Tesla ist als reiner Hersteller von Elektroautos längst nicht mehr allein – nicht einmal an der Börse. Im Windschatten des Pioniers, bei dem die Kurse im vergangenen Jahr unaufhaltsam stiegen, haben eine ganze Reihe von Startups vor allem aus China wie Nio, Xpeng oder Li Auto ebenfalls ihre Aktien in den öffentlichen Handel gebracht. Mit Lucid Motors gab jetzt auch ein weiteres Elektroauto-Startup aus den USA diesen lange erwarteten Schritt bekannt. Das Unternehmen ist insofern besonders interessant, als es vom früheren Chefentwickler des Model S geleitet wird. Sein Luxus-Elektroauto Air soll Tesla bei wichtigen technischen Daten übertreffen – erst einmal gab Lucid aber jetzt eine Verschiebung bekannt.
Tesla-Chef sah Lucid-Preis als Provokation
Auch Lucid wählt für seinen Börsengang den aktuell häufig genutzten Weg über eine Fusion mit einem auf Vorrat gegründeten und bereits notierten Unternehmen, eines so genannten SPAC (für Special Purpose Akquisition Company). Der Partner in diesem Fall ist Churchill Capital IV (kurz CCIV), eine Gesellschaft des Investmentbankers Michael Klein. Laut einem Bericht von Reuters laufen die Konditionen bei dem Übernahme-Geschäft auf eine Lucid-Bewertung von rund 24 Milliarden Dollar hinaus und verschaffen dem Unternehmen frisches Kapital in Höhe von 4,4 Milliarden Dollar.
Sein CEO und Technikchef Peter Rawlinson spielte eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung des Tesla Model S, wechselte aber später zu Lucid, wo er nach eigener Aussage ein Elektroauto ohne jede Orientierung an der Verbrenner-Vergangenheit entwickeln wollte. Er selbst bezeichnet die luxuriöse Limousine Air mit riesiger Reichweite von mehr als 800 Kilometern und hoher Ladegeschwindigkeit von bis zu 300 Kilowatt weniger als Konkurrenz für Tesla als für konventionelle Luxusautos wie die S-Klasse von Mercedes. Tesla-CEO Elon Musk scheint das aber anders zu sehen. Denn als Lucid den Preis für das Basis-Modell des Air bekannt gab, bezeichnete Musk das als Provokation und senkte den Preis für das Model S leicht darunter.
Start von Luxus-Elektroauto Air später
Über die Börsen-Transaktion von Lucid mit CCIV war schon lange im Vorfeld spekuliert worden, was zu einem steilen Kursanstieg bei der Vorratsgesellschaft führt. Mit der Bestätigung am Montagabend brach der Kurs allerdings zunächst einmal um 27 Prozent ein, berichtet Yahoo Finance.
Dies könnte mit einer Information zusammenhängen, die in der langen Investoren-Präsentation von Lucid zu dem Geschäft zu finden ist: Das Unternehmen baut eine eigene Elektroauto-Fabrik in den USA, aus der es gelegentlich schon Bilder der Vorproduktion zeigte. Bislang hieß es dazu stets, die Serienproduktion werde in diesem Frühjahr beginnen. Doch in der Präsentation ist jetzt ohne Erläuterung oder nähere Eingrenzung davon die Rede, Lucid liege „im Plan“, um im zweiten Halbjahr 2021 mit der erwarteten Produktion und Auslieferung des Air zu beginnen.