Da waren es nur noch zwei: In Frühjahr produzierte Tesla die letzten Model S und Model X, und das gleiche Schicksal kündigte CEO Elon Musk jetzt für seinen einstigen Favoriten Cybertruck an, sodass sich die Auswahl für Kunden bald auf Model 3 und Model Y beschränken wird (s. Foto). Kurz vorher brachte das Ergebnis der US-Zwischenwahlen hohe Verluste bei Aktien von Tesla sowie SpaceX. In Berlin eröffnete Musks Elektroauto-Unternehmen unterdessen ein Zentrum für Forschung und Entwicklung in Europa. Und der Konkurrent BYD zeigte, wie weit er dabei schon gekommen ist.
Tesla Cybertruck spät und teurer
Nach der heiß erwarteten Präsentation des Cybertruck im November 2019 sammelte Tesla nach inoffiziellen Angaben mehr als 2 Millionen Vorbestellungen für den elektrischen Pickup. Das keilförmige Design mit Edelstahl-Karosserie kam trotz vieler Andeutungen von Musk unerwartet, aber Daten und Preis klangen attraktiv. Der Tesla Cybertruck sollte mit 400 Kilometern Reichweite und 3400 Kilogramm Zuglast ab 39.000 Dollar zu haben sein und ab 2021 produziert werden. Für das Top-Modell kündigte Tesla 800 Kilometer Reichweite und drei Motoren für 69.000 Dollar an.
Bis die ersten Exemplare ausgeliefert wurden, dauerte es dann bis Ende 2023. Bei einer Show in der Gigafactory in Texas übergab Tesla einige Cybertrucks an Kunden und aktualisierte die Angaben dazu auf seiner Website. Dort konnte man sehen, dass der Basis-Preis für den Pickup auf 60.990 Dollar gestiegen war und der für das Top-Modell Cyberbeast auf 99.990 Dollar. Statt bis zu 800 km Reichweite nannte Tesla 550 km. Ein optionaler Zusatz-Akku für die Ladefläche sollte mehr ermöglichen, wurde aber bald wieder gestrichen und nie bei Kunden installiert.
Aus für Model S & X und Cybertruck
Kurz gesagt, wurde der Cybertruck also deutlich teurer und weniger leistungsfähig, als Tesla bei der Vorstellung ankündigte. Zudem kam er zwei Jahre zu spät und war zunächst nur in Nordamerika zu bestellen; eine Zulassung in Europa machten unter anderem die scharfen Karosserie-Kanten unmöglich. Im Ergebnis blieben die Verkäufe weit unter den zuvor geschürten Erwartungen. Zusammen mit Model S und Model X lieferte Tesla in 2025 nur 50.850 Cybertrucks als „andere Modelle“ neben Model 3 und Model Y aus, weniger als ein Viertel der dafür installierten Kapazität.
Bei Model S und Model X zog Tesla in diesem Frühjahr die Reißleine, und jetzt ist auch der Cybertruck dran. Mitte 2027 werde die Produktion in der Gigafactory Texas heruntergefahren, um Platz für mehr Cybercabs zu schaffen, kündigte CEO Musk am Freitag an. Ein neuer Standort für den Tesla-Pickup ist nicht vorgesehen. Wenn die Produktion tatsächlich in 8-9 Monaten endet, wie Musk ergänzte, wäre der Cybertruck weniger als vier Jahre konkret auf dem Markt gewesen – nachdem Kunden lange auf die Präsentation und dann vier Jahre auf erste Auslieferungen gewartet hatten.
We are still building Cybertruck for another 8 or 9 months btw, but then Tesla needs to focus on scaling Cybercab.
There will never be another vehicle like it.
— Elon Musk (@elonmusk) November 7, 2026
Warum der Tesla-Chef das Aus für den Cybertruck so lange im Vorfeld verkündete, ist nicht klar. Die Begründung, dass mehr Fabrik-Platz für Cybercabs gebraucht werde, klingt insofern merkwürdig, als erst in der Vorwoche bekannt wurde, dass Tesla das Robotaxi bereits schneller produzieren als einsetzen kann.
