Je nach Betrachtungsweise geht Tesla beim Bedien-Konzept vor allem für seine neueren Elektroautos Model 3, Model Y und später Cybertruck konsequenter vor oder auch radikaler als andere Hersteller. Fast kein Knopf ver(un)ziert mehr die glatte Fläche, die bei anderen Autos Armaturenbrett heißt, fast alle Funktionen werden über den Touchscreen gesteuert, der in Tesla Model 3 und Model Y satte 15 Zoll Diagonale misst. Auch andere Hersteller von der Kompakt- bis zur Hypercar-Klasse setzen seit Tesla zunehmend solche Bildschirme ein. Und Mercedes will jetzt offenbar zeigen, wer zumindest in dieser Hinsicht immer noch oder jedenfalls bald am meisten kann.
Zentral wie in Tesla Model S
Denn an diesem Mittwoch stellte der deutsche Traditionshersteller sein neues System My MBUX vor, die Weiterentwicklung der mit der neuen A-Klasse im Jahr 2018 eingeführten „Mercedes-Benz User Experience“ mit immerhin schon zwei Sieben-Zoll-Bildschirmen. Der Nachfolger soll jetzt als erstes in diesem Herbst die neue S-Klasse erreichen (und dann sicher auch deren internen Elektroauto-Konkurrenten EQS) und bietet darin nicht weniger als fünf Bildschirme unterschiedlicher Größe, vier davon zum Anfassen und dazu ein dreidimensional erscheinender hinter dem Lenkrad.
Auf den von Mercedes veröffentlichten Bildern fällt zunächst der schräg in der Mittelkonsole untergebrachte Zentral-Touchscreen auf, genannt Media Display. Es wirkt etwas kleiner als in Tesla Model S und Model X, ist aber ähnlich integriert, ragt also nicht wie beim Model 3 über das Armaturenbrett hinaus. Viel wichtiger sind laut der Pressemitteilung aber die bis zu drei Touchscreens für die hintere Reihe, denn dort würden speziell in China und den USA oft „die Chefs“ sitzen.
Die bekommen optional je einen Touchscreen an den Sitz vor ihnen montiert und einen weiteren herausnehmbar in der Mitte zwischen ihnen. Darauf können sie Medien-Inhalte nutzen und ebenso wie Navigationsziele miteinander und mit der vorderen Reihe austauschen. Und auch bei den Innen-Kameras will Mercedes Tesla mit My MBUX zumindest bei der Zahl überholen. Statt wie in Model 3 und Model Y eine gibt es vier davon. Sie beobachten, ob der Fahrer bei der Sache ist oder ob beim Öffnen von Türen etwas im toten Winkel ist und ob Kindersitze mit dem Gurt festgeschnallt sind.
Bald auch in Luxus-Elektroauto EQS
Die Zahl der mechanischen Schalter wurde im Tausch gegen die neue Touch-Technik um 27 reduziert, teilte Mercedes weiter mit. Ebenfalls wie bei Tesla und zusätzlich zu den vielen Bildschirmen ist außerdem auch Sprach-Bedienung möglich, neuerdings sogar inklusive Lexikon-Funktion. Und für manche Tesla-Freunde vielleicht schmerzhaft: Wie schon die Kompakt-Konkurrenz VW ID.3 bekommt die S-Klasse wie in der Luxus-Klasse fast selbstverständlich auf Wunsch ein Head-up Display, zudem mit Augmented Reality.
Die Hülle um all die neue Info-Technik zeigte Mercedes zunächst nicht, sondern nur das Bedien-Konzept in einem Demo-Ei. Den ersten Einsatz soll es in der neuen S-Klasse haben, die im September offiziell vorgestellt wird. Bald darauf dürfte auch das Luxus-Elektroauto Mercedes EQS damit kommen, das dann auch beim Antrieb zumindest grundsätzlich funktioniert wie ein Tesla.