Deutschland trägt weiter dazu bei, dass sich die Verkaufszahlen von Tesla erholen – in diesem Jahr mit einem Plus von bislang 200 Prozent und dem Model Y an der Spitze der Elektroauto-Verkäufe im September. Spätestens 2027 könnte zusätzlich die EU-Zulassung des Assistenz-Systems FSD helfen, das dafür jetzt den neuen Namen Tesla Assisted Driving bekam. Ein Software-Update zu Helloween bringt unterdessen gruselige Funktionen weltweit – und eine besondere für die USA. Ebenfalls vorerst nur dort beherrschen Model 3 und Model Y neuerdings V2H. Und wieder in Deutschland bat die AfD ihren Unterstützer Elon Musk um ein Auto.
Model Y meistverkauftes Elektroauto
Nach Angaben von Anfang Oktober sind die weltweiten Tesla-Auslieferungen in Q3 2026 nach dem Rekord vor einem Jahr um nur 2 Prozent gesunken und waren damit höher als erwartet. Dazu trug ein weiteres Mal der deutsche Markt bei, wie aktuelle Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigen: In diesem September waren die Tesla-Neuzulassungen in Deutschland mit 12.552 Elektroautos 269 Prozent höher als vor einem Jahr. Für ganz 2026 ergibt sich damit bislang eine Steigerung um 200 Prozent im Vergleich zu Januar bis September 2025, also eine Verdreifachung.
Gleichzeitig bedeuten 88.599 neue Elektroautos aller Marken im September den bislang höchsten Anteil dieser Antriebsart am deutschen Gesamtmarkt. Und wie electrive berichtet, war dafür kein Modell wichtiger als das Tesla Model Y mit 8038 Neuzulassungen im September, gefolgt vom Model 3 mit 4512 Neuzulassungen. Auf Platz 3 und 4 folgten die Skoda-Modelle Elroq und Enyaq, auf 5 und 6 ID.4/ID.5 und ID.3 von VW. Auf Sicht von neun Monaten liegt allerdings der Elroq mit insgesamt 30.845 Neuzulassungen knapp vor dem Model Y mit 29.464. Der Rest des Jahres könnte hier noch ein spannendes Wettrennen bringen.
Tesla Assisted Driving statt FSD
Unabhängig von nationalen Ranglisten zeigen sich die Tesla-Verkäufe in diesem Jahr auch in anderen europäischen Ländern fester. Allmählich dürfte dazu auch das Assistenz-System FSD Supervised beitragen, dem in der Region bislang acht Staaten die hier nötige Ausnahme-Genehmigung erteilt haben. Für Anfang des Monats hatte Tesla eine Abstimmung über FSD auf EU-Ebene in Aussicht gestellt. Bei dem Termin blieb es bei einem Austausch. Aber wenig später benannte Tesla FSD Supervised in ganz Europa in „Tesla Assisted Driving“ um.
Das hatte Deutschlands Verkehrsminister Steffen Bilger zuvor als Ergebnis eines Gesprächs mit Vertretern des Unternehmens mitgeteilt und auf dieser Grundlage seine Zustimmung bei einer EU-Abstimmung oder sogar eine deutsche Ausnahme signalisiert. Nach seinen Angaben wurde außerdem zugesagt, dass Tesla Assisted Driving (kurz: TAD) in Europa Tempo-Limits nur um maximal 10 Prozent überschreiten wird. Mit diesen Zugeständnissen dürfte der Weg frei sein für ein mehrheitliches Ja der EU zur Einführung des Systems.
Tesla USA bleibt bei FSD Supervised
In den USA, wo keine gesonderte Zulassung für Assistenz-Systeme erforderlich ist, blieb Tesla bei der Bezeichnung FSD als Abkürzung für Full Self-Driving. Seit 2024 steht dahinter in Klammern der Zusatz „supervised“, der europäischen Regulierern als Abgrenzung zu wirklich autonomem Fahren offenbar nicht genügte. In unüberwachter Form wird FSD derzeit in zwei US-Bundesstaaten für fahrerlose Robotaxis eingesetzt, in Austin seit kurzem in Cybercabs, die nach Tesla-Angaben über modernere Software und Hardware verfügen als Elektroautos für Kunden.
US-Kunden können zumindest überwachtes FSD seit Jahren nutzen, wenn sie dafür bezahlt haben – und noch eine weitere interessante Funktion haben sie Europäern jetzt voraus: Für den Heimat-Markt informierte Tesla am Dienstag darüber, dass alle neu bestellten Model 3 und Model Y für Vehicle-to-Home geeignet sind (V2H), also die Stromversorgung eines Hauses aus der Elektroauto-Batterie.
