ermöglichen, sagte der Tesla-Chef jetzt zu Beginn der Analysten-Konferenz nach den Q4-Zahlen am Mittwoch.

Model S & Model X laufen aus

Kein Teil dieser goldenen Zukunft werden jedoch die Tesla-Elektroautos Model S und Model X sein, denn nach seiner Mission-Erläuterung kündigte Musk die Einstellung von deren Produktion mit Ende des zweiten Quartals an. Dies stellte er in Zusammenhang mit Plänen für autonomes Fahren, sagte aber nicht, warum nicht auch die Volumen-Elektroautos Model 3 und Model Y ausgedient haben, deren Verkäufe in 2025 ebenfalls gesunken sind. Laut Musk wird der Platz für Model S und Model X in der Fabrik in Fremont für die erste Optimus-Produktionslinie genutzt.

Mit der Limousine Model S hatte Tesla im Jahr 2012 sein erstes komplett selbst entwickeltes Elektroauto auf den Markt gebracht, 2015 das Flügeltür-SUV Model X auf der gleichen Basis. Schon Ende 2019 sagte Musk, beide würden hauptsächlich aus „sentimentalen Gründen“ noch produziert, und nach einer letzten Mini-Auffrischung für Model S und Model X im Sommer 2025 hat es sich damit wohl endgültig erledigt. Auf eine X-Nachfrage hin sagte Tesla immerhin zu, sie noch so lange weiter mit Service und Software zu unterstützen, wie sie gefahren werden.

FSD in Model Y „100% unüberwacht“

Mit Blick auf das Zukunftsprojekt autonomer Robotaxis erklärte Musk in der Q4-Konferenz, das FSD-System dafür werde jetzt „zu 100 Prozent unüberwacht“ eingesetzt. Das überraschte, denn vor kurzem berichteten zwar zwei Tesla nahestehende Kunden, in Austin in Model Y ohne Aufpasser an Bord gefahren zu sein, doch sie blieben die einzigen, und mit wenig Abstand folgte ihnen ein weiteres Model Y. Am Donnerstag aber kam eine Bestätigung: Ein Kunde, der zuvor dutzende Male erfolglos versucht hatte, ein echtes Tesla-Robotaxi zu erwischen, meldete zwei Fahrten in unbemannten Model Y, und ein Verfolger-Fahrzeug war nicht zu sehen.

Zum Start der beaufsichtigten Model-Y-Robotaxi in Austin Mitte 2025 hatte Musk angekündigt, damit bis Ende des Jahres 50 Prozent der US-Bevölkerung erreichen zu wollen. Daraus wurden jetzt „zwischen einem Viertel und der Hälfte der USA“ bis Ende 2026, abhängig von behördlicher Zulassung. Konkreter führte Tesla im Q4-Bericht sieben große US-Städte auf, in denen noch im ersten Halbjahr Robotaxis in Betrieb sein sollen. In der kalifornischen Bay Area kann man ebenfalls bereits Model Y zur Beförderung bestellen, doch hier sitzt die FSD-Aufsicht sogar am Steuer.

1,2-MW-Ladenetz für Tesla Semi

Eine der sechs neuen Produktionslinien, die nach den aktuellen Angaben in diesem Jahr in Betrieb gehen sollen, ist für den Semi gedacht, der eigentlich schon längst in Serie sein sollte. Ende 2022 lieferte Tesla erste Exemplare seines Sattelschleppers aus, doch zunächst blieb es bei PepsiCo und dann einigen weiteren Pilot-Kunden. Die Serienproduktion wurde auf 2026 verschoben, mit bereits überarbeiteter Front. Im Q4-Bericht wird für den Beginn des Hochlaufs das erste Halbjahr genannt. Und im Vorfeld kündigte ein Tesla-Partner den Aufbau eines US-Ladenetzes für den Semi an.

Ab diesem Sommer sollen Semi-Ladestellen entlang wichtiger Strecken eröffnet werden, teilte am Dienstag Travel Centers mit, nach eigenen Angaben der größte Rasthof-Betreiber in den USA. Jede davon werde vier bis acht Säulen umfassen, die auf der V4-Technologie von Tesla mit bis zu 1,2 Megawatt Leistung beruhen. Zunächst sind sie nur für den Semi vorgesehen, sollen später aber auch andere elektrische Lastwagen versorgen. Das erinnert an Teslas Strategie bei seinen Superchargern für Pkw, die in den ersten Jahren ebenfalls der eigenen Marke vorbehalten waren.