Tesla und SpaceX stecken US-Wahl weg
Möglicherweise wollte Musk einen Tag nutzen, der für ihn ohnehin voller Negativ-Schlagzeilen war: Am Mittwoch wurde klar, dass die von ihm unterstützten Republikaner bei den US-Zwischenwahlen stark eingebüßt haben; am Donnerstag verloren Aktien von Tesla wie SpaceX zweistellig. Nachdem Musk zuvor Donald Trump mit dreistelligen Millionen-Spenden zum Wahlsieg als US-Präsident verholfen hatte, konnten Tesla und SpaceX mit seiner Unterstützung rechnen, die nach der klaren Wahlniederlage jetzt in Frage steht.
Guess my election-interfering space lasers didn’t work this time 🤷♂️
— Elon Musk (@elonmusk) November 4, 2026
„Schätze, meine Weltraum-Laser zur Wahlbeeinflussung haben dieses Mal nicht funktionierte“, nahm Musk das Wahlergebnis mit Humor. Damit spielte er auf eine Dokumentation an, laut der er gegenüber einer Geliebten andeutete, mit dieser Technik für die Wahl von Trump gesorgt zu haben. Am Freitag schien der Wahl-Schock an der Börse aber erst einmal vorbei. Die Aktie von Tesla stieg nach einem Verlust von mehr als 10 Prozent am Vortag um 4 Prozent, die von SpaceX um 8 Prozent, ähnlich wie der Rest des KI-Sektors, in dem Musk beide Unternehmen positioniert.
Tesla-Zentrum für F&E in Berlin
Wie der frühe Abschied vom Cybertruck zeigt, ist er dafür bereit, sich auch von alten Hoffnungsträgern zu trennen. Den Großteil des Tesla-Umsatzes liefern allerdings weiterhin Elektroautos, die bei Kunden noch nicht autonom fahren können, also das Kerngeschäft seit der Gründung – das vom Ergebnis der US-Wahl paradoxerweise profitieren könnte, wie CleanTechnica anmerkt. In Europa wiederum ist das politische Umfeld für Elektroautos ohnehin schon vorteilhafter. Und in Berlin hat Tesla jetzt sein erstes F&E-Zentrum in der Region eröffnet.
Damit wird umgesetzt, was Musk schon bei der Bekanntgabe der Entscheidung für Deutschland als Standort seiner europäischen Gigafactory Ende 2019 in Aussicht stellte. Laut Berichten zur Eröffnung nutzt das Berlin Tesla Engineering Center (BTEC) ein umgebautes Industrie-Areal im Stadtteil Köpenick und investiert dort insgesamt 100 Millionen Euro. Derzeit 250 und später 500 BTEC-Beschäftigte sollen unter anderem an Motoren, Materialien und Batterien forschen und Erkenntnisse an die Produktion in der Tesla-Fabrik im nahen Grünheide weitergeben.
BYD-Elektroauto mit Tempo-Rekord
Intensiv geforscht wird auch bei BYD – vielleicht mehr als bei Tesla, denn das chinesische Unternehmen hat das amerikanische beim reinen Elektroauto-Absatz inzwischen überholt, ermöglicht viel schnelleres Laden und deckt Luxus- wie Kleinwagen-Segment ab. Am oberen Ende steht bei BYD die Marke Yangwang. Mit dem viermotorigen U9 brachte sie schon 2023 einen Elektro-Renner heraus, dessen Fahrleistungen mit dem damals angekündigten neuen Tesla Roadster mithalten. Und in der Xtreme-Version fuhr der U9 jetzt einen neuen Tempo-Rekord.
Auf 503,17 Kilometer pro Stunde beschleunigte der Yangwang U9 Xtreme auf einer abgesperrten Straße in Abu Dhabi, zeigt ein von BYD veröffentlichtes Onboard-Video. Damit hat das chinesische Elektroauto als erstes Serien-Fahrzeug die Marke von 500 km/h überschritten und war so schnell wie keines zuvor. Der neueste Tesla Roadster soll sogar das übertreffen, wie es nach seiner Neuvorstellung in diesem Oktober neun Jahre nach der ersten hieß. Die Produktion soll laut Musk 2028 beginnen – während erste Käufer des auf 30 Exemplare limitierten China-Renners ihre U9X schon konfigurieren.