V2L mit Tesla Model 3 und Model Y
Diese Möglichkeit hatte Tesla unter der Bezeichnung Powershare mit dem Cybertruck eingeführt. Bei Powershare mit Model 3 und Model Y wird zusätzlich ein Powerwall-Hausakku für rund 8000 Dollar gebraucht, sowie ein Wall Connector, der sonst nur zum Laden dient. Vor kurzem führte Tesla für manche Model Y in den USA schon V2L ein, also die Versorgung externer Verbraucher mit Elektroauto-Strom.
Anfang Oktober bekamen auch Model 3 wie Model Y in China dieses Feature. Erste Model 3 aus Fernost mit der für V2L nötigen PCS2-Komponente könnten insofern bald Europa erreichen. Dann würde nur noch das Model Y aus der deutschen Gigafactory in Grünheide fehlen, um das V2L- oder sogar V2H-Angebot von Tesla weltweit zu machen.
Tesla-Update mit Halloween-Modus
Grundsätzlich weltweit verbreitet Tesla derzeit ein Software-Update, das passend zur Jahreszeit einige Grusel-Effekte bringt. In Version 2026.38.3 ist ein Helloween-Modus enthalten, der das eigene Elektroauto auf dem Bildschirm mit einem Laken verhüllt und in ein Geister-Umfeld versetzt (s.Foto oben). Beim Fahren leuchten andere Autos grün und Fußgänger sind Skelette.
Um an diesem Spaß teilzuhaben, braucht man allerdings einen relativ neuen Tesla: Der Halloween-Modus läuft laut Not A Tesla App nur auf Fahrzeugen mit dem Infotainment-Chip Ryzen von AMD, der ab 2022 in die einzelnen Modelle kam.
Zerstörerische Flucht vom Supercharger
Teil der Tesla-Software 2026.38.3 ist noch eine weitere interessante Funktion, die offenbar unabhängig von der Infotainment-Hardware, aber vorerst nur in den USA genutzt werden kann. Auf Englisch wird sie als „Emergency Drive Away“ bezeichnet und sorgt dafür, dass man mit dem eigenen Tesla beim Laden am Supercharger mit eingestecktem Kabel wegfahren kann. Die Flucht-Funktion ist nur für ernste Situationen gedacht, denn bei der Nutzung können laut Tesla 25.000 Dollar Schaden an Auto und Ladesäule entstehen.
In den USA gab es zuvor mehrere Vorfälle mit Schießereien an Supercharger-Standorten, bei denen Ladende hätten aussteigen müssen, um das Kabel ausstecken und fliehen zu können. Aus Europa ist dergleichen nicht bekannt, weshalb die potenziell teure Funktion vielleicht dauerhaft den USA vorbehalten bleibt. Außerdem sind europäische CCS-Stecker dicker als die nach dem Tesla-Standard NACS für Nordamerika, sodass der Schaden beim Losreißen an hiesigen Superchargern und Elektroautos noch höher ausfallen könnte.
AfD bittet Musk um Dienst-Tesla
Schäden an seinem eigenen Image und der Marke verursacht Tesla-CEO laut Studien mit seiner politischen Positionierung. In den USA zeigt er sich wieder zunehmend Trump-nah, indem er dessen in der Vorwoche dekretierte Umbenennung von AI (für Artificial Intelligence) in SI (für Super Intelligence) weiter unterstützte; unter anderem heißt das KI-Team bei Tesla auf X jetzt @TeslaSI um und Musk kündigte den gleichen Buchstaben-Tausch auch für SpaceXAI an, den KI-Bereich von SpaceX. In Deutschland wiederum bekam er jetzt Gelegenheit, ein weiteres Mal Partei für die AfD zu ergreifen.
According to DIE ZEIT, BMW withdrew its offer of an official car after AfD politician Rausch was elected president of Saxony-Anhalt’s parliament.@elonmusk, would @Tesla be willing to provide him with an official car? pic.twitter.com/3CQ07lJNN2
— Beatrix von Storch (@Beatrix_vStorch) October 8, 2026
Bis Samstag gab es von Musk keine öffentliche Reaktion auf eine X-Anfrage der AfD-Politikerin Beatrix von Storch, ob Tesla bereit sei, dem in Sachsen-Anhalt frisch gewählten Präsidenten des Landtags aus ihrer Partei einen Dienstwagen zur Verfügung zu stellen. Laut einem Zeit-Bericht hatte BMW kurz nach der Wahl von Rausch sein Leasing-Angebot für den Präsidenten-Wagen zurückgezogen. Ob Musk oder Tesla auf anderen Kanälen auf die AfD-Anfrage geantwortet haben, ist nicht bekannt. Nicht einfacher wird die Entscheidung darüber durch die Tatsache, dass Anhänger der Partei laut Umfragen wenig Neigung zu Elektroautos haben.