Musk will 100 GW Solar-Produktion

Fast schon aufgegeben zu haben schien Tesla das Geschäft mit Photovoltaik-Installationen, das mit dem integrierten Produkt Solar Roof einst ungefähr so rasant wachsen sollte wie der Elektroauto-Verkauf. Auch im jüngsten Quartalsbericht ist nicht angegeben, wie viel an neuer Solarleistung installiert wurde, und auch sonst ist von diesem Bereich darin nicht die Rede. Einen Tag später kündigte Tesla jedoch die Verfügbarkeit einer neuen Version eigener Photovoltaik-Module an. Sie sollen besser mit Verschattung zurechtkommen und schneller zu installieren sein als bisherige.

Das Lebenszeichen scheint in Zusammenhang mit weiter reichenden Plänen zu stehen, von denen CEO Musk in der Q4-Konferenz und später auf X berichtete. Tesla arbeite daran, auf jährlich 100 Gigawatt an Photovoltaik-Modulen zu kommen, sagte er am Mittwoch – eine gigantische Steigerung gegenüber den gut 0,2 Gigawatt, die Tesla für 2023 gemeldet hatte, bevor Angaben dazu aus den Berichten wegfielen. Zudem will Musk hier, ähnlich wie bei Batterien, die gesamte Lieferkette ab den Rohmaterialien selbst realisieren.

Tesla will 20 Mrd. $ investieren

Die dafür nötigen Ausgaben sind noch nicht in der Tesla-Planung enthalten, in diesem Jahr mindestens 20 Milliarden Dollar zu investieren, wie der Finanzvorstand Vaibhav Taneja jetzt sagte. Dabei ist der Wert bereits mehr als doppelt so hoch wie 2025, als die Tesla-Investitionen um 24 Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar gesunken waren. Ebenfalls erst später sollen die Ausgaben für eigene Chip-Fabriken von Tesla hinzukommen, von denen CEO Musk seit kurzem spricht. Wie einst bei Batterien will er bei KI-Chips der mit Abstand größte Hersteller werden.

Photovoltaik- und Chip-Produktion seien als „Infrastruktur-Plays“ mit längerem Vorlauf zu verstehen, sagte CFO Taneja dazu. Zur Finanzierung könne zum einen der Cash-Bestand von Tesla von zuletzt gut 44 Milliarden Dollar dienen, außerdem bestehe die Möglichkeit, Geld von Banken zu bekommen, sobald die Robotaxi-Flotte einen stetigen Einnahmen-Strom liefere. Darüber hinaus kämen neue Schulden oder „andere Wege“ in Frage.

Der letzte Punkt hörte sich nach einer Kapital-Erhöhung mit reichlich neuen Aktien an, was der Grund dafür sein könnte, dass Tesla am Tag nach der Q4-Konferenz an der Börse verlor. Am Freitag erholte sich die Aktie jedoch wieder. Dies dürfte daran gelegen haben, dass am Donnerstag nach Börsenschluss über eine mögliche Konsolidierung des bislang verzweigten Imperiums von CEO Musk berichtet wurde.

Tesla-Fusion mit SpaceX im Raum

Wie er im Dezember erstmals bestätigte, soll viele Jahre nach Tesla auch seine Weltraum-Firma SpaceX an die Börse gehen. Nach Berichten könnte sie dabei mit 1,5 Billionen Dollar eine ähnliche Bewertung erreichen wie der (bisherige) Elektroauto-Hersteller und mit 50 Milliarden Dollar mehr Kapital aufnehmen als jeder andere Börsen-Debütant zuvor. Außerdem hieß es, vorher oder im Zuge des Börsengangs wolle SpaceX Musks KI-Firma xAI übernehmen, die zuvor ihrerseits sein Sozialmedium X geschluckt hatte. Und Bloomberg berichtete jetzt sogar, dass eine Fusion von Tesla und SpaceX im Raum steht.

So würde ein noch viel größeres Gebilde mit mehr Möglichkeiten zur Kapital-Aufnahme und zur vertikalen Integration entstehen. Zudem würde es unter engerer Kontrolle von Musk stehen, denn sein Anteil an SpaceX und xAI ist höher als der an Tesla. Aktionären, die an seine wechselnden Visionen glauben, dürfte das gefallen.

Tatsächlich spricht Musk neuerdings von KI-Rechenzentren im All und deren möglicher Produktion auf dem Mond. Laut PCMag hat SpaceX vor kurzem den Start von 1 Million Satelliten beantragt. Und am Donnerstag schrieb Musk von einer „möglichen Zukunft, in der Optimus und Weltraum-KI die aktuelle Produktion von Gütern und Dienstleistungen auf der Erde bei weiten übertreffen“.

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